Mein Leben in Rumänien – Kapitel 5


Aus dem Buch ” Mein Leben in Rumänien”

von Walter Graef,

herausgegeben von: R. G. Fischer INTERBOOKs

 –  Fünftes Kapitel –

Erste Arbeitsstätten in Neumarkt (Tirgu Mures) 1955 – 1956 und

Klein Kopisch (Copsa – Mica) 1956 – 1959 .

Meine erste Arbeitsstätte habe ich am 01 September 1955  in Neumarkt, im Unternehmen „Lazar Ödön“ das der lokalen Industrie angehörte  angetreten. In diesem Unternehmen gab es eine Glasfabrik, eine Seifenfabrik, eine Wurstfabrik sowie eine große Schneiderei. Ich sollte nun im technischen Büro für die ersten drei zuständig sein, für die Schneiderei war Herr Dipl. Ingenieur Weis zuständig. Nur der Weg vom Sitz der Firma zu diesen Einheiten wurde zu Fuß gemacht und dauerte Stunden, da diese im ganzen Stadtgebiet verstreut waren.

Der Chef Ingenieur  Ciuca hatte mir und meiner Frau, bei der Anstellung, eine Wohnung versprochen, diese haben wir aber nie erhalten. Im Parterre der Firma war ein Raum wo ab und zu eine Krankenschwester kam um das Personal zu untersuchen. Ein Tisch ein Stuhl ein Schrank und eine Holzpritsche waren das Inventar. In diesem Raum durfte ich mein Nachtlager einrichten, eine Decke auf die Pritsche legen und mit einer anderen Decke mich zudecken. Meine Frau hatte sich zur Zentrale der Firma bei der Sie arbeitete in Sächsisch Regen  auch nach Neumarkt versetzen lassen, in der Hoffnung bald haben wir eine Wohnung. In dieser Zeit wohnte Sie bei einer Freundin, Klara Öllerer, direkt am anderen Stadtende. So verbrachten wir den Tag jeder in seiner Firma, in einer Kantine trafen  wir uns zum Mittagessen, abends begleitete ich  Sie zu ihrer Freundin und ging  traurig zurück immer auf die Wohnung wartend die wir nie bekommen haben.  Wir freuten uns auf den Sonnabend, dann wurde nach Sächsisch Regen gefahren, zu ihren Eltern wo wir das Wochenende verbringen durften  Montag fuhren wir dann wieder Nach Neumarkt zurück. Der Leiter der Wurstfabrik Herr Agoston , ein älterer Herr beklagte sich eines Tages bei mir , er hätte Angst vor der nächsten Finanz -Kontrolle , da ihm  über 200 Kg Wurst laut Betriebsdaten des  Warenlagers fehlten, und er wisse nicht was er machen sollte, er  hätte ja nichts gestohlen, dieses glaubte ich ihm. Nun machte ich eine Aufstellung über die Lagerdauer der Wurst  von dem Tag der Herstellung, bis zum Auslieferungstag. Laut STAS (rumänische Norm) verliert die Wurst ja täglich  an Gewicht, da sie trocknet. Nun konnte ich dem Direktor anhand dieser Aufstellung, eine Berichtigung des Warenlagers vorschlagen, da dieses ja den gesetzlichen Normen entsprach. Und so hatte Agoston Batschi  (ungarisch Onkel) nun einen Überschuss an Wurst, und war sehr glücklich. Ich durfte nun jeden Samstag vor der Heimfahrt ihn besuchen und bekam eine Stange Wurst, zu der Zeit eine große Unterstützung in unserer jungen Ehe unsere Gehälter waren ja klein

Die Kontrollen in der Seifenfabrik und der Glasfabrik brachten keine Probleme. Die Planziffern wurden erfüllt. Die Arbeitskonditionen waren den Umständen entsprechend gut.

