Otto Sander, der Konditor von Mühlbach


 Unbenannt..

 Otto  Sander

( 1893 – 1963 )

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Die Konditorei „Otto Sander“ 1937

Otto Sander wurde im Jahre 1893 in der Schweiz geboren. Danach gelangte er nach Bayern in Deutschland, wo er auch seinen Militärdienst absolvierte. In den Wirren der Jahre zwischen den beiden Weltkriegen, aus unbekannten Gründen verschlug es ihn nach Siebenbürgen, und zwar nach Mühlbach. Da er von Beruf Konditor war, gründete er sich eine Existenz durch Eröffnung einer Konditorei in der Petrigasse, gegenüber dem evangelischen Kindergarten.

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 Die gewesene Konditorei.

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 Oben an der Fazade sieht man den Halter des Firmenlogos

 Er sollte bald das Ansehen der Mühlbacher, und der Umliegenden Ortschaften erlangen.Das Lokal der Konditorei war nicht groß aber sehr beliebt schon wegen den berühmten und Wohlschmeckenden Cremeschnitten. Hier konnte man auch andere Kuchen und Konditorwaren genießen. Herr Otto Sander war einer der ersten Konditoren der Stadt die den Mühlbachern das Speiseeis anboten. Das konnte man vor Ort genießen, oder von dem Eisboten (Dumitru) auf den Strassen von Mühlbach kaufen. Dieser war, wie schon in einem anderen Beitrag erwähnt, ein Bürger aus dem nahen Langendorf den er für diesen Zweck eingestellt hatte um auch hiermit den Absatz zu erhöhen. In seinen besten Jahren hatte er das Kinderpulver erfunden, das sehr nahrhaft für Säuglinge und Kleinkinder war, und sogar International sehr gefragt. Otto Sander war drei Mal verheiratet. Mit der ersten Frau bekam das Ehepaar eine Tochter (Liesel). Seine zweite Frau war sehr tüchtig, sie führte das Geschäft, da er sehr schlecht die rumänische Sprache beherrschte, und die ganze Zeit lieber in der Backstube arbeitete. Mit seiner dritten Frau Hedviga, geborene Ziegler lebte er zusammen bis zu seinem Tode.

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Otto Sander mit Frau Hedviga

Herr Sander war Diabetiker und hatte in seinen letzten Jahren sehr viel gelitten.  Durch sein schweres Leiden starb er im Alter von 70 Jahren und wurde auf dem Mühlbacher Friedhof beerdigt.

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Ruhestätte von Otto Sander

 auf dem Evangelischen Friedhof zu Mühlbach

 

Horst Theil

Dank an Herr Manfred Ziegler und Barna Denis!

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„ Zur Blauen Kugel“


Haus 2 HannDas gewesene Gebäude „Zur Blauen Kugel“

 Wie ich schon in dem Beitrag über den „Goldenen Löwen“ berichtete, besaß Mühlbach noch weitere Gasthöfe. „Zur Blauen Kugel“ war einer davon. Er befand sich vor den Toren der Stadt in Östlicher Richtung auf der Hermannstädter Strasse. Auf der Linken Seite gelegen, gegenüber dem freien Gelände auf der Rechten Seite der Strasse, wo sich um die Zeit Der Viehmarkt befand, war seine Lage äußerst günstig gelegen.

Das Gebäude verfügte über viele Gästezimmer und mehreren großen Kellerräumen. Die große Einfahrt zum Hof befand sich an der Hermannstädter Landstrasse. Der  äußerst große Hof war gegen zwei Strassen mit hohen und dicken Mauern abgesichert. Viele Reisende aus Richtung Hermannstadt stiegen hier ab. Aber nicht nur sondern auch die Bauern aus der nahen und ferneren Umgebung von Mühlbach, insbesondere an den Markttagen.

Im Hof waren entlang der Begrenzungsmauern auch Krippen angebracht für Pferde und Ochsen, die am in die Mauer befestigten Stahlringe angebunden werden konnten.

Das Publikum konnte den Geräumigen Schankraum über die an der Ecke des Hauses befindliche Türe betreten. Diese Möglichkeit bestand auch aus dem Hof direkt.

Das ganze Anwesen war nicht in so hoher Ausstattung aber gut besucht und brachte guten Profit ein. Das geschah auch weil hier die Fuhrleute abstiegen die Waren auf den Routen von Kronstadt, Hermannstadt bis Klausenburg oder Broos transportierten, um sich und den Tieren eine Mahlzeit zu gönnen und um eine Ruhepause einzulegen.

Trotz allem, hier verbrachte, der Siebenbürgenweit bekannte, Josef Marlin (1824 – 1842) einen Teil seiner Kindheit und Jugend. Sein Vater war zeitweise der Besitzer dieses Gasthofes.

