Erinnerungen aus den Jahren 1848 bis 1910 in Siebenbürgen ( Folge 1)


Der Ganze Inhalt dieses Buches bezieht sich auf die Stadt Mühlbach in Siebenbürgen (Rumänien).  Ich werde ihnen einige Auszüge aus diesem Buch, mit der Genehmigung des Herausgebers Otto Rodamer, zum lesen anbieten. Der Autor Josef Schoppelt war ein gebürtiger Mühlbacher Handwerkermeister der seine Lebenserinnerungen aus dieser Stadt, auf die Bitte seiner Familie und anderer, sich entschloss diese Zeilen zu Papier zu bringen.

Auszug aus dem Buch:

– Erinnerungen aus den Jahren 1848 bis 1910 in Siebenbürgen –

Autor: Josef Schoppelt

Herausgeber: Otto Rodamer

 Verlag: Books on Demand

Die Schule

Mit sieben Jahren wurde man eingeschult. Die Anfänger lernten in den Jahren um 1840 das ABC zu schreiben und bis auf hundert zu zählen und das ABC bis ans Ende mit Selbst- und Mitlauten zu verbinden und zu schreiben. In der zweiten Klasse lernten sie erst Worte buchstabieren, lesen, schreiben, sowie die einfachen 4 Spezis, Rechnen und das Einmaleins. In den beiden ersten Klassen sagte der Lehrer den Kindern einen Spruch beim Nachhausegehen, den sie im Sinn halten mussten, bis sie wieder zur Schule kamen und ihn dem Lehrer sagen mussten. Auch musste jeder Schüler sich ein Schreibheft aus einem Bogen Schöpfpapier  (aus der damaligen Strungarer Papiermühle in Mühlbach) machen, der Bogen kostete einen Kreuzer und seinen Namen selber schreiben mit Gänsefedern, die der Lehrer jedem zuschneiden und jedes Mal, wenn die Feder nicht mehr gut schrieb, mit dem Federmessen Nachschneiden musste. Mit den Gänsefedern behalf man sich bis zum Jahre 1850, wo dann die Stahlfeder sie verdrängte und den Lehrern die Last abnahm, nämlich das Spitzen der Federn. Die dritte Klasse hatte damals einen akademischen Lehrer, David Krasser und bestand aus zwei Jahrgängen aus dem man dann ‚ins Latein‘ oder in die damalige Realschule ging. Die Schüler der dritten Klasse mussten im Winter schon um 6.00 Uhr, im Sommer von 7.00 – 10.00 Uhr in der Schule sein, wobei man sich kleiner, runder, selbst gemachter Papierlaternen bediente und bei Licht die so genannte ‚Preces‘ abhielt mit Gesang und Gebet und dann spielte bis 7.00 Uhr. Dann wurden die Arbeiten durch die vier ‚Notatoren‘ und den Imperator geprüft und auf die große Tafel ihre Leistungen mit Kreide verzeichnet. Die mit 6 Fehlern wurden als faul und mit sechsmal faul in der Woche, am Samstag vor dem Judicum mit 6 Rutenstreichen auf den Bloßen bestraft. Die mit weniger Fehlern wurden mit dem spanischen Rohr oder Lineal von dem Lehrer in der Klasse bestraft. Der inspizierende Schulinspektor war der damalige Stadtpfarrer Fritsch, schon ein hoher 70er. In der Realschule, aus der 5. Klasse, löste Herr Friedrich Kraus den Herrn Karl Mauksch ab. Das war im Jahre 1850. In der Realschule blieb man in der Regel zwei Jahre, bis man ein Handwerk erlernte. Man lernte auch sehr viel für den eigentlichen Bürgerstand, moderne Rechnungen, bürgerliche Aufsätze, Orthographie, Fremdsprache. Schulstunden wurden, wie erwähnt wurde, in den höheren Klassen im Winter schon um 6.00 Uhr angefangen bis 10.00 Uhr, wo wir unser Frühstück, bestehend aus Brot, Nüssen, Äpfeln, gebratenen Erdäpfeln (Kartoffeln) nach der ‚Preces‘ verzehrten, also bis 7.00 Uhr, wo die Überprüfung der Aufgaben , wie schon erwähnt wurde, durch den ‚Notator‘ anfing und bis zum Erscheinen des Lehrers dauerten, das war um 8.00 Uhr. Im Sommer war von März bis Ende Oktober die Frühkirche, wozu geläutet wurde. Mittwochnachmittag war keine Schule, Samstagnachmittag von 1.00 – 2.00 Uhr gewöhnlich ‚Judicum‘, Sonntag von 9.00 – 10.00 Uhr Evangelium, welches erklärt wurde und welches wir mit der Zeit auswendig lernten. Die Deutsche Vorstadt hatte in der Quergasse ihre eigene Schule, von wo man in die Stadt promoviert wurde. Mädchenschule gab es nur eine Klasse unter dem Lehrer Gelch.

– FORTSETZUNG FOLGT –

Die Möglichkeit dieses Buch zu erwerben:

http://www.amazon.de/s/ref=nb_sb_noss?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&url=search-alias%3Dstripbooks&field-keywords=josef+schoppelt

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s