Die Durlacher in Mühlbach Teil 2


Preiß

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Altes Durlacher – Haus der Vorstadt in der Altgasse

( letze Eigentümer Fam. Preiss)

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Altes Durlacher – Haus der Vorstadt in der Altgasse.

 ( letzte Eigentümer Fam. Theil )

Ich möchte Ihnen nicht vorenthalten was Prof. Alfred Möckel, einer der bedeutendsten Lokalhistoriker von Mühlbach, über die Einwanderung der Durlacher in Mühlbach, in seinem Werk „ Aus Mühlbachs Vergangenheit“ sagt.

 

Hier eine Abschrift aus diesem Werk:

 Die Ansiedlungen bedeuteten für Mühlbach das weitaus  wichtigste Ereignis des 18 – ten  Jahrhunderts, wurden sie doch entscheidend für das ganze weitere Bestehen des Deutschtums in dieser Stadt.

1748 sind die ersten  Auswanderer aus Baden – Durlach  hier eingetroffen.

Warum sie zum Wanderstab gegriffen hatten, darüber wird eine demnächst erscheinende  Arbeit Pfarrer Ludwig  Klasters, eines Durlacher  Abkömmlings, Aufschluss geben.

Überbevölkerung, kriegerische Ereignisse und Schikanen, die aus der Leibeigenschaft und Kleinstaaterei erflossen, scheinen die wichtigsten Auswanderungsursachen zu sein.

Die ersten Ankömmlinge  sandten aus Mühlbach in die Uhrheimat  günstige Nachrichten über die Verhältnisse, die sie hier vorfanden.

Ei solcher Brief, den der Durlacher Einwanderer Hans Georg Sütterli aus Mühlbach seinem Schwager Jakob Kaltenbach in Bückingen bei Freiburg im Breisgau schrieb, ist erhalten geblieben. Er berichtet dass Lebensmöglichkeiten im damaligen Mühlbach und wohlfeil seien, zerstreut Bedenken, die sich auf die Sicherheit des Besitzes beziehen, hebt das Entgegenkommen der Stadtbehörde hervor, empfiehlt die Einwanderung, gibt Weisungen über den einzuschlagenden  Weg und schließt: „ das gelt Must  ihr in den Westel legen in Freiburg. Bringt auch Bibel mit euch….“

Durch solch „ reizende Vormahlung“ der hiesigen Verhältnisse wurde „ der Kitzel zur Emigration rege gemacht “. 1748 kamen elf und 1749 wenigstens 19 Familien, in den allernächsten Jahren noch einige Nachzügler aus der ehemaligen Markgrafschaft Baden – Durlach, dem oberen Teil von Baden – Durlach mit dem alten Herrschaften Rötteln, Sausenberg und Badenweiler als den Mittelpunkten des Auswanderungsgebietes.

Da die Auswanderung aus baden – Durlach bedrohliche Maße annahm, sah sich die dortige Landesbehörde genötigt, strenge Gegenmaßnahmen zu ergreifen, so dass schließlich nur noch arme und „ liederliche“, nichtsnutzige Haushälter die Heimat verlassen durften.

In Mühlbach wurde die Durlacher Einwanderungsgruppe in Fortsetzung der damals schon bestandenen, hauptsächlich durch Gärten und Meierhöfe gebildeten Mühlgasse, in der von den Durlachern errichteten Altgasse ( oder Altvorstädtergasse, wie sie früher hieß ) angesiedelt.

In richtiger Erkenntnis der Bedeutung dieser Blutzufuhr räumte  Stadt=, Stuhl = und Gubernialbehörde den Einwanderern weitgehende Sonderrechte ein. Diese forderten und erhielten „ vor jeden Hauswirten eine Hofstelle ohne Bezahlung“, Saatgut, Wiesen, „ Grumpiren=, Hanf=, Grass=,  Kornteilung und so weiter gratis und ohne einiges Entgelt“ eine Fleischbank, fünf Jahre Freiheit von allen Lasten und Abgaben, vor jeden einen Ort und Platz in der Kirche ohne Verdruss und Sauersehen“.

Ein in der hiesigen Gymnasialbücherei befindliches Hausbuch  rühmt schon 1750 von den Durlachern, das sie „ mit großem Fleiß“ auf ihren Hofstellen Häuser aufgebaut haben und das sie „ in der Feldwirtschaft sehr fleißig gewesen, besonders in denen Sommerfrüchten, also das noch niemahlen ( zu diesen Zeiten) allhier so viel Sommerfrucht ausgesäet  gewesen“.

Leider sind 1749 und kurz danach sehr viele Einwanderer hier gestorben; die Totenbücher des   Mühlbacher  ev. Pfarramtes verzeichnen in der Zeit eine unverhältnismäßige große Zahl von Todesfällen aus den Reihen der Einwanderer und ihrer zahlreichen  Kinder.

1770 kam die größte Einwanderergruppe hier an und in zwischen aus den Badischen

„ Hanauer  Ländchen“, der Gegend zwischen Kehl und Lichtenau. Eine außerordentliche Teuerung, veranlasst durch eine furchtbare Überschwemmung des Rheins, scheint diese Volksgenossen in Marsch gesetzt zu haben. In Mühlbach ließen sich 49 Familien nieder, darunter, 31 Feldbauern, die übrigen waren Handwerker. Als Ansiedlungsgebiet wies ihnen der  Magistrat die Hanfländer der Altgässer an, au denen sie die Neugasse entstehen ließen.

Neugasse

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  Die Neugasse

Ein Vergleich zwischen der Altgasse und Neugasse, lehrt das die Durlacher Einwanderer sich behäbigere  Häuser errichteten als die Hanauer, wahrscheinlich deshalb, weil diese vorwiegend Landleute, jene aber Gewerbetreibende waren.

