Die Schmiede an der Kreuzung


Wie ich in anderen Beiträgen erwähnt hatte, war früher in Mühlbach und Umgebung, viel mehr Vieh als heute. Was Kühe, Ochsen und Pferde betrifft wurden diese auch als Zugvieh vor die Ochsen- und Pferdewägen gespannt um die Transportprobleme zu lösen.

Wie jeder weiß, mussten diese Tiere von Zeit zu Zeit neu beschlagen werden damit die Hufe der Tiere auf den steinigen Wegen der Stadt und Umgebung nicht in Mitleidenschaft gezogen wurden. Dazu gab es das Handwerk der Schmiede, das im frühen Mühlbach auch in der Zunft der Schmiede organisiert und zusammengeschlossen war. (zu dem Thema Zünfte werde ich zu einem späteren Zeitpunkt einen Beitrag schreiben)

In meiner Kindheit gab es zwar keine Zünfte mehr, aber einige Schmieden, die mit einer Genehmigung der der Behörden, vorwiegend von Zigeunern betrieben wurden. Eine solche Schmiede befand sich in meiner Nachbarschaft, und zwar, an der Kreuzung der Altgasse und Mühlgasse mit der Quergasse. Ein hervorragender Standort denn von da ging es Über die Altgasse zum Schlachthaus, über die Mühlgasse in die Innenstadt, über die Quergasse in Richtung Holzplatz, wo die Wochenmärkte abgehalten wurden, und Richtung Bahnhof. Und wenn man bedenkt das in westlicher Richtung keine 100 Meter die letzte der Wassermühlen sich befand wo die Bauern ihr Korn und Kuckurutz (Mais) mahlten dann weiß man das der Standort sehr gut durchdacht war. Die Schmiede war ein kleines Gebäude wo im vorderen Teil die Schmiedewerkstadt und im hinteren Teil die Wohnung der Familie untergebracht war. Diese „Schmiedzigeuner“- Familie bestand aus vier Personen, der Schmied, seine Frau, dem Sohn (der einige Jahre jünger als ich war) und der Tochter.

Es war ein sehr guter Handwerker zu dem nicht nur die Kunden aus Mühlbach kamen, sondern auch aus den Umliegenden Dörfern, die teilweise auch Schmieden besaßen. Der Donnerstag und der Samstag waren immer Spitzentage weil der Donnerstag in Mühlbach Markttag war und Samstag meistens Mühlentag. Aber das Geschäft lief auch die restlichen Tage hervorragend. Die Schmiede an und für sich war im Inneren gut ausgestattet mit allem was dazu gehört, natürlich der damaligen Zeit entsprechend. Die obligatorische Schmiedefeuerstelle mit Blasebalg, der von Hand betrieben wurde, dann der Schmiedeamboss. An der Wand befanden sich Halterungen für unzählige und verschieden geformte Zangen des gleichen auch für verschieden geformte Hammersorten nach Gewicht geordnet. Verschiedene Meisel, Dorne und Handwerkzeug für das Beschlagen der Tiere und behandeln der Hufe. Auf einem Bretterregal befanden sich Holzladen mit selbst gemachten  Hufnägel, selbst  vorgefertigte Pferde Hufeisen, verschiedener Größen so vie Hufeisen für Kühe und Ochsen. Diese waren anderes als die der Pferde. Für Kühe und Ochsen benötigte man pro Fuß je zwei Stück da diese Tiere Paarhufer sind. Die Vorfertigung geschah immer dann  wenn zurzeit keine Kundschaft da war. Also hörte man den Klang des Hammers auf dem Amboss von Früh bis in die Abendstunden.

Des Öfteren brachte Wagner Arbeit für den Schmied. Beschläge für die Ochsen- und Pferdewägen so wie Radachsen machen oder Reifen auf die Holzräder zu ziehen. Oft kamen auch die schon einen wagen besaßen und Reparaturen benötigten.

Vor der Schmiede war damals noch ein schöner großer freier Platz mit einer großen Trauerweide vor der Schmiede. Daneben befanden sich zwei solide Holzkonstruktionen die man Schmiedejoch nannte. Das waren Vorrichtungen in denen man das Vieh befestigte um den Schmied zu schützen und die Möglichkeit zum Beschlagen zu geben. Nicht alle Tiere hielten still bei diesem Vorgang darum war der Kopf in diesem Gestell fixiert und zwei Bauchgurte waren auch vorhanden.

Ich kann mich an alles sehr gut erinnern weil ich als Kind oft Stundenlang dabei stand und alles bestaunte.  Ich durfte auch manchmal den Blasebalg bedienen weil er sooooo gruselig fauchte und schnaufte machte das unheimlichen Spaß. Natürlich waren Meine Eltern weniger erfreut wen sie sahen wie ich aussah nach so einer „Handwerkerstunde“. Aber egal es war schön ich mochte die Tiere und stand oft am Kopfende und kraulte sie während des „Martyriums“ das sie zu beruhigen schien.

sschmiede

Standort der Schmiede in Mühlbach 

SCHMIDE

Gewesene Schmiede ( kleines weißes Haus) 

(Die weiteren Bilder Dienen nur als Beispiel)

 Schmiedejoch

Schmiede-Joch zum beschlagen der Tiere

schmittfeuer

Schmiede-Feuerstelle

schniedefeuerstelle

Schmiedefeuerstelle mit Werkzeug

 schmiedeblasebalg

 Schmiede-Blasebalg

Schmiedeamboss

Der  Amboss

Momentaufnahme - 26

Einige der Erzeugnisse des Schmiedes

Warum schreibe ich diese Zeilen? Na ja, ich weiß es nicht so genau. Ich bin der Auffassung man sollte auch wen es scheint unwichtige Dinge zu sein so manches auf Papier, oder wo auch immer, fest zu halten den es gibt vielleicht alle diese Handwerker irgendwann nicht mehr. Vielleicht gibt es aber jemanden der irgendwann Wissen möchte wie und wann auch so etwas in Mühlbach war. Ich weiß es gibt Geschichtsbücher und viele andere Möglichkeiten sich über die Vergangenheit eines Ortes zu Informieren, aber das sind nur geschichtliche Informationen und Fakten, und keine Alltagserlebnisse.

Ich hoffe sie hatten Spaß bei der Lektüre.

Beitrag geschrieben von Horst Theil

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