Tischlerei Teutsch


Der erste Standort des Handwerkbetriebes war am Kleinen Platz im Hof des Wohnhauses und im Erdgeschoss eines Turmes der alten Befestigungsanlage Mühlbachs (Turm neben dem westlichen Burgtor). Andreas Heitz erwähnt in seiner Schrift von 1905 „Alt-Mühlbach“  dass „Friedrich Teutsch die Überreste eines viereckigen mächtigen Turmes in letzter Zeit in eine friedliche Werkstatt verwandelt hat“. Anfang des 20. Jahrhunderts werden unter Bürgermeister Schöpp  eine Reihe größerer öffentlicher Bauten fertiggestellt: neues Rathaus, Kaserne, Salzbad, Spital, Post, Turnhalle. Von dieser ausgeprägten Stadtentwicklung hat sicherlich auch die Tischlerei Teutsch mit Schwerpunkt Fenster- und Türenbau, wirtschaftliche Vorteile ggehabt, so dass die anfangs kleine Werkstatt durch einen Anbau erweitert  werden konnte. Die Inbetriebnahme des Elektrizitätswerks 1906 ermöglichte die Verwendung  neuer, stromgetriebener Maschinen.

Der plötzliche Tod des  Gründers Friedrich Teutsch war die erste Zänsur in der Geschichte des Betriebes. Der erst 20-jährige Sohn Fritz Teutsch konnte rasch die Gewerbeschule in München (Meister) beenden und eine Weiterbildung in Stettin abschließen. – dann musste er die Leitung der Werkstatt übernehmen. Ihm zur Seite stand sein Schwager Oskar Heitz für kaufmännische Themen. Die Tischlerei hieß nun „Friedrich Teutsch´s Erben“  und neue Ideen waren notwendig um die folgende schwierige Zeit  zu  überstehen. Fritz Teutsch hatte dank seiner im Ausland erworbenen Kenntnisse die Möglichkeit die Fertigung  hochwertiger Möbel  zu beginnen und die Idee eines Baustoffhandels begann sich zu konkretisieren. In der Postgasse (heute Dorin-Pavel-Str.) wurden einige Gärten entlang der Stadtmauer erworben, hier neue Betriebs-  und Lagerräume für Kalk, Zement, Bauholz, Ziegeln usw. geschaffen.

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1926 war es soweit, die Tischlerei konnte umziehen, der Holz- und Baustoffhandel eröffnen. In einem Lageplan von 1926 ist nur ein einziges Gebäude eingezeichnet, also muss der Umzug etwas später erfolgt sein.

Die günstige Lage brachte viele Kunden aus den Dörfern des gesamten Mühlbachtals. Am Kleinen Platz blieb nur das neu gegründete Bestattungsunternehmen „Concordia“. Letzteres konnte  außer Särgen alles für eine Beerdigung Notwendige anbieten, mit eigenem Leichenwagen, schwarzen Zugpferden, Ausstattung des Sterbehauses usw.

Zu dieser Zeit umfasste der Betrieb außer den Inhabern ca. 10 Mitarbeiter, dazu sporadisch unqualifizierte Tagelöhner für Transporte, Lagerarbeiten usw. Die Gesamtfläche des Standorts Postgasse betrug 2300 qm, davon ca. 1100 qm belegt mit Betriebsräumen. Die wichtigsten Konkurrenten in Mühlbach waren damals  Karl Leibli am Holzplatz, Breitenstein in der Quergasse sowie ein rumänisches Unternehmen.

Die gute Geschäftslage in den 30-er Jahren setzte sich auch Anfang der 40-er fort.  Oskar Heitz starb 1941 und Fritz Teutsch musste den Betrieb allein weiterführen. Trotz der Kriegswirren war er optimistisch und plante für die Zukunft. Neue Großaufträge der rumänischen Armee verhinderten seine  Einberufung zum Militärdienst. Die neue Maschinenhalle war gerade fertig und die Maschinen in Betrieb genommen da begann der Anfang vom Ende. Fritz Teutsch wurde nach dem 23. August verhaftet, ins Lager nach Tg. Jiu verschleppt und anschließend im Rahmen der „Wiederaufbau-Aktion“ wie zigtausende Landsleute  im Januar 1945 in die Sowjetunion deportiert. Die Möbelfertigung wurde eingestellt, die Familie hielt sich durch Verkauf der Restbestände über Wasser.

Nach knapp vier Jahren schwerster Arbeit im Swerdlowsker Goldbergwerk und unsäglicher Entbehrungen kam er im Juni 1948 gesundheitlich angeschlagen nachhause.   Gerade rechtzeitig um die Enteignung seines Betriebes zu erleben und das Übergabeprotokoll an den rumänischen Staat zu unterschreiben. Die Maschinen wurden für einen Betrieb aus Abrud beschlagnahmt.

Was nun? Die Familie mit drei Kindern musste ernährt werden. Nach der Enteignung des Betriebes in der Postgasse blieb Fritz Teutsch nur die Möglichkeit als Selbstständiger, ohne Angestellte, das Bestattungsunternehmen in verkleinerter Form, in den ursprünglichen Räumen am Kleinen Platz, weiterzuführen. Schikanen der Securitate, immer höhere Steuern und die ständigen Probleme bei der Materialbeschaffung zermürbten ihn – er „durfte“ 1962 mit seinem Werkzeug in die ortsansässige „Intreprinderea de Industrie Locala Sebes“  als einfacher Arbeiter eintreten und zuerst in den eigenen Räumen mit einem Kollegen Särge fertigen. Später wurde die Sargfertigung in die Postgasse in den enteigneten Betrieb verlagert. Das war nun das endgültige Aus der „Tischlerei Teutsch“.

In Anerkennung seiner Ausbildung in Stettin erhielt Fritz Teutsch 1968 den Posten des Qualitätsleiters, ein Jahr später wurde er Fertigungsleiter, 1971 konnte er in den verdienten Ruhestand.

Heute wächst Unkraut im Hof des Baustoffhandels, das Bürohaus ist verfallen, die Lagerhallen und Fertigungsräume werden von diversen Firmen sporadisch benutzt. In der alten Maschinenhalle war zeitweise eine Ölpresse.

Dietmar Teutsch

Teutsch2

Alte Maschinenhalle ca. 1938

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Montagehalle ca.1938

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 Hof ca. 1938

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Das Haus heute!

Für das zur Verfügung gestellte Material danken wir Herr Gerhard Wagner!

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