Etwas aus dem Alltag meiner Kindheit.


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Mein Elternhaus in der Altgasse um die 70- er Jahre.

Ich möchte meinen Lesern vermitteln wie ungefähr ein „normaler“ Tagesablauf bei uns zu Hause ablief. Meine Eltern standen in der Regel frühzeitiger auf als ich. Meine Mutter bereitete für meinen Vater die Brotzeit für auf die Arbeit vor, wenn das geschehen war und mein Vater gegangen war wandte sie sich den anderen täglichen Aufgaben zu.

Meine Großeltern, die hinten im Haus ein Zimmer hatten, waren mittlerweile auch auf den Beinen. Hinter dem Haus hatten wir einen Holzschuppen, der in zwei geteilt war. Je eine Hälfte für meine Eltern und meine Großeltern. Hier wurde Brennmaterial für den Winter aufbewahrt, das aber erst im Herbst gekauft  wurde und aus Holz und Sägespäne bestand.

Sommersüber wurden diese zur Sommerküche umfunktioniert.

Wir hatten da einen älteren Tisch mit drei Stühlen, ein Regal für das nötigste Geschirr, des weiteren war noch ein länglicher Tisch auf dem zwei Petroleumbetriebene „Primus“ Kocher standen und ein Kupferkessel. Das Licht spendete eine Petroleumlampe, und als Waschgelegenheit hatten wir einen Waschtisch mit einer aus Blech emaillierten Waschschüssel. Da die Einrichtung meiner Oma ähnlich war, muss ich sie nicht mehr beschreiben. Mitten im Hof hatten wir einen Steingemauerten Brunnen, des weiteren einen großen Maulbeerbaum, einige Fliederbäume und einige Ziehweinreben die am Zaun gegen den Nachbarn angepflanzt waren. Bei dem erwähnten Schuppen war die Nördliche Wand aus selbstgemachten Backsteinen, die Vorderwand aus Holz und das Dach war mit Teerpappe gedeckt. Kurz und gut nach dem ich aufwachte, begab ich mich in den besagten Schuppen wo es schon angenehm nach Tee und Toastbrot(gebätes Brot)roch. Mann muss natürlich dazu sagen dass zu den angenehmen Gerüchen sich auch der unverwechselbare Geruch nach verbranntem Petroleum, der von den Primuskochern stammte, wahrnehmbar war.

Nach dem Frühstück ging ich meistens spielen. Für meine Mutter hieß es dann das Fressen für die Schweine fertig zu machen. Die Hasen mussten gefüttert werden, den Anspruch auch das Geflügel für sich forderte. Während die Ernährung der Tiere von Statten ging waren die Ställe an der Reihe um sauber gemacht zu werden. Der Stallmist musste mit dem Schubkarren auf den Misthaufen, der sich im Garten befand, gebracht werden. Danach ging meine Mutter in unseren Hausgarten um das nötige Gemüse fürs Mittagessen zu hohlen. Manch mahl kamen schon zu dieser Tageszeit ein oder mehrere Freunde zu mir. Es kam oft vor dass das uns die lange Weile plagte. Ab und zu stiegen wir auf den Maulbeerbaum der sich am Ende des Schuppens befand, und von da auf das Dach des Schuppens. Hier musste man sich nur auf den Rücken legen und die Hand ausstrecken um an die süßen Beeren rann zu kommen.

Aus dieser Perspektive hatte man übrigens einen hervorragenden Überblick in die umliegenden Nachbarhöfe.

Des meisten sahen wir unseren direkten Nachbahren zu deren Hof ziemlich heruntergekommen war. Das Wohnhaus hatte nur einen Raum und im Hinterhof hatten sie auch einen Holzschuppen, der auch Lager und Werkstatt unter einem war. Sie hatten zwei Söhne und drei Töchter. Er arbeitete bei der Bahn (C.F.R.).Sie schaffte bei der örtlichen L.P.G.  Beide sprachen ziemlich dem Alkohol zu. Mann muss aber dazu sagen dass es fleißige Leute waren, und vielseitig begabt. Sie fertigten unter anderem: Holzrechen, Sensenstiele, aus Schilf von der Schottergrube geflochtene Fußabtreter, und aus Schilfrohr gefertigte Matten, die beim Hausbau an die Decken genagelt wurden um dem Putz bessere Haftung zu gewährleisten.

