Der Studententurm von Mühlbach


1003911_531712610217078_247252636_n

– Der Studententurm von Mühlbach – 

Bild: Sigerus „Aus alter Zeit“

In Mühlbach schrieb man das Jahr 1438. Die Freude über dass wiedererlangen des Status einer unabhängigen Stadt währte nicht lange. In diesem Jahr unternahmen die Türken unter ihrem Befehlshaber Murad dem II – ten wieder einmal einen ausgedehnten Eroberungsfeldzug durch Siebenbürgen.

Diese Tatsache sollte auch Mühlbach nicht verschonen. Obwohl die Bürger der Stadt die Nachricht von dem nahenden Türkenheer einige Zeit vorher durch Boten erfuhren, und sich in der kurzen Zeit bis zum Eintreffen der Horden einiger Maasen auf die Verteidigung der Heimatstadt vorbereiteten, sollte das Unheil wie die Geschichte es zeigte, nicht verhindert werden können.

Die Verteidiger waren alle Bürger der Stadt Jung und Alt, Mann und Frau die Zünfte mit ihren Handwerkern. Die Abwehr wurde auf der gesamten Länge der Stadtmauer mit ihren damals 8 Wehrtürmen verteilt. Ein Junger Mann aus Rummes, einer Ortschaft zwischen Mühlbach und Broos Studierte zu dieser Zeit an der Mühlbacher Schule. Er schloss sich auch den Verteidigern an. Nach dem die Stadt nach erbitterten Kämpfen und fast der totalen Zerstörung aufgeben musste, hatten sich die Letzten Kämpfer im Ostturm verschanzt und leisteten noch einige Zeit Widerstand. So wie das Schicksal es wollte war dieser junge Mann einer der letzten Verteidiger dieses Turms und musste aufgeben, wo durch er in Türkische Gefangenschaft geraten ist. Er wurde in die ferne Türkei verschleppt und als Sklave verkauft.

Nach dem Wechsel von mehreren Besitzern hatte er zu seinem letzten ein beinahe Vater – Sohn Verhältnis aufgebaut. Die Jahre vergingen und er erlernte die Türkische Sprache, die Sitten und Bräuche und den Muslimischen Glauben kennen.

Alles in allem führte er da ein gutes Leben. Er hatte sich vollständig in die Osmanische Gesellschaft integriert.  Nach genau 20 Jahren seit der Zeit seiner Gefangennahme gelang es ihm wieder aus der Türkei fort zu kommen. Wahrscheinlich über Konstantinopel und Chios nach Rom, wo er erst im Jahre 1472 – 73 nachweisbar auftaucht und als Dolmetscher für Türkische Kriegsgefangene fungierte. Für die ersten 15 Jahre nach verlassen der Türkei gibt es keine verlässlichen Beweise seines Aufenthaltes.

In Rom verfasste er auch unter dem Pseudonym „captivus septem castrensis“ sein Buch: Tractatus de moribus, condictionibus et nequicia Turcorum was übersetzt so viel heißt wie: „  Behandlung des Charakters, und Niedertracht der Türken“.

Erschienen in Rom im Jahre 1475.

Rom ist auch die Stadt wo er als 80 – Jähriger, am 3. Juli. 1502 verstarb und in der Hauptkirche „Santa Maria sopra Minerva“ des Dominikanerkonvents beigesetzt wurde.

Roma-Santa_Maria_sopra_Minerva

Santa Maria sopra Minerva

143

Dieses ist die Geschichte nach dem der Studententurm benannt wurde und den Namen bis heute trägt.

Wir sehen aus diesem kleinen Ausschnitt aus der Geschichte der Stadt, dass Mühlbach eine bewegte Geschichte im Laufe der Jahrhunderte hatte. Wir sind es unseren Vorfahren schuldig, die so manches Opfer zur Erhaltung und Fortbestand unserer Heimatstadt erbracht haben, diese nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Und nun zum Schluss ein Gedicht aus der Feder von Peter Bretz, dem Großvater des uns bekannten Mühlbacher Autors Winfried Bretz.

Großvater

Peter Bretz

geb. 1853 in Heltau

gest. 1946 in Mühlbach

K.u.k. Soldat und Unteroffizier, ab 1920 Gendarmerie-Wachtmeister im Mühlbachtal.

Der Studententurm

Im Zäkeschstädtchen wohlbekannt,

In unsrem lieben Sachsenland,

Stehn Ringmauern trotz Zeitensturm

Darauf auch der Studententurm.

Im Türkenkrieg, erzählt die Sage,

Sucht auch ein Schüler in ihm Schutz,

Wollt in der hart bedrängten Lage,

Mitkämpfen gegen den Kuruzz (1)

.

Hat lange tapfer widerstanden,

Die Schar im Turm der Übermacht,

Als jeder Angriff drauf zuschanden,

Der Feind sich Grässliches erdacht.

O Häuflein klein, das brav gerungen;

Märtyrer ihr, dem Tod geweiht,

Sie haben dennoch euch bezwungen,

Barbarisch roh, nach Art und Zeit.

.

Es schleppten Brennstoff nun in Fülle

Die Türken rings um die Bastei;

Ganz heimlich bei der Nacht und stille

Dass drin es nicht verdächtig sei.

Dann gaben sie dem ganzen Feuer,

Das schürten kräftig sie geschickt,

Bis Rauch und Flammen ungeheuer

Im Turme alles tot, erstickt.

.

Doch in dem schweren Heldensterben

Hat Schicksalswille den Student

Allein gerettet vom Verderben;

Den Held, des Namen, niemand kennt.

Die Moslems führten als Vasallen,

Gefangen ihn in Sultans Reich;

Ein Pascha fand an ihm gefallen,

Nahm ihn in seine Dienste gleich.

.

Nur spät erst und nach Jahren, schweren

Die er in Knechtschaft hart gefront,

Konnt‘ er in seine Heimat kehren,

Nach Rumes, wo er hat gewohnt.

Verwandte fand er nicht am Leben,

Doch freudenvoll er es erzählt,

Was damals sich im Turm begeben

Und wie die Türken sie gequält.

.

O Helden ihr des Sachsentumes,

Schmählich geopfert hingerafft,

Von einem Volke, Gott verdamm es,

Einst eure Ahnen hart gestraft.

Jahrhunderte sind schon vergangen;

Der Schreckensruf verhallt schon lang,

Auch heut erfasst den Sachsen Bangen,

Wie grausam ihn der Feind bezwang.

.

Wir ehren Helden, ihre Taten

Verlust, Gewinn und das Erdulden

Es blühen unsrer Ahnen Saaten

Und sterben ohne Selbstverschulden.

Der Turm, ein Mahnmal der Geschichte,

Ein Ort, den man in Mühlbach kennt,

Geh mit dir selber zu Gerichte,

Denk an den Rumeser Student.

.

Datum unbekannt

(1)= Turkvolk

Beitrag zusammengestellt von : Horst Theil

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s