Mühlbachs Wirtschaft (bis zum II. Weltkrieg)


Der folgende Text, geringfügig redigiert, stammt aus dem Büchlein „Mühlbachs Wirtschaft in der Vergangenheit und Gegenwart“, von 1931. Druck: Honterus Buchdruckerei zu Hermannstadt.

Das Büchlein hat uns Herr Dieter Schiel, aus der Hinterlassenschaft seines Großvaters, Prof. Alfred Möckel, zur Verfügung gestellt.

 Einleitend heißt es:                                                                                                                                                       „Die Arbeit ist als Gruß des Mühlbacher Deutschen Handelsgremiums an die auswärtigen Teilnehmer der Mühlbacher Tagung der siebenbürgisch-deutschen Handelsgremien gedacht.

Es handelt sich um einen ersten Versuch der Darstellung unseres Wirtschaftsgebietes, dem sich natürlich allerlei Hemmungen und Schwierigkeiten entgegenstellen. Wenn es indes gelingt, einen allgemeinen Eindruck von der wirtschaftlichen Bedeutung und den wirtschaftlichen Möglichkeiten dieses schönen, von der Natur reich gesegneten Erdenwickels zu geben ist der hauptsächliche Zweck des Schriftchens erreicht.

Mühlbach, im Juni 1931“

Schweren Schrittes sind die Jahrhunderte über unsere Städte dahingegangen. Politische Verhältnisse, aber auch die Fortschritte der Technik haben an ihrem inneren und äußeren Antlitz manche Züge wesentlich verändert. Eines jedoch hat sich nicht geändert: noch immer bilden Handel und Gewerbe – in dieses die Industrie einbegriffen – das wirtschaftliche Rückgrat unserer Stadt.

Vor Jahrhunderten waren die Sachsen freilich die einzigen in Siebenbürgen, die sich mit Gewerbe und Handel beschäftigten. Die übrigen Völker dieses Landes mussten dem Adel landwirtschaftlichen Frondienst leisten. Die Angehörigen des Adels hinwieder achteten die

„ Künste des Friedens“ als seiner unwürdig und pflegten nur des Weidwerks und Kriegerischer Tugenden. So entwickelte sich der sächsische Handel, und in seinem Kielwasser das Gewerbe, in ganz großem Maßstab. Bodenerzeugnisse wie Getreide, Salz, Wein, aber auch Vieh, Fische, Honig, Wachs, und die Früchte sächsischen Gewerbefleißes: Tücher, fertige Kleider, Gürtel, Schuhe, Bogen, gegerbte Ziegen-, Kalb-, Fuchs-, und Marderfelle führten sächsische Kaufleute schon zu Beginn des 14. Jahrhunderts auf die Märkte des Altreichs, nach Dalmatien, Venedig, nach Großwardein, Ofenpest, Krakau; ja über Wien hinaus nach Prag, und weiterhin nach Deutschland gehen ihre Handelsreisen. Aus dem 16. Jahrhundert wissen wir, das ein sächsischer Kaufmann manchmal Waren im Wert von 3000 bis 4000 Gulden mit sich führt.

Es ist nicht nur für die Bedeutung des sächsischen Handels, sondern auch für die geistliche Höhenlage seiner Jünger bezeichnend, das sächsische Kaufleute es waren, die um 1529 einige Schriften Luthers von der Leipziger Messe in die Heimat brachten und dadurch den Anstoß zur Reformation des Sachsenlandes gaben, die in ihrer Auswirkung auch in wirtschaftlicher Hinsicht die Befreiung von mancher Fessel des römischen kanonischen Rechtes mit sich führte.

Andere Einflüsse verschiedenster Art freilich hatten einen Wechsel und Wandel der wirtschaftlichen Kraft und Bedeutung der Sachsen zur Folge.

Schon zu Begin des 17. Jahrhunderts hatte der Sächsische Handel seine Bedeutung für den internationalen Markt für immer verloren.

Von dem Umfang und der Bedeutung des sächsischen Handels und Gewerbes im Mühlbach des 14. und 15. Jahrhunderts spricht beredter als vergilbte Papiere: „ Der Wunderbau des Mühlbacher Kirchenchores“. Nur eine wirtschaftlich starke Gemeinschaft konnte ein so gewaltiges Bauwerk in Angriff nehmen.

Tatsächlich nennt die Zunftregulation von 1376 Mühlbach an der 3. Stelle unter den Sachsenstädten, und die Silbermark Mühlbacher Gewichts hat Geltung bei all den Handelsbeziehungen, die Mühlbachs Kaufleute hauptsächlich mit der Walachei verknüpften.

