Erinnerungen an eine Episode aus der Zeit in Rumänien


Wie alles begann.

Liebe Leser, in diesem Beitrag möchte ich ihnen einige Ausschnitte aus dem „Kampf“ den fast jeder kämpfen musste, der zu dem schweren Entschluss kam seine Heimat verlassen zu müssen. Ich sage ganz bewusst zu müssen, aus dem einfachen Grund weil es jedem einleuchtet, dass niemand seine Heimat und Geburtsstätte gerne verlässt.

Ich werde aus Persönlichen Gründen keine Namen nennen.

Ja es mag sein das der eine oder andere dieses, auch unter anderem, aus materiellen Gründen tat, aber die überwiegende Mehrheit tat es weil die Benachteiligungen, deutscher Nationalität zu sein, immer offensichtlicher und deutlicher, im laufe der Zeit wurden. Mann muss allerdings zugestehen dass die Situation der Deutschstämmigen Bevölkerung in Rumänien viel besser war, als in den restlichen Staaten des Ostblocks, in der Zeit nach dem 2-ten Weltkrieg. Trotz allem erfahrenen  Übel wie Deportation, Enteignungen und Benachteiligungen durften die Deutschstämmigen ihre Kultur, Schulen und Hochschulen in deutscher Sprache pflegen und bewahren, was ein großer Vorteil gegenüber anderer Staaten des Ostblocks war, wo schon das benutzen der deutschen Sprache ein Vergehen darstellte.

Nicht desto trotz wurden aber die Schrauben immer mehr angezogen und die Umstände des täglichen Lebens immer schwerer. Das ging mit der Beschaffung von Lebensmittel und Alltagsgegenständen, bis zur Bevorzugung der Rumänischen Bürger wenn es hieß einen bestimmten Arbeitsplatz zu erhalten, ganz geschweige eine Führungsposition. Die Polittische Karierre war, wenn auch nicht öffentlich, den Deutschstämmigen nicht immer möglich. Im Gegenteil, alle galten insgeheim als Staatsfeinde und wurden von dem Geheimdienst Securitate bespitzelt. Dieses geschah aus dem Grund weil fast alle Deutschstämmigen Verwandte und Bekannte im Ausland und ins besondere in Deutschland hatten. Die Reisefreiheit war so gut wie nicht vorhanden, wenn doch dann nur in Sozialistische Länder nach einer gründlichen Überprüfung der Securitate. Die Grenzen waren dicht, man war praktisch Gefangen im eigenen Land, in der Heimat.  Es wurde so gut es ging der Kontakt mit dem Ausland unterbunden. Diese Umstände führten, schon Anfang der 50-er vereinzelt auch früher, zu der Tatsache das Teile der deutschen Bevölkerung das Risiko eingingen und die Flucht nach dem freien Westen in Kauf nahmen. Dieses geschah zu Wasser und zu Land, jeder wo er seine Schanze vermutete. Alle die gefasst wurden, und das waren die Mehrheit, galten als Landesverräter, und mussten lange Jahre im Gefängnis verbringen oder wurden niemals wieder gesehen.

Später sickerte es durch das man legal ausreisen konnte wenn man eine bestimmte Geldsumme in Valuta an bestimmte Personen zahlte oder ein von hochgestellten Personen begehrtes Anwesen oder Haus besaß. Das alles geschah im geheimen und wurde von der Securitate im Auftrag der Regierung durchgeführt. Dann konnte man auch Ausreisen wen man von Deutschland abgekauft wurde, das war ein geheimes Abkommen zwischen der BRD und Rumänien das die Bevölkerung BEIDER Staaten nicht wusste. Also Menschenhandel an dem Rumänien sehr  gut verdiente. Die Summen die da im geheimen pro Kopf bezahlt wurden schwankten zwischen vier und acht bis zehntausend D- Mark, je nach Ausbildung, Geschlecht und Alter der Personen. Diejenigen die nicht das Glück hatten in diesen Personenkreis zu fallen, mussten Jahre und Jahre warten und auf das Wohlwollen der Behörden angewiesen sein.