Das Unheil kam in der Nacht des Grauens von Mühlbach vom Dritten auf den Vierten November 1918. In dieser Nacht wurde der Gasthof völlig verwüstet.  Der Gasthof erholte sich ziemlich schnell und wurde noch bis ins Jahre 1929 betrieben.

Danach wurde das Gebäude für verschiedene Zwecke benutzt, unter anderem als letztes vor dem Abriss als rumänische Schule. Diese musste auch dem Modernisierungswahn der Kommunisten weichen genau so wie später andere Gebäude der Stadt.

Horst Theil

Quelle: Ion Raica Sebesul 2002

„Zum Goldenen Löwen“


In diesem Beitrag möchte ich einen kleinen Rückblick auf eines der vielen Gasthäuser des alten Ortes Mühlbach werfen. Mühlbach in den frühen Jahren, wen auch nicht groß, hatte aber im Verhältnis zur Einwohnerzahl, eine breite Palette an Gasthäuser und Wirtshäuser zu bieten.

Kleiner Platz (3)

 Rechtes Gebäude „Zum Goldenen Löwen“

 Das größte und bekannteste war der „Goldene Löwe“, das einzige dass diese langen Jahrzehnte überdauert hat. Das Gebäude war seit seiner Erbauung Eigentum der Stadt Mühlbach.

Seine erste dokumentarische Erwähnung reicht in das Jahr 1656 zurück, und somit in die Zeit zwischen die Beiden großen Feuerstürme in den Jahren 1495 und 1661 die fast die ganze Stadt zerstörten. Dieses Wissen blieb uns aus einem Reisebericht eines schwedischen reisenden, der hier einkehrte, auf seinem Weg nach Konstantinopel. Das Gebäude, am kleinen Platz gelegen nahe des Westtores der Stadt, war für die Zeit, eine sehr gut ausgestattete Herberge. Im Erdgeschoss standen Lagerräume für die transportierten Waren und Reisegepäck zur Verfügung. Die Etage verfügte über Schlafzimmer zur Übernachtung der Reisenden. Den Eingang bildete das massive Eichentor mit Wachen die das Tor abends schlossen und bewachten. Die Zufahrt zum Hof führte nach dem Tor mitten durchs Gebäude. Diese war links und rechts mit Laternen versehen die an geschmiedeten Haken hangen. Der Hof befand sich hinter dem Gebäude mit einer Fläche von etwa 19 x 19 Meter. Anschließend an den eigentlichen Hof waren die Pferdeställe. Vom Gebäude bis zu den Ställen war der Hof auf beiden Seiten mit 5 Meter hohen Mauern begrenzt. An beiden Mauern waren Flugdächer angebracht die die Heukrippen an den Mauern vor Regen schützten. Da konnte man die Pferde und Wägen abstellen und manch einer der Begleitpersonen konnte da im Heu übernachten. Alles in allem bildete die Bauweise dieses Gasthofes eine kleine Festung wo der Reisende sich in dieser so unsicheren Zeit geborgen und sicher fühlen konnte.

Diese Bleibe sollte im Laufe der Jahrhunderte in ganz Siebenbürgen Berühmtheit erlangen.

Allerdings stiegen hier nur gutbetuchte Leute und viele Berühmtheiten ab. Der Speisesaal befand sich auf der Rechten Seite des Eingangs. Man konnte hier erlesene Speisen und erlesene Weine genießen. Die Ausstattung mit Besteck, Geschirr und Weinkrügen waren Sonderanfertigungen.

Seinen Namen übernahm das Gasthaus vom Wappen der Stadt das seit 1308 dokumentiert ist und von einem goldenen gekrönten Löwen dargestellt wird.

Beim „Goldenen Löwen“ hielten auch offiziell die Postkutschen die auf den Routen Klausenburg, Broos und Hermannstadt verkehrten. Selbstverständlich verkehrten hier auch die gut betuchten Kaufleute und Persönlichkeiten der Stadt.

In der Etage auf der Südseite befand sich ein Großer Festsaal in dem die Versammlungen der Stadt tagten und alle Festlichkeiten die es zu feiern gab hier stattfanden. Der Festsaal war auch mit einer Bühne ausgestattet.

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 Das Gebäude nach dem zweiten Weltkrieg

 Der Gasthof war im Laufe der Zeit an verschiedene Pächter vergeben und funktionierte so lange bis die Eisenbahn auch in Mühlbach ihren Einzug hatte. In späteren Jahren nach dem zweiten Weltkrieg funktionierte hier der Bußbahnhof Schülerinternat, Kaffeehaus und Stadtkantine. Nach 1989 kam das Gebäude in Privatbesitz und wurde grundlegend Renoviert und seiner Ursprünglichen Bestimmung übergeben indem ein modernes Dreisternehotel entstand.

