Interessante Abschrift aus : memoria.ro


Memoiren aus dem Leben des Majors Julius Metz des K.u.k. Infanterienregiment no. 43

Autor: Julius Metz

 

 

Die Memoiren des Majors Julius Metz enthalten einige Unstimmigkeiten betreffend Orthographie und Topik. Einige Einzelheiten betreffend des Liebesleben und des Familienleben des Majors wurden ausgelassen. Die Namen der Orte aus dem heutigen Rumänien, Serbien, Tschechei u.a. sind in verschiedenen Arten geschrieben. Bei Nummerotierungen werden auch arabische, auch römische Zahlen benützt. Die Abkürzungen sind leicht zu entziffern; zum Beispiel wird für Batalion die Abkürzung Baon benützt. Seine Tochter Edith, meine Mutter, heiratete den banater rumänischen Rechtsanwalt Dr. Virgil Simon in 1932. Mein Grossvater Julius starb im Jahre 1942. Prof. Dr. Zeno Simon

Im Mühlbach in Siebenbürgen am 19 Feber 1878 geboren als Sohn des Stadtsprediger Ferdinand Metz und dessen Ehegattin Josefine, geboren Koch, kam ich im Jahre 1882 nach Kelling wohin mein Vater als Pfarrer gewählt wurde. Auf die Übersiedlung kann ich mich nicht mehr errinern. Als wir in Kelling waren, kaufte mein Vater 2 Pferde, 6 Büffelkühe, Schweine, Schafe und einen groβen Wohnhaus mit Blumengarten. Ein altes Gebäude, Stall, Schopfen, Wagenremiesen und Schweinställen und Schafstall unter diesem Gebäude und in einen Nebengebäude, wo ein älterer Verwandte, etwas Narr, wohnte.  Es waren sehr viele Ratzen, welche sogar den Büffeln den Schwanz frassen. Dann 2 groβe Gemüse- und Obstgarten in welcher wir, 6 Geschwister, natürlich viel herumtollten und viel Obst assen.

Als 5 Jähriger Bub ging ich, da kein Kindergarten war, in die Schule ohne Bücher, damit meine Mutter mich für kurze Zeit frei wurde, denn ich war ein nicht besonderes braves Kind, nach dem ich immer bei den Haustieren auf dem Aufboden und im Hof herumtrieb und meine Mutter Angst hatte dass mir etwas geschehen könnte. Als ich 6 Jahre wurde kam ich dann als ordentlicher Schüler  in die erste Klasse in Kelling. Das Lernen machte mir keine besondere Freude, mehr die Wirtschaft und Aufenthalt in Freien.  Da kam es oft vor, dass ich nicht in die Schule ging, sonder entweder in die Burg um  Uhunester auszunehmen, oder in den Bach mit wenig Wasser barfuβ in Wasser herumzuwaten, oder Fischel zu fangen. Einmal sollte ich einen Regenschirm des Rektors in der Früh zurücktragen, aber ich versteckte diesen in einen Steinhaufen und ging wieder  neben die Schule. Als der Rektor abends zu uns kam, suchte er seinen Schirm, worauf meine Mutter ihn fragte ob ich denn nicht in der Früh in die Schule brachte, was er verneinte. Natürlich war ein groβer Krach und ich bekam von meiner Mutter eine Tracht Prügel. Hier muss ich bemerken dass meine Mutter uns Kinder erzogen hat, da mein Vater für uns zu weich war und durch sein Amt und Politik, die er stark berieb, keine Zeit für uns hatte. Nur am Abend, wenn wir nach dem Nachtmal um ihn waren, erzählte er uns immer Märchen; zum Schluss rauften wir Buben uns wer ihm die Schuhe und Hosen ausziehen wird.

Mit dem 7. Jahr kam ich dann in die zweite Klasse nach Mühlbach und in die Kost zu meinem Grossvater, pensionierter Pfarrer, Ferdinand Metz Senior und Mili Tante, welch ihm die Wirtschaft führte, da die Grossmutter und der Mann von der Mili Tante, der auch Pfarrer in Petersdorf war gestorben waren . Im Mühlbach gab es ein strenges Regiem. Grossvater und Mili Tante liesen mich nicht früher spielen gehen bis ich nicht meine Aufgaben gelernt hatte. In der Schule ging es mir immer gut, die Lehrer hatten mich gerne und ich durfte auch Violinspielen lernen.  Zu Grossvater kam eine französische alte Jungfer öfter zur Jause, von der wir Französisch lernten. Nach vier Jahren starb sie und wir vergassen schön langsam auch das Französische.

