Geduldet und belächelt.


Ja, es gab sie. Auch in Mühlbach. Es waren einige Bürger unserer Gesellschaft von Mühlbach die besonders waren. Besonders in dem Sinne das sie in der ganzen Stadt bekannt waren und zugleich einsame und Isolierte Selen waren obwohl sie aus Mühlbach zu dieser Zeit  nicht weg zu denken waren. Wie schon der Titel zu diesem Beitrag sagt, sie waren geduldet, gleichzeitig belächelt aber sie gehörten einfach dazu.

In der heutigen Zeit würde man sie als „Penner“ bezeichnen. Wie man weiß, sind diese Schicksale nicht immer unbedingt als Eigenverschuldung zu betrachten, vielmehr als eine Verkettung von Missgeschicken im Leben. Eine dieser Personen war die allgemein in Mühlbach bekannte „Webermarie“.

Ich kann mich noch genau erinnern das sie eine kleine und gebeugte alte Frau war die immer die gleiche Kleidung trug nämlich einen dunklen alten Mantel, auf dem Kopf einen alten „Stulpen“ (Rohling aus dem die Hüte gemacht wurden) mit undefinierbarer Farbe. In der Hand hatte sie immer einen uralten Spazierstecken und einen aus Schilf geflochtenem Korb in dem sie alle ihre Habseligkeiten mit sich trug. Sie war eine schweigsame Frau, die aber wenn angesprochen einen sehr gebildeten Eindruck machte. Sie war immer freundlich und bettelte nie auch wenn ihr Äußeres, auf den ersten Blick, so etwas vermuten ließ.

Sie übernachtete immer bei barmherzigen Menschen die ihr mal in einem ungenutztem Zimmer oder Holzschuppen Unterkunft gewährten. Sie war also praktisch obdachlos.

Ich erinnere mich, in früher Kindheit hatte ich sie oft begegnet, das sie sehr oft auf dem Friedhof anzutreffen war wo sie sich ein Paar Lei mit der Pflege von Gräbern verdiente.

Gelegentlich kam ich auch mit ihr ins Gespräch, sie fragte dann dies und das und gab mir immer den Rat brav zu sein und auf meine Eltern zu hören. Diese Gespräche endeten meistens damit dass ich von ihr ein Bonbonz  (Bonbon), das sie aus einer zerknitterten Papiertüte nahm, als Belohnung bekam.

Webermarie hatte auch eine Tochter die Weber Gustel. Meine Oma erzählte mir einmal dass die Gustel sogar einige Klassen auf dem Mühlbacher Gymnasium war. Das nutzte aber nichts sie geriet in diesen Teufelskreis und wurde immer in den Wirtshäusern der Stadt angetroffen.

Sie wurde geduldet, machte sich aber nützlich und sammelte die Leeren Halbe (Maaskrug) von den Tischen ein, entleerte die Aschenbecher und so einiges was andere nicht machen wollten. Bei dieser Gelegenheit sammelte sie sich eine Maas voll Getränke aller Art von Schnaps über Wein und Bier zusammen. Dar gleiche mit Zigaretten aus den Aschenbechern. Manchmal wen jemand gegessen hatte blieben noch Brot- und Essensreste mal ein halbes Würstchen oder  Kartoffeln, eben was so auf den Tellern zu finden war, übrig. Das sammelte sie sich auf einem Teller und setzte sich mit allem in die Äußerste Ecke an einen Tisch und ließ es sich „gut gehen“. Wenn man sie dann fragte: „ Na Gustel wie geht es heute“? Dann sagte sie: „ Du schaust ja, mir geht es gut. Ich hab zu essen, ich hab zu trinken und zu rauchen was will ich mehr“. Ihr Stammlokal war das Zweier Restaurant mit dem Biergarten, das heute nicht mehr existiert.

Eine weitere Person war der Zigeuner JANI im Volksmund der Rumänen „ de a lui Fitiri“.

Die älteren Leute erzählten dass er zu der Zeit der K.u.K Monarchie bei der Kavallerie war, als was auch immer. Die Kleidung ähnelte mit denen von den oben genannten, einen Dunklen Mantel (Farbe undefinierbar), dunkle lange Hosen und auf dem Kopf eine Mütze. Das Hemd das er an hatte war immer ohne Knöpfe.

