Gedichte von Josefine Kerekesz (2)


–       Gedichte von Josefine Kerekesz –

 Ich weis nicht ob die Dichterin den breiten Massen bekannt ist. Ich möchte erwähnen dass sie lange Jahre in Mühlbach gelebt hat, so viel mir bekannt ist in der Altgasse. Durch diese Veröffentlichung  möchte ich ihre Bescheidenheit, Sensibilität und Ihr großes Talent ihre Gefühle in Versform wiederzugeben hervorheben.

Horst Theil

 

 

Vorfrühling in Siebenbürgen

.

Zartgrüner Schimmer überm Ackerland,

rings auf den Höhen Winterschnee,

darüber strahlendes Blau bis zum

Himmelsrand –

gab’s schöneren Vorfrühling je?

.

Unsere Augen entzückt, unsere Herzen weit

vergessen Kriegsnot und Wunden,

du bist daheim – und es ist Frühlingszeit,

soll da nicht auch die Seele gesunden?

.

Sieh nur das Sprießen ringsumher,

sieh, dort am Südhang lacht das lichte Grün

ein zarter Lerchensang klingt süß von

irgendher,

die Frühlingssonne lockt zum Leben und

Erblühn.

.

Und weich der Lenzwind uns entgegenweht

sein Hauch ist wie ein leises Mahnen:

Wer frohgemut durch den Frühling geht,

kann erst die Schönheit des Lebens ahnen.

.

Wie sonnenhell ist dieser Frühlingstag:

Wir sind so unbeschwert, so innig

Jugendfroh;

ich wüsste nicht, wenn jemand fragen mag,

ob jemals er so glückhaft ward empfunden

irgendwo?

.

Heimweh

.

In meinem langen Leben

hab ich das Heimweh nicht gekannt,

Ich war von Liebe warm umgeben,

daheim war alles Weh verbrannt.

.

Seit ich mein Daheim verloren

ist mein Leben öd und trübe,

es ist um wärmend Glück betrogen,

und ich hab Heimweh nach der Liebe.

.

Müssen und Wollen

.

Die schönste Lebenszeit fand mich in

fremder Fron

so lernte ich den Unterschied von Müssen

und Wollen

in meiner Jugend schon.

War all die langen Jahre beseelt von treuem

Plichterfüllen

und trug dabei tief innerlich den großen

Wunsch im Stillen:

.

Ach, dürft ich einmal tun, was mir kein

Vorgesetzter schafft,

ganz still nur wirken, nicht bekrittelt und

nicht begafft,

nicht bloß der Jemand sein, der um des Opfers Preis

dies tut und jenes lässt, nach fremdem

Willen und Geheiß.

.

Ein Leben lang hab ich so sehnlich diesen

Wunsch gehegt –

und da er dicht am Ende nun erfüllt, die

Frage mich bewegt:

War dies das Leben, eine Kette von Müssen

und sollen?

Es währt eine Spanne lang noch für

bescheidenes Wollen.

.

Herbst  Nein

.

In unsere Gasse ist der Herbst gezogen,

sie ist von goldfarbigem Laub besät,

das der Nordwind Nächtens abgemäht

von Bäumen, die sich ächzend bogen.

.

Wirbelnd kreisen Blätter in dem Wind,

flattern hoch mit taumelnder Gebärde,

fallen endlich irgendwo zur Erde,

wie ein lebensmüdes Menschenkind.

.

Gleich den Seelen, die zu ihrer Herbsteszeit

Ein sanfter Gotteshauch hinweg geweht,

weit von der alten Gasse, wo sie einst gelebt,

sanken sie zur Ruhe in die Ewigkeit.

.

Ort der Ruhe

.

So oft ich an dem Ort der Ruhe frische

Blumenhügel sehe

ist’s mir, als suchte eine Freundeshand die

anderen in der Nähe.

In langen, dichten Reihen schon dehnen sich

die Grabeshügel

über unserem Volke schwingen Dohlen ihre

schwarzen Flügel.