Natürlich war für mich nunmehr die Ferien die grösste immer ersehnte Freude, um zu Hause mit meinen Lieblingen (Haustieren) und Wirtschaft spielen zu können. In Kelling wohnten auch bei uns die Grosseltern mütterlicher Seite, Josef Koch und Frau. Ersterer war ein sehr lieber Grossvater, hatte speziell mich, als erstgeborenen Sohn, lieber als die anderen Enkeln, welche ihn auch gerne sekierten. Ich war immer gut und half ihm mit Vorliebe in der Kellerwirtschaft, welche er versah, da mein Vater Wein  kaufte und in die Officiersmenagen nach Karlsburg und Broos verkaufte. Der Grossvater brannte uns Kindern auch oft Zucker für Husten.

Dafür konnte ich die Grossmutter nicht leiden, welche ich oft sekierte und dafür von Mutter immer Schläge bekam, denn wenn die Elter fort waren und ich meine Geschwister a pisserl zupfte, so kam ich oft mit der Grossmutter  inKolusin, welch mich dann der Mutter verklagte und ich natürlich der Prügelknabe war. Überhaupt kann ich mich gut errinnern dass, für alle und für alles Schlechte was meine Geschwister und Verwandten auf Urlaub im Hof oder Garten machten, ich Schläge bekam. Z.B.  weil mein jüngster Bruder Walter zu viele  Äpfel ass oder auf die Leiter stieg oder von wo herunterfiel, war ich immer Schuld und bekam am Allerwertesten, den meine Mutter schlug uns nur dorthin, nie am Kopf oder Rücken.

Auf Urlaub half ich schon als 8 jähriges Kind fleissig mit. Ich wurde als Aufsicht oder zum Frucht und Heuteilen verwendet, musste oft schon um 3 Uhr früh aufstehen und aufs Feldteilen fahren, später konnte ich schon als 10 jähriger Junge einen Heuwagen oder Fruchtwagen laden.

Kutschieren und reiten erlernte ich sehr schnell, so dass ich schon als 10 jähriger allein mit dem Wagen nach Mühlbach fahren durfte und dabei flogen die Pferde nur so. Einmal führte ich meinen Vater nach Hermannstadt statt in 7 in 5 Stunden ohne Rast.

Mein Vater kaufte die erste Drehmaschine mit Pferdebetrieb und da war es mein Hauptvergnügen die Pferde an die Leistangen zu spannen und mit meinem Bruder Hermann jeder hinter Pferd im Kreise herumzuwandern. Den Pferden wurden die Augen zugebunden damit sie nicht schwindling werden. Im Garten half ich beim Umgraben und Anpflanzen mit. Ebenso im Herbst beim Einheimsen.

Oft sah ich die Prügel kommen, da rettete ich mich auf einen hohen Pappelbaum, so hoch dass meine Mutter Angst bekam und mir versprechen musste mich nicht nicht zu prügeln, wenn ich herunterkomme. Dieses wendete ich immer an um der Schläge zu entgehen.

Wir hatten viele Schweine und einmal sogar 200 Schafe, da war es meine grösste Freude als 8 jähriger diese zu hüten auf dem ans Haus anschliessender grassiger Berg. Wenn man mich damals fragte- was willst du werden?- sagte ich immer Schweinhirtsmajor und siehe dass Schicksal  wollte so haben, dass ich wirklich Major wurde und hatte auch tatsächlich auch oft mit zweifüssigen Schweinen zu tun.

