Baden im Zeckesch


Es war im Hochsommer, in der Zweiten Hälfte der Fünfziger Jahre, als eines Tages, wie schon oft, Baden angesagt war. Dass war wie meistens, eine Aktion an der fast die ganze Altgasse teilnahm. Aber dazu bedarf es einiger Vorbereitungen. Um die Zeit gab es noch keine Schwimmhilfen für Kinder. Meine Oma fertigte mir eine so genannte Schwimmblase an. Das war ein auf der Nähmaschine gefertigter Sack aus Inlett. Dieses nahm meine Oma übrigens aus einem alten Kopfkissen. Im fertigen Zustand sah diese Blase wie eine dicke Wurst aus, die c.a.40-50 cm lang, und c.a.15-20cm dick war. An einem Ende an der Naht wurde eine lehre Zwirnspule mit einem Holzstöpsel, zum aufblasen angebracht.

Mit dieser Ausrüstung und einer reichlichen Brotzeit im Gepäck warteten wir auf der Gasse bis alle Badewilligen sich versammelt hatten. Dies geschah ziemlich schnell da wir eine gute Nachbarschaft pflegten und alle bescheit wussten wenn so etwas sich anbahnte.

Dann ging es endlich los, nicht bevor uns Kindern noch mal die Verhaltensregeln eingebläut wurden. Die meisten der Kinder und Erwachsenen waren leicht bekleidet. An den Füßen Sandahlen oder barfüßig. Unser Weg führte uns aus der Stadt in Nördlicher Richtung. Nach dem die letzten Häuser der Stadt passiert waren, lag zur Rechten die Schottergrube. Von hier hatte man Kies entnommen für den Bau des Bahngleißbettes.  Das war ein ziemlich großer Teich mit Schilfwuchs und mit Büschen bewachsenen Ufern, ein Biotop und Lebensraum für eine beachtliche Pflanzen- und Tierwelt. c.a .nach 400m musste man über besagtes Gleiß, dass um die Zeit noch mit Schranken versehen war. Mit der Vorfreude auf den Badetag im Herzen, marschierte Jung und Alt über die verstaubten Feldwege dem Ziel entgegen. Nach dem wir die Gleise zurück gelassen hatten, führte unser Weg über einen Trampelpfad zur Rechten des Hauptweges, Querfeldein durch Mais- und Weizen- oder Haferfelder.

Gebannt von der Stille und den Gerüchen die in der noch feuchten Vormittagsluft wahrzunehmen wahren schwiegen die meisten so vor sich hin. Hier und da schwirrte ein Rebhuhn oder eine Wachtel Links und Rechts des Trampelpfades in die Lüfte. Die ganze Gesellschaft genoss offensichtlich diese Zweckgebundenen Wanderungen nur ab und zu hörte man ein Paar leise Sätze wenn jemand seinen Nachbarn auf etwas besonders aufmerksam machte.

Nach etwa 3Km durch Maisfelder gelangten wir zu dem so genannten Römerweg der, der Überlieferung nach von den Römischen Legionen, bei Ihren Eroberungszügen durch Siebenbürgen angelegt wurde. Demselbigen folgten wir einige Hundert Meter um dann in Richtung Zeckesch (Secas), an weiteren Feldparzellen vorbei zu marschieren. Die Grenzen der Parzellen wurden immer durch eine Reihe Hanf markiert, auf den ich später zu sprechen komme.

Zeckesch

Momentaufnahme - 27

Endlich kam die Ufervegetation des Zeckesch (Secas) in Sicht, die aus Weiden, und Büschen sowie aus Schilfrohr bestand. Als wir nach einem weiteren Kilometer das Ufer erreichten, wo die Wasser des Zeckesch (Secas) die ersten Erhebungen des Roten – Berges bespülten, testeten wir Kinder und auch einige der Erwachsenen schon mahl die Wassertemperatur, in der Furt die sich da befand. Das Wasser war hier nur Waden – tief . Um diese Jahreszeit war es immer angenehm warm. Der Bachgrund war an dieser Stelle mit etwa Faustgroßen Steinen, die mit Grünalgen überwachsen waren ausgelegt. Wer schon` mahl Barfuß so einen Bach überquert hat weiß von was ich spreche. Das ist eine äußerst glitschige Angelegenheit, und so mancher von uns machte dabei eine Niederlegung. Wenn das noch ein Erwachsener erfahren musste, war das Vergnügen für uns Kinder perfekt. Die ganze Gesellschaft begab sich noch ein Paar Hundert Meter Flussaufwärts bis zu unserer Weide, (ein großer Weidenbaum)  wo der Zeckesch einen großen Bogen machte.