Auf der alten Handelstraße, die das Mühlbachtal aufwärts über das Gebirge in die Gefilde der alten rumänischen Fürstentümer führte, schafften sie ihre Waren hinüber und kehrten mit reichem Erlös heim. Der gute Ruf, den die Mühlbacher Kaufleute in der Walachei genossen, fand bei der Belagerung der Stadt durch die Türken seine Bestätigung:

1438 das Miereschtahl aufwärts ziehend kam das Türkenheer alles verwüstend auch vor Mühlbach und berannte die „genugsamvolkreich“, aber schwach beschützte Stadt. In  dem Heere der Türken kämpfte auch der Woiwode der Walachei Dracul mit seinen Scharen. Er hatte die Bürger der Stadt aus freundschaftlichem Handelsverkehr kennen und schäzen gelernt, und nun dauerten sie ihn angesichts ihres sicheren Unterganges. Den Kaufleuten zuliebe erwirkte er der gesamten Bürgerschaft, sofern sie sich ergeben wollte, freien Abzug mit der Aussicht auf baldige Heimkehr.

Wohl kehren die Bürger nach mehr denn Jahresfrist zurück, wohl setzen sie immer wieder zu neuem Ausgreifen an, aber immer wieder versetzt das unerbittliche Schicksal dem armen Mühlbach alle möglichen Schläge; Kriegerhorden mit Raub, Mord, Plünderung und Pestilenz stampfen darauf herum.

Noch1584 hebt der Jesuit Antonio Possevino Mühlbach als Umschlagplatz für das aus dem Miereschtal geförderte Salz hervor. Gleichzeitig machte er dafür, dass das Gotteshaus unvollendet geblieben, die Reformation verantwortlich und sagt, wie groß doch die Gottesfurcht des Volkes damals gewesen war, als noch der katholische Glaube die Herzen regierte und den prachtvollen Kirchenbau aufführte. Tatsächlich ist der unvollendet gebliebene Bau der sprechende Zeuge dafür, das es den Bürgern dieser Stadt nicht mehr möglich geworden ist, den großzügigen Plan ihrer glücklichen Vorfahren des 14. Jahrhunderts zum Abschluss zu bringen.

Gewerbe und Handel gingen immer mehr zurück, der sächsische Kaufmann wird im 17. Jahrhundert vom griechischen zurückgedrängt.

Erst die „Durlacher“ Einwanderungen des 18. Jahrhundert und die im 19. Jahrhundert hauptsächlich von Stefan Ludwig Roth wieder in den Vordergrund gerückten wirtschaftlichen Ziele bringen neuen Aufschwung in Handel und Gewerbe dieser Stadt, kräftig gefördert und gestützt von dem 1868 gegründeten Mühlbacher Vorschußverein. Wie Geschichte und Sage zu berichten wissen, hat es natürlich auch an Unterlassungen und Fehlern wirtschaftspolitischer Art nicht gefehlt. Hierher gehört die Tatsache, dass der Winzer Bahnhof nicht in Mühlbach steht, angeblich weil die Stadtväter eine Verpestung der Luft durch den Kohlenrauch der Eisenbahnen befürchteten. Auch für die Erbauung einer Infanteriekaserne waren sie nicht zu haben, aus unangebrachten Sparsamkeits-und Sittlichkeitsbedenken heraus. Dass die Papierfabrik in Petersdorf und nicht in Mühlbach errichtet wurde, ist auch auf ähnliche Ungeschicklichkeiten zurückzuführen

Die ins Größere weisende Wirtschaftentwicklung der ersten Jahrzehnte des XX. Jahrhunderts, hat für den Handel und Wandel Mühlbachs veränderte Verhältnisse geschaffen;

Sie bieten in ihren wichtigsten Teilen folgendes Bild:

Die Landwirtschaft ist und bleibt natürlich das Rückgrat des Wirtschaftskörpers auch in dieser Gegend. Am 2.- 4. Oktober 1909 wird in Mühlbach die Hauptversammlung des Siebenbürgischen Sächsischen Landwirtschaft-Vereins abgehalten. Da wurde über die Fruchtbarkeit und Ertragsfähigkeit der Anbaugebiete gesprochen. Die Bodenbeschaffenheit der Anbaugebiete ist, im Osten das Rehoer Feld mit sandigem Lehmboden, das im Süden gelegene Johannisfeld ist bergig, aber in seiner größten Hälfte humusreich für Halmfrüchte geeigneter Ackerboden. Die Teile gegen den Roten Berg und Oardaer Berg, ehemals

mit Eichen bewachsen, sind teils üppiger Waldboden, teils Lehm oder Sandboden. Das im Westen gelegene Piener Feld und Winzer Feld sind sozusagen schwerer, tiefgründiger in 3 Terrassen gelagerter Tonboden, sehr geeignet für Weizenbau.

