Mein Leben in Rumänien – Kapitel 7


Aus dem Buch ” Mein Leben in Rumänien”

von Walter Graef,

herausgegeben von: R. G. Fischer INTERBOOKs

 

– Siebentes Kapitel –

Die Industriegruppe Onesti – Borzesti 1969 -1974

            Auf Grund unserer Analyse wurde durch Beschluss des  Ministerrates am 1 Mai 1969  die Chemie Industriegruppe Onesti – Borzesti gegründet, eine Einheit die 1 % des rumänischen Brutto Sozial Produktes hatte. Die Gruppe hatte nun 3 Einheiten, die Kautschuk Fabrik die Raffinerie  die 3 Millionen Tonnen Erdöl /Jahr verarbeitete und die Chemie Fabrik die Produkte herstellte auf Grund von Salz und Chlor,  PVC , usw. Die  Länge des Komplexes ca 10 Km  Breite 2,5 Km mit über 12 Tausend Angestellten, davon über 1000 Ingenieure, Meister, Techniker und Bürofachpersonal. Nur in der Forschung arbeiteten über 40 Diplom Chemiker .

Als General Direktor wurde Bunea Petru berufen, die Industrie Gruppe hatte einen Technischendirektor, Personaldirektor, Finanzdirektor, Mechanik und  Energiedirektor sowie, Einkauf und Verkaufdirektor Jede Fabrik hatte einen Direktor.   Ich wurde zum Organisationsleiter berufen, mit einem großen Kompetenzbereich, nur dem General Direktor untergeordnet.

Kaum berufen, musste ich nach Otopeni, die Kurse der Fortbildung hatten am 5 Mai begonnen. die Leitung des Kurses hatte Herr Ray Rabenold ein Amerikaner, NASA Experte, außer  ihm noch 4 andere Amerikaner, darunter Herr Livingston von IBM der den ersten Computer in Betrieb genommen hatte. Jeder der 16 Teilnehmer musste ein Projekt machen, das Thema konnte jeder wählen, aber es musste messbar sein was das Resultat betrifft. .Es waren vorgesehen immer 3 Wochen Kurse, dann zwei Wochen direkte Arbeiten im Betrieb. Am 9 Juni fand eine Sitzung aller General Direktoren der Vereinten Nationen in Otopeni statt, Herr Rabenold hat uns alle 16 hin mitgenommen um die Art und Weise der Probleme zu erkennen die vorgetragen wurden. Es sprach Herr Koen  General Direktor der UNO für Entwicklung, Herr Philip General Sekretär der B.I.T. aus Genf, Mircea Malita unser Stellv. Außenminister, und andere, wir alle haben gestaunt über die Art und Weise wie Probleme angegangen und gelöst werden müssen.

Am 21 Juni hat eine Sitzung stattgefunden geleitet vom Arbeitsminister Hidos, zugegen war auch Herr Pauli aus Genf von der UNO, alle Experten und wir die 16 Kursanten , die einer nach dem andern einen Bericht über unsere Tätigkeit abgeben mussten. Herr Minister Hidos (Arbeitsminister) sagte zum Abschluss: „Bei so einem Begeisterung musst Du von Stein sein um nicht alles bewundernswert zu finden. Es hat mir sehr gefallen was ihr gesagt habt, ich selber bin einer der dafür kämpfen wird, ich sehe unsere Mannschaft wächst. Es ist das erste Mal in unserem Land, das so etwas gelernt wird, und ihr betrachtet alles von der praktischen Seite, was uns besonders interessiert. Ihr seid unser bestes Kapital das nicht verloren gehen darf. Wir müssen euch stützen in dieser Arbeit. Es wird dazu führen das wir Gesetze und Beschlüsse ändern müssen, wir werden es tun. “

Herr Pauli aus Genf fügte hinzu: „ Alles was Sie gesagt haben ist sehr gut, ihr habt uns eine Lektion erteilt, wir müssen in Verbindung bleiben, ihr seid die ersten Diplom Ingenieure – Berater – in ihrem Land.“

Am 11 und 12 September fand eine Sitzung statt, wo alle Projekte besprochen wurden, Herr Arbeitsminister Hidos  bedankte sich bei uns und bei Herrn Rabenold für die Art und Weise wie gearbeitet wurde, und über die erzielten Resultate. Herr Rabenold bedankte sich für die Unterstützung seitens des Ministers und sagte dass er für seine Absolventen stolz sei.

