Strumpf – und Strickwaren – Fabrik Mühlbach


Traveler Digital Camera

Neue Ansicht

Teba

Ältere Ansicht

cottonsaal

Cotton- Saal mit Flachbettmaschinen (Seidenstrüpfe für Damen)

com

Rundstrickmaschinen (Baumwolle und Kunstfaser)

Nach dem 1. Weltkrieg (1914-1918) versuchte die europäische Industrie sich zu regenerieren, vor allem in den Bereichen, die durch das Kriegsgeschehn lahmgelegt waren. Eines der größten deutschen Unternehmen in der Herstellung von Wirkwaren, war die Fabrik des Großindustriellen Gustav Bahner, aus Lichtenstein, ein Städtchen das zwischen Oberlungwitz und Zwickau, in Sachsen, liegt. Dieser vergrößerte sein Produktionsfeld durch die Gründung neuer Fabriken in mehreren europäischen Ländern. Da er die aus Deutschland stammende Ehefrau des Mühlbacher Stadtpfarrers, Klara Roth,  näher kannte, nutzte er die alten Beziehungen, um auch in Mühlbach eine Strumpffabrik zu gründen. Das evangelische Stadtpfarramt nahm das Angebot des deutschen Industriellen an, wobei es den ehemaligen Schusterzunftgarten, in der Postgasse, zur Verfügung stellte.

576270_500343660006458_767806207_n

Werbeanzeige_Gemeindeblatt_1925_F_Baumann

Werbeanzeige im Gemeindeblatt 1925

Im Jahr 1925 übernahm die Firma Bahner die 1834 von Ferdinand Baumann gegründete „Baumwoll und Leinenweberei“ und es wurde mit dem Ausbau begonnen. 1927 wurde bereits, unter dem Namen „Uzinele Textile Româneşti“ (Rumänische Textilwerke A.G.), produziert. Damit die Produktion ins Laufen kommt, wurden mehrere Spezialisten aus Deutschland herbeigeholt. Die Wichtigsten unter diesen waren: Wilhelm Allmang, Rüdiger Johannes und Rudolf Otto Mennert. Adolf Otto Bahner, 24 Jahre alt, einer der Söhne der Familie, wurde zum Direktor ernannt und leitete den Aufbau und die Produktion bis zum 14. September 1928, als er infolge einer schweren Krankheit starb. Kurzfristig übernahm ein andrer junger Mann die Aufsicht, Walther Roth, dessen Name mit der Verwaltung der Strumpffabrik bis in das Jahr1936 verbunden sein wird. Dann wurde Wilhelm Allmang zum Direktor ernannt. Von 1928 bis 1944 war er Hauptmitarbeiter der Familie Bahner. Eine Persönlichkeit, „hoch gebaut, schön, vornehm, intelligent und sehr höflich“, wie Herr Szabo, der ihn kannte, ihn beschrieben hat.                                                                                                                                            Ab dem 8. Juni 1931 nannte sich die Fabrik „G.B.L.“, die Initialen des Eigentümer-Namens. Die Produktion stieg von Jahr zu Jahr. In den Jahren 1931 bis1933 wurde ein Erweiterungsbau vorgenommen. Bis 1948 blieb dieser, obwohl fertiggestellt, ungenutzt und ohne die notwendige Ausstattung, bedingt durch die sich abzeichnenden Kriegsereignisse.

Am 23. August 1935 starb Gustav Bahner plötzlich, im Alter von 77 Jahren.

Bis zum Jahr 1938 wurde die Fabrik mit verschiedenen Maschinen ausgestattet, im Wert von rund 58 Mio. Lei:

–        Strumpfstrickmaschinen, mit einen Zylinder

–        Flachbettstrumpfmaschinen, Cotton

–        Kettenstühle für Vorhänge und Seidenstoffe

–        Hand-Flachbett Strickmaschinen, für Oberbekleidung

–        Rundstrickmaschinen „Interlock“, für Unterwäsche.

Zur Ausstattung der fertig gestellten Räume sind Strumpfstrickmaschinen bestellt worden, die aber in Ungarn, wegen dem 2. Weltkrieg, stecken blieben und dort von den Russen als Kriegsbeute beschlagnahmt wurden.

Wegen des Krieges, arbeitete die Fabrik zwischen 1938-1948 mit vermindertem Personalstand, in der Produktion von Strümpfen und Wäsche aus Baumwolle, Seide und Wolle, je nach dem Erwerb von Rohstoffen, die inzwischen schwerer zu beschaffen waren.

1948 wurde die gesamte rumänische Industrie verstaatlicht, also auch die Strickwarenfabrik. In dieser Zeit arbeiteten 307 Arbeiter mit einer Produktivität von 18.883 Lei/Arbeiter.

