Georg Friedrich Marienburg


 

Georg_Friedrich_Marienburg

Georg Friedrich Marienburg (1820–1881)

 

 

Germanist und Geschichtsforscher, ist in Mühlbach im Siebenbürger Sachsenland, wo sein Vater Magistratsbeamter war, im Juni 1820 geboren. Nachdem er die Gymnasialstudien am evangelischen Gymnasium in Hermannstadt absolviert, besuchte er 1839—1841 die Universität Berlin, wo er theologische, philologische und geographische Studien trieb — er hörte unter Andern Neander, Ritter, Zumpt, Bopp —, ging darauf zu vaterländischen Rechtsstudien an das reformierte Kollegium nach Klausenburg und erhielt, nach einjährigem Dienst an der Schule seiner Vaterstadt Mühlbach, eine Lehrerstelle am evangelischen Gymnasium in Schäßburg (1844). Von hier berief ihn die evangelisch-sächsische Gemeinde in Nådesch im September 1848 zum Pfarrer; als solcher ist er am 23. November 1881 mitten in rüstiger Arbeit für seine Gemeinde und die von ihm freudig und erfolgreich gepflegte deutsche Wissenschaft seines Volkes gestorben. Auf dem Gebiet dieser Wissenschaft nimmt M. zunächst als Germanist eine achtungswerthe Stelle ein. Von den deutschen Hochschulen waren die Strahlen der deutschen Sprach- und Altertums – Wissenschaft auch in die Berge und Täler der deutschen Südostkarpaten gedrungen. Ihres Geistes Hauch hatte in Berlin auch der junge siebenbürgisch-sächsische Student gespürt und auf einer Rheinreise mit freudigem Erstaunen die überraschenden Anklänge an die Laute der fernen heimischen Mundart vernommen. In persönlichem Verkehr mit dem Stadtrat Noel in Köln, mit E M. Arndt in Bonn wuchs sein Verständnis der Sache und gewann er einen ansehnlichen Reichtum rheinischen Sprachguts; sofort nach der Heimkehr ging er mit frischer Begeisterung an die Arbeit, deren Ergebnis seine wertvolle Abhandlung im Archiv des Vereins für siebenbürgische Landeskunde (Band 1, Heft 3, Kronstadt 1845), „Über das Verhältnis der siebenbürgisch-sächsischen Sprache zu den niedersächsischen und niederrheinischen Dialekten“ mitteilt. Die Bedeutung der wertvollen Studie liegt namentlich darin, dass sie die sächsische Mundart zur Lösung der Frage nach der alten Heimat der Siebenbürger Sachsen heranzieht und diese in der Heimat der jener so nahe verwandten mittel- und niederrheinischen Dialekte findet, eine Verwandtschaft, die durch eingehende Vergleichung des Lautstandes, der Formenbildung, der Syntax in der Kölnischen und Hermannstädter Mundart schlagend nachgewiesen wird. Auch in der Folge ist M. zu germanistischen Arbeiten wiederholt zurückgekehrt. Seine „Siebenbürgisch-sächsischen Familiennamen“, Archiv des Vereins für siebenb. Landeskunde, N. F., Bd. IV, führen Pott’s und Abel’s Arbeiten hier weiter; seine Abhandlung „Über einige Eigentümlichkeiten der siebenbürgisch-sächsischen Mundart“ in Trauschenfels‘ Magazin für Geschichte und Literatur Siebenbürgens, Bd. I, Kronstadt 1859, ein Ergebnis langer Beobachtung und fleißigen Sammelns, ist ein Meisterstück scharfsinniger und liebevoller dialektischer Forschung. Dieselben Eigenschaften bewahrte M. in seiner gehaltvollen Arbeit „Über die frühere und jetzige Ausbreitung und Dichtigkeit des deutschen Volksstamms in Siebenbürgen“, die er im Auftrag des Vereins für siebenbürgische Landeskunde ausführte. Sie geht den Spuren der deutschen Arbeit, des deutschen Kampfs, des deutschen Leids in dem gesamten Berg- und Thalgewirr Siebenbürgens nach und fesselt ununterbrochen durch die Naturtreue der Schilderung, sowie eine Fülle scharfsinnigster Bemerkungen auch über die anderen Nationalitäten des Landes und ihre Herkunft. Leider haben die politischen Verhältnisse am Anfang der fünfziger Jahre die volle Veröffentlichung der Arbeit verhindert und brachte der „Sächsische Hausfreund“ in den Jahren 1857, 1858, 1859 nur einen äußerst verstümmelten Auszug daraus. Auch auf dem Felde streng geschichtlicher Forschung hat M. sich um die Aufhellung der Vergangenheit Siebenbürgens und seines Volkes insbesondere große Verdienste erworben. Sein geistvoller Beitrag zur Urgeschichte der deutschen Ansiedlungen in Siebenbürgen in den „Ausflügen vom Nadescher Burgweg“. Trauschenfels‘ Magazin Bd. I, seine scharfsinnigen Untersuchungen über alturkundliche Ortsbestimmungen und anderes hierher Einschlagendes, Vereinsarchiv Vd. V, VIII, IX, XIV, sind von dauerndem Werth und haben zum Theil überraschendes Licht verbreitet über Gebiete, wo bis dahin nur Nebel oder Dunkel das Auge schreckte. Eine Geschichte (oder Gedenkbuch) des Bogeschdorfer Kapitels hat M. unvollendet hinterlassen; doch wird das Fertige im Archiv des Vereins für siebenbürgische Landeskunde veröffentlicht werden und ein neues ehrendes Zeugnis für des Verfassers historische Begabung ablegen. Nur kurz sei hier noch erwähnt, dass er auch nicht alltägliche dichterische Begabung besaß. Als seit dem Anfang der vierziger Jahre der rasch aus Ungarn herüberflammende magyarische Chauvinismus das alte gute Recht der sächsischen Nation zu bestürmen begann und die Jugend dieser ihre begeisterten Lieder, die später das „Liederbuch der Siebenbürger Deutschen“ sammelte, dagegen ins Feld schickte, hat M. in mehr als einem der besten die Herzen seines Volkes gestählt und ergriffen, und sein „Sachsenadel“ mit dem Ruhm seiner freien Bürger- und Baueinburgen wird nie aufhören dieses zu tun, so lange ein deutsches Bürgertum hier im Lande lebt.
Beitrag zusammengestellt von: Horst Theil

Quelle:  G. D. Teutsch, Denkrede auf G. Fr. Marienburg im 19. Bande vom Archiv des Vereins für siebenbürgische Landeskunde. 

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