Was die Fruchtbarkeit und Ertragsfähichkeit der einzelnen Gebiete betrifft, hängt diese von der Verschiedenartigkeit des Bodens und von dem Witterungsausgang ab, zum Beispiel habe man beim Mais einen Körnerertrag bis 14 Meterzentner / Joch erzielt. In nassen Jahren geben die bergigen Felder bessere Ernten, weil das Wasser besser abfliesen kann, aber bis 14 Meterzentnern / Joch Körnerfrüchte auch in schlechteren Jahren.

Der Mühlbacher Hattert ist vor mehr als 20 Jahren kommassiert worden. Die meisten Deutschen Grundbesitzer haben die Bearbeitung ihres Bodens selbst in die Hand genommen. Die neu geschaffenen Zwergwirtschaften bedeuten in dieser Hinsicht sogar einen Rückschritt.

Es werden in System – Wirtschaft aber auch systemlos Getreide, Futterpflanzen und Hackfrüchte angebaut. Moderne landwirtschaftliche Maschinen haben nur die größeren Grundbesitzer. Leider wird der Boden nicht tief genug bearbeitet, und auch die Düngung ist ungenügend.

Die notwendigen Feldarbeiten können zeitgerecht vorgenommen werden. Die Arbeitslöhne sind im Durchschnitt für Männer 1,8 Kronen und für Frauen 1,4 Kronen.

So wie auch in anderen Ortschaften, werden auch in Mühlbach die nach Deckung des eigenen Hausbedarfs verbleibende Bodenerzeugnisse auf dem Wochenmarkt zum Kauf angeboten. Hornvieh und Schweine werden in verschiedenen Rassen gezüchtet und finden bei guten Preisen leichten Absatz. Dasselbe gilt auch für die Milch.

Für eine dem Stande der damaligen Wissenschaft entsprechende Viehzucht fehlen die Organisationen: Herdbuchverein, Milchverwertungsgenossenschaften usw. Der im Jahre 1907 mit dem Sitz in Kelling gegründete „Unterwälder Pferdezucht-Verein“, der sich die Zucht des mittelschweren norischen Pferdeschlages zum Ziel gesetzt und 24 erstklassige Zuchtstuten und ein Zuchthengst mit einem Kostenaufwand von rund 36000 Kronen angekauft hatte, gehört der Geschichte an. Sein wohltätiger Einfluss indes ist  noch deutlich sichtbar in den prächtigen Kellinger Pferden von heute, den besten dieser Gegend.

Besondere Erwähnung verdient der Obstbau. In Mühlbach ist er stark verbreitet, besonders bei den Sachsen. Es gibt praktisch kein Haus das nicht einen Garten mit Weinreben, Obstbäumen, Gemüse und Blumen hat. Auch sind in der Stadt viele Obstgärten ohne Bauten vorhanden, die schöne Erträge sichern. Um eine bessere Ausnutzung der Hausgärten zu ermöglichen, wird laut Beschluss der Stadtverwaltung das vorhandene Wasserleitungsnetz vollständig ausgebaut, damit alle ihre Gärten ausgiebig bewässern können. Die zahlreichen, schön gepflegten Haus – und Meiergärten, die Mühlbach zur ausgesprochenen Gartenstadt machen, bringen viel und köstliches Obst hervor.  Am besten gedeihen der Batull und der Pfarrapfel, die sich durch Schönheit und gutem Geschmack auszeichnen. Am Anfang des XX. Jahrhundert ergab die Obstbaunzählung in Mühlbach folgendes Ergebnis:

In den 193 sächsischen Gärten gab es 2377 Äpfelbäume,

725 Birnbäume

1928  Zwetschkenbäume.

Auf dem Felde waren 15 Obstplantagen mit:  2953 Apfelbäumen

221    Birnbäumen

499    Zwetschkenbäumen

295    Kirschbäumen

633    Pfirsichbäumen davon

600    in den Weingärten so wie

215    Nussbäumen.

Außerdem enthielten die Straßenpflanzungen  1139  Apfelbäume

Aus dieser Statistik geht hervor, dass der Obstbau ziemlich groß ist. Dieser dient sowohl als Nahrungsmittel jedoch auch als gute Einnahmequelle.

Um den Obstbau Mühlbachs und seiner Umgebung dem gesteigerten Obsthunger der Gegenwart anzupassen, bedürfte es organisatorischer Maßnahmen, wie Schädlingsbekämpfung.