.

Wer weiß, ob nicht dereinst auf diesem

Platz auf Mauern von Gebeinen

vielstöckige Häuser stehn,

ob nicht auf unseres Daseins letzter Spur

den Marmorsteinen

fremde Menschen lieblos gehen?

Ach komme vorher doch der gottverheißne

Jüngste Tag –

für unsere Toten dann ein fröhlich

Auferstehn!

.

Zum Trost

.

Wie bitter es auch klingen mag –

es kommt für jeden einst der Tag,

da er erschüttert steht und stumm;

nur seine wunde Seele fragt: Warum, O

Gott, warum?

Warum, O Gott, warum?

.

Du wunde Seele, sei still in Gott ergeben,

bedenk’, dass über Tod und Leben

beschloss Gottvaters weiser Rat;

und grüble nicht, denn unerforschlich

sein milder Sinn und seine sanfte Tat.

.

Drum frage nicht „warum, o Gott.

Warum?“

Blick auf zu ihm – und lege stumm

dein Leid in seine Vaterhände

und bete fromm,

dass er sich nimmer von dir wende.

.

Dann kommt der Tag, da du ihm kindlich

nah,

ergeben sagst: „O, Herr, dein Wille

geschah!“

Was irdisch war, nahm er an sein Vaterherz

Mit gültigem Erbarmen

Zu friedenvoller Rast, erlöst von

Erdenschmerz.

.

Unsterblich aber ist die Seele all der Lieben,

sie ist im Treugedenken doch bei dir

geblieben,

in dunkeln Nächten und im Tageslauf;

drum sei getrost,

die Liebe höret nimmer auf.

.

Der Große Platz in Mühlbach

.

Längs der grünen Gräsermatten

leuchtendrote Rosenbüsche

stehn in silberzartem Schatten – da und dort

ein Lindenbaum,

blütenreiches Ziergesträuch, Stiefmütterchen

blühn in bunter Frische

und beim Anblick dieser Pracht, befällt mich

ein Erinnerungstraum.

.

Hier lag der „Große Platz“ von unsern

Ahnen so benannt

als Mittelpunkt der Wirtschaft und für

manche Festlichkeiten,

bachsteingeplastert einst von wackerer

Männerhand,

schlicht und schmucklos sah er buntbewegte

Zeiten.

.

Es sah in Kriegszeit Kämpferscharen, in

Frieden eifriges Marktgedränge,

Übungen der Feuerwehr und Königsfeiern,

wie sie damals üblich waren;

hier war der Standort für die Platzmusik,

für schöne Feste mit Gepränge –

all das ist nun verrauscht, verklungen nach

so vielen hundert Jahren.

.

Der alte „Große Platz“ von einst ist einem

Jungen Park gewichen

Doch leise haucht die Erde noch ein treu

Erinnerung darüber hin. –

Da hab ich Wehmutstränen von der Wange

mir gestrichen

Und sah im grünen Park die leuchtendroten

Rosenbüsche blühn.

.

Heimat

.

Heimat ist, wo ich von mancher Bergeshöh

die wundersame Schönheit dieser

Landschaft sah,

wo über Tannenwipfel hin zum

Gipfelschnee

mein Blick sich weitet Himmelsnah.

.

Heimat ist, wo in dem bergumsäumten Tal

mein still versonntes Leben mählich rann,

wo ich im wechselvollem Zeitgeschehn zumal

den tiefsten Sinn der Erdverbundenheit

gewann.

.

Heimat ist das kleine Fleckchen Erde

Wo meine Liebsten ruhn schon lange Zeit

Im Schloß des weiten Tals, im Schatten

unsrer Berge:

Es ist die traute Heimat bis in Ewigkeit.

.

Muttertag

.

Wenn ich am Muttertag zum Gruß dir

Blume brachte,

wie warst Du frohbewegt, wie innig war

Dein Blick. –

Du streichelst mich liebevoll, Du nahmst die

Blumen sachte

Und Deine Feudentränen fielen drauf im

stillen Mutterglück.