Diese wurden auf Bestellung und auf Maß gemacht. An diesen Arbeiten beteiligten sich alle Familienmitglieder. Die Kinder, zum Beispiel, säuberten das Schilfrohr von den Blättern und stellten es am Zaun entlang in die Sonne zum trocknen. Die Produktion einer Woche, die nicht auf Bestellung war, wurde auf dem Städtischen Wochenmarkt verkauft. Das Rohmaterial (Schilf) wurde unter schweren Bedingungen aus der Schottergrube von Hand geerntet. Dies geschah so das man in den Teich, manch mahl bis zur Brust im Wasser und Schlick, steigen musste um es mit der Sichel abzuschneiden. Der Handwagen wurde damit bepackt, das man denselbigen fast nicht mehr sah, und mit zwei Mann nach Hause gezogen. Wir sahen uns also das sehr oft aus der Vogelperspektive an. An anderen Tagen unternahmen wir etwas anderes.

Mittlerweile war Mittagszeit. Ich flitzte schnell zu meiner Oma um zu sehen ob es da etwas Besseres zum Futtern gab als bei uns. Ich bekam aber nichts bevor ich nicht von dem Dreck auf dem Dach, den klebrigen Beeren und Staub gewaschen war. Die Mahlzeiten wurden also im Sommer, immer im Schuppen vorbereitet und gegessen wurde auch da. Überhaupt der ganze Tagesablauf spielte sich da ab. Nur das obligatorische Mittagsschläfchen wurde im angenehm kühlen Zimmer gehalten.

Gegen vier Uhr kam mein Vater von der Arbeit. Wenn es nicht mehr so heiß war gingen meine Eltern und Großeltern in den Garten um noch die Gemüsebeete zu jäten, die Kartoffeln zu hacken oder sonstiges anfallendes zu erledigen. Wenn die Sonne sich dem Horizont näherte, fing man zu gießen an. Das geschah mit Gießkannen, die an dem Mühlkanal der hinter unserem Garten vorbei floss, gefüllt wurden. An diesen Aktionen beteiligte ich mich auch, da es mir Spaß machte mit Wasser zu planschen. Das ging oft so bis es dunkel wurde.

Nachher wuschen sich alle am Bach und gingen um zu Abend zu essen. Das fand ich immer Romantisch so bei dem diffusen Licht der Petroleumlampe zu essen. Manch mahl regnete es dabei und die Regentropfen trommelten auf das Teerdach, und ich lauschte diesen und den Gesprächen meiner Eltern und Großeltern. Vor dem Schlafen gehen hörte mein Vater gewöhnlich im Radio noch Nachrichten.

Die Sommerabende verbrachte man oft auf der Gasse. Die Nachbarn holten jeder einen Stuhl oder eine Bank vor das Gassentor, und saßen da beisammen, um über Gott und die Welt zu plaudern. In der Regel saßen die Frauen in kleinen Gruppen beisammen, welches Privileg die Männer auch für sich in Anspruch nahmen. Als Kinder saßen wir oft in der Nähe der Männer, da deren Gespräche für uns Buben viel interessanter waren. Da ging es um Weltpolitliek, um das Geschehen in der Stadt, und sehr oft erzählten sie einer dem anderen Erlebnisse aus den beiden Weltkriegen oder Gefangenschaft in die mancher geraten war.

Es wurde noch mit entfernteren Nachbarn als ein Schwätzchen gehalten, wenn sie zufällig aus der Stadt, auf dem Heimweg an uns vorbei gingen. Dann wiederum betrachtete man die Rinder oder Gänse die Abends über die verstaubte Straße entlang ihrem Zuhause entgegen marschierten.

Von der Schottergrube hörte man das Konzert der Frösche, in das die Grillen und manche Nachtamsel mit einstimmten. Die Gespräche wurden immer leiser sowie die Nacht herein brach, erhoben sich die Leute einzeln und gingen in die Häuser. Ab und zu ertönte der Schrei eines Nachtkauzes. An diese Momente erinnere ich mich heute noch gerne, da sie irgendwie etwas Zauberhaftes an sich hatten. Das kommt mir wenigstens heute so vor, heut zu Tage ist  so etwas auch in Mühlbach Selten.

Wir Kinder konnten auch in solchen Fällen, wie gewöhnlich, nicht genug davon kriegen. Im Voraus muss dazu gesagt werden, das im Späthsommer erst gegen 11 Uhr Abends so richtig dunkel wurde, da in Siebenbürgen, zu jener Zeit noch keine Sommer oder Winteruhrzeit eingeführt war. Also bemühten sich die Eltern aus den Fenstern der Häuser heraus, die Nachkommenschaft in die Federn zu bekommen. Unter manchen Kindern entbrannte ein Konkurrenzkampf, wer die bessere Taschenlampe hatte, wem seine das Licht besser bündelte oder am weitesten leuchtete. Die Marke, ob es eine Stablampe oder eine flache war, hob oder senkte das Ansehen des Besitzers.

Nach einigem hin und her gingen alle nach Hause um schlafen zu gehen.

Beitrag geschrieben von: Horst Theil

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