Den neuzeitlichen Lehren landwirtschaftlicher Wissenschaft hat sich der Weinbau dieser Gegend am meisten angepasst. Die Natur hat in einzelnen Unterwälder Orten für dieses Arbeitsgebiet königliche Voraussetzungen geschaffen. Dazu kommt, dass überall viele geschulte Winzer als Schrittmacher einer ordentlichen Pflege der Rebe und des Weines aufgetreten sind und diese Sache erheblich vorwärts gebracht haben. Geradezu ein Muster-Weingut, das die feinsten Weine liefert, ist der von Dr. Gustav Krasser ( Gest. 1931 ) auf dem Roten Berg angelegte große Weingarten der hiesigen Weinbaugesellschaft. Die Weinberge in Mühlbach sind 255 Joch groß. Der Mühlbacher Wein erfreut sich auch Heute, als bester Tropfen des Unterwaldes, großer Beliebtheit. In guten Jahren wurden 80 – 100 Hektoliter Wein  / Joch gemacht. Durch Vereinsmitglieder wurde in Mühlbach eine Rebenveredlungsanlage und Rebschule errichtet.

Um auch ein zahlenmäßiges Bild von dem Landwirtschaftbetrieb Mühlbachs im Jahre 1932 zu geben, zeigen wir die folgenden Zahlen:

Seelezahl = 8.974

Hattertgröße in Joch = 12.566

Zahl der Bauernwirtschaften = 1.000

Durchschnittliche Größe einer Wirtschaft / Joch = 6

Jahresertrag des Hattert = 15.500.000

Davon Verbrauch für die eigene Wirtschaft = 11.300.000

Zum Verkauf verfügbar = 4.200.000

Das Gewerbe. Während zahlenmäßig von den rund 8.000 Einwohnern Mühlbachs fast ¾ dem Berufe der Landwirte zuzuzählen sind, so ist der wirtschaftliche Rückhalt, die Steuerkraft dieser Stadt in dem Handels-, Gewerbe- und industriellen Stande zu suchen. Dabei bildet den Kern, gerade der deutschen Bevölkerung, noch immer der Gewerbestand, der natürlich auch hier in schwerem Daseinskampfe mit der Industrie, aber auch mit den pilzartig emporschießenden Gewerbebetrieben der Dörfer, liegt. Seine Zukunft hängt davon ab, wie weit es ihm gelingt, durch überragende Güte seine Erzeugnisse das Vertrauen der Kunden zu behalten, durch genossenschaftlichen Zusammenschluss niedere Entstehungskosten zu erzielen und durch Heimischmachung einzelner Gewerbezweige in den Familien wirklich bodenständig zu werden. Das heißt, durch Vererbung des Berufes von Vater auf Sohn und Enkel, eine Familienüberlieferung und dadurch eine Betriebsvergrößerung zu schaffen.

Als eine besonders anerkennenswerte Leistung der im Bürger- und Gewerbeverein zusammengefassten sächsischen Meister, ist die geschmackvolle Umwandlung der Alten Fleischlauben in eine Gewerbehalle (1930) zu verzeichnen, in der die Gewerbetreibenden ständig Proben ihrer Erzeugnisse zu Verkaufzwecken ausstellen.

Ohne Rücksicht auf Volkszugehörigkeit gab es im Jahre 1930: 229 Meister, 160 Gesellen, und 204 Lehrlinge.

Die Meister und ihre Zahl waren:

Kupferschmied . . . .  1      Gerber . . . . . . . . . . .   .  2       Rasierer . . . . . . .  6

Zimmermann . . . . . . 6      Färber . . . . . . . . . . . . .   3       Uhrenmacher . . . 2

Zuckerbäcker . . . . . . 2      Kürschner . . .  . . . . . . 14        Schneider . . . . . 10

Riemner . . . . . . . . . . 5      Damenschneiderinnen  17       Damenfriseur . . . 1

Fassbinder . . . . . . . .10     Schmied . . . . . . . . . . .  18       Photograph . . . . . 2

Fleischhauer . . . . . . 14     Schlosser . . . . . . . . . . . 10       Schuhmacher . .  33

Hutmacher . . . . . . . . .3      Drechsler . . . . . . . . . . .  2      Tischler . . . . . . . 19

Klempner . . . . . . . . .  4      Tapezierer . . . . . . . . . .  4      Wagner . . . . . . .    5

Maurer . . . . . . . . . . .15      Zimmermaler  . . . . . . . . 4      Buchbinder . . . . . 1

Buchdrucker . . . . . . . 2       Bäcker . . . . . . . . . . . . .  7      Weber . . . . . . . . . 1

Seiler . . . . . . . . . . . . . 1      Müller . . . . . . . . . . . . . . 2      Bürstenbinder . . . 1