In der Wirtschaft hatte ich von meinen Grossvater so viel gelernt, dass ich, als er starb, diese selbst führte und zu jeden Weihnachts- und Osterurlaub und im Sommer die Weinwirtschaft mit dem Bruder Hermann und Knecht besorgte. Als das alte Gebäude abgerissen wurde, wimmelten die Ratten nur so, wir versuchten alle Arten sie zu vertilgen, hängten z.B. einer Ratte ein Glöcklein an den Hals und liesen sie ins Loch laufen, damit die anderen durchgehen sollten; es nützte nichts. Dann begossen wir einige mit Petroleum und zündeten sie an und liessen sie ins Loch hinein, was sehr gut wirkte, denn die Ratten verschwanden; dass war ja natürlich für uns immer ein Spiel.

Alle Arten von Tauben kaufte ich in Mühlbach und brachte sie nach Kelling. In Kelling ist eine alte Burg, noch als der Türkenzeit, wo die Familien ihre Zimmer und Speckkammer hatte; zu meiner Zeit hatten sie noch immer die Speckkammer zu Benützung. Auf den alten verfallenen Mauern und Türmen bin ich auch oft zum Schrecken der Leute herumgekrochen; wie oft durfte ich die Glocken treten und ziehen.

Mein Vater und wir 5 älteren Kinder (Walter war noch zu klein), dann der Prediger und sein Sohn, der mein Schulkammerad war, waren alle musikalisch, musizierten aus den Regensburger Liederbuch viel und besorgten auch die Kirchenmusik; ich sang damals sehr gut Soprano. In der Kirche machte ich mit einem reichen Bauern oft Lärm hinter der Orgel, so dass mein Vater oft von den Predigsstuhl hinaufrief, es soll Ruhe sein. Nachher gab es zu Hause wieder eine Tracht Prügel, denn es hies immer: der Julius hut Lärm gemocht met dem Bulkescher Misch.

Einmal machte die ganze Familie mit Hermannstädter Gästen einen Ausflug in das Mühlbachtal  auf eine kleine Insel, dort peitschte ich ein Pferd so lange bis es in den Bach sprang und schwer herausgezogen werden konnte. Aus Angst lief ich dann 3 Stunden zu Fuss bis nach Hause und versteckte mich auf den Heuboden. In der Früh, als mein Vater aufstand verkroch ich mich unter dass Bett, von wo mich der Vater mit der Peitsche heraushollte und mich gut durchwackelte. Dies war das einzige mal dass mich mein Vater im ganzen Leben schlug.

Im selben Sommer kamen von Wien Anverwandte mit einem Zehnjährigen Sohn zu Besuch nach Kelling, dieser Lauser schüttelte von einem Birnbaum, den mein Vater uns verbotten hatte anzurühren, die Birnen, welche noch unreif waren herunter und dafür drohte mir der Vater mich zu strafen. Als das hin ging, es war schon fast dunkel, von zu Hause fort, mit dem Bemerken ich käme nicht mehr zu Hause, in den Wald, wo ich über Nacht beim Waldhüter zubringen, und dann morgens weiter nach Hermannstadt wollte. Nachdem ich wirklich bis spät nachts nicht nach Hause kam, schickte die Mutter Knecht und 2 Mägde mit Laternen mich im Wald suchen und fanden mich beim Waldhüter schlafen.

Ein anderesmal war ich mit einem Pferd beim Schmied dieses beschlagen zu lassen. Als es fertig beschlagen war, setzte ich mich aufs Pferd um nach Hause zu reiten. In dem Moment als ich mich hinaufschwang, schreckte es, und galopierte mit mir davon, ohne ich den Halfter in der Hand hatte, ich hielt mich nur an der Mähne und spielte den Zirkusreiter, wie ich es in einen solchen sah. Die Dorfleute schrien: aufhalten, aufhalten, ja aber das Pferd konnte jedem schön ausweichen, so dass ich hin und her wackelte, bis ich vor der Stalltüre glücklich ankam, welche zu meinem Glück zugemacht war, ansonsten ich bestimmt mit abgerissenen Schädel tot gewesen wäre.

Auf das hin war das ganze Dorf der Meinung ich müsse zu den Husaren, denn ich hätte bewiesen dass ich gut reiten kann.

Ein weiteres Ereigniss war es immer wenn wir, 4 Brüder, der Herde am Abend entgegen gingen und jeder auf einer Büffelkuh nach Hause ritten, stehend, kniend und sitzend.