Von 1944 bis 1946 wurde Viorel Savu, als neuer Direktor, eingesetzt.

In den Jahren 1946 bis 1954 übernahm die russische Verwaltung die Fabrik, änderte den Namen: aus „GBL“ in „TEBA“. In diesen 8 Jahren leiten 3 Direktoren, Protasov, Smirnov und Minciu, das Geschehen im Unternehmen.

1954 übernahm der rumänische Staat die Fabrik und aus der „TEBA“ Sebeş, wurde die „Fabrica de ciorapi si tricotaje Sebeş“ (Strumpf- und Strickwarenfabrik Mühlbach).

Da die Produktion so gut lief, wurde aus dem Einkommen der Fabrik ein Fond, (Fondul directorial) gegründet, aus dem der Urlaub der Angestellten finanziert wurde. Der Fabrik wurde die Sadoveanu – Hütte, aus Oaşa Mică, zugeteilt, wo die Angestellten 2 Wochen, im Sommer, unentgeltlich Urlaub machen durften. In der ersten Zeit war Herr Georg Klein Verwalter und in den letzten 5 Jahren Martin Wagner, bis die Securitate die Hütte beschlagnahmte.

Die Direktoren, von 1954 bis 2011:

Groza Simion 1954-1987

Ing. Capra Dumitru 1987-1990

Ing. Draghiciu Vasile 1990-2007

Ing. Ispir Constantin 2007-dato

Im Jahre 1989, vor der Wende, war die Fabrik auf ihrem Höchstleistungsniveau. Sie hatte über 2.800 Angestellte, ein Produktionsvolumen von 176.000 Paar Strümpfen pro Tag, 50% davon gingen ins Ausland, wie Deutschland, Belgien, Frankreich, Italien, Portugal, Spanien, Holland u.a.

Nach der Wende, im Jahr1990, wurde die Fabrik umbenannt und seit dann trägt sie den Namen „Ciserom“.

Im Jahre 1995 trat eines der wichtigsten Ereignisse im Leben dieses Unternehmens ein, die Fabrik wird privatisiert.

Von denen im Jahre 1931 eingebauten Produktionsmitteln, im Wert von 58 Mio. Lei, war im Jahr 1995 ein Wert von 7,9 Miliarden Lei zu verzeichnen. Dies ist der Wert, der in 319.210 Aktien geteilt und an 1.511 Aktionäre verkauft worden ist.

Bedingt durch die Auflösung der Sozialistischen Wirtschaftsgemeinschaft, R.G.W., im Jahre 1991, kamen  immer schwerere Jahre auf die Fabrik zu.

Es musste umgedacht werden. Es ist die freie Marktwirtschaft, die die Konkurrenz in Aktion treten lässt.

Von der Planwirtschaft, in der man verbrauchen musste, was produziert wurde, produzierte man nun, was verbraucht wurde. Der Markt wurde mit billigen Produkten aus Fernost überschüttet und für die Fabrik wurde der Absatz ihrer Produkte immer schwerer. Der internationale Markt brach auch zusammen. Von einst 50% der Produktion, die ins Ausland ging, sind es 2009 nur noch 26%. Dementsprechend sank auch die Produktion. Von 52 Mio. Paar Strümpfen, die im Jahre1989 produziert wurden,  sind es 2009 nur noch 5.366.000 Paar. Von den 2.800 Angestellten in 1989, sind 2010 nur noch 448 Angestellte geblieben.

Durch die Einschränkung der Produktion mussten verschiedene Abteilungen geschlossen und. 2.352 Mitarbeiter entlassen werden.

In all diesen Jahren, seit der Gründung, hat das Unternehmen verschiedene Sport- und Kulturformationen unterstützt: Theater, Chor, Tanzgruppen, sowie Fußball, Frauen-Handball, Schiffsmodellbau, Sportschießen und viele andere Aktivitäten. In den Zeiten der G.B.L. hatte die Firma auch ihren Weingarten, aus dem in guten Jahren über 1.200 l Wein, 120 l Lagerschnaps und 700 l Treberschnaps erzeugt wurden.

Für diesen Bericht wurden folgende Quellen genutzt: Das Heft „Mühlbacher Wirtschaft“, gedruckt in der Honterus – Buchdruckerei zu Hermannstadt, im Juni 1931, das gestellt von Prof. Dieter Schiel, aus der Hinterlassenschaft Alfred Möckel. Zur Verfügung gestellt hat.

Dazu die Bücher „De la GBL la Ciserom“, herausgebracht im Sommer 2010 vom Meister und Abteilungsleiter Cibu Iosif, sowie „Sebesul“, von Ion Raica, 2002.

Übersetzt und zusammengestellt von: Gerhard Wagner

Bildmaterial : FB. – Gruppe Mühlbach – Sebes

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s