Der Rote Berg


 

Roter Berg

 Der Rote Berg im Winter.

Ich habe schon den roten Berg in anderen Beiträgen erwähnt, aber jetzt möchte ich ein paar Worte dazu sagen.

Die geographische Lage ist in Nord – Nordwestlicher Richtung der Stadt Mühlbach in Siebenbürgen. Die Entfernung beträgt ungefähr 4 – 5 Kilometer vom Stadtrand, und ist so mit „ der Hausberg“ der Stadt.   Dieser Berg ist ein einzigartiges Naturdenkmahl.

Seine Entstehung aus geologischer Sicht ist auf die Faltung eines Uhrmeeresbodens, so wie es auch in dem Siebenbürgerlied heißt:

„Siebenbürgen, Meeresboden

Einer längst verflossnen Flut.

Nun ein Meer von Ährenwogen,

dessen Ufer Wald umzogen

an der Brust des Himmels ruht“

zurückzuführen.

Das besondere daran ist der Anblick der Zerklüfteten c.a. 500 m breiten und 150m hohen Steilwand, die eine rötliche Farbe hat. Diese Farbe kommt von der Zusammensetzung der Bodenbeschaffenheit, die aus verschiedenen Ton, Mergeln, und Sandsteinschichten besteht, das ganze mit Eisenoxyden und verschiedenen Mineralien versetzt. Durch Erosion von Regen und Wind entstanden eine Vielzahl von Säulen, Türmen und Kathedralenartigen Gebilden. Die Abläufe dieser Erosion konzentrieren sich in einer zentralen Ablaufschlucht die in den Zeckesch mündet der am Fuße des Berges vorbei fließt.

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 Abenddämmerung am Roten Berg

  Über die ganze Länge des Berges, der von dem Weg nach Daia bis in die Kutina und darüber hinaus reicht, sind mehrere Stellen der Erosion zu beobachten die, dieselbe Färbung und Zusammensetzung wie die zentrale Wand haben. Am Mühlbachufer an der Stelle die von den Mühlbachern rote Wand (la rosele) genannt wird ist dasselbe zu beobachten. Aus diesen Beobachtungen kann man die Schlussfolgerung ziehen, dass ganz Mühlbach und Umgebung auf diesen Schichten liegt.

Der rote Berg ist seit der Gründung von Mühlbach in grauer Vorzeit das Symbol der Stadt, also kein Wunder wen sich um diesen Berg mehrere Legenden und Sagen ranken. Die häufigsten aber um die sagenumwobene „Räuberhöhle“.

Der rote Berg war schon immer ein Klassenzimmer in der Natur, das die Lehrer der Mühlbacher Schulen gerne in Anspruch nahmen, erwähnt sei nur Prof. Theobald Streitfeld, aber auch alle anderen verbrachten immer ein paar stunden mit ihren Schülern in dieser Gegend.

Das der rote Berg ein muss für jeden Mühlbacher war muss ich nicht mehr erwähnen. Aber besonders die Kinder und Jugendlichen verbrachten hier viele stunden mit kraxeln, wandern, picknick oder einfach nur entspannen und die wunderbare Natur zu genießen.

In dieser Naturlandschaft leben ebenfalls verschiedene seltene Vogelarten; wie Wanderfalken, Uhu, verschiedene Kauzarten, Wildtauben und desgleichen mehr.

Des Gleichen war die Vegetation auch einzigartig mit vielen Planzenarten die localen Charakter haben, erwähnt wäre da nur die Schachbretttulpe unter vielen anderen Arten.

Die Hänge des Berges wurden auch als Viehweiden genutzt. In den Jahren nach dem 2 – ten Weltkrieg wurde rechts der Hauptschlucht ein Schießübungsplatz angelegt und ein riesiges Gelände eingezäunt. In späteren Jahren nach 1989 wurde als Krönung noch ein riesengroßes Gebäude mit riesigem Sendemast auf der Spitze des Berges gepflanzt. Das alles ist ein Verbrechen an der natur. Mann bedenke das einige Wissenschaftler und Gelehrte den roten berg mit dem Grand Canyon in den Badlands von Arizona vergleichen.

Zum Glück wurde dieser Berg und alles um ihn herum zum Naturschutzgebiet erklärt, wen auch spät aber immerhin. Es ist schade dass man den Begriff noch nicht richtig verstanden hat und dementsprechend auch heute noch handelt. Ich hoffe aber das man verstehen wird was für eine Bedeutung dieser Berg für Mühlbach hat, mal ganz abgesehen von der touristischen Attraktion von der die Stadt profitieren könnte.

