Der Mühlkanal oder die Wasserräder der Stadt


In dem heutigen Beitrag möchte ich ihnen etwas über ein Thema erzählen, das wie der Titel schon sagt, mit den Wasserrädern von Mühlbach zu tun hat. Wie schon aus der Geschichte der Stadt Mühlbach bekannt ist, war das Gebiet der Stadtgründung, eine von mehreren Wasserläufen durchzogene Landschaft. Die Siedler und die in der Umgebung ansässigen Uhreinwohner machten sich diese Lage zu Nutze indem sie schon seit sehr früher Zeit die Wasserkraft nutzten. Das geschah am Anfang mit dem Bau der wohlbekannten Wassermühlen, die ich schon in einem anderen Beitrag erwähnt habe. Von daher entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte auch der Name der Stadt Mühlbach, der allerdings im Laufe der Zeit unter verschiedenen Schreibweisen in der Geschichte zu finden ist. Der  Lauf des Mühlbaches war ursprünglich  in mehreren kleineren Armen, die über das ganze Stadtgebiet führten und ihren Lauf mehrmals änderten, verteilt. Von diesen Bachläufen setzte sich nur der Hauptarm das heute existierende Bachbett durch. Der einzige Nebenarm der bis in die Neuzeit existierte, war der bekannte Mühlkanal. Dieser wurde von den Siedlern befestigt und ausgebaut. An diesem Kanal wurden im Stadtgebiet die ersten zwei Wassermühlen erbaut, die lange Jahre hindurch der Bevölkerung von großem Nutzen waren. In späteren Jahren kamen moderne „Wasserräder“ bei der Erbauung des Wasserkraftwerkes in Form von Wasserturbinen zum Einsatz. Ein aufmerksamer Beobachter kann die Reste des alten Laufes dieses Mühlkanales war nehmen wen er, bei einem Spaziergang unter die Erlen, seine Aufmerksamkeit auf die rechte Seite des Weges ab dem ehemaligen E-Werk bis zum Fußballstadion richtet. Man kann eine leichte Vertiefung parallel zum eigentlichen Flussbett feststellen und daraus den Schluss ziehen das die Abzweigung des Mühlkanals irgendwo im Bereich des Stadions war. Ab dem E-Werk abwärts, vermute ich, ist das Bett des Mühlkanales noch das originale.  Das Stadtgebiet zwischen dem Mühlkanal und dem Mühlbach (auch Klosterbach genannt) wurde seit jeher „Zwischen den Bächen“ (Într-e rîuri) genannt. Der Mühlkanal verlief also mit Beginn unter den Erlen (später vom Großen Wehr) bis Ende der Altgasse, beim später errichteten  Schlachthaus, wo er wieder in den Hauptarm mündet.

 Mühle

 Obere Mühle mit Mühlkanal

 Mit diesem Mühlkanal sind alle Bürger älteren Semesters von Mühlbach aufgewachsen, und es erwachen  unvergessliche Erinnerungen damit, schon beim erwähnen des Namens. Wie ich schon öfters erwähnte bin ich in der Altgasse, auf der linken Straßenseite und somit am rechten Ufer des Mühlkanals aufgewachsen.  Meine ganze Kindheit und Jugend war mit dem Mühlkanal verbunden. So erinnere ich mich dass die Gärten rechts des Kanals alle im Durchschnitt etwa 75 Meter Lang und etwa 15 bis 20 Meter Breit waren. Die Gärten hatten guten Boden und waren sehr Ertragsreich das ganze Jahr über. Sie wurden meistens, aber nicht nur, von den Hausfrauen bearbeitet, die oft die überschüssigen Erträge auf dem Städtischen Markt verkauften, und so einen Beträchtlichen Beitrag zum Familiären en Einkommen leisteten.  Das war hier möglich dank der Wasserräder. Entlang dem Lauf des Kanals von der Letzten Wassermühle bis zur Mündung waren fast in allen Gärten, die alle an den Kanal grenzten, selbstgebaute Wasserräder (oder Schöpfräder genannt) vorhanden. Die Konstruktionen waren unterschiedlich. Die einen waren aus Holz, andere wieder aus Metall gebaut die sich alle auch in der Größe unterschieden, je nach Möglichkeiten der Besitzer. Ich werde jetzt eine kleine Beschreibung dieser Räder machen für diejenigen die nicht wissen was so ein Rad ist und wie es funktioniert. Der Bau war so ähnlich eines Mühlrades. Der Unterschied war nur das es am inneren Radkranz Behälter (Eimer oder Blechdosen) befestigt waren die bei der Drehung des Rades in das Wasser tauchten und es in einem dafür befestigten Trog oder Wanne im oberen bereich auskippten. So ward das Wasser manchmal bis zu 2 – 3 Meter angehoben und konnte so aus dem besagtem Trog, über eine Holz- oder Metall Rinne, in Richtung garten fließen, und so mit die Bewässerung des Gartens sicherstellen. Das war sinnvoll um einen gesicherten Ertrag zu gewährleisten. Die Bewässerung startete man indem man den Bremsbalken, entfernte und die Wasserkraft das Rad zu drehen begann. Man beendete diesen Vorgang in dem man den Balken wieder durch die Speichen des Rades schob bis zum Bock der das eine Ende der Welle stützte. Das andere Ende des Balkens stützte man an einem kurzen Pflock der am Ufer in den Boden gerammt war. Dadurch wurde das Rad gebremst und der Vorgang war beendet. Diese Investition lohnte sich da die Wasserkraft immer und jederzeit zur Verfügung stand. Man verbrauchte keine Energie und die Bewässerung war somit kostenlos.

Einige Bewohner der Altgasse spezialisierten sich auf die Gärten und Gartenarbeit. Es wurde jede Ecke der Gärten für Gemüsebeete, Mistbeete und Gewürze genutzt. Manchmal waren es auch die Blumen die man gut verkaufen konnte, da ja kein Blumenladen in der Stadt war.

Die Setzlinge aus den Mistbeeten fanden im Frühjahr und Frühsommer auch riesigen Absatz.

Alles in allem eine intensive Arbeit und Mühe. Dieses alles währe aber nicht ohne die Wasserräder möglich gewesen. Wir müssen feststellen dass der Mühlkanal von größter Bedeutung für die Stadt Mühlbach war. Die an dem Kanal gelegenen Betriebe wie die Lederfabrik, mit beiden Standorten, die Strumpffabrik und das Schlachthaus so wie alle Bürger deren Gärten angrenzten einen beträchtlichen Nutzen von dem Kanal bezogen.

Heute existiert dieser Kanal nicht mehr außer ein paar Stellen die noch an seine ehemalige Existenz erinnern. Somit gehört auch dieses Kapitel der Geschichte an.

Horst Theil

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