Eigene Erfahrungen

In meiner Familie war das auch der Fall. Zu erst versuchte ich alleine eine Genehmigung für einen Besuch bei meiner Tante in Deutschland zu erlangen. Kurz nach der Antragstellung wurde ich zur Securitate vorgeladen. Ein Offizier dessen Namen ich nicht nennen möchte, tauchte eines Tages bei mir zu Hause auf und sagte ich möchte mich auf der Polizei bei der Zimmernummer melden den man müsste mit mir ein Gespräch führen. Ich dachte mir schon worum es geht und sagte ihm dass ich in einer Stunde da sein werde. Er war damit einverstanden. So wie er weg war fuhr ich mit meinem Moped zur Lederfabrik, wo meine Frau arbeitete und gab ihr Bescheid wo ich hinging, anschließend fuhr ich zu meinem Vater um ihm auch Bescheid zu sagen. Das alles tat ich nur damit sie wissen wo ich verblieben bin für alle Fälle den man konnte nie wissen wie so ein „Gespräch“ endete. Also fuhr ich zur Polizei. Mein Erstaunen war groß als ich im Wartezimmer saß und aus einer der Türen eine mir bekannte Person trat und so tat als ob sie auch erstaunt war mich da zu sehen. Wir begrüßten uns und ich fragte ihn ob er den da arbeiten würde. Er gab das kleinlaut zu. Nach einigem hin und hehr sagte er mir ich sollte lieber von Anfang an alles zugeben denn die da drinnen könnten unangenehm werden wen ich ihnen nicht die Wahrheit sage. Na prosit das konnte heiter werden. Falls ich die Genehmigung für meinen Besuch in Deutschland aber doch bekommen sollte, wurde ich gebeten ihm eine Batterie für sein altes Motorrad mit zu bringen er wolle sie mir auch bezahlen. Na ja, was soll man noch dazu sagen. Kurz darauf wurde ich herein  gebeten. Da saßen einige Herren in der Runde, ich wurde gebeten Platz zu nehmen, und einer von denen, wie ich später herausbekam ein Oberst vom Kreiß, ergriff das  Wort. Es sei ihnen zu Ohren gekommen das ich nach Deutschland auf Besuch fahren zu wollte. Warum gerade hin? Es gäbe ja die Möglichkeit auch nach Bulgarien zu fahren. Sogar mit der Familie. Na ja dann sagte ich das ich  meine Verwanden besuchen möchte und nicht Erholungsurlaub machen. Dan bekam ich zu hören das ich ja noch nicht mal Parteimitglied sei und ideologisch nicht gegen die „Gefahren“ des Westens gerüstet sei. Es wäre ja nur zu meinem Guten. Wie führsorglich. Also ich sollte mir den Besuch im Westen aus dem Kopf schlagen. Danke. Ich durfte gehen.

In der nächsten Zeit merkte ich dass etwas nicht stimmte. Das komische Verhalten der Arbeitskollegen machte mich stutzig. Ich arbeitete um diese Zeit in der Strumpffabrik als Elektriker bei der Instandhaltung. Ich sollte viel später erfahren das der Hauptmann von der Securitate der für unseren Betrieb zuständig war schon gleich nach der Antragstellung bei Arbeitskollegen, Meister und Büroangesellten über mich Informationen gesammelt hatte. Spätestens jetzt wurde mir klar, als ich eines Tages in das Büro des Abteilungsleiters gerufen wurde, was hier am laufen war. Im Büro war auch mein Meister anwesend. Ich wurde gefragt warum ich den so einen Antrag gestellt habe und dem ganzen Team solche Unannehmlichkeiten bereite und warum überhaupt ich in die BRD reisen wollte. Ich erwiderte das ich dieses alles schon an der passenden Stelle gesagt habe und dieses den Betrieb gar nichts angehe was ich in meiner Freizeit und Urlaub mache. Nach mehreren Drohungen das diese Aktion für mich folgen haben könnte, wurde ich wieder an meinen Arbeitsplatz geschickt. Ich muss erwähnen dass ich in der Spätschicht oft auch Radioapparate von Kollegen und Arbeiterinnen aus der Produktion reparierte. Und dieses wurde mir zum Verhängnis.