Meine Aktivitäten beruhten von nun an auf diesen neuen Erkenntnissen. Ich werde hier einige Erfolge beschreiben, die dazu geführt haben, das  unsere Industriegruppe eine sehr erfolgreiche im Lande wurde.

Das Chemie Ministerium hat ab Beginn des Jahres  1969 eine eigene Zeitschrift herausgegeben in welcher die Arbeiten besonders auf dem Gebiet der Arbeitsorganisation veröffentlicht wurden. Meine erste Arbeit war eine detaillierte Darstellung der Organisationsstruktur der Industriegruppe Onesti – Borzesti, erschienen im Monat Mai (11 Seiten). Im Monat August erschien meine Darstellung des neuen Spezialisten: Analist für Organisation und Führung Methoden (19 Seiten) Im Monat Dezember konnte ich die Resultate des Projektes beschreiben: Die Delegierung der Verantwortungen an die Betriebe und in den Betrieben an die inneren Strukturen, in der Industriegruppe. (22 Seiten) Diese Zeitschrift des Ministeriums wurde allen Betrieben zugeschickt.

Meine Frau hatte eine Einladung ihrer Tante aus Österreich erhalten, Sie endlich einmal zu besuchen, auch ihre Kusine aus Helmstedt hatte uns eine Einladung geschickt, beide stammen aus Sächsisch Regen Sie wurden 1944 (damals  gehörte es zu  Ungaren ) von der Wehrmacht nach Österreich gebracht, als im August Rumänien  1944 die Front gewechselt hatte. Wir hatten einen Pass beantragt aber es sind Monate vergangen bis eines Tages der Hauptmann der Sicherheit, dem ich immer berichtete was die Fremden gesagt hatten, mir mitteilte sein Chef wollte mich sprechen, und so hatte ich den General Radu der Sicherheit Chef über die Region Bacau getroffen, welcher mir mitteilte, wir würden den Pass bekommen, aber er hätte eine große Bitte an mich, sein privater PKW müsste neu lackiert werden, und diese Farbe sei nur in Deutschland zu bekommen, er gab mir einen Zettel mit den Daten des Lackes ich versprach im diesen zu verschaffen, was ich auch getan habe.  Wir erhielten die Pässe und fuhren zuerst nach Österreich zu der Tante meiner Frau , Sie war Ärztin, dort blieben wir 5 Tage und fuhren weiter nach Deutschland zu ihrer Kusine ,Margrit Hanke  nach Helmstedt, an der Grenze zur DDR. Ihr Mann arbeitete im E Werk, und in dem Ort gab es auch eine Gummi Fabrik, die zu dem Phoenix Werk in Hamburg gehörte. Da ich ja mit Kautschuk zu tun hatte, wollte mir Karl – Heinz diese Fabrik zeigen. Leider wollte man uns nicht hinein lassen, da wir Ausländer aus Rumänien seien .Hier muss ich hinzufügen das vor Jahren Herr Dr. Dipl. Ing.  der Chemie Karl J. Radstädter (Phönix Werke Hamburg) welcher  das Kautschuk Werk in Onesti besucht hatte und ich mit Ihm ein längeres Gespräch hatte  mir versprochen hatte, wenn ich mal nach Deutschland komme, ihn in Hamburg zu besuchen. Ich berief mich also auf Herrn Dr. Ing. Radstädter, da fragte  man mich ob ich ihn kenne, was ich bejahte. Nun wurden wir gebeten zu warten, nach ca 5 Minuten standen uns alle Türen offen, habe alles gesehen und mich bedankt. Am nächsten Tag sind wir nach Frankfurt gefahren wo wir die Familie Winkler besucht haben. Herr Dr. Winkler war der Hausarzt von meinen Schwiegereltern, ich kannte ihn auch persönlich. Seine Frau hatte Auschwitz überlebt, die Freundschaft hat sich gefestigt und verblieb bis zu ihrem Tode. Hier erfuhren wir von der Kusine aus Helmstedt, das Herr Dr. Radstädter mich nach Hamburg eingeladen hatte, mit dem Versprechen mich sofort anzustellen, wir hatte jedoch unseren Kindern versprochen zurückzukommen. Wir fuhren weiter in die Schweiz zu den Verwandten meiner Schwiegermutter. Haben schöne Stunden in Zürich verbracht, waren  dann auch in Genf bei einem Kindheitsfreund meiner Frau Horst Umstädter, mit ihm haben wir das Atomforschungszentrum besucht, durften auch in den großen Forschung Tunnel der gerade nicht im Betrieb war, er arbeitete dort Wir haben gestaunt über diese große Forschung Einrichtung.