Die Weinlese war auch immer ein Fest für uns Kinder. Da wurde natürlich Most getrunken, dass nächsten Tag anständige Diharö (sächsiche Schwuz genannt), es wurden Feuer gemacht, Kartoffel gebraten, Speck und Käse gegessen und die älteren Herrn tranken sich gewönlich einen Schwips an, dabei wurde gesungen und getanzt, den der Dorfzigeuner fand sich auch immer ein uns spielte dort wo er eine lustige Gesellschaft beisammen sah. Viel Arbeit gabs im Sommer mit den Ernten, Heuernte, Fruchternte, Kukurutzernte, wo wir Kinder immer früh aufstehen und aufs Feld mussten teilen, denn wir hatten unseren Grund allen um ein Drittel (Heu) um die Hälfte Frucht und Kukurutz in Arbeit gegeben.

Einmal hatten wir 200 Joch Grund und Wiesen, später kam die Komasation, und nachdem sich der Herr Ingenieur verrechnet hatte, konnten wir nicht mehr so viel Grund bekommen und wir bekammen nur 65 Joch des besten Grundes knapp an der Gemeinde. Da hatten wir es auch leichter mit den Ernten, aber leider nicht mehr so viel Einkommen.

Als mein Vater nach Kelling als Pfarrer gewählt wurde, kaufte er immer den Grund jener verschuldeten Sachsen oder jener die nach Amerika auswanderten, auch von Nachbarort Rätsch, damit der sächsische Grund nicht in romänische Hände komme, denn damals kauften kauften schon die Romänen Grund zusammen und siedelten immer mehr Romänen in der nähe von Kelling in Dial an. Mein Vater erzählte uns dass z.B. im Jahre 1848 in Kelling nur ein Romäne war, den unser Grossmutter als Hirte und Käsemacher brachte  und im Jahre 1895 waren in Kelling um 675 sächsische Einwohner und 800 romänische und ? Stunde von Kelling, in Dial war eine Gemeinde, nur Romänen, von 1000 Einwohner entstanden.

Wenn ich von Mühlbach nach Hause auf Urlaub kam bin ich viel mit meinem Vater, der Dechant war, als Kutscher auf die Gemeinde gefahren, damit der Knecht zu Hause arbeite, was meine schönste Urlaubsbeschäftigung war. Es war eine schöne Kinderzeit die ich in Kelling verbrachte.

Einmal sollten aus Broos und Mühlbach 16 Freundinen meiner Schwester Adele und Hermine besuchen. Ich wurde mit einem langen Leiterwagen nach Mühlbach geschickt um diese Gesellschaft nach Kelling zu bringen. Als ich nach Mühlbach kam waren dort noch 6 Herrn, wie sollte ich diese nun alle auf den Wagen bringen? Da legte ich Bretter als Sitze auf und brachte alle auf den Wagen zur allgemeinen Belustigung in Mühlbach und Kelling, dabei lies ich sie aber beim Bergrauffahren immer alle absitzen, weil ich meine Pferde bedauerte; am meisten freute es mich dass die Mädel zu Fuss gehen mussten, denn ich konnte die Mädel damals  gar nicht leiden, weil sie mich damals alle küssen wollten, dass ich mich Hände und Füsse sträubte. Ich rächte mich dann in Kelling in dem ich die Herrn verleitete, die Mädel, wenn sie sich ausziehen, da sie alle in grossen Zimmer auf Stroh auf der Erde schliefen, zu überraschen, in dem ich den Buben, es war ja lauter Studenten, an jedes Fenster eine Leiter stellte, damit sie beim Fenster hinein sehen können, was auch geschah und ich von der Mutter Schläge bekam. Damals waren 30 Gäste drei Tage an Kellinger Pfarrhof. Ich und Hermann und Fredi hatten damals viel zu tun. Die Bande hatte uns damals 500 Liter Wein ausgesoffen und dazu noch unseren guten Riebisel- und Wehrmutwein. Die Studenten waren fast alle jeden tag nach dem Mittagessen betrunken und mussten sich im Garten ausschlafen. Meine Mädchenfeindschaht sollte sich bald in eine grosse Mädelfreundschaft verwandeln. Darüber später.

 Abschrift  Ende.

Abgeschrieben : Horst Theil

Quelle : memoria.ro

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