 

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 Das Gebäude heute


Horst Theil

Quelle: Ion Raica Sebesul 2002

Der Mühlkanal oder die Wasserräder der Stadt


In dem heutigen Beitrag möchte ich ihnen etwas über ein Thema erzählen, das wie der Titel schon sagt, mit den Wasserrädern von Mühlbach zu tun hat. Wie schon aus der Geschichte der Stadt Mühlbach bekannt ist, war das Gebiet der Stadtgründung, eine von mehreren Wasserläufen durchzogene Landschaft. Die Siedler und die in der Umgebung ansässigen Uhreinwohner machten sich diese Lage zu Nutze indem sie schon seit sehr früher Zeit die Wasserkraft nutzten. Das geschah am Anfang mit dem Bau der wohlbekannten Wassermühlen, die ich schon in einem anderen Beitrag erwähnt habe. Von daher entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte auch der Name der Stadt Mühlbach, der allerdings im Laufe der Zeit unter verschiedenen Schreibweisen in der Geschichte zu finden ist. Der  Lauf des Mühlbaches war ursprünglich  in mehreren kleineren Armen, die über das ganze Stadtgebiet führten und ihren Lauf mehrmals änderten, verteilt. Von diesen Bachläufen setzte sich nur der Hauptarm das heute existierende Bachbett durch. Der einzige Nebenarm der bis in die Neuzeit existierte, war der bekannte Mühlkanal. Dieser wurde von den Siedlern befestigt und ausgebaut. An diesem Kanal wurden im Stadtgebiet die ersten zwei Wassermühlen erbaut, die lange Jahre hindurch der Bevölkerung von großem Nutzen waren. In späteren Jahren kamen moderne „Wasserräder“ bei der Erbauung des Wasserkraftwerkes in Form von Wasserturbinen zum Einsatz. Ein aufmerksamer Beobachter kann die Reste des alten Laufes dieses Mühlkanales war nehmen wen er, bei einem Spaziergang unter die Erlen, seine Aufmerksamkeit auf die rechte Seite des Weges ab dem ehemaligen E-Werk bis zum Fußballstadion richtet. Man kann eine leichte Vertiefung parallel zum eigentlichen Flussbett feststellen und daraus den Schluss ziehen das die Abzweigung des Mühlkanals irgendwo im Bereich des Stadions war. Ab dem E-Werk abwärts, vermute ich, ist das Bett des Mühlkanales noch das originale.  Das Stadtgebiet zwischen dem Mühlkanal und dem Mühlbach (auch Klosterbach genannt) wurde seit jeher „Zwischen den Bächen“ (Într-e rîuri) genannt. Der Mühlkanal verlief also mit Beginn unter den Erlen (später vom Großen Wehr) bis Ende der Altgasse, beim später errichteten  Schlachthaus, wo er wieder in den Hauptarm mündet.

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 Obere Mühle mit Mühlkanal

 Mit diesem Mühlkanal sind alle Bürger älteren Semesters von Mühlbach aufgewachsen, und es erwachen  unvergessliche Erinnerungen damit, schon beim erwähnen des Namens. Wie ich schon öfters erwähnte bin ich in der Altgasse, auf der linken Straßenseite und somit am rechten Ufer des Mühlkanals aufgewachsen.  Meine ganze Kindheit und Jugend war mit dem Mühlkanal verbunden. So erinnere ich mich dass die Gärten rechts des Kanals alle im Durchschnitt etwa 75 Meter Lang und etwa 15 bis 20 Meter Breit waren. Die Gärten hatten guten Boden und waren sehr Ertragsreich das ganze Jahr über. Sie wurden meistens, aber nicht nur, von den Hausfrauen bearbeitet, die oft die überschüssigen Erträge auf dem Städtischen Markt verkauften, und so einen Beträchtlichen Beitrag zum Familiären en Einkommen leisteten.  Das war hier möglich dank der Wasserräder. Entlang dem Lauf des Kanals von der Letzten Wassermühle bis zur Mündung waren fast in allen Gärten, die alle an den Kanal grenzten, selbstgebaute Wasserräder (oder Schöpfräder genannt) vorhanden. Die Konstruktionen waren unterschiedlich. Die einen waren aus Holz, andere wieder aus Metall gebaut die sich alle auch in der Größe unterschieden, je nach Möglichkeiten der Besitzer. Ich werde jetzt eine kleine Beschreibung dieser Räder machen für diejenigen die nicht wissen was so ein Rad ist und wie es funktioniert. Der Bau war so ähnlich eines Mühlrades. Der Unterschied war nur das es am inneren Radkranz Behälter (Eimer oder Blechdosen) befestigt waren die bei der Drehung des Rades in das Wasser tauchten und es in einem dafür befestigten Trog oder Wanne im oberen bereich auskippten. So ward das Wasser manchmal bis zu 2 – 3 Meter angehoben und konnte so aus dem besagtem Trog, über eine Holz- oder Metall Rinne, in Richtung garten fließen, und so mit die Bewässerung des Gartens sicherstellen. Das war sinnvoll um einen gesicherten Ertrag zu gewährleisten. Die Bewässerung startete man indem man den Bremsbalken, entfernte und die Wasserkraft das Rad zu drehen begann. Man beendete diesen Vorgang in dem man den Balken wieder durch die Speichen des Rades schob bis zum Bock der das eine Ende der Welle stützte. Das andere Ende des Balkens stützte man an einem kurzen Pflock der am Ufer in den Boden gerammt war. Dadurch wurde das Rad gebremst und der Vorgang war beendet. Diese Investition lohnte sich da die Wasserkraft immer und jederzeit zur Verfügung stand. Man verbrauchte keine Energie und die Bewässerung war somit kostenlos.