Töpfer . . . . . . . . . . . . 1      Rauchfangkehrer . . . . . . 1

Der Handel. Dem Handelsstand kommt die Aufgabe zu, den Güteraustausch zwischen Erzeuger und Verbraucher zu vermitteln. Kaufmann im Sinne des Handelsgesetzes ist, wer im eigenen Namen gewerbsmäßig  Handelsgeschäfte betreibt. In Mühlbach haben wir ohne Rücksicht auf Volkszugehörigkeit:

Schnitt – und Modewarehandlungen  . . . 11

Eisen – und Spezereiwarenhandlungen .   9

Mehlhandlungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  5

Buchhandlungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  1

Glas – und Porzellanwarenhandlungen . .  2

Schuhwarenhandlungen . . . . . . . . . . . . .  .2

Lederhandlungen  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3

Bau – und Nutzholzgeschäfte . . . . . . . . .  .3

Sehr beträchtlich sind die Geschäfte, die sich außerhalb des berufsmäßigen Handelsstandes, in direktem Verkehr zwischen Erzeuger und Abnehmer, hauptsächlich auf den Wochen – und Jahrmärkten abspielt. Erwähnt sei der von den Bauern lebhaft betriebene Viehhandel und der für diese Gegend lebenswichtige Weinhandel. Und zwar blühte in der Zeit vor dem I. Weltkrieg in Mühlbach der Weinhandel als Zwischenhandel; so manchem Bürger hat gerade dieser Handelszweig zu ansehnlichem Wohlstand verholfen. Die Weine wurden als Verschnittweine hauptsächlich nach Österreich, aber auch an die Ungarischen Schaumweinfabriken weiter gegeben. Die Weinbauern und Zwischenhändler konnten stets auf sichere und preiswerte Abnahme ihrer Waren rechnen. Nach dem I. Weltkrieg sind diese Verbindungen völlig abgeschnitten worden.

Eine geradezu unentbehrliche Einrichtung für die glatte Abwicklung der Geschäfte der Handels – und Industriebetriebe bilden die Geldanstalten. Sie fördern nicht nur den Bargeldverkehr in hervorragendem Maße, sondern bilden eine verlässliche Geschäftstelle für die Hinterlegung der überschüssigen Barmittel der Einzelbetriebe. Die hiesigen Geldanstalten – Mühlbacher Sparkassa A.G.  und – Banca Romana S.A., Zweigstelle Mühlbach befassten sich nur mit den üblichen Sparkassageschäften: Spareinlagen und Einlagen in laufender Rechnung, Wechseldiskonte, Darlehen in laufender Rechnung, in – und ausländische Überweisungen usw.                                                                                                                                                     Die Mühlbacher Sparkassa A.G., damaliger Leiter Emil Leibli, besteht seit dem Jahre1896 und verfügt über ein Aktienkapital von 10.000.000 Lei und über Spareinlagen von75.000.000 Lei. Das diese Anstalt über ihre geschäftliche Bedeutung hinaus auch für die kulturellen Belange von großer Wichtigkeit ist, ist selbstverständlich.

Die Sebeşana (Leiter A.Bojiţă) bildet seit dem Jahre1931, infolge einer Fusion, eine Zweigstelle der Banca Română „ Sebeşana S.A. Karlsburg“. Vor der Fusion hatte die  „Sebeşana “ ein Aktienkapital von 2.000.000 Lei, Spareinlagen im Werte von 26.000.000 Lei. Das gesamte arbeitende Kapital betrug 37.000.000 Lei.

Seit Anfang 1932 arbeitet auf dem Mühlbacher Platze auch die Banca Poporului, Institut de Credit şi Economie S.A.

Industrie. Wenn ganz allgemein von der Gegend um Mühlbach auch auf Grund der vorgeschichtlichen Funde behauptet werden kann, dass sie stets einen besonderen Anreiz zur Ansiedlung auf all die vielen nach Siebenbürgen gelangten Völkerschaften ausgeübt hat, so ist als Ursache davon wohl die Nähe des einzigartigen Mühlbachflusses zu suchen, der seine klaren Fluten aus dem waldreichen Mühlbachergebirge in frischem Tempo zu Tale führt. Es ist selbstverständlich, dass der Mühlbach für die in seiner Talau vor allem betriebenen Zweige der Landwirtschaft, des Obst- und Gemüsebaus von Bedeutung ist; es kamen von den geschätzten Mühlbacher Batulläpfeln die besten immer aus den, entlang des Mühlkanals gelegenen Gärten. Hier wird jedoch versucht, die Bedeutung des Mühlbachs für andere Bereiche des menschlichen Lebens zu veranschaulichen.

