Die Deportation der Deutschen aus Mühlbach nach Russland.


Eines der dunkelsten Kapitel aus der Vergangenheit unserer Stadt, war die Zeit gegen Ende des II- ten Weltkrieges im Jahre 1945.

Dieses galt nicht nur für Mühlbach sondern, für alle Regionen von Siebenbürgen und Rumänien, überall dort wo es deutschstämmige Bürger gab.

Was war geschehen?

Im Verlaufe des Königlichen Staatsstreichs vom 23. August 1944 ließ König Michael I. von Rumänien den „Staatsführer“ Marschall Ion Antonescu verhafteten und beendete unerwartet das Waffenbündnis mit dem Deutschen Reich. Das Land stand von nun an der Seite der Alliierten. In der Folge nahm die Rote Armee Rumänien ein und stationierte Truppen im ganzen Land. Nach der von Winston Churchill und Josef Stalin getroffenen und von den Amerikanern akzeptierten Vereinbarung war das besetzte Rumänien ab 1945 fester Bestandteil der sowjetischen Einflusssphäre.

Der Waffenstillstandsvertrag Rumäniens mit den Alliierten vom 12. September 1944 enthielt keine Vereinbarung oder Geheimklausel über Reparationsleistungen durch die Bereitstellung von Arbeitskräften.

Schon unmittelbar nach der rumänischen Kapitulation am 23. August 1944 gingen Gerüchte einer bevorstehenden Deportation der „Volksdeutschen“ um. Neben anderen Reparationsleistungen sollte Stalin angeblich 100.000 rumänische Staatsbürger als freiwillige Arbeitskräfte für den Wiederaufbau der Sowjetunion gefordert haben. Gegen Ende des Jahres verstärkten sich die Gerüchte über eine bevorstehende Verschleppung.

Zu diesem Zeitpunk war der Krieg noch nicht zu Ende aber es Zeichnete sich schon ab, dass Deutschland den Krieg verlieren würde.

Das ganze System brach zusammen und ins besonders als die Russen einmarschierten und alle Städte von Rumänien besetzten, also auch Mühlbach. Nach vielen Interventionen der Rumänen bei dem Russischen Besatzungsapparat, der auf der ganzen Linie scheiterte, musste Rumänien aufgeben und sich der Russischen Übermacht beugen.

Niemand der Deutschen Bevölkerung aus Mühlbach wusste nun was geschehen würde, und alle harrten nun was da kommen würde von Seiten der Russen und Rumänen. Eine lähmende Angst machte sich unter den Leuten breit, aber niemand ahnte dass sie verschleppt würden um zu bezahlen was Deutschland an Russland begangen hatte.

Die Russen aber in Rumänien jetzt gefestigt, verfolgten aber unbeirrt ihre eigenen Ziele, die auch für die Rumänen nicht unbedingt günstig waren. Das Hauptziel war den Kommunismus in Rumänien ein zu führen mit allen seinen Gräueltaten wie sich viel später herausstellen sollte. Das Diktat das Russland Rumänien aufsetzte war grausam und total. Jeder Versuch da wieder auszubrechen scheiterte.

So geschah es das der Rumänische Staat gezwungen wurde eine Reihe von Gesetzen mit sofortiger Wirkung heraus zu geben und die Ausführung derer wurde von den Russen Überwacht. In jeder besetzten Stadt, so auch in Mühlbach, blieben eine Russische Garnison zurück und politische Kommissare. Die „ Deutsche Volksgruppe“ wurde aufgelöst. Das Eigentum dieser ging in Staatsbesitz über und die Leiter der DVG aus Mühlbach wurden verhaftet.

Es wurden Tabellen mit allen Deutschstämmigen angefertigt die alle Männer von 17 bis 45 Jahre, und Frauen von 18 bis 30 Jahre, umfassten. All diese wurden ausgehoben und zum Sammelplatz gebracht. Ausnahmen waren Frauen mit Kinder unter einem Jahr, oder Behinderte die nicht arbeitstauglich waren. Die verhafteten mussten Lebensmittel für 15 Tage bei sich haben. Wen der Weitertransport nicht in 15 Tagen erfolgte mussten die Lokalbehörden oder der Rest der zurückgebliebenen Familie dafür aufkommen, wen das nicht gelang mussten andere Deutsche das tun. Die Verhaftungen geschahen Gleichzeitlich im Ganzen Kreiß. Dieses geschah ab dem 3. Januar 1945.