Nachher sind wir mit dem Zug über Zermatt bis oben zum Gornergrad  neben dem Matterhorn hinaufgefahren, es war ein wunderschöner Oktobertag und die Aussicht hervorragend, einfach herrlich. Leider mussten wir Abschied nehmen, unsere Fahrkarte die eine Rundfahrkarte war, führte  uns von  Zürich mit dem Orient Express zurück bis Kronstadt und von dort mit dem  Bus über die Karpaten nach Onesti .

Die Freude des Wiedersehen mit unseren Kindern war sehr groß, wir hatten viel zu erzählen und die Fragen nahmen kein Ende. Diese Fragen wurden natürlich auch von meinen Kollegen im Betrieb gestellt. Einige hatten sich gewundert, dass wir nicht in Deutschland geblieben sind. Hier muss ich gestehen, ich währe gerne geblieben, aber meine Frau wollte unbedingt zu den Kindern zurück, und die Lage in Rumänien hatte sich wesentlich verbessert,   meine Arbeit machte mir Freude, da ich vom General Direktor freie Hand hatte, konnte viel umsetzen, auch das Ministerium ernannte mich als Lektor für die Fortbildung der Betriebsleiter, die in Snagov, neben Bukarest in den Villen des Zentral Komitee  der  Partei stattfanden . . Die Personal Direktion des Ministeriums hatte mit denen eine gute Verbindung.

Im Monat Januar des Jahres 1970 konnte ich eine Arbeit in der Zeitschrift des Ministeriums publizieren Betreff  der Reorganisation der Mechaniker  Aktivitäten in den drei Fabriken und in allen Betrieben der Fabriken. Diese Arbeit wurde von meinem Kollektiv ausgearbeitet und   vom General Direktor genehmigt. (21 Seiten )

Eine zweite große Arbeit – Eine grafische Darstellung der Befugnisse aller Funktionen in einem Produktionsbetrieb Die Darstellung erfolgte nach dem amerikanischem Model, in dem genau zu ersehen ist, wer für was zuständig ist, wer vorschlägt, wer befürwortet, wer genehmigt, wer kontrolliert usw. Diese Arbeit wurde im Monat Februar in der Zeitschrift des Ministeriums publiziert. Im Juli habe ich in der Zeitschrift  eine Halbjahres Bilanz präsentiert. Wir hatten 56 Studien gemacht die Gewinne sind um über 20 Millionen gestiegen,93 Arbeitsplätze sind entfallen, von 225 internen Formularen sind 162 geblieben, die Produktivität konnte gesteigert werden ,ich könnte hier noch viele Beispiele nennen (Alle Zeitschriften besitze ich auch Heute, die Daten sind aus diesen entnommen ).

Im  September konnte ich eine Arbeit publizieren die den Grund und die Resultate einer Psycho- – Sozialen Studie darstellte. Auf Grund dieser Erkenntnisse konnte ein Programm ausgearbeitet werden nachdem  alle Betriebsleiter und besonders die Meister  geschult wurden.