Im Frühjahr 1956 wurde eine Photopapierfabrik gegründet, ich wurde als Chemiker hin versetzt, ins Labor. Es wurde mit Photokarton aus dem Ausland gearbeitet, und es begannen nun Anstrengungen diesen auch in Rumänien herzustellen. Ich wurde beauftragt in der Papierfabrik aus Bacau dazu Versuche zu fahren, das nötige Titandioxid musste ich mitnehmen, um dem Karton die weiße Farbe und  auch Glanz zu geben. Es wurden einige Versuche gefahren, jedoch entsprach die Anlage nicht der nötigen Reinheit, für die Erzeugung von Photopapier.

Im Sommer 1956 wurde die Photopapierfabrik durch Beschluss des Ministerrates aus dem Unternehmen Lazar Ödön ausgegliedert und dem Chemie Ministerium angeschlossen, und gehörte nun den chemischen Fabriken aus Klein Kopisch. Beim Besuch des Direktors dieser Fabrik Herren Duma, sollte sich meine Situation ändern, uns wurde eine Wohnung in Klein Kopisch versprochen und ich wurde dienstlich versetzt, in demselben Unternehmen in einen anderen Ort. So kam ich zur Abteilung Formoxal, eine sehr komplexe Anlage, aus Holzkohle wurde Natriumformiat hergestellt, und aus dieser dann einerseits Ameisensäure, und Oxalsäure, beide sehr gesuchte Produkte .Hier arbeitete ich als Schichtleiter und hatte noch 2 Meister, die Chemiearbeiter sowie das Labor zu führen. Der Technologe des Betriebes ein älterer Herr , mit Strafwohnsitz in Mediasch, da er vorher der Eisernen Garde angehörte (Legionär war) war ein sehr gütiger Mensch, schon nach kurzer Zeit, nahm er mich eines Tages beiseite und sagte zu mir : Du Sachse wisse von mir, male nie den Teufel an die Wand, nimm dir nie Not Vorschuss , denke nie was wäre wenn ??? , wenn einmal etwas sein sollte, hast Du dann Zeit das Problem zu erkennen und eine Lösung zu finden. Dieses Gespräch hat mich für die Zukunft geprägt, und ich Danke ihm auch Heute noch für diesen Ratschlag, und würde diesen allen Leuten empfehlen .Ich habe viel sorgloser all die weiteren Jahre verbracht.

Mit viel Freude habe ich festgestellt, dass in derselben Anlage mein Schulkollege aus Mühlbach, der mit mir in der Prima und Sekunda  mein Freund war, Dieter Sigmund, auch als Schichtleiter arbeitete. Er ist eigentlich Schäßburger, sein Vater hat aber in der Zeit in Mühlbach gearbeitet. Nachher haben wir auch zusammen in Onesti im Kautschuk Kombinat  gearbeitet.

Eine Wohnung hatten wir bekommen, in der Kolonie der Fabrik, diese bestand aus einem Zimmer, die Küche Bad und Kammer zusammen mit einem anderen Ehepaar, Familie Pumnea, er arbeitete als Meister auch in derselben Anlage.

Meine Frau war jetzt nur noch Hausfrau, zum Glück waren die Beziehungen mit der Familie so gut, das die Frauen nach einiger Zeit übereinkamen, eine Woche kocht die eine, die andere macht den Abwasch, und nächste Woche wird gewechselt. Nie gab es Probleme unter uns.

Ende Januar 1957 ist meine Frau nach Hause nach Sächsisch Regen gefahren,  Sie wollte zu Hause entbinden, in Kopisch gab es kein Krankenhaus. Am 12 Februar 1957 ist unsere Tochter Harriet geboren, ich bin dann auch nach Sächsisch Regen gefahren, um Frau und Tochter zu besuchen, es war ein freudiges Ereignis für uns.

