Der Zimmermaler Meister – Josef Schmidt –


– Der Zimmermalermeister – Josef Schmidt –

 

001-Josef Schmidt 02 - Kopie

(1883 – 1965)

Mit dem Handwagen, voll bepackt mit Farbtöpfen, Pinseln und Leitern, Rollmustern und Musterschablonen durch Mühlbachs Straßen ziehend, so kannte man ihn, den Zimmermalermeister Josef Schmidt.

Josef Schmidt war ein mittelgroßer eher zart gebauter Mann, sehr flink, in allem was er tat, mit lebhaften blauen Augen, weißen vollen Haaren, eine leicht gebogene Nase und markantem Profil. Er war ein fröhlicher, humorvoller Mann, und stets auf das Wohl seiner Familie bedacht.

Aber sein Leben war nicht immer voller Sonnenschein, denn der erste Weltkrieg, an dem er als junger Mann teilnehmen musste, hat die Familie hart hergenommen. Ehefrau Luise (Tochter des bekannten „Tschismenmachers“ Heinrich Hatzack), und Töchterchen Edda mussten ohne ihn einige Jahre zurechtkommen.

Opas Haus348N

Das Haus in der Gallusgasse

Aus dem Kriege zurückgekehrt, begann er für seine kleine Familie ein Haus in der Gallusgasse zu bauen. Dafür musste er hart arbeiten, denn die Mühlbacher betrachteten das Bauvorhaben argwöhnisch und voller Neid, und gaben ihm keine Arbeit. Die Aufträge blieben aus und die Schulden wurden immer höher. Aber das ließ ihn nicht den Mut verlieren, sondern er suchte sich Arbeit in den Dörfern des Unterwaldes und hier war er ein gefragter Mann. So konnte er nach und nach seine Darlehen für den Hausbau abbezahlen und allmählich hatten auch die Mühlbacher sich wieder an ihn und seine Handwerkskunst erinnert und die Aufträge mehrten sich. Das sicherte der inzwischen fünfköpfigen Familie ein gutes Auskommen.

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Es gab kaum ein Haus in Mühlbach, wo er nicht wenigstens einmal beratend, fachkundig, mit Pinsel, Farbe, Lineal und Musterrolle zu Werke gewesen wäre. Dabei machte er keinen Unterschied, ob es private Haushalte, Firmen oder Institutionen waren, ob hier deutsch, sächsisch, rumänisch oder ungarisch gesprochen wurde, egal wo immer Not am Mann war, wurde sein sachkundiges Wissen erfragt und geachtet. Man ließ ihn nach seinem Gutdünken schalten und walten und war mit der gelieferten Arbeit über Jahre hinweg zufrieden.

003-Zimmermalermeister J. Schmidet mit Ehefrau luise

Josef Schmidt (1883 – 1965)

Mit

Ehefrau Luise Schmidt ((1883 – 1965)

Josef und Ehefrau Luise Schmidt (1893 – 1980) waren auch in verschiedenen Vereinen der Stadt sehr aktiv. Josef Schmidt war als Tenorsänger Mitglied in der „Liedertafel“, und Luise Schmidt beim Frauenverein und Jugendbund tätig, war bei der Organisation von Faschingsveranstaltungen und Festbällen und Kommersabenden eine führende Kraft, studierte mit der Jugend Theaterstücke ein, schrieb zu verschiedenen Anlässen Gedichte, Anekdoten und Kurzgeschichten, die sie vortrug, dramatisierte Märchen und Kindergeschichten für die Schulklassen, wo sie auch teilweise Regie führte. In der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen und der Nachkriegszeit, war das kulturelle Leben der Stadt ohne die beiden kaum denkbar.

Geselligkeit und Familienfeiern wurden immer unter Heranziehen der ganzen Familie gefeiert. Es wurde sehr viel musiziert und gesungen. Die beiden älteren Töchter spielten jeweils Klavier und Violine. So trug das Haus in der Gallusgasse zu Recht den Beinamen „Das Sonnenhaus“.

Nach dem Tod der jüngsten Tochter Irmgard, die 20-jährig an Zuckerkrankheit starb, zog sich das Ehepaar Schmidt aus dem öffentlichen Leben etwas zurück. Es folgte der zweite Weltkrieg, der ihm durch russische Einquartierungen und Deportation ihrer ältesten Tochter Edda nach Russland doch viel Verantwortung und Pflichtgefühl abverlangte. Trotzdem versuchten sie, nicht zu verzagen und das Leben zu meistern, was ihnen auch gut gelungen ist.

Josef Schmidt ging seiner Arbeit nach, und Luise Schmidt sorgte für die Enkel und die mittlere Tochter Traudl, die wieder im Elternhause mit ihren beiden Kindern lebte. So hatte es sich J.Schmidt zur Aufgabe gemacht, für alle (inzwischen waren es fünf Enkel) zu sorgen. Er tat es mit viel Pflichtbewusstsein, Besonnenheit und viel, viel Güte. Er wusste auch immer einen Rat und war stets hilfsbereit.

Er gönnte sich wenig Auszeit, und war immer in Bewegung. Wenn er von seiner Arbeit kam, gab es für ihn auch noch Arbeit in Garten, den er sehr liebte und pflegte und viel Zeit damit verbrachte, anfallende Arbeiten hier durchzuführen. Erst wenn es dunkel wurde, machte er endlich Feierabend, dann aber spielte er mit den Enkeln „Mensch ärgere dich nicht“ oder andere Spiele. Er möchte Kinder sehr und war für manche Späße zu haben, was seine Gattin mit strengem Auge beobachtete, um ja nicht „über die Schnur“ zu hauen.

Er hatte auch bestimmte Vorlieben, die er pflegte. So war der sonntägliche Frühschoppen nach der Kirche „im Unterwald“ mit seinen Freunden ein obligates Muss um die Geselligkeit zu pflegen und das aktuelle Leben und die Ereignisse mit ihnen zu erörtern. Musikalisch hatte er auch seine Favoriten. Seine Lieblingslieder waren der Baby-Booggi von Ralph Bendings und die „Elisabeth“-Serenade vom Günther Kalman-Chor gesungen. Dann strahlten seine Augen.

Er klagte nie über ein Leid oder Gebrechen, war Zeit seines Lebens nie ernsthaft krank. Das Zeitungslesen abends war die einzige Zeit, die er ruhig verbrachte und damit seinen arbeitsreichen Tag beendete.

Als er 82-jährig starb, war das für die Familie ein großer Verlust. Seine fleißigen Hände ruhten jetzt und seine strahlend blauen, lebhaften Augen waren für immer zu, seine klare, warme Stimme verstummt. Ein Lebenskreis hat sich geschlossen!

Doch Josef Schmidt bleibt seinen Nachkommen stets gegenwärtig und lebendig in Erinnerung, denn trotz aller Widrigkeiten und Schicksalsschläge, die das „Sonnenhaus“ in Mühlbachs Gallusgasse trafen, ist es dem Ehepaar Josef und Luise Schmidt doch gelungen, den Kindern gute Eltern zu sein, den Enkeln die fehlenden Elternteile zu ersetzen, und ihnen eine sorglose, glückliche Kindheit und Jugendzeit zu bescheren, wofür diese ihnen stets ein dankbares Andenken bewahren werden.

Beitrag geschrieben von: Edda Rother

Bilder:  Manfred Ziegler

Dank an Herr Gerhard Wagner für den zur Verfügung gestellten Text.

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