Diese Aktion musste bis zum 9. Januar 12 Uhr beendet sein. Die Gefangenen durften maximal ein Gepäck von 20 Kg bei sich haben. Die Frauen die mit Rumänen verheiratet waren wurden auch nicht verhaftet so wie die Männer die Rumäninnen zur Frau hatten, so wie die Kinder dieser Ehen. Und noch eine reihe ähnlicher Regelungen auf die ich nicht näher eingehen möchte.

Fakt ist das die Russen darauf bestanden das die Quote  an Arbeitskräften eingehalten werden musste. Das hatte zur Folge, das auch Jüngere und ältere Personen verhaftet wurden als vorgeschrieben war.

Unter dem Druck der Kommissare , der Unzureichenden Ausbildung der Jandarmerie, der Angst der Rumänischen Bevölkerung das gleiche Schicksal zu erleiden, den mangelhaften Listen und dem Drang alles so schnell wie möglich zu beenden, wurden Gravierende und folgenschwere Fehler und Übergriffe Begangen.

Die Sammelpunkte in Mühlbach waren hauptsächlich die Schulgebäude des Evangelischen Gymnasiums, des Rumänischen Gymnasiums und der Grundschule. Hier wurden die Verhafteten in die Klassenzimmer, getrennt nach Sex, zusammengepfercht. Die Bewachung wurde von der Russischen Armee, der Jandarmerie und Polizei, so wie vom Mühlbacher Kavallerieregiment vollzogen. Nach ein paar Tagen wurden die Gefangenen zu Fuß, und strengstens bewacht, in Kolonne zu viert, in Richtung Bahnhof geführt. Hier wartete ein Zug mit 8 der berühmten „Bou – Waggons“ auf die Ankunft der Gefangenen. Diese wurden je 30 – 40 in einen Wagon gesperrt und die kleinen Fenster mit Bretter vernagelt. In jedem Waggon waren ein paar Holzbänke und ein wenig Stroh. Nach Stunden und Stunden fuhr der Zug mit den Gefangenen deren ungewisser Zukunft entgegen. Für viele eine Reise ohne Wiederkehr. Diese Deportierungen in Russische Arbeitslager, die bis in das ferne Sibirien reichten, waren Für unsere Landsleute, mit Katastrophalen und Verheerenden Folgen verbunden. Kinder verloren ihre Eltern oder Elternteile, Eltern verloren ihre Kinder. Familien wurden auseinander gerissen mit brutalster Gewalt. Diese Verschleppung dauerte bis zu 5 Jahren und mit ausnahmen auch länger. Viele unserer Landleute sahen die Heimatstadt nie wieder, und niemand weis ob oder wo ihre Leichen Bestattet wurden. Andere wieder kamen todkrank zurück und verstarben kurz darauf. Die meisten aber konnten sich nicht mehr erholen und litten ihr restliches Leben an den Folgen.

Im Anschluss eine Liste der Frauen und Männer aus Mühlbach die Nach Russland deportiert wurden ich kann nicht sagen ob diese Liste alle die erfasst die dieses Schicksal geteilt haben.

Diese Liste umfasst nicht die Gefangenen aus: Petersdorf, Langendorf, Kelling, Pien, und Winz, die ebenfalls in Mühlbach gefangen gehalten, und auch von da abtransportiert wurden. 

Zur Erinnerung an die Nahmen der Mühlbacher die diese Torturen mitgemacht haben.

Frauen – 88 Personen

Männer – 51 Personen

russlanddeportiert frauen

russlanddeportierte männer

 Die Deportation im Allgemeinem

In Siebenbürgen wurden zwischen dem 11. und 16. Januar 30.336 Siebenbürger Sachsen verhaftet, also circa 15 Prozent bezogen auf die Volkszählung von 1941. Davon waren 46,4 Prozent Männer und 53,4 Frauen. Konnte das Soll nicht erfüllt werden, weil die Listen Personen umfassten, die abwesend waren oder sich versteckt hatten, wurden Männer und Frauen festgenommen, die älter oder jünger als das vorgesehene Alter waren, Dieses war bei 10 Prozent der Rekrutierten der Fall, die ältesten Verschleppten waren 55, die jüngsten 13 Jahre alt.