Abermals bei einem „Besuch“ des Hauptmanns im Betrieb wurden alle Kollegen, AUSER MIR, in das benachbarte Kesselhaus der Fabrik zur Befragung gerufen. Eine Woche darauf wurde ich wieder zur Securitate „eingeladen“. Dieses geschah um die Zeit als in Polen  der Aufstand der Gewerkschaftler in Danzig war.

Wieder dieselben Personen wie bei meinem ersten „Besuch“. Es wurde mir klar gemacht dass ich jetzt zu weit gegangen war. Sie warfen mir vor dass ich im Betrieb Radio „Freies Europa gehört hätte und auch Kollegen dazu ermutigt hätte. Ich stritt das kategorisch ab, obwohl mir Prügel angedroht wurde. Ich sagte ihnen das es war ist das ich ab und zu Radios während der Arbeitszeit repariert hätte aber niemals „Freies Europa „ hörte oder gar jemanden dieses zu tun ermunterte. Was hätte ich den gehört? Was den so in Polen vor sich ginge? Entgegen meiner Überzeugung sagte ich ihnen das was dort vor sich ging nicht richtig war für einen Sozialistischen Staat und die Leute sich nicht im Klaren sind was sie da anrichten und so weiter. Na ja, irgendwann gaben sie auf und ich durfte wieder gehen.

Es folgten Bespitzelungen auch innerhalb meiner Band in der ich Bassgitarre spielte, bei Nachbarn und Bekannten.  Mir wurde klar dass es so nicht weiter gehen konnte.

Nach längerer Überlegung und auf mein drängen entschlossen sich meine Eltern das wir gemeinsam einen endgültigen Ausreiseantrag stellten auf der Basis im Besitz einer so genannten RU- Nummer zu sein, die wir mit Hilfe von der Schwester meiner Mutter aus Deutschland erhielten. Diese hatten wir schon vor einigen Jahren erhalten.


Die Weichen waren gestellt.

 Ja die Weichen waren gestellt. Ab jetzt gab es kein zurück mehr. Nach dieser Antragstellung zur endgültigen Ausreise aus Rumänien ging es erst richtig Loos. Mann schrieb inzwischen  das Jahr 1983. Das begann bei meinen beiden Kindern  die damals die deutsche Abteilung in der Städtischen Grundschule besuchten. Da sich so etwas herumsprach erfuhren auch ihre Klassen und Schulkameraden so wie das Lehrerteam das ihre Eltern Antrag auf Ausreise gestellt hatten. Es waren eigentlich mehr die lästigen Fragen, warum wieso und wann. Die Situation Meiner Frau an Ihrem Arbeitsplatz in der Lederfabrik war schon ein bisschen anders. Da wurde der Druck schon offensichtlicher so wohl von Seiten des Betriebes als auch von den nichtdeutschen Arbeitskollegen. Ich möchte nicht in Einzelheiten gehen da ich sonst ein Kapitel für sich schreiben müsste.

Bei mir war es nicht anderes, aber ich hatte mich so zu sagen damit abgefunden und wusste schon wie ich reagieren sollte. Ich wusste auch ziemlich gut vor wem ich mich in Acht nehmen musste, aber wie das so ist fand sich immer jemand der vielleicht neidisch war oder aber irgendwie der Securitate  verpflichtet war. Das waren nicht nur Rumänen sondern auch von unseren eigenen deutschstämmigen, und das bis in höhere Kreise. Mann musste immer aufpassen was, wo und mit wem man etwas redet, den sicher konnte man nie sein. Also die Ausreiseprozedur sah vor das das in zwei Etappen vor sich ging. Erstens das Ausfüllen der Vor-Formulare, von allen „die kleinen Formulare“ genannt. Wenn man das erreicht hatte war das schon fast der halbe Weg auf dem Weg in den Westen. Als zweiter Schritt folgten dann die Haupt- Formulare oder „großen Formulare genannt. Wer die schon hatte war schon weit. Da musste alles angegeben werden, Persönliche Daten, Ausbildung, einfach alles für jede Person der Familie, genau und mit Datum zu jedem Ereignis im Leben. Militäreinheit, Waffengattung, Grad, von wann bis wann und wo. Der nächste Schritt war die Benachrichtigung wann man die Reisepässe abholen konnte. Erst nach dem man den Pass in der Hand hatte konnte man sich die Fahrkarten besorgen, aber bis da hin war noch ein langer und mühsamer Weg.