Zwischen dem 8 – 12 Dezember 1970 fand in Bukarest das zweite Internationale Symposium „ Die Durchführung des Information  Systems in der Wirtschaft, unter der Ägide der Vereinigung der Wissenschaftler statt. Am 9 Dezember in der V Sektion die Administration und die Informatik , geleitet von  Herrn Algan aus Frankreich, durfte ich nach Wissenschaftler aus den USA, Frankreich, Tschechoslowakei und Bulgarien   eine Arbeit präsentieren . „Die Begründung der organisatorischen Struktur in der Industriegruppe Onesti Borzesti mit Hilfe des Information Flusses. Am 26 Dezember erschien in der Zeitung „Informatia Bucurestului „ eine wissenschaftliche Darlegung, über das Neue Wort in der Heutigen Zeit die Informatik.  Frau Catinca Muscan befragte  neben Prof. Dr. Nicolau , Prof. Dr. Georg Wittgen (DDR), Prof. Jerebin Vsevolod Mihailovici aus der Sowjetunion und Marcel Van Dyck Belgien, auch mich über die Aktivitäten in der Industriegruppe  (Stellungnahmen publiziert ).

Nun habe ich die Initiative  ergriffen, in unserer Industrie – Gruppe ein eigenes Information – Blatt zu veröffentlichen. Mit weiteren 7 Mitarbeitern erschien im Jahre 1971 die Nr.1 die immerhin 88 Seiten umfasste. Die Auflage lag bei 500 Stück und wurde verteilt an alle Direktoren , Betriebsleiter und Meister .Das Blatt umfasste 8 Kapitel , wie Organisation – Probleme , Standpunkte , aus unserer Aktivität , ein Wörterbuch wo erklärt wurde zum Beispiel Brainstorming , Ergonomie , Marketing usw. Dann Rezensionen , Bibliographie und Gespräche mit den Lesern.

Das Echo war sehr groß, wir waren bemüht unseren Führungskräften alle Neuigkeiten auch aus Internationalen Fachzeitschriften zu präsentieren. Zum Beispiel „Die Führung und die Wissenschaft der Verhaltung“ von Robert Sampson aus Chicago Illinois . Jede Ausgabe hatte immer mehr Seiten Nr. 6  im Jahre 1972 brachte es auf 136 Seiten.

Im März 1971 erschien in der Zeitschrift des Ministeriums meine Arbeit ( zusammen mit meinem Mitarbeiter Ing. Bularda)  eine neue Methode  zu den Momentaufnahmen , durch welche wir  die Fehlerquote von 15 % auf 7,5 % reduziert haben , die Nr. der Momentaufnahmen wurde von 40.000 auf 23.400 reduziert ,die Methode wurde angewandt , die Zahl der Arbeiter für Instandhaltung konnte von 412 auf 322 in der Kautschuk Fabrik reduziert werden .

Im September  (21 – 23) 1971 habe ich zusammen mit meiner Mitarbeiterin Frau Maria Farcas  beim Nationalen Congress für Ergonomie in Bukarest unsere Arbeit. „Die Anwendung ergonomischer Prinzipien bei der Analyse der Arbeit – Methoden in der Installation für Perclorvinil  um die Arbeit zu erleichtern und die Produktivität zu erhöhen präsentiert       Zu einigen Themen habe ich das Wort ergriffen und einige Probleme geklärt . Nachher in der Pause kam Herr Prof. Dr. Ing. Ionel Haiduc auf mich zu ( Er war der einzige Doktorvater in Rumänien , an der Technischen Hochschule in Temeschburg der mir zusagte er würde mich gerne als Doktorand annehmen , aber nicht in diesem Jahr , da sind nur zwei Plätze und es hat sich der Arbeitsminister Hidos und der Minister für Metallurgie Avram beworben . (Gegen 2 Minister kann man nicht konkurrieren, die Plätze waren vergeben) Leider ist Herr Professor  verstorben, er hatte viel gelitten da er selbst politisch verfolgter am Donaukanal arbeiten musste.