Über Kopisch muss noch gesagt werden, das hier im selben Unternehmen die Russfabrik ihren Sitz hatte, demzufolge der Ganze Ort immer voll Schmutz war. Der Russ wurde durch Verbrennung von Methangas hergestellt, doch die elektrischen Filter unterlagen der Stromschwankung, immer wieder wurde Russ in die Atmosphäre gelassen, der Wind sorgte dafür dass immer alles schwarz war. Wenn  dieser auf dem Menschen  landete, musste man diesen weg blasen, nicht abwischen, da dieser ölig war und man sich noch dreckiger machte. Auf die Gesundheit gab es keine Nachteile, im Gegenteil  er sorgte dafür das der Organismus durch die Kohle gereinigt wurde. Auch die Arbeit bei der Herstellung der Ameisen säuere gab keine gesundheitlichen Probleme, im Gegenteil man war nie erkältet.

Außer meiner Aktivität in der Fabrik, war ich auch als Lehrkraft in der Gewerbeschule  und der Technischen 2 jährigen Berufs – Schule tätig (für Absolventen nach dem Abitur ) Ich unterrichtete Apparate und Installationen in den chemischen Fabriken. Das Jahr 1957 brachte auf politischer Ebene einige Erleichterungen, die Volksdeutschen waren wieder gefragt, Mediasch  eine alte deutsche  Stadt  mit noch  vielen Deutschen bekam einen sehr Deutsch – freundlichen Parteisekretär, die Auflage zu der Zeit war, viele Deutsche in die Partei aufzunehmen, besonders  Akademiker und Arbeiter aus den Betrieben.

Eines Tages wurde ich zum Parteisekretären des Betriebes gerufen, dort war auch der Stadt Parteisekretär aus Mediasch zugegen, und mir wurde gesagt : Wir haben uns sehr mit deiner Herkunft beschäftigt auch haben wir die drei nötigen schriftlichen Befürwortungen für dich die ganze Akte für die Aufnahme  in die Partei ist fertig, es fehlt nur deine Unterschrift auf den Antrag.

Mit meiner Frau hatten wir schon darüber gesprochen, und Sie war dafür, da Sie wusste wie schwer es ihr Vater hatte als Deutscher in Bukarest und nachher in Ploesti zu leben, immer als nicht dazugehöriger zu sein. Ihm sagte man, lasse dich doch romanisiert und alles wird gut.

Nein zu sagen, hätte einem die ganze Zukunft vermasselt, also sagte ich Ja und habe den Antrag unterschrieben und war nun Parteimitglied der Arbeiterpartei, das war dann ihr Name. Meine eigene Einstellung dem Leben gegenüber habe ich nicht geändert, ich habe mir vorgenommen immer nur was Recht und Ordnung ist zu befolgen, nie einer Person zu schaden, wo es nur geht einem anderen zu  helfen. Diesem Gelübde bin ich in meinem ganzen Leben treu geblieben. Über eine oder andere Situation die diesem Entschluss dagegen gekommen wäre, werde ich noch berichten.

Die Arbeit in der Fabrik war nicht leicht, 6 Tage erste Schicht von 6 – 14 Uhr, 6 Tage 2 Schicht von 14 – 22 Uhr, dann 6 Tage Nachtschicht von 22 – 6 Uhr morgens und dann endlich 3 Tage frei ..

So verging das Jahr 1957. Unsere Tochter Harriet wurde auch von der Familie Pumnea sehr geliebt. Im Herbst 1958 wurde ich zum Studiendirektor der Technischen Schule ernannt, diese war dem Werk angeschlossen und unterstand dem Chemieministerium. Nun hatte ich es leichter, keine Nachtschichten mehr, mehr Freizeit. Ich  habe  Verfahrenstechnik in der chemischen Industrie unterrichtet, die Schüler waren alle sehr Lernbegierig, da sie wussten das sie einen guten Beruf erlernen und einen sicheren Arbeitsplatz haben werden.