Also der Reihe nach. Nach dem Antragstellen zur Ausreise geschah erst mal gar nichts und das Monate lang, außer natürlich den Bespitzelungen. Alles was man machte, sagte, wo und mit wem man verkehrte, war anscheinen für die Securitate bedeutsam.

Jeder der das mitgemacht hat weiß von was ich rede. Und ich hatte noch Glück das ich viele Personen in Spitzen Positionen der Stadt und Kreisebene gekannt hatte durch meine Kulturellen Tätigkeiten. Dadurch hielten die Securitate- Leute sich noch ein wenig zurück.

Also begann die „Jagd“ auf die „kleinen Formulare“.

Da um diese Zeit außer uns mehrere Familien auch in derselben Situation waren, und man sich kannte, erfuhr man durch Gespräche, wie man vorgehen sollte oder musste, um das Ziel zu erreichen. Es kristallisierte sich heraus dass man nicht die Hände in den Schoß legen konnte und warten sondern selber aktiv werden musste. Also schlugen wir auch diesen Weg ein. Mit klopfendem Herzen gingen wir zu unserer ersten Audienz beim Chef der Securitate nach Karlsburg in die Kreishauptstadt die wöchentlich einmal gehalten wurde. Die Audienz begann in der Regel um 8 Uhr. Also machten wir uns auf den Weg zum ersten Bus der um 6 Uhr am morgen nach Karlsburg abfuhr. Da angekommen stellte man sich an die schon vorhandene Menschenschlange an, um den Personalausweis an der Pforte schon mal abzugeben. Danach gingen wir ein paar hundert Meter weiter zu einem heruntergekommenen Kaffeehaus, das sich gegenüber der Evangelischen Kirche befand. Nicht das idealste aber das einzige das um diese Uhrzeit geöffnet hatte. Vorteilhaft im Winter da man nicht draußen beim warten frieren musste. Um diese Uhrzeit war das der Treffpunkt aller Gleichgesinnten. Mann trank einen heißen, wenn auch schlechten Kaffee, danach ging es wieder an der, inzwischen länger gewordenen Schlange, anstehen.

Pünktlich um 8 Uhr wurden die ersten 10 herein gelassen und in ein rudimentäres Wartezimmer geschleust wo man wieder warten musste bis man zum Chef herein gerufen wurde. Im Büro des Chefs waren noch zwei Beamte anwesend die im immer die passenden Personalausweise reichten, die er dann eingehend und wichtig tuend  studierte bevor es losging.  Die erste Frage war warum man den überhaupt um diese Audienz gebeten hatte. Wie wenn er das schon nicht wüsste. Na ja dann erzählte man das man gerne mit den Anverwandten in Deutschland zusammen leben möchte und überhaupt. Dann kriegte man noch allerhand Fragen gestellt. Am Ende wurde einem gesagt das dieser Fall noch in Bearbeitung ist und wen die abgeschlossen sei benachrichtigt wird. Man konnte wieder gehen.

Wir wiederholten diese Prozedur fast wöchentlich. Die gleichen Fragen, die gleichen Antworten, einfach grotesk.