Einige Bewohner der Altgasse spezialisierten sich auf die Gärten und Gartenarbeit. Es wurde jede Ecke der Gärten für Gemüsebeete, Mistbeete und Gewürze genutzt. Manchmal waren es auch die Blumen die man gut verkaufen konnte, da ja kein Blumenladen in der Stadt war.

Die Setzlinge aus den Mistbeeten fanden im Frühjahr und Frühsommer auch riesigen Absatz.

Alles in allem eine intensive Arbeit und Mühe. Dieses alles währe aber nicht ohne die Wasserräder möglich gewesen. Wir müssen feststellen dass der Mühlkanal von größter Bedeutung für die Stadt Mühlbach war. Die an dem Kanal gelegenen Betriebe wie die Lederfabrik, mit beiden Standorten, die Strumpffabrik und das Schlachthaus so wie alle Bürger deren Gärten angrenzten einen beträchtlichen Nutzen von dem Kanal bezogen.

Heute existiert dieser Kanal nicht mehr außer ein paar Stellen die noch an seine ehemalige Existenz erinnern. Somit gehört auch dieses Kapitel der Geschichte an.

Horst Theil

Die Mühlbacher Sparkassa


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Das Gebäude der gewesenen Sparkassa A.G.

in Mühlbach (heute)

 

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Das Gebäude der Sparkassa A.G.

in Mühlbach (früher))

 

 

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Der ehemalige Kassenraum

Sparkassa

Zeitweise diente das Gebäude auch anderen Zwecken.

Logo_Mühlbacher_Sparkassa_AGLogo der Gesellschaft

Eine geradezu unentbehrliche Einrichtung für die glatte Abwicklung der Geschäfte der Handels – und Industriebetriebe bildeten, Anfang der 30-er Jahre, die Geldanstalten. Sie förderten nicht nur den Bargeldverkehr in hervorragendem Maße, sondern bildeten eine verlässliche Geschäftstelle für die Hinterlegung der überschüssigen Barmittel der Einzelbetriebe. Die damaligen Geldanstalten

– Mühlbacher Sparkassa A.G. 

– Banca Romana S.A.

Beide Zweigstellen in Mühlbach befassten sich nur mit den üblichen Sparkassageschäften: Spareinlagen und Einlagen in laufender Rechnung, Wechseldiskonte, Darlehen in laufender Rechnung, in – und ausländische Überweisungen usw.

– Die Sebeşana (Leiter A.Bojiţă) bildete seit dem Jahre1931, infolge einer Fusion, eine Zweigstelle der Banca Română „ Sebeşana S.A. Karlsburg“. Vor der Fusion hatte die  „Sebeşana “ ein Aktienkapital von 2.000.000 Lei, Spareinlagen im Werte von 26.000.000 Lei. Das gesamte arbeitende Kapital betrug 37.000.000 Lei.

Seit Anfang 1932 arbeitete auf dem Mühlbacher Platze auch die

Banca Poporului, Institut de Credit şi Economie S.A.

Im Jahre 1841 wurde die Sparkassa in Hermannstadt unter Frederik Herbert gegründet. Am 12 November 1896 wurde die Hermannstädter Sparkassa, unter Carl Wolf, neu organisiert und in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Durch nun mehr Kapital zu besitzen führte dass nun zur rasanten Erweiterungen der Gesellschaft im Ganzen Land. Die Anzahl der Filialen stieg auf 132. Dieser Wohlstand hatte zur Folge das auch die Filiale in Mühlbach diesen Umstand, mit dem imposanten Gebäude (mit 26 Räumen), das sich auf dem Großen Platz befand, widerspiegelte.

Die Mühlbacher Sparkassa A.G., damaliger Leiter Emil Leibli, besteht seit dem Jahre 1896 und verfügte über ein Aktienkapital von 10.000.000 Lei und über Spareinlagen von 75.000.000 Lei. Das diese Anstalt über ihre geschäftliche Bedeutung hinaus auch für die