Am letzten Tag  hat Miron Constantinescu , Präsident der Akademie der Sozialen und Politischen Wissenschaften eine Bilanz gezogen und hervorgehoben das von den 55 vorgetragenen Arbeiten  wegen ihrer Aktualität  Verbesserung der Arbeit- Methoden und der erreichten  Produktivitätssteigerung die Arbeit präsentiert von Walter Graef und Maria Farcas der erste Platz gebührt.  Diese Arbeit ist dann auch im  Informations- Blatt des Chemie Ministeriums erschienen.

Hier muss ich über die Entstehung dieser Arbeit berichten. Die Anlage Perclorvinil in der Chemischen Fabrik hatte ihren Plan nicht erfüllt, und der Generaldirektor hat den besten Betriebsleiter Herren Fantu aus der Kautschuk Fabrik als Betriebsleiter der Anlage Perclorvinil ernannt. Nach kurzer Zeit beklagte er sich beim General Direktor er hätte zu wenig Leute und könnte deshalb den Plan nicht erfüllen. Ich wurde beauftragt dieses Problem zu analysieren, was ich auch gemacht habe, das Resultat war aber, es sind genügend Leute vorhanden. Es verging nur kurze Zeit und die Klage über zu wenig Leute kam erneut. Der General Direktor war sehr böse auf mich, doch ich sagte Ihm ich werde nun eine neue Analyse machen, aber nach der amerikanischem Methode,  und ich bitte dieses zu genehmigen. Das Resultat dieser Analyse war  ich habe da Personal mit 4 Personen gekürzt, und einen genauen Ablaufplan für alle notwendigen Arbeiten gemacht. Nun hieß es bei den Betriebsleitern nur keine zusätzliches Personal zu beantragen, den Graef nimmt dir noch welche weg.

Eines Tages im Jahre 1972 kam eine Wirtschaft  Kommission  des Zentralkomitee  der Partei geführt vom Genossen Hrisca um unsere Industrie Gruppe zu kontrollieren. Da ich auch gefordert war, fand eine freundschaftliche Begegnung statt, wir hatten ja zusammen die Militärzeit gemacht. Alle Aktivitäten wurden positiv bewertet, doch beim Abschluss sagte er mir, in kürze müsse er das Kombinat  aus Piatra Neamt kontrollieren, und hin werde er mich als Mitglied mitnehmen, da ich ja auch Absolvent mit den Amerikanern sei .So habe ich unter seiner Leitung an der Kontrolle teilgenommen

Im Herbst kam Genosse Leonte Rautu – Ein Mitglied des Exekutiv Büros der Partei. (Außer Ceausescu noch 6 Mitglieder) um die Personalpolitik sowie die Aktivität der Arbeit – Organisation zu bewerten. Es waren zugegen die Partei Sekretäre der Region Bacau, der Stadt Onesti, und Mitglieder dieser Organisationen. Unser Direktor Palangeanu zuständig für das Personal wurde praktisch zur Schnecke gemacht, die Situation war sehr angespannt .Nun kam die Reihe an mich, und ich wurde gefragt welches unsere letzte Arbeit nach den neuen Richtlinien der Partei sei. Da erklärte ich wir hätten nach dem amerikanische Model Flow – Chart das neue Gesetz Nr.900 welches die Arbeiten für neue Investitionen effektiver machen sollte analysiert , und festgestellt , das der Bürokratische Aufwand größer geworden ist . Die Gesichter aller hatten sich  verfinstert , da wollte Genosse Leonte Rautu die Arbeit sehen ,Ich konnte dieses ,und präsentierte die grafische Darstellung , wo jeder Handgriff von A bis Z dargestellt ist , diese hatte eine Länge von über 6 Metern. Er sah sich die Differenzen vom alten System zum neuen an, dann stand er auf, reichte mir die Hand und sagte, „ ja das ist eine sehr gute Arbeit, die nehme ich mit „.  Alle die dabei gewesen sind waren erleichtert, wir wurden beglückwünscht. Nachher die Frage an mich seitens des Parteisekretärs „wie konntest Du Leonte Rautu widersprechen ich sagte ich habe nicht widersprochen, sonder nur die Wahrheit gesagt.  Hervorheben möchte ich noch die Planung der Generalüberholung größerer Industrieanlagen. Mit Hilfe der PERT Methode zu machen (Den kritischen Weg bestimmen) In den USA wird kein größeres Projekt begonnen bis die PERT Methode nicht fertig und in allen Einzelheiten überprüft und genehmigt ist .Wir haben die General Überholung der Phenol Anlage nach der PERT Methode geplant  und konnten die Effektive Zeit um 2 Tage verringern also 108 Tonnen Phenol und 66 Tonnen Azeton  zusätzlich produziert .(Geplante Jahres Arbeitszeit 8000 Stunden )