Nach ein paar Monaten machten wir uns in die Landeshauptstadt Bukarest zur Deutschen Botschaft auf um dort eine Audienz zu erhalten. Nach einer Reise mit dem Zug, die nie enden wollte, kamen wir in Bukarest an. Schon am Bahnhof warteten Taxifahrer die es im Gespür hatten wer zur Botschaft will, keine Ahnung wie die das einem ansahen oder herausbekamen. Das Taxi hielt in der Strasse wo die Botschaft ihren Sitz hatte an und wir stiegen aus. Da waren noch eine große Menschenmenge die das gleiche wollten, nämlich in die Botschaft. Manche campierten schon da seit Tagen und schafften es nicht in das Gebäude zu kommen. Der Grund war das die rumänischen Sicherheitsleute die das Gebäude der Deutschen Botschaft bewachten immer nur zwei Personen auf einmal herein ließen. Wir hatten Glück nach 7 Stunden Wartezeit irgendwie nach innen zu kommen. Wir waren wie in einer anderen Welt, man wurde freundlich empfangen und ein Mitarbeiter nahm sich Zeit einen genau an zu hören  was man auf dem Herzen hatte. Man bekam wertvolle Ratschläge was zu unternehmen war und wie man sich verhalten sollte. Es wurde eine Akte angelegt. Alles wurde notiert und mit dem Versprechen sich um den Fall zu kümmern wurde man entlassen, aber nicht bevor man Telefonnummer und Kontaktmöglichkeiten erhielt mit der Bitte sich zu melden falls etwas Außergewöhnliches passieren sollte.

Mit dem Taxi ging es zurück zum Nordbahnhof, und mit dem Schnellzug Richtung Mühlbach nach 3 Tagen und zwei ungeschlafenen Nächten kamen wir wieder in Mühlbach an. Es dauerte noch 5 lange Jahre, mit den sich immer wieder wiederholenden Audienzen bis endlich die lang ersehnten „großen Formulare“ in unseren Händen lagen.


Die Vorbereitungen und das Ende

 Ja der Zeitpunkt war da wo wir mit voller Hoffnung die Formulare studierten und feststellen mussten das noch mehr Angaben gemacht werden sollten. Also machten wir und daran diese Formulare sorgfältig auszufüllen. Und bei den Behörden einzureichen. Es vergingen Monate und Monate ohne dass wir eine Information bekamen. Auf diese Tatsache hin, wiederholten wir unsere Aktionen mit Audienzen in Karlburg. Meine Frau und ich beschlossen den Auto- Führerschein zu machen, was wir dann auch taten. Im gleichen Jahr waren wir glückliche Besitzer des Führerscheins Klasse B. Wir begannen unsere persönlichen Dokumente, wie Geburtsuhrkunden, Heiratsuhrkunden Ausbildungsuhrkunden und Schulzeugnisse zu kopieren und übersetzen zu lassen. Wenn das getan war mussten alle Dokumente vom Innenministerium in Bukarest beglaubigt werden, so wohl die Kopien als auch die Übersetzungen in deutscher Sprache. Diese Sachen machte für uns ein Mann aus Petersdorf gegen Bezahlung natürlich. Nach weitern Monaten des Wartens wurden meine Eltern benachrichtigt das sie die Situation mit dem Haus das sie in der Altgasse besaßen klären sollten sonst kann man die Pässe nicht aushändigen. Das „Klären“ war eigentlich die Abtretung an den Staat, obwohl es verkaufen hieß, für einen Klickerbetrag weit unter dem tatsächlichen Wert. Obwohl der Grund auf dem das Haus stand und der Hausgarten im Grundbuch als Eigentum eingetragen wahren hieß es das dieser nicht bezahlt wird da er schon sowieso dem rumänischen Staat gehöre. Also war alles für ein paar Lei futsch. Na gut wen nur der ersehnte Pass kommen würde. Mit dem Geld wurden ein paar neue Sachen gekauft und alle Unkosten gedeckt die bis dato entstanden waren. Mittlerweile war das Jahr 1989. Im August dieses Jahres kam dann die Nachricht dass wir die Pässe abholen sollten. Die Erlösung war da. Endlich waren wir im Besitz der Ausreisepässe. Nun mussten die original Uhrkunden Geburtscheine bei der Stadtverwaltung und die Personalausweise (Buletine) bei der Polizei abgeliefert werden. Ich muss noch erwähnen dass wir im Vorfeld verpflichtet wurden auf die Rumänische Staatsbürgerschaft zu verzichten. Egal, es war uns nun alles Recht nur endlich diese anspannende Situation zu beenden.

