Das näheres Umfeld meiner Kindheit.


In der zweiten Hälfte der 50-er Jahre lebte ich mit meinen Eltern und Großeltern in der Altgasse, die sich vor den Mauern nördlich der Stadt befand. Am Südlichen Ende der Strasse an der Kreuzung mit der Quergasse standen uns ein Gemischtwarenladen, eine Schenke, und ein Hufschmied zur Verfügung.

Desgleichen ein Pelzkappenmacher der für die Rumänen die begehrten Pelzmützen und Brustpelze aus Schafspelz in Handarbeit fertigte. In unserer Strasse waren noch ein Schneider, Bechthold genannt, und eine Lederwahrenfabrik ansässig. ( Gründungsjahr 1843) Diese gehörte vor dem zweiten Weltkrieg einem Mühlbacher mit Namen Dahinten.

In dieser zurzeit verstaatlichten Manufaktur wurden die Tierfelle vom Gerben bis zum Leder, Sohle, Pelz und Fertigprodukt, sprich Taschen oder Mäntel e.t.c. verarbeitet.

Lederfafabrik Dahinten 1843 NEU

Caprioara

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Zu erwähnen wäre noch die Fleischverarbeitung  südlich der Lederfabrik. In diesem Betrieb wurde Fleisch vom Städtischen Schlachthof verarbeitet, aber nicht nur. Bemerkenswert war das dieser Betrieb über kein Kühlhaus verfügte, aber einen Eiskeller besaß. Heut zu Tage gibt es so etwas nicht mehr in unseren Breiten.

Da wurden im Winter, meistens von der Schottergrube große Eisschollen entnommen die dann mit dem Pferdewagen zu diesem besagten Eiskeller gefahren wurden und in demselben dann gelagert wurden. Das gewährte dann in der Restlichen Zeit  des Jahres die entsprechend niedrige Temperatur die nötig war um das Fleisch und Fleischprodukte angemessene Zeit zu lagern und zwischenlagern.

Am Nördlichen Ende der Strasse in der nächsten Querstrasse lag der Städtische Schlachthof, (Abator) zu dem die Rinder und Schweine der nächsten Umgebung geliefert wurden.

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Parallel zur Altgasse verlief eine Strasse die von den Einheimischen „zwischen den Bächen“ genannt wurde. Der Grund dafür war das durch die Gärten dieser beiden Gassen ein ziemlich  wasserreicher Mühlkanal, der beim großen Wehr vom Mühlbach abgezweigt wurde, floss.

Dieser Kanal, auf den ich noch später zurückkomme, speiste ein kleines E-Kraftwerk, (Erbaut 1905 – 1906)  und zwei Wassermühlen, jede mit je drei Mühlsteinen. So hatte ich noch das Glück als kleiner Knirps, diese heutzutage seltenen Gewerbe mir aus der Nähe zu betrachten. Bei Wochenmärkten und Jahrmärkten, aber nicht nur, war da immer Hochbetrieb. Die Bauern der Stadt und Umgebung brachten ihre Körner, Mais ,Weizen und Roggen, auf  Pferdewägen oder Kuhwägen zur Mühle, die sich auch in mittelbarer Nähe befand .Viele spannten die Pferde oder Kühe aus und nutzten die Zeitspanne ,bis sie an der Reihe wahren zum Mahlen, um beim Hufschmied den Tieren neue Hufeisen zu verpassen.

Die Wartezeit hier wiederum wurde in der Schenke mit einem Klaren überbrückt, das passte prima da die Bauern zwischen diesen drei Orten hin und her pendelten, und jeder Bescheid wusste wann, wer, wo an der Reihe war.

Obwohl in Mühlbach auch die Industrie vertreten war, konnte man sagen dass zu dem Zeitpunkt, auch das Bauerntum noch zahlreich vorhanden war. Das war auch daraus ersichtlich, dass zu diesem Zeitpunkt noch eine ansehnliche private Rinderherde der Stadt vorhanden war.

Es war so, das die Bauern, die überwiegend am Stadtrand wohnten, für die Privatherde gemeinsam ein bis zwei Hirten in Arbeit und Brot stellten, um die Betreuung der Tiere sicher zu stellen. Diese wurden gemeinsam bezahlt pro Rind und Tag. Desgleichen war die Vereinbarung, dass jeden Tag ein anderer Bauer den Hirten das Essen für einen Tag bereitstellen musste, das an jedem Tag morgens um c.a. 5 Uhr am Sammelplatz der Herde geschah. Das waren in der Regel immer die Straßenkreuzungen.  Als Kinder beobachteten wir jeden Abend, wie im Sommer, mit sinkender Sonne die Rinderherde über die verstaubten Strassen von Norden oder von Osten in die Stadt zurück kamen.

Das faszinierende daran war, das die Milchkühe,  allein oder mit jungem Kalb, den Weg zum heimischen Stall von selbst fahnden, der Bauer musste nur das Hoftor und Stalltüre öffnen. Nachher wurden die Kühe gemolken, von Hand selbstverständlich. Anschließend erfolgte die Abend- Fütterung .Es wurde ein Gemisch aus gehobelten Futterrüben, Kleie, und eine gute Portion Maismehl, und das alles gut vermengt, verabreicht.

Nach der Versorgung aller Tiere am Hof, sprich Schweine, Geflügel verschiedenster Art, 1,2,bis 4 Rinder, des manchen auch einige Schafe und Ziegen, klang der Arbeitstag der meisten Bauernfamilien, mit einem deftigen Abendmahl aus. Nachher noch ein kleines Schwätzchen und ein bisschen Planung für den nächsten Tag, dann gingen alle zu Bett.

Es war um die Zeit eine Selbstverständlichkeit dass man mindestens um vier Uhr Morgens aufstand um wiederum mit dem versorgen der Tiere sein Tagewerk zu beginnen. Die meisten Bauern hatten nach der Gründung der L.P.G.’s kein Land dass ihr Eigentum war, sondern kleine Parzellen die ihnen zugewiesen wurden, neben dem Hausgarten den jeder hatte. Außer dem bekamen sie noch eine prozentuale Beteiligung nach Arbeitstagen an Ernteprodukten.

Also alles in allem ein mühevolles und anstrengendes Leben.

Im Anschluss einige Bilder von der Altgasse:

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Beitrag geschrieben von : Horst Theil

Bilder: Horst Theil und FB. Gruppe Mühlbach – Sebes

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