Die ältesten Einrichtungen, durch die die Menschen getrachtet haben, die Kraft des fliesenden Wassers in ihren Dienst zu stellen, sind auch hier die Getreidemühlen gewesen; die ersten urkundlich bezeugten aus dem Jahre 1341 und1345. In ebenso früher Zeit schon verwendeten die Mühlbacher Kürschner Gerber das kalkarme Wasser des Baches als chemische Substanz in ihrem Arbeitsprozess. Sie und die übrigen in Zünften organisierten Handwerker hatten auch für die Instandhaltung der Stadtbefestigungen und darunter auch der mit dem Wasser des Mühlbachs gespeisten Fischteiche zu sorgen. Die lange Friedenszeit, die Siebenbürgen nach der Zurückdrängung der Türken seit1700 beschieden war, förderte auch die Entwicklung der Gewerbe. Einige Betriebe Mühlbachs wurden im zweiten Drittel des19. Jahrhunderts zu Manufakturen; die Gerbereien, Glaser und Dahinten und die Leinenweberei Baumann. Die eigentliche Industrialisierung des unteren Mühlbachtales begann aber um 1870 nachdem die Maroschtalbahnlinie fertig gestellt worden war und der ungarische Staat mit der Ausbeutung der reichen Nadel- und Laubwaldbestände  des Zibins- und Mühlbacher Gebirges begonnen hatte. Das Wasser selbst ist so vorzüglich, dass alle einschlägigen Industrien, wegen seiner sehr günstigen chemischen Zusammensetzung für die Güte ihrer Waren, erhebliche Vorteile haben. Fachliche Gutachten empfehlen beispielsweise auch die Gründung von Bier- und Tuchfabriken am Mühlbach auf das wärmste.

Dem herrlichen Wasser- und Waldreichtum verdankt das Mühlbachtal  schon bisher einen guten Teil seiner Industrie.

In erster Linie sind hier die Holzverwertungsunternehmen zu erwähnen. Denn sie haben die waldreichen Höhen angelockt, die sich als Niederschlagbecken unseres Mühlbaches südlich von der Stadt in einer Länge von etwa 80 km. flußaufwärts ausdehnen. Dieses Becken ist fast 1000 Quadratkilometer groß und zu 60 % bewaldet. 100.000 Raummeter beträgt der jährliche Durchschnittsertrag dieser Waldungen; davon sind 80 % Nadelholz, u. zw. beinahe ausschließlich Fichte. Der Rest ist Laubholz, zum größeren Teil Rotbuche. In der Form von Fichtenrundholz sowie Buche- und Eichenbrennholz betrug der durchschnittliche Jahreswert dieser 100.000 Raummeter in den Dreißiger Jahren 40.– 50.000.000 Lei. Das Holz wird auf dem Rücken des Mühlbachflusses gedriftet.

Schon seit Jahrzehnten ist die Fam. Heinrich Baiersdorf in verschiedener Form und in wechselndem Maße an den Ausbeutungen der Mühlbachtalwaldungen beteiligt, seit 1921 in der „Muncel A.G.“. Von 1921 – 1924 fördert diese Firma jährlich etwa 40 – 50.000  Raummeter Holz zu Tale. In den Dreißiger Jahren sind es nur 10 – 20.000.

Die Driftung des Holzes gibt in der Driftzeit, das ist vom 15. April bis 15.Oktober, täglich hunderten von Bewohnern des Mühlbachtales wesentliche Verdienstmöglichkeiten. Vor vielen Jahrzehnten wurden für diese Arbeit noch Fachkräfte aus der Schwarzwald- Bodensee-Gegend, herangezogen, die zum Teil hier ansässig wurden und im Rumänentum des Mühlbachtales  aufgegangen sind; daher findet man in den Gebirgsdörfern Familiennamen wie Mayer, Groß, Maresch, Todescu = Todesco, das ist der Deutsche.

Heute werden bei der Driftung (Wildflößerei) zum größeren Teil Mühlbachtalbewoner und auch Moozen aus dem Erzgebirge und Facharbeiter aus der Marmarosch eingestellt.

Die Holzdriftung besorgt seit dem 3. Jahrzehnt fast ausschließlich die Firma Ion Moga aus Căpîlna; sie beschäftigt in der Driftzeit etwa 300 Arbeiter.

Eigentliche industrielle Betriebe, zum Holzfach gehörig, sind:

1. Das Mühlbacher Sägewerk, unter den Erlen gelegen, gegründet 1880, ein Ärarischer Besitz, mit 4 Gattern, 4 Kreis- und 2 Pendelsägen, 2 Kreissägen für Brennholzerzeugung, einer Hobelmaschine, einer Dampfmaschine von 250 HP und zwei Kesseln. Geschnitten werden Fichtenbretter, Latten, Staffeln, gehobelte Bretter mit Nut und Feder und Schwarten.