Etwa zwei oder drei Tage nach der Eintreibung fuhren die Transporte ab. Kleinere Gruppen mit deutschen Angehörigen der rumänischen Armee oder aufgestöberten Versteckten folgten im Februar nach. Die in Târgu Jiu  inhaftierten arbeitsfähigen Funktionäre der „Deutschen Volksgruppe“ wurden am 11. Januar abtransportiert. In Viehwaggons, in die man jeweils 40 bis 70 Männer und Frauen zusammenpferchte, dauerte die Fahrt bei eisiger Kälte, primitivsten hygienischen Verhältnissen und notdürftiger Versorgung bis zu den Bestimmungsorten mehrere Wochen. Für neun von zehn Deportierten endete der zweiwöchige Transport im Donez – Becken und im Dongebiet in der Ukraine in den Bezirken Dniepropetrowsk, Stalino sowie Woroschilowgrad. Die übrigen waren sechs Wochen unterwegs und wurden in den Bezirk Molotow im Ural verbracht. Die Deportierten wurden hier in 85 Lager verteilt, die allerdings häufig nicht darauf vorbereitet waren, die Verschleppten menschenwürdig aufzunehmen. Dort arbeitete jeder Dritte im Bergbau, jeder Vierte im Bauwesen, die übrigen in der Industrie, Landwirtschaft oder Lagerverwaltung. Die wenigsten erhielten Arbeit in ihren Berufen zugeteilt. Infolge der schlechten Unterbringung und unhygienischer Bedingungen, der schlechten medizinischen Betreuung, der dürftigen Ernährung, der schweren Arbeitsbedingungen und Unfälle gab es viele Kranke und Tote. Die Kommunikation mit den Daheimgebliebenen war im Allgemeinen auf ein Minimum begrenzt, die Deportierten durften lediglich 25 Worte nach vorgeschriebenem Muster an ihre Verwandten schreiben.

Bald schon wurden die ersten Kranken und Arbeitsunfähigen entlassen, wobei sich die Entscheidungsträger über Verbleib oder Entlassung allein vom Arbeitswert der Internierten leiten ließen. Schon im Herbst 1945 wurden 3548 und im Folgejahr 1546 Personen über Frankfurt an der Oder in die Sowjetische Besatzungszone (SBZ) entlassen, sowie 861 Personen nach Rumänien; 1947 wurden 2950 Personen in die SBZ entlassen und 402 nach Rumänien. Ab 1948 verbesserten sich die Lebensbedingungen, so dass die Zahl der Kranken und Toten stark zurückging. Erst ab diesem Jahr wurden auch gesunde Arbeitskräfte (insgesamt etwa 49 Prozent) entlassen, und zwar ausschließlich nach Rumänien. Ab Oktober 1949 wurden die Arbeitslager in der Sowjetunion aufgelöst.

8486 Verschleppte, das letzte Drittel, kehrten daraufhin nach Siebenbürgen zurück. Aus der Sowjetzone Deutschlands kehrten etwa 50 Prozent heim. Die übrigen gelangten meistens nach Westdeutschland, während 182 Personen in der späteren Deutschen demokratischen Republik verblieben. Lediglich eine kleine Gruppe von 202 Personen wurde erst 1950 bis 1952 nach Hause entlassen. Sieben Siebenbürger Sachsen verblieben in der Sowjetunion.

3076 Personen, also knapp 12 Prozent der Deportierten, verloren während der Deportation in der Sowjetunion ihr Leben. 1947 war die Todesrate am höchsten. Das Verhältnis von Männern zu Frauen unter den Todesopfern lag bei drei zu eins.

 

Beitrag geschrieben von Horst Theil

Quellen:

 – Wikipedia

 – Nicolae Afrapt:    Germanii din Sebes în primii ani ai comunismului 1945 – 1950

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