So eine Pleite wie der Termin des Berliner Flughafen  wäre durch die Planung einer PERT Methode nicht möglich gewesen.

Nun möchte ich auch einige Anmerkungen über die Entlohnung in Rumänien machen .Es gab einen gesetzlichen Mindest-Lohn  und der Höchst Lohn betrug das 25 Fache. Diese Spanne wurde in 40 Gehaltsklassen (Ohne die Arbeiter) aufgeteilt. Klasse 40 hatten die Minister, Mein General Direktor hatte die Klasse 38, ich als Organisationsleiter die Klasse 36. Ein junger Akademiker begann mit der Klasse 21, konnte dann bis 26 steigen, Als Hauptingenieur. Von Gruppe 26 bis 31 Eine Raumpflegerin hatte Gruppe 1 bis Maximum Gruppe 5 Führungspersonen bekamen noch eine Führung Zulage.

Unsere Industriegruppe bekam ab Januar 1973 einen Investitionsplan von 5 Milliarden Lei für eine neue Kautschuk Fabrik, (Poliisopren) aber  kein zusätzliches Personal, welches sich in der Investitionsphase darum kümmern sollte. Unser Personal für Investitionen hatte mit der Instandhaltung aller Betriebe sehr viel zu tun, konnte diese zusätzliche Arbeiten nicht auch übernehmen. Als Organisationsleiter habe ich dem Exekutiv Büro der Industriegruppe eine Arbeit präsentiert und eine zusätzliche Dienststelle  für Apparate und Installationen  vorgeschlagen  die sich nur für die neuen Investitionen kümmern soll .Der Plan wurde angenommen aber der General Direktor sagte, Graef du hast es vorgeschlagen , mit Datum 01.01.1973 bist Du als Leiter dieser Dienststelle ernannt. Meine Aktivität in dieser neuen Funktion war von sehr kurzer Dauer, die ganze Situation in Rumänien sollte sich radikal ändern, und zwar um 180 Grad. Ceausescu und seine Frau waren im Frühjahr 1973 in China zu Besuch , die Kultur – Revolution hatte ihren Höhepunkt erreicht , diese sollte nun auch in Rumänien eingeführt werden . Am 22 März 1973 wurde ein Dekret erlassen durch welches neue Strukturen dekretiert wurden alle Ingenieure aus den „aufgelösten“ Dienststellen mussten in die Produktionseinheiten, wo sie in Schichten arbeiten sollten. Der General Direktor wollte die neue Dienststelle retten, ging aber nicht, und so wurde ich ab 01 April als Schichtbetriebsleiter in der Polistyrol Einheit ernannt.

Eine Episode aus dieser kurzen Zeit in meiner neuen Funktion möchte ich doch schildern, um die Unzulänglichkeiten der Planwirtschaft zu berichten.