2. Auf Fabriksbetrieb umgestellt wurde im Jahre 1926 die schon in der 3. Generation arbeitende Tischlerei Leibli, als Firma : M. Leibli & G. Breitenstein, die in ihrem geräumigen Neubau neuzeitliche Holzbearbeitungsmaschinen, sowie Werkzeug und Hobelbänke für 24 Gehilfen eingestellt hat und sich in den letzten Jahren, wegen der aussetzenden Bautätigkeit, vornehmlich mit der Erzeugung von Möbeln befasst.

3. Schon 1896 hat sich die Tischlerei, Friedrich Teutsch, auf maschinellen Betrieb umgestellt. Ihr Betätigungsfeld ist ebenfalls die Möbelerzeugung.

Beide eben genannten Firmen besitzen auch ein Bau – und Nutzholzgeschäft.

4. Mit Maschinen eingerichtet ist auch die Tischlerei Karl Schoppelt, die Holzbauarbeiten zu der Karlsburger Krönungskirche geliefert und dafür auch eine Auszeichnung erhalten hat. Sie besitzt ein Patent für die Erzeugung von Liegestühlen.

Ein zweiter Industriezweig, die Ledererzeugung, hat hier in Mühlbach eine nennenswerte Entwicklung genommen. Das für die Ledererzeugung vorzüglich geeignete Mühlbachwasser und die jahrzehntelangen Erfahrungen der Fabriken haben dem Leder Mühlbacher Herkunft einen weithin reichenden, hervorragenden Ruf verschafft.

Die Gerberei, die 1843 der ehrsame Gerbermeister Karl Dahinten gegründet hatte, richteten dessen Sohn und Enkel 1895 auf Fabriksbetrieb ein. 1902 wurde sie ein Raub der Flammen. Doch schon nach kurzen Wochen erhob sie sich aufs Neue und entwickelte sich allmählich zu der Lederfabrik Gustav Dahinten, die mit modernsten Maschinen ausgerüstet,  Schuhoberleder in vegetarischer und Chromgerbung, sowie Feinleder in allen Farben erzeugt und sich auch eine Taschnerei angegliedert hat. Sie arbeitet mit acht Motoren von zusammen 110 PS.

Vornehmlich mit Sohlenledererzeugung, aber auch mit der Herstellung von Blank- und Geschirrleder für Riemner, von Oberleder befasst sich die 1900 gegründete und 1907 auf Maschinenbetrieb umgestellte Lederfabrik Julius Kohuth.

Das älteste gewerbliche Unternehmen Mühlbachs ist die der Ev. Kirche gehörende Mühle. In einem „ Exractus Protocolli Capitul. Antesilvani “ aus dem Jahre 1665, wird sie schon als Kirchenmühle erwähnt. Sie breitet sich auf beiden Ufern des Mühlbachkanals aus. Der kleine Teil auf dem rechten Ufer ist mit zwei Flachmahlgängen eingerichtet, die von zwei Wasserrädern betrieben werden. Die lingsufrige, große Mühle war bis 1912 mit 4 Flachmahlgängen eingerichtet, die durch ebensoviele Wasserräder angetrieben wurden.        1912 wurde diese Mühle mit einem Halbhochmahlwerk von ½ Waggon Leistung in 24 St. und 2 Flachmahlgängen mit Wasseturbinen und elektrischem Reserveantrieb neu eingerichtet.1926 ist dann das Feinmahlwerk nach den Plänen des Vermögensverwalters der Kirche, Ing. Emil Binder, durch Einbau neuer Maschinen auf die Leistung von einem Wagon/24 St. gebracht worden. Gleichzeitig sind auch Lagerräume für Weizen und Mehlvorräte dazu gebaut worden.

In den Räumen einer aufgelassenen Zündhölzerfabrik ist 1926 die von Karl Slamar eingerichtete Fabrik „Astra“ untergebracht, die sich mit der Erzeugung von Wollhutstumpen für Herren-, Damen-, Kinder- und Bauernhüten,  in allen Farben und Gewichten, befasst. Auch diesem Unternehmen bietet das vorzügliche Mühlbachwasser nennenswerte Vorteile.

Zu den Industrien, die nicht von dem Wasser des Mühlbaches abhängig sind, gehören:

1. Die bald ein Jahrhundert alte, der Güte ihrer Erzeugnisse wegen, bekannte Baumwoll- und Leinenweberei, Ferdinand Baumann. Sie erzeugt in schwarzen und grauen, sowie in lebhaften Farben in dantrenechte Waschstoffe. Besonders hervorzuheben ist ihr Reinleinen-, Damast-  Tischzeug.

2. Die hiesige Firma „Merca“ erzeugt Kappen aller Art, Studentenmützen, Tellermützen, Sportkappen mit einem besonderen Patent. Auch sie hat bei mehreren Maschinen Motorantrieb.