Jetzt galt es den Haushalt meiner Eltern und den Unserigen aufzulösen. Was verkauft werden konnte wurde verkauft was nicht verschenkt. Ich kündigte zum ersten Oktober meinen Job in der Strumpffabrik und meine Frau den Ihren in der Lederfabrik. Wir organisierten Hausflohmärkte wo wir fast alles was meine Eltern und wir besaßen verkaufen konnten den Rest verschenkten wir an Leute die die übrigen Sachen gebrauchen konnten.

Wir bestellten die vorgeschriebenen genormten Holzkisten zu über ein tausend Lei pro Stück, eine für meine Eltern und eine für uns. Die Sachen die mitgenommen werden sollten mussten erst von Nationalmuseum in Karlsburg abgesegnet werden, denn was die als wertvolle Kunst einschätzten, durfte nicht mitgenommen werden. So brauchte man für jedes Bild, Buch oder Porzellan vom Museum eine Bestätigung dass es nicht zum Nationalen Eigentum gehörte.

Nachher konnte man die Kisten packen mit den Sachen die man mitnahm. Diese Kisten mussten nach Arad zum Bahnzoll gebracht werden. Dafür musste wiederum ein Auto gemietet werden der den Transport nach Arad übernahm. Wir mussten da auch erscheinen gemeinsam mit den Kisten. In einem speziell dafür vorgesehenem Raum musste man alles wieder auspacken zur Besichtigung. Nach dem OK der Zollbeamten ging man mit dem Zettel den die ausgefüllt hatten zur Kasse um den anfallenden Zoll zu bezahlen. Dann kam man zurück und durfte wieder alles einpacken. Nach dem das geschehen war wurden die Kisten verplombt. Die ganze Aktion dauerte zwei Tage.

Wieder in Mühlbach angekommen Organisierten wir eine Abschiedsfeier mit den Kollegen und Freunden unserer beiden Kinder. Danach folgte die Abschiedsfeier mit den Bleibenden Verwandten den Freunden und Nachbarn meiner Eltern. Als letzte feierten wir mit unseren Angehörigen und Freunden.

Die Fahrkarten für die Eisenbahn bis Nürnberg wurden für die letzten Oktobertage bestellt.

Den letzten Tag in Mühlbach verbrachten wir im Elternhaus in der Altgasse. Am Nachmittag kam der Mann vom I.G.C.L. um das Haus hinter uns abzuschließen. Es kamen viele Verwandte und Nachbarn um sich zu Verabschieden. Alle auch wir hatten Tränen in den Augen. Die Koffer wurden in mehrere PKW verladen. Mein Vater schloss das Haustor eigenhändig zum letzten mahl ab und übergab die Hausschlüssel dem Mann vom I.G.C.L.

Mann lag sich ein letztes mahl in den Armen bevor man in die Fahrzeuge stieg um nach Karlsburg zum Bahnhof zu fahren von wo wir den Abendzug in Richtung Westen nahmen.

Viele begleiteten uns auf diesem Weg bis zum Bahnhof.

Nach einigen Minuten wurde unser Schicksalszug über die Bahnhoflautsprecher angesagt.

Ein kurzer aber herzlicher Abschied und der Zug kam zum stehen. Die Koffer wurden in den Zug getragen und in dem Abteil verstaut, wir ließen die Fenster herunter und winkten den mit Tränen in den Augen Zurückgeblieben. Ei kurzer Pfiff des Schaffners und der Zug setzte sich in Bewegung einem ungewissen Schicksal entgegen.


So oder so ähnlich erlebten es viele Landsleute nicht nur aus Mühlbach sondern aus ganz Siebenbürgen. Hier endet meine bescheidene Schilderung über die Motive und die Umstände wie sich das Auswandern meiner Familie abgespielt hatte.

Beitrag von Horst Theil

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