„Freiwilliger Arbeitsdienst“


Wie jeder weiß, der in der „Ära“ des Kommunismus in Siebenbürgen gelebt hat waren diese Aktionen an der Tagesordnung, hauptsächlich aber im Herbst und Spätherbst. Die Generation nach der „Revolution“ hatte das Glück diese Erfahrung nicht machen zu müssen. Daher möchte ich ihnen einmal schildern wie das so vor sich ging. In der Regel waren diese Aktionen von der Partei angeordnet und wurden ohne Widerrede durchgeführt. Jeder Betrieb bekam die Anweisung alle Leute zu mobilisieren, auch wenn die Produktion dabei auf der Strecke blieb, die danach selbstverständlich mit verlängerten Schichten und endlosen Überstunden nachgeholt werden mussten. Das gleiche Schicksal hatten auch die örtlichen Schulen. Was war der Hintergrund? Im Allgemeinen war es so dass die Landwirtschaft auf diese Hilfe in der damaligen zeit angewiesen war. Die Landwirtschaftspolitik war die dass immer Rekordernten verlangt wurden, alle Flächen die zur Verfügung standen angebaut und bearbeitet werden sollten. Im Gegenzuge war aber nicht die nötige Arbeitskraft da, geschweige denn die nötigen Landwirtschaftlichen Geräte und die Bediener dieser Geräte waren auch nicht in genügender Zahl vorhanden. In allen sparten der Landwirtschaft gab es Bedeutenden Mangel an Arbeitskräften, man bedenke das die meisten alles alte Leute waren, mit wenigen Ausnahmen, die in der Landwirtschaft tätig waren. Da hatte die Partei schon die Lösung parat, alle Bürger müssen mit Ihrer Arbeitskraft mit helfen, zum „Wohle des ganzen Volkes“ selbstverständlich, die Rekordernten unter dach und Fach zu bringen. Na ja, das war eben so damals. Die Leute mussten zur Gemüseernte, zur Maisernte, zur Kartoffelernte und weiß Gott noch zu welcher. Am Anfang wurden die Schulkinder und Fabrikarbeiter noch mit Bussen zum Einsatz gefahren, danach im laufe der Jahre wurden die Busse mit LKW ersetzt oder mit Traktoren und Anhänger. Die billigste Variante war aber die dass jeder zusehen musste wie er dahin gelangte, was auch in den letzen Jahren so praktiziert wurde. Die Arbeit an sich wurde zum Beispiel so eingeteilt: jeder bekam eine unendlich lange reihe von Mais zu brechen und zu Häufen sammeln die dann auf die Hänger der Traktoren verladen wurden. Beim Gemüse erntete man indem das von Pflügen herausgeholte einsammeln musste und in bereitgestellte Säcke auf die Hänger verladen. So war das auch mit den Kartoffeln. Der Weg dahin bewältigten einige zu Fuß oder mit Fahrrad manche mit Moppet oder besser gestellte mit dem eigenen Auto. Die Kinder im Kolonnenmarsch. Es kümmerte niemanden dass die Kinder ihre Kleidung und Schuhe dabei ruinierten und die meisten Eltern tief in die Tasche greifen mussten um neue zu kaufen. Das gleiche auch bei den erwachsenen. Alles in allem war das eine humanitäre Ausbeutung der Bevölkerung, nur um sich dann auf den Parteitagen rühmen zu können wie toll die Landwirtschaft wieder einmal glorreich ihre Rekordernten, die ja meistens fiktive Zahlen waren, unter der Führung der Partei, eingefahren hatte.

Ich danke Gott dass diese schlimmen Zeiten vorbei sind. Mögen die jungen Leute so etwas nie mehr erleben müssen, so eine Demütigung und Ausbeutung.

Beitrag geschrieben von: Horst Theil

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