3. Zu einem besonderen Zweig gehört die Fabrikation gebogener Eisenmöbel und Stahlmatratzen, welche die Firma Ernst Liedler eingerichtet hat. Dem Unternehmen ist eine Reparaturwerkstätte für Automobile angegliedert.

4. Das jüngste industrielle Unternehmen ist die Strumpffabrik, die 1926 von Gustav Bahner aus Lichtenstein in Sachsen,  auf dem Schusterzunftgarten errichtet und 1931 durch einen Zubau erheblich erweitert worden ist. Auch diese nützt die Vorteile des Mühlbachwassers zum Färben ihrer Produkte aus. Die Erzeugnisse dieses Unternehmens erfreuen sich im In- und Ausland auf allgemeine Hochschätzung.

Versuchen wir nun zusammenzustellen, was das Wirtschaftsgebiet Mühlbachs als ganzes genommen an Werten in Umlauf setzt, so ergibt sich ungefähr folgendes Bild:

1. Aus dem Ertrag der Landwirtschaft des ganzen Gebietes werden für den Umlauf etwa 80 Mill. Lei frei, von denen wenigstens 30 Mill. für Steuern, Gemeindetaxen, Weidepachtungen und Darlehenzinsen abgeschlagen werden müssen. Die restlichen 50 Mill. kommen in Umlauf bei der Bestreitung der Erfordernisse des Haushaltes dieser Landwirte. Zu neuer Kapitalsbildung reicht die Summe wohl kaum aus. Zu bemerken ist, dass das Einkommen der Landwirte durch die Menge des Ernteergebnisses bedeutend stärker beeinflusst wird als durch die Gestaltung der Preise, weil hierbei nur die überschüssigen Erzeugnisse in Betracht kommen.

2. Die Errechnung des Betrages, der aus der Industrie in Umlauf gesetzt wird, bietet natürlich besondere Schwierigkeiten, schon weil die Industrie, um sich leistungsfähig zu erhalten, fortwährend neu investieren muss. Er kann bei vorsichtiger Schätzung mit rund 40 Mill. Lei angenommen werden. Selbstverständlich wirken sich hier Arbeitseinschränkungen und Lohnsenkungen recht fühlbar aus.

3. Eine große Rolle spielen natürlich die Besoldungen, Löhne und Verpflegungskosten der Beamten des Staates, der Stadt und der Gemeinden, einschließlich der Kirchengemeinde, der Privatbeamten, der Offiziere und Mannschaften, der Ruhegehalts- und Invalidenversorgungsempfenger. Sie betrugen im Jahre 1930 in unserem Wirtschaftsgebiet etwa 45 Mill. Lei. Demnach werden aus der Landwirtschaft und Industrie dieses Gebietes und aus den Bezügen der Festbesoldeten  jährlich etwa 135 Mill. Lei in Umlauf gesetzt, wovon ein bedeutender Teil selbstverständlich an die Landwirtschaft zurückgeht.

Es kann nicht genug betont werden, dass diese Berechnung auf Erhebungen beruhen, die auf normalen Zeitläufen aufgebaut sind. Auch nicht annähernd kann daher festgestellt werden, in welchem Maße der gegenwärtige wirtschaftliche Niedergang (Krise), das Bild im Ganzen verkleinert und in einzelnen Teilen gerade in den allerletzten Wochen verzerrt hat und immer mehr verzerrt.

Hoffentlich erweist sich das bittere Wort Werner Sombarts, die krisenhaften Wirtschaftszustände seien die normalen, und die der guten Konjunkturen seien die außergewöhnlichen, als ein Scherzwort.

Geschrieben und zusammengestellt von Gerhard Wagner aus dem Büchlein:

Mühlbachs Wirtschaft in Vergangenheit und Gegenwart.

Die Arbeit ist als Gruß des Mühlbacher Deutschen Handelsgremiums an die auswärtigen Teilnehmer der Mühlbacher Tagung der siebenbürgisch-deutschen Handelsgremien gedacht.

Es handelt sich um einen ersten Versuch der Darstellung unseres Wirtschaftgebietes, dem sich natürlich allerlei Hemmungen und Schwierigkeiten entgegenstellen. Wenn es indes gelingt, einen allgemeinen Eindruck von der wirtschaftlichen Bedeutung und von den wirtschaftlichen Möglichkeiten dieses schönen, von der Natur reich gesegneten Erdenwinkel zu geben ist der hauptsächliche Zweck des Schriftchens erreicht.

Mühlbach, im Juni 1931.

Gedruckt in der Honterus Buchdruckerei zu Hermannstadt

Das Büchlein wurde zur Verfügung gestellt von Prof. Dieter Schiel aus der Hinterlassenschaft seines Großvaters, Prof. Alfred Möckel

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