Ohne  Zweifel haben aber etliche Hanauer auch in der Quergasse ihr Obdach gefunden.

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Quergasse

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Ecke Altgasse – Quergasse

Diese zweite Ansiedlung bedeutete für die Durlacher nicht nur den Verlust der Hanfländer; der Magistrat sah sich genötigt, auch eine neue Aufteilung des Hatterts anzuordnen, was für die Durlacher natürlich eine unliebsame Einschränkung ihres Hattertanteiles im Rosenfeld zur Folge hatte.

Für die ganze deutsche Vorstadt, Durlacher und Hanauer, gründet der Magistrat über Ansuchen der Durlacher 1771 in der Quergasse eine eigene Schule, die bis 1877 wirkende deutsche Vorstadtschule.

Mit den neuen Einwanderern zog in der Stadt aber auch eine Zeit des Streites und unliebsamer Widerwärtigkeiten ein.

Zu nächst gibt es Unstimmigkeiten, weil einige der Einwanderer die ihnen kostenlos überlassenen Hofplätze und Felder an andere verkauft und sich von hier weggegeben hatten; dann erheben die älteren  Umsiedler, die Baden – Durlacher, den neuern, den Hanauern  gegenüber Anspruch auf gewisse Vorrechte.

Hernach gelingt es den  unruhigen Köpfen unter den  Hanauern, die ganze deutsche Vorstadt gegen die Behörde auf zu wiegeln – es beginnt eine lange Reihe von heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Vorstädtern und der städtischen Stadtbehörde, wegen angeblich ungerechter Zuteilung der Wiesen, wegen der Fleischbank, Einquartierung, öffentlicher Arbeiten, Tabakverschleiß und anderem mehr, wo bei die  scharfmacherischen Vorstädter ihre vielen Beschwerden allen Behörden, zu letzt auch dem Kaiser unterbreiten.

Aber schließlich flauen die Katzbalgereien zwischen Vorstädtern und Städtern ab, besonders seit dem die Vorstädter auch in der inneren Stadt ansässig wurden und in der Städtischen Verwaltung und Leitung verantwortlich mit zu arbeiten hatten.

Und als die Durlacher – wie allmählich alle Vorstädter hießen – in Jahre 1843  im alten Rathaus und im alten Stadtwirtshaus ihr 100 – jähriges Einwanderungsfest feierten, da richteten ihre Sprecher, Webermeister   Jakob Feistel und Pfarrer Michael Gestalter, Worte innigsten Dankes und aufrichtiger brüderlicher Freundschaft an die Sachsen, die ihrerseits das  Durlacher Fest mit vollster, herzlichster Teilnahme mitmachten.

Die Beziehung zwischen Vorstadt und der Innenstadt wurde immer inniger. Immer häufiger wurden Ehen zwischen Durlacher und Sachsen geschlossen. So mancher fleißige, strebsame Durlacher Abkömmling erwarb sich in der inneren Stadt ein Haus und vergrößerte sich seinen Kaufmännischen oder Gewerblichen Betrieb in bedeutendem Maße. Die beiden führenden Geschäfte des Platzes sind von Durlacher Inhabern in die Höhe gebracht worden.

Die größte hiesige Lederfabrik und die Weberei sind Durlacher Gründungen, und heute noch in Besitz der betreffenden Familien. Aber auch auf Geistigem Gebiete hatten manche Durlacher Abkömmlinge sich in leitende  Stellen emporgearbeitet: im Stadtpfarramte, Leiter und Lehrer unseres Untergymnasiums, in der politischen Führung, überall finden wir schon im 19. Jahrhundert echte Durlacher. Durch viele Jahrzehnte sind Durlacherabkömmlinge die Leiter und Träger eines hoch entwickelten musikalischen Lebens in diesem Stättchen. Dabei sind freilich sozusagen alle Eigentümlichkeiten der Badener Einwanderer in dem hier tiefverwurzelten sächsischen Wesen aufgegangen. Es wird Aufgabe der nächsten Zeit sein, etwaige Spuren und Überbleibsel aufzufinden. Die Mundart der Einwanderer ist ganz verschwunden. Schon beim Einwanderungsfest 1843 hielt ein Durlacher Abkömmling folgende Ansprache: „Mini  Herre! Bevor die Sproch die vor 100 Johre unsri Vorfahre g`redt hän, ganz vergesse wurd, lehn mi noch in dere Sproch e G`sundheit trinke. Alle Dischi, die in unsrem liebe Siebenbürge wohne, ob sie vor siebenhudert  Johre oder nur vor hundert i`g`wandert sin, solle läbe, aber au selli , die was nit i`gwandert sin und in unserem Stammland wohne, solle läbe. Unser Herrgott erhalt alli, die e ditschi Sproch rede“.

An einen Unterschied oder gar Gegensatz zwischen „ Vorstädtern“ und „Städtern“, zwischen „Durlachern“ und „ Sachsen“ denkt längst niemand mehr.

Nur die Mühlbacher Familienamen kann man noch nach ihrer Herkunft in sächsische und Durlacher einteilen.

Durlacher Namen sind:

Leibli, Dahinten, Gefli, Jeckli,  Schütterli, Baumann,  Bechthold, Bernhard,  Breitenstein, Frenk, Glaser, Greter,  Gruninger, Haller, Heitz,  Klaster, Lutz, Möckel, Urban, Schumacher und andere mehr. Erfreulich ist es, dass Familienbeziehungen zwischen einzelnen hiesigen Durlacherabkömmlingen und ihren in der Uhrheimatlebenden Verwandten wieder angeknüpft worden sind.

Ende der Abschrift.

Abschrift und Zusammenstellung: Horst Theil

Danke an Herr Gerhard Wagner für das Material

 

 

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