Im Frühjahr 1959 bekam ich einen Besuch, von meinem Studienkollegen Petru Bunea. Er hatte im chemischen Kombinat in Ucea gearbeitet und wurde nach Onesti versetzt, da sollte das größte chemische Kombinat entstehen. Vom General Direktor  wurde er beauftragt Kollegen zu finden die auch nach Onesti wollen, die Versetzung wird durch Befehl des Ministers gemacht, und Wohnungen werden alle bekommen da diese jetzt schon für die kommenden gebaut werden. Er hat auch meine Frau überzeugt, dem Umzug zuzustimmen, da dort das größte und modernste Werk entsteht. Ich habe zugestimmt konnte   jedoch erst nach Abschluss des Schuljahres  nach Onesti vorher konnte ich nicht weg. .

Die Würfel waren nun gefallen, mit Datum 30,06 1959 wurde ich vom Chemie  Minister nach Onesti zum Kombinat für Synthetischem Kautschuk versetzt.

Bevor ich nun im nächsten Kapitel über meine Tätigkeiten in der Moldau berichten werde, möchte ich eine  Stellungnahme  zu Siebenbürgen machen. Siebenbürgen wurde am ersten Dezember 1919 nach dem ersten Weltkrieg und die Zerschlagung von Österreich – Ungaren an Rumänien angeschlossen. Unsere Eltern wurden per Gesetz nun rumänische Staatsbürger. In Rumänien wurde aber immer, und das auch Heute ein Unterschied zwischen Staatsangehörigkeit und Nationalität, also Volkszugehörigkeit gemacht. Im Personalausweis stand Staatsangehörigkeit (Cetatenie) Rumänien, Volkszugehörigkeit (Nationalitate) Deutscher. Auch Heute leben noch Volksdeutsche in Rumänien, es gab immer Schulen mit deutscher Unterrichtssprache, natürlich auch für die Ungaren welche die größte Minderheit sind. Heute leben noch 1,7 Millionen Ungaren in Rumänien, alle rumänische Staatsbürger, aber mit einer eigenen Ungarischen Partei, die auch Heute Mitglied in der Regierung ist. In Rumänien gab und gibt es auch Heute zwei Staatstheater in deutscher Sprache in Temeschburg und Hermannstadt. In Hermannstadt mit ca. 200.000 Einwohnern davon ca. 1500 Deutsche , ist der Oberbürgermeister Klaus Johannis mit 78 % , zum vierten Mal wieder gewählt  Es gibt auch Heute das Forum der Volksdeutschen in Rumänien  mit einem Vertreter im Parlament.

Die kommunistische Führung war immer bestrebt die Proportion der Minderheiten in allen Organen zu respektieren. Die Zusammensetzung des Parlamentes, entsprach genau diesen Anforderungen. Es wurde von der Führung bestimmt wie viel % der Parlamentarier sollen Arbeiter ,Bauern, Intellektuelle, Rumänen, Ungaren, Deutsche, Frauen, Männer, sowie die % der Altersgruppen sein. So wurde zum Beispiel  für den Wahlkreis Mediasch vorgesehen, eine Frau, Intellektuelle, ca. 30-35 Jahre alt und Deutsche zu wählen. Diese wurde nun gesucht und dann offiziell vorgeschlagen. Egal wie viele gute Kandidaten es vielleicht gäbe, der Kandidat musste in das vorgegebene Raster passen, dann wurde dieser auch sicher gewählt, es gab ja keinen anderen Kandidaten.

Die Parlamentarier hatten nichts zu sagen, wenn einer bestimmt wurde das Wort zu einem Thema zu ergreifen , musste der Text zuerst von der Partei gebilligt werden und musste die Errungenschaften des Betriebes hervorheben sowie die gute Führung der Partei.

Die Macht der Parteiführung war sehr groß, der erste Parteisekretär, egal im Betrieb, in der Stadt , in der Region und natürlich im Land hatte die Macht und das Sagen , alle mussten sich diesen Beschlüssen unterordnen. Mann kann ruhig behaupten, ihre Macht entsprach dem einen Diktator, alle mussten sich unterordnen, das letzte Wort hatte immer die Partei.

– FORTSETZUNG FOLGT –

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