Und so hatten wir unser Ziel erreicht, die Badestelle der Altgasse. An diesem Ufer des Zeckesch befand sich eine schöne Wiese auf der eine kleine Herde graste. Eine uralte Weide unmittelbar an unserer Badestelle spendete uns im laufe des Tages angenehmen Schatten.

So wie angekommen,  entledigten sich als erste die Kinder ihren Kleidern, und ab ins Wasser. Die Erwachsenen verstauten das mitgebrachte Gepäck im Schatten der Büsche und breiteten schon mal Decken aus.

Als nächstes gingen sie der Reihe nach in die Umkleidekabinen der Mutter Natur, sprich in die Büsche. Nach Vervollständigung der Badegarderobe nahm man erst mal auf den Decken platz um zu verschnaufen und die ersten Schwätzchen zu halten. Nicht ohne immer mit einem Auge auf das Treiben der Kinder zu achten. Nach geraumer Zeit sammelten einige der Opas trockene Äste und entzündeten an der Feuerstelle ein Feuer. Als das brannte, holte jemand vom Acker Kartoffeln oder milchigen Mais um alles in der Glut zu backen, war übrigens sehr lecker schmeckte. Aber bevor es so weit war wurde Schweinespeck in streifen geschnitten und auf Spießen aus Weidenruten über dem Feuer gebraten.

Als Getränk gab es Holundersekt, natürlich hausgemacht, oder Wasser aus der nahen Quelle, in der das mitgebrachte Getränk auch kühl gestellt wurde. Ab und zu kamen einzelne Tiere der Herde an das Wasser um zu trinken. Die älteren Leute saßen im knietiefen Wasser, das an dieser Stelle einen sandigen Untergrund hatte, und betrachteten die Rinder beim saufen. Dabei wurde fachsimpelt über Rassen, Qualität und Tierzucht im Allgemeinen. Es kam manch mal vor das an so einem heißen Sommertag ein Gewitter heran zog. Dann wurde das Gepäck in ein aus Zweigen und Laub errichteten Unterschlupf verstaut, der mehr oder weniger immer da war und den Sommersüber immer nur ausgebessert wurde. Solange das Unwetter anhielt war die ganze Gesellschaft bis zum Halse im Wasser. Apropos Wasser, dieses war ziemlich salzhaltig mit verschiedenen Mineralien versehen, und daher gesund gegen Rheuma so sagten die Alten.

Diese Mineralien und Spurenelemente flossen in den Zeckesch aus einigen Quellen die Flussauf in Östlicher Richtung der Stadt den so genannten Salzbrunnen bildeten. Von wo aus auch das öffentliche Volksbad der Stadt das Wasser für die Schwimmbecken abpumpte.

Wie gesagt nach dem das Gewitter vorbei war, gingen alle ihren Badefreuden nach.

Am spähten Nachmittag machte man sich auf den Heimweg. Oft kam es vor das man bekannten Bauern, die auch auf dem Heimweg wahren, begegnete und die Kinder oder auch die Erwachsenen, je nach Platzangebot, von diesem oder jenem Ochsengespann in Richtung Stadt mitgenommen wurde. Nach und nach kamen alle die in Nördlicher Richtung der Stadt ihre Äcker hatten auf den vorhin beschriebenen Hauptweg. So bildete sich rasch eine Kolonne mit Ochsen, Kuh oder Pferdegespanne die wie in einer feierlichen Prozession, sich gemächlich der Stadt näherten.

Manche Kinder müde vom Baden und vom morgigen Fußmarsch, schliefen auf dem frischen Futter in den Fuhrwerken ein. Daheim angekommen gab’s noch was zu Essen und ab in die Federn. So ging mancher, wie uns Kindern schien, unendlich langer Tag zu Ende.

Im Anschluss noch einige aktuelle Bilder vom Zeckesch:

sekas

secas

Secasch

secas.

Beitrag von: Horst Theil

Bilder: Herr Manfred Ziegler und Herr Florin Muntean

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