Für die neue Kautschuk Poliisoprenanlage brauchten wir hunderte Messgeräte die in einer Fabrik in Arad hergestellt wurden. Uns wurde mitgeteilt seitens der Fabrik aus Arad, sie können nicht liefern da sie den Plan nicht erfüllen können und wir hätten auch keine Zuteilung dafür. Der General Direktor schickte mich nach Arad  um die genauen Gründe zu erforschen welche die Erfüllung des Planes verhindern .Der Grund warb ,es fehlte an Perclorvinil ,für die Entfettung der Bestandteile  dieses wurde bei uns in der Industriegruppe hergestellt .hergestellt Nach Rücksprache mit dem General Direktor konnte ich ihnen versprechen 3 Zisternen Perclorvinil zu liefern , mit der Kondition das wir alle Messgeräte erhalten .. Dieses Geschäft hat geklappt. Es erinnert an Zustände aus dem Mittelalter  – Tauschwirtschaft.

Meine ganzen Aktivitäten bis zu diesem Datum dem Fortschritt auf allen Ebenen gewidmet waren, und  nie jemandem geschadet habe, stand mein Entschluss fest, die Industriegruppe zu verlassen. In Neumarkt (Tirgu Mures) in Siebenbürgen wurde ein neuer Betrieb gegründet der  für alle Chemiebetriebe in Siebenbürgen und dem Banat für die kleineren Investitionen und Instandhaltung  zuständig war. Ich habe mich dienstlich ab 01.07. 1973 zu diesem Betrieb versetzen lassen. In den drei Monaten in welchen ich als Schichtleiter tätig war, haben viele die in der gleichen Situation waren, festgestellt, dass  die Jahre des Fortschrittes in Rumänien vorbei waren. Auch der General Direktor, der nie ein echter Kommunist  war, trotz Mitglied im Zentral Komitee, schimpfte  und fluchte. Übrigens hat auch er etwas später sich versetzen lassen.

Hier stand ich nun nach vielen Jahren guter Arbeit, gefordert von allen Seiten, auch als Mitglied des Ministeriums zuständig für die Fortbildung der Betriebsleiter. Diese Kurse wurden in Snagov, gehalten, der Leiter war der Direktor der Plandirektion Lungu aus dem Ministerium. Es war eine schöne und fruchtbare Zeit, hatte auch viel mit Ausländern zu tun, da ich jedes Mal zu den Gesprächen beim General Direktor als Dolmetscher gefordert war. Natürlich musste ich nachher dem Offizieren der Sicherheit darüber berichten, doch ich habe nie einen Gast oder Kollegen belastet, im Gegenteil ich war meinem eigenen Versprechen treu, mit der Meute musst Du bellen.

Zwei Beispiele möchte ich hervorheben. Ein Gast , der Botschafter der  Vereinigten Arabischen Länder (Heute  Ägypten)  Herr Mohamed Fahmy Hamad welchem ich das Kombinat zeigte und erklärte , hatte sich anschließend schriftlich bei mir bedankt . Auch zu einem Besuch nach Bukarest hatte er mich eingeladen. Beim  endgültigem verlassen  des Landes, wurde ich persönlich zur offiziellen Rezeption eingeladen. Diese Briefe sind ein Beweis meiner Arbeit. Das zweite Beispiel betrifft den Besuch des Universität  Professor David Granick von der Universität of Wisconsin – Madison .Diesen durfte ich im Kombinat begleiten , er machte eine Studie  über die Osteuropäischen Länder . Von Ihm erhielt ich einen Dankesbrief in welchem er mir mitteilte dass sein Studium als Buch erschienen ist unter dem Titel: Guidance in Eastern Europe: A Comparison of Four Socialist Economies.

Auch habe ich an dem Festbankett aller Militär -attache aller Länder die unserer Kombinat besichtigt haben teilgenommen, bei welchem nur noch neben dem Stadtparteisekretär, der General Direktor dabei war.

Ich habe Onesti verlassen, meine Familie ist noch bis zum Jahres ende geblieben, ich hatte ja dort noch keine Wohnung, und Neumarkt war eine geschlossene Stadt, nur der Minister konnte dafür die Zustimmung als benötigte Fachkraft erteilen  Die Bewilligung in Neumarkt –Tirgu Mures – wohnen zu dürfen wurde mir durch Befehl des Ministers Florescu erteilt.

                         – FORTSETZUNG FOLGT –

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