.

Am Muttertage steh’ ich heute vor Deinem

lieben Bild –

ich sehne mich nach Deiner warmen

Mutterhand, nach Deinem

Blick so mild, –

voll Liebe Dein gedenkend stell ich vor Dein

Bild die

Blumen auf

und meine unstillbaren Wehmutstränen

fallen sacht darauf.

.

Sonntag

.

Vom Kirchturm klingen die Glocken,

sie laden zur Gottfeier ein,

ihr Klang soll unsern Zeitgenossen

ein trostvolles Zeugnis sein.

.

Noch ist uns unsere Kirche

Das Denkmal aus Vorväterzeit,

ein Mahnmal zu Ehrfurcht und Glauben

an Gottvaters Ewigkeit.

.

Lasst klingen ihr Glocken die Töne

auch in zweifelnde Herzen hinein,

mahnend die blühende Jugend

glaubens- und volkstreu zu sein

auf das vom Kirchturm die Glocken

nicht dereinst um Jahr und Tag

treulosen Kindern des Stammes

erkilngen zum letzten

zum allerletzten Schlag.

.

Doppelte Freude „Mamichen erzählt von Weihnachten“

.

Aus unseren seligen Kindertagen

hat Mamichen uns oft erzählt,

ging ein auf alle unsere Fragen,

ihr liebes Antlitz in Erinnerung verklärt.

Und sie erzählt:

.

Acht Jahre war Helen – eilt aus der Schule

froh nach Haus,

packt mitteilsam die großen Neuigkeiten

aus:

„Ach Mamichen, wir haben Ferien, denk Dir

wie fein,

nun kann ich den ganzen Tag Dir behilflich

sein!

.

Und rate, Mamichen, was ich soeben gesehn

So viele Christbäume, ach sooo schön,

sie wurden eben von Schlitten und Wagen

auf dem Platz neben der Schule abgeladen.

.

Gewiss weiß das Christkind wo sie stehn –

und bis hierher braucht es nicht weit zu

gehen

sag, hat es die Christbäume selbst

ausgewählt?

.

Ach Mamichen, beuge dich zu mir her,

ich will Dir flüstern: „Es Weihnachtet sehr“

mehr verrate ich davon heute nicht,

nur am Christtag sag ich dir das schöne

Gedicht!

.

Und Mamichen, kennst Du den schönen

Spruch:

„Geteilte Freude ist doppelte Freude“?

Er steht auf Seite zehn im Lesebuch.

Den sagte uns der Herr Lehrer heute,

und sagte noch: Den Spruch, ihr lieben

Kinder, zum Geleit,

für die fröhliche, selige Weihnachtszeit.

Dann war die Stunde aus; und in der frohen

Hast

hab ich den Sinn des Spruches leider nicht

erfasst.

.

Oh Mamichen, ich hab so viel Dir noch zu

sagen,

ja – aber ich möchte auch ganz leise Dich

fragen,

darf ich, wenn die kleinen schon zu Bett

gebracht,

Dir helfen bei dem, was Christkind uns

zugedacht?

.

Und sie half mit Geschick und hellem

Entzücken

den Christbaum für die Geschwister

schmücken.

Am Heiligen Abend – Oh, du wonnige Zeit,

der Lichterbaum brannte – und die Kleinen

zu zweit

eilten selig jauchzend an Mutters Brust

mit glückstrahlenden Augen voll

Kinderlust.

.

Die achtjährige Helene schaut der

Geschwister Glück;

Es schimmern Tränen in ihrem Blick,

und ihr Mund vor Rührung bebt:

„Mama, jetzt hab ich doppelte Freude erlebt“.

.

Allerseelen

.

Über euren toten Herzen

leuchten Allerseelenkerzen

brennen meine Seelenschmerzen

in Sehnsucht nach euch.

.

Als sähe ich im Kerzenlicht

euer liebes Angesicht

und meine Tränen fallen dicht

in Sehnsucht nach euch.