Und nun ein Gedicht zum Roten Berg:

Der Rote Berg

Noch steht der Berg auf seiner alten Stelle,

Blickt frei herab ins heimatliche Tal;

Noch springt aus seinem Haupt die klare Quelle,

Vergoldet von der Sonne hellem Strahl;

‚Tief unten küßt des Wiesenbaches Welle

Ihr Blumenufer wohl zum letztenmal,

Zieht träumend dann halb zögernd, halb gezogen

Hinüber in des Mühlbachs blaue Wogen.

Noch stehn die Riesensäulen aufgeschichtet

Als treue Wächter der geliebten Flur,

Was auch die Zeit zermalmet und vernichtet,

Hier suchst du fruchtlos ihre Würgerspur;

Denn unvergänglich sind sie aufgerichtet,

Ein Meisterstück der schaffenden Natur,

Um hier in diesen Paradiesesauen

Sich ihren schönsten Tempel zu erbauen.

Nie hat ein Künstler gleiches Bild vollendet,

Nie Menschenhand solch Riesenwerk getürmt,

Soweit der Himmel seine Strahlen sendet

Und, von der Dichtkunst Genius beschirmt,

Sich je und je ein glücklich Auge wendet

Und nach der Schönheit Idealen stürmt;

Nie ward ein Menschengeist, der ahnend dachte,

Was hier Natur, die göttliche, vollbrachte.

Und denkst du noch der schönen Jugendstunden,

Die wir, o Freund, zusammen dort verlebt,

Wenn wir vom Pfade schlangengleich gewunden,

Der zwischen wilden Rosen sich erhebt,

Emporgeführt, die Höhle aufgefunden,

Vom frischen Hauch der Bergluft durchwebt,

Die Wände bunt mit Farben ausgemalet,

Mit denen nie ein Fürstenzimmer prahlet?

Und denkst du noch, wie dort in trauter Kühle

Den Glücklichen so schön die Zeit entfloß,

Wie dort des Herzens innigste Gefühle

Der Freund so gern in Freundesbusen goß,

Wenn draußen durch des Mittags heiße Schwüle

Die Sonne glühend ihre Strahlen schoß,

Bis sie am fernen Abendhimmel glänzte

Und rosenrot sich Berg und Tal bekränzte?

Hoch über uns sahn wir mit leichten Schwingen

Den Habicht schweben in der blauen Luft,

Wir sahn die Füchslein keck und munter springen

Von Klipp´ zu Klippe über Spalt und Kluft,

Und um uns hörten wir den Ton erklingen,

Mit dem der Schäfer seine Herde ruft,

Sahn unten tief den Ackersmann, den müden,

Heimkehren zu des Hauses sicherm Frieden.

Und willig hing der Blick an seinem Schritte,

Bis er im nahen Dorfe uns entschwand,

Flog dann von seiner rauchumwölkten Hütte

Hinüber zu des Baches Blumenrand

Und suchte freudig in des Tales Mitte

Ein Städtchen, mir und dir so wohlbekannt,

Das ländlich schön, durchwebt von grünen Bäumen,

Noch immer lebt in meinen schönsten Träumen.

Ja, Freund ! Stets wird das Bild vergangner Zeiten,

Ein liebend Denkmal, mir im Herzen stehn,

Wie unsre Seelen sich dem Himmel weihten,

Wenn zu den wunderbaren Bergeshöhn

Im Widerhall der Abendglocke Läuten

Erklang mit hundertstimmigem Getön.

Wenn feierliche Töne uns umwehten,

Als wollte die Natur zum Höchsten beten.

Wohl sind die Tage anders jetzt gestaltet,

Und jene sel’gen Träume sind verblüht,

Doch ihres Nachklangs süßer Zauber waltet

Lebendig fort im schwelgenden Gemüt;

Und der gewohnte alte Drang entfaltet

Erinnerungen in des Sängers Lied,

Die ewig mit der Sehnsucht zartem Bande

Den Jüngling ziehn zum teuren Vaterlande.

(1861)

 

Aus: Das offene Visier

Friedrich Krasser

(1818 – 1893, Mühlbach)

Beitrag geschrieben von: Horst Theil

Bilder: Danke an Herr Eduard Schneider

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2 Gedanken zu “Der Rote Berg

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