Ein Tag aus den 60-er


Anfang der 60- er Jahre in der Altgasse. Es ist Hochsommer und mitten in den „großen Ferien“. Die Tage sind lang und heiß. Obwohl man sich selten langweilte, gab es doch manchen Tag wo man nicht wusste  mit was man sich die Zeit vertreiben sollte. Dieses war so ein Tag. Irgendeiner von uns hatte die Idee mal wieder in die „Hundserlen“ zu gehen. Na gut nach einigen pro und kontra beschlossen wir diesen Vorschlag auch in die Tat umzusetzen. Nur mit kurzen Hosen bekleidet und Bahrfuß ging es die Altgasse hinunter in Richtung Hundserlen.

Um diese Zeit war die Strasse noch nicht gepflastert geschweige den Asphaltiert. Dementsprechend wirbelten die Autos den fast Knöchel hohen Staub auf wenn sie zum Schlachthaus fuhren oder von dort kamen. Man kann sich vorstellen wie das bei Regen war, eine einzige Schlammpiste.

Wir gelangten an das Ende der Altgasse und bogen links ab in Richtung Schlachthof, wo es dann wieder rechts in Richtung Hundserlen ging. Übrigens hier auf den Schlachthof gab es um die Zeit auch ein Wohnhaus wo ein sehr guter Freund von mir mit seinen Eltern wohnte. Also gingen wir weiter in Richtung Hundserlen vorbei am „Darmputzer“ und dem Sammelpunkt für Rinder und Schweine die da abgeliefert wurden von Leuten die mit dem Staat einen Aufzuchtsvertrag abgeschlossen hatten. Der Leiter dieser Stelle war Herr Berg.

Nach dem wir das um die Zeit letzte Haus auf der rechten Seite verlassen hatten, das Haus von Herr Szathmary, befanden wir uns schon In den Hundserlen. Zur Rechten war um die Zeit eine wunder schöne Margarethenwiese und dahinter war schon der Klosterbach, damals noch sehr wasserreich. Diese Wiese wurde nachher zum Viehmarkt umfunktioniert und somit vernichtet. Nach etwa 500 Meter machte der Bach eine Biegung nach Westen. An dieser Stelle hatte das Wasser das Ufer ausgewaschen und man musste aufpassen wen man diese Stelle passierte. Es folgte eine Stelle wo ein kleiner toter Arm des Baches wie ein Baipass, parallel zum Bachbett auf einer Länge von ca. 100 Meter verlief, der trocken war und nur während der „Klause“ (Wasserstand beim Flößen) Wasser führte.

Nach ein paar hundert Metern gelangte man zu der „Eisernen Brücke“. Das war eine Bahnbrücke die noch in alter Bauweise, also Vernietet gebaut war, und die aus zwei Segmenten die in der Mitte und an den Enden auf Steinpfeilern auf Rollen gelagert war. (wegen der Ausdehnung des Stahles) Diese Brücke gibt es auch heute noch.

Unmittelbar unter der Brücke gab es einen großen Brunnen ca. 3Meter im Durchmesser und sehr tief, mittlerweile zu geschüttet. Den Zweck dieses Brunnens habe ich bis heute nicht begriffen.

Aus Neugierde stiegen wir den Bahndamm an der Brücke hoch und begaben uns biss in die Mitte der Brücke um in das Wasser zu gucken. Fatal wir bemerkten den aus Richtung Mühlbach nahenden Zug zu späht um noch zurück zu können. Instinktiv rannten wir in Richtung Winz gerade noch rechtzeitig, denn kurz darauf raste der schnaufende Zug an uns vorbei. Nach dem der Schreck vorbei war sahen wir uns um und sahen das die Bahnschranken an der Überfahrt der Strasse die Mühlbach mit Karlsburg verband herabgelassen waren und der Zug in der Haltestelle „Sebes Glod“ stand. Es war die „Cujireana“ die die Arbeiter nach Cujir zur Nachmittagschicht brachte. Da uns schon wieder die Neugier packte gingen wir die ungefähr 4 – 5 hundert Meter die Gleise entlang, über die nächste etwas kleinere Brücke, um zu gucken wie die Leute ein und ausstiegen. Biss wir da waren war der Zug schon wieder weg. Aber wir machten eine andere Entdeckung und zwar dass sich ganz viele Autos an den Schranken gesammelt hatten die aber schon auch in Bewegung waren da der Schrankenwärter die Schranken schon wieder hochgekurbelt hatte. So gingen wir bis an die Strasse und beschlossen bis zum nächsten Zug zu warten damit wir alles besser sehen konnten.

Das dauerte immer ne ganze Weile zum Nächsten Zug, und so sahen wir uns um und gingen die Strasse ein paar Meter in Richtung Langendorf. Die Strasse war um diese Zeit noch mit Zwetschkenbäumen verschiedenster Sorten rechts und links gesäumt und diese waren fast reif. Jeder aß so viele er konnte da wir ja schon ne weile von daheim fort waren und alle ein bisschen Hunger hatten. Da hörten wir die Glocken die beim herunterkurbeln der Schranken betätigt wurden und gingen zurück. Es dauerte ziemlich lange bis der Zug kam und in dieser Zeit bildete sich eine Autoschlange bis fast nach Langendorf und Mühlbach.

Da es Urlaubszeit war konnte man den ganzen Fuhrpark des Ostens bestaunen: Polen, DDR, Tschechen, Ungarn, Bulgaren und, und. Ganz selten aus dem Westen. Also bestaunten wir die verschiedenen Automarken, die es heute teilweise gar nicht mehr gibt, und diskutierten über die Vorzüge oder Nachteile dieser Marken.

Endlich kam der Zug, dieses Mal der Personenzug Hermannstadt – Winz. Dieses Mal stiegen nicht viele ein und aus vielleicht 4 bis 5 Personen. Und der Zug hielt dementsprechend nur kurz.   Ziemlich enttäuscht machten wir uns auf den Heimweg, nicht vorher uns die Taschen mit Zwetschken zu füllen die wir bis zur kleinen Brücke fast alle gegessen hatten.

Unter dieser Kleineren Brücke war eine Wasserquelle mit hervorragendem Wasser und da wir den ganzen Tag nicht getrunken hatten taten wir das an dieser Quelle ausgiebig.

Das hätten wir lieber nicht tun sollen den kaum am Stadtrand angekommen hatten die meisten von uns Bauchweh und jeder sah zu so schnell wie möglich nach hause zu gelangen.

Ja das war so eine Episode aus den 60- er an die ich mich noch gut erinnere.

Beitrag geschrieben von: Horst Theil

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