Dumitru der Eisverkäufer


                         Eis

– Dumitru der Eisverkäufer –

Ja, „Dumitru cu inghetatã“  auf deutsch Dumitru mit dem Eis, wer kannte ihn in Mühlbach der 50. und 60. Jahre nicht? Mühlbach ohne Dumitru konnte man sich kaum vorstellen in der Zeit. „Wer war überhaupt dieser Dumitru“ wird die jüngere Generation fragen, mein Jahrgang wird sich mit Nostalgie noch gut erinnern an Dumitru`s Spruch:

„A-a-a-zi c-c-c-cu b-b-b-bani, m-m-m-mãi ne-ne fã-fã-fãrã ba-ba-bani“, auf Deutsch Heute mit Geld, morgen ohne Geld. Er war eben ein Stotterer. Er war der Sohn

einer armen Bauern Familie aus Langendorf (Lancrãm). Zu meiner Zeit ein älterer Junggeselle. Reagierte ziemlich aggressiv wenn man ihm das stottern nach machte,

aber trotz seiner Behinderung war er korrekt und ehrlich in seinem „Job“. Deswegen war er jahrelang bei meinem Onkel Otto Sander im Dienst.  Der Konditor und Zuckerbäcker Otto Sander hatte eine Konditorei in der Petrigasse, gegenüber dem ev. Kindergarten im Haus der Familie Dahinten Emil.

Dumitru`s Job war Gefrorenes (Speise Eis)auf den Mühlbacher Strassen zu verkaufen. Dafür hatte er einen spezial eingerichteten  Karren in Würfelform mit zwei großen Holzrädern und links und rechts an den Seiten der Kiste waren je ein Hölzerner Griff mit dem er den „Eiswagen“ wie einen Schubkarren fortbewegte.

Innen war der Eiswagen mit einer doppelten Wand, die innere war mit Blech ausstaffiert. Der Raum  war ¾ mit normalen Eis aufgefüllt damit die zwei Porzellan Gefäße in denen das Speiseeis  war – meistens Vanille, Himbeeren oder Erdbeeren-Eis-, kühl zu halten. Auf der Hinteren Seite des Karren war noch ein Kästchen mit Deckel in dem die Waffel Tüten (Cornette) aufbewahrt waren, in denen eins bis zwei Kügelchen  Eis hinein passten.

In der Zeit kostete ein Kügelchen 50 Bani (einen halben Leu) Dumitru`s Dienstbekleidung bestand aus weißer Hose, Hemd und Jacke geschützt mit einer  großen blauen Schürze, mit einer großen Tasche in der das Geld vom Verkauf  war.

Seine Behinderung (das Stottern), hat uns „Lausbuben“ von 14-15 Jahren, war der Anlass ihm einen Streich zu spielen. Wenn wir ein Gefrorenes von ihm verlangten

natürlich ohne Geld, hat er uns immer seinen typischen Spruch – Heute mit Geld, morgen ohne Geld –  vorgestottert.  Stotterten  wir ihm nach, wurde er wütend. Dann fing er an zu Fluchen dass sich in eine fürchterliche Tirade von unverständlichen Silben anhörten. Dieser Zustand hat uns eine euphorische Freude gemacht.

Abends wurde abgerechnet nach verkauften Kornetten. Dann bekam er seinen Anteil. Nun musste Dumitru müde mit schmerzenden Beinen zu Fuß nach Hause, ins ca. 3Km entfernten Langendorf  (Lancrãm) marschieren. Es gab keine andere Möglichkeit nach Hause zu kommen.

Aber zurück zum Eis, das wir von ihm nicht ohne Geld bekommen hatten, kam uns die Idee ihn einmal herein zulegen.

Dumitru hatte auch seine Schwächen und  zwar wenn er an einem Restaurant oder Buffet vorbei kam, ging er hinein um einen „zu heben“.   Den Eiskarren ließ er vor dem Lokal stehen.

Und siehe einmal ergab sich die Gelegenheit. Als wir (zwei Klassen Kollegen und ich),  aus der Schule (Nr1) kamen, sahen wir seinen Eiswagen vor dem Restaurant Nr. 2 stehen. Da im Sommer nur der Biergarten rückwärts im Hof geöffnet hatte, blieb uns genügend Zeit den Wagen im Hofe des Grossischen Hauses hinter dem großen Tor zu verstecken.

Jetzt warteten wir neugierig wie Dumitru sich verhalten würde, wenn er sieht das sein Eiswagen nicht mehr da stand. Plötzlich erschien er, sah sich um Überrascht, das der Eiswagen verschwunden war.

Als er anfing zu Fluchen und immer nervöser wurde, gingen wir zu ihm und fragten ihn warum er so aufgebracht sei, stotterte er uns vor, der Eiswagen ist weg.

Wir versuchten dann ihn zu beruhigen und sagten ihm, wenn er uns je ein Eis gibt, zeigen wir ihm wo der Wagen sich befindet, den angeblich zwei Zigeuner versteckt

hatten. Da er keine andere Möglichkeit hatte seinen Wagen wieder zu finden, versprach er uns jedem ein Eis zu spendieren.

So sind wir dann zu unserm kostenlosen Eis gekommen.

Gemein – würde ich heute sagen, dem armen „Teufel“ so eine Angst einzujagen. Aber wir Lausbuben waren Stolz auf unseren gelungenen Streich.

Aus meinen Erinnerungen.

Geschrieben am: 20.09.2013.

Manfred Ziegler

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2 Gedanken zu “Dumitru der Eisverkäufer

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