.

In dem stillen Kerzenschein

streichle ich eure Erde und den Stein

und fühle warmes Nahesein

in Sehnsucht nach euch.

.

Herbsttag

.

An sonnigen Oktobertag

in zauberischer Natur

steift ich über Hang und Hag

auf Michelsberger Flur.

.

O, wenn ich nur die Worte hätte

zu schildern die Farbenpracht,

die ohne Pinsel und Palette

Gott malte über Nacht.

.

Buntgetupft im weiten Raum

dort der Birnenwald

leuchtendrot bis kupferbraun

verschwenderisch übermalt.

.

Die Kirschenbäume auf dem Berg

ein Farbenbündel in Pastell,

im farbenfrohen Wunderwerk

leuchten Birken flammenhell.

.

Zur Burg hinan der dichte Wald:

rotgoldne Symphonie,

milde Sonne überstrahlt

naturgewordne Poesie.

.

Da am nahen Wiesenrain

die Haselhecke glüht

flimmernd im Sonnenschein

von Farbentönen übersprüht.

.

Auf der Wiese dort am Bergesfuß

tausendfach im grünen Moose

blüht als letzter Blumengruß

lila Herbstzeitlose.

.

Ich steh ergriffen und berauscht

vor dieser Farbenfülle,

und nur von meinem Gott belauscht

halt ich dankbar Andacht in der Stille.

.

Wie reich schenkt Deine Meisterhand

wundersame Farbenschönheit augennah,

wie herrlich prangt Dein leuchtend Land.

Es ist ein Herbsttag wie ich keine sah.

.

Zaungast

.

Halbverwaist stand ich bescheiden nur am

Zaun,

mich hat das Glück zum Reigenspielen nie

gewollt,

es hat mit Vorzugskindern nur

herumgetollt;

ich durfte nur durchs Gitter schaun.

.

Was ich ersehnte, blieb mir immer fern,

ich durfte keinen Traum fürs Leben mir

erträumen;

ich lehnte bloß am Zaun; ich sah nur zu:

wie ein guter Stern

strahlend leuchtet in des Nachbars

Räumen.

.

Es war wohl so bestimmt von höherem

Geschick,

dass Auserwählte fröhlich sich im Reigen

drehn,

indes die Ausgeschlossenen vom Glück

als Zaungäste an dem Gitter stehn.

.

Und käm ich einst vor Gottes großen Garten

und einer hieße mich hinein zu gehn,

den Vortritt ließe ich allen; ich hab gelernt

zu warten;

ich würde mir von außen nur das Paradies

besehn.

.

Petunien

.

Heute hab ich im Garten bescheiden versteckt

eine weiße Petunienstaude entdeckt

Blieb vor den Blütenranken stehn

und habe verträumt längst Vergangenes

gesehn.

.

Einen sonnigen Hof, eine Fülle Blüten in

bunter Pracht,

aus jedem Winkel haben duftende Blumen

gelacht,

inmitten unsere unbeschwerte frohe

Kinderschar,

die von Liebe umhegt so glückseelig war.

Verweht ist heute alles, was einst bunt und

schön.

Blumen erinnern mich an das Blühen und

Vergehn.

.

Gedenk’ unseres Heller, Hans und

Hänschen irgendwo im ferner Sand –

Und streue jedem weiße Blüten der Petunia

aus dem Kinderland.

.

Blütenduft

.

Junisonne überm Garten glüht,

Päonienstaude in Fülle blüht,

lieblicher Duft schwebt in der Luft.

.

Strömt der Duft, der süß herüberweht

von dem nahen Rosenbeet –

oder duftet würziges Tannengrün,

an dem die frischen Triebe blühn?

.

Ich atme tief den wundersamen Duft –

woher mag er nur sein?

Ich hab’s: Im Nachbargarten blüht der

Wein!

.Dank an Herr Gerhard Wagner für die zur Verfügungstellung des Materiales!

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