Niemand weiß ob er von der Familie verstoßen wurde oder sich aus eigenem Willen von ihr getrennt hatte, Tatsache ist das er auch obdachlos war. Er schlief auch bei barmherzigen in Holzschuppen oder Kellern. Er machte Gelegenheitsarbeiten bei verschiednen Leuten, meistens Holzspalten. Bei manchen Gelegenheiten merkte man dass er irgendwann auch bessere Zeiten erlebt hatte. Er verdiente sich auch ein Paar Bani oder Lei wenn er durch die Wirtshäuser streifte und die Leute sich über ihn lustig machten und ihn fragten wie viele sprachen er könne, dann fing er an und sagte auf zehn bis fünfzehn Sprachen Guten Tag.

Oder fragten sie ihn aus wie viel Teilen ein Maschinengewehr besteht, dann Zählte er alle Teile mit Nahmen auf.  Das Gleiche mit Mathematischen Formeln.

Sein Markenzeichen war wenn er sich eine Zigarette anzündete, machte er das immer mit bis zu 10 Streichhölzern auf einmal, was aber meistens nicht auf Anhieb gelang. Also musste meistens eine ganze Schachtel Zündhölzer bei einer Zigarette daran glauben.

Jani hatte sein „Revier“ nicht nur in Mühlbach man begegnete in  Hermannstadt, in Klausenburg, in Karlburg sogar in Arad und Constanta. diese Wege wurden alle zu Fuß bewältigt. Er stieg nie in ein Auto oder Wagen, keiner weis warum.

Manch einer der LKW Fahrer aus Mühlbach traf ihn auf der Landstrasse kurz vor Karlburg oder Hermannstadt und wollte ihn aus Mitleid mitnehmen dann sagte er immer: „ Ich kann jetzt nicht ich beeile mich den die Doamna so wie so in Klausenburg oder Fogarasch wartet auf mich das ich ihr Holz spalte“.

Er saß auch einmal im Gefängnis weil er nach Budapest gehen wollte und erwischt wurde wie er einfach über die Grenze marschieren wollte, wurde aber wieder freigelassen.

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Jani vor dem Stadtpark

(Foto: Eduard Schneider 1986)

 

Na ja, was kann man daraus ersehen? Es gibt so manche Situationen im Leben wo man sich manchmal vor Augen halten sollte, das es besser wäre nicht immer gleich mit dem Schicksal zu hadern wen es mal nicht so geht wie man es sich vorstellt. Es gibt Menschen die es viel, viel schlechter im leben haben und einiger Maasen zufrieden sind. Und diese Menschen leben meistens unter uns, unbemerkt oder übersehen oder beides.

Wir sollten ein klein wenig mehr Nächstenliebe zeigen und nicht wegschauen wen etwas „unangenehm“ erscheint und immer versuchen zu verstehen warum solche Menschen in so eine Situation gelangt sind bevor wir über jemanden den Stab brechen.

Es gab noch einige Personen In Mühlbach in ähnlicher Lage aber ich denke diese drei Beispiele genügen um einmal darüber nach zu denken.

Beitrag geschrieben von: Horst Theil

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4 Gedanken zu “Geduldet und belächelt.

  1. Dr. Johann Schöpp wurde auch wegen seiner außerordentlichen Verdienste um Mühlbach zum Ehrenbürger ernannt! Wir (drei seiner Enkel :Armin, Reinhard und Hermann Schöpp, samt 3 Urenkeln Anna, Karin und Matthias) waren heuer am 8. Mai in Mühlbach und wurden vom derzeitigen Bürgermeister sehr herzlich empfangen. Er hielt eine Laudatio über unseren (Ur-)Großvater Johann Schöpp und begleitete uns ins Museeum, wo der Museeumsdirektor eine ausführlich kommentierte Führung bot.

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    • Es ist mir eine Ehre die Nachkommen dieses für Mühlbach so bedeutenden Mannes kennen zu lernen. Ich hatte leider keine gelegenheit an mehr Informationen über Bürgermeister Schöpp heran zu kommen, und so habe ich nur diesen bescheidenen Beitrag auf diesem Blog über ihn geschrieben. Wenn sie mir weitere Einzelheiten zukommen lassen binn ich bereit den Beitrag zu ergänzen, oder zu ändern wen etwas nicht den Tatsachen entspricht. 🙂

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  2. Ich hab ihre geschichte gelese es hat mich zu trenen gerürt aber es wahr und ist so leider Gotes .
    Danke für die mühe und intrese die sie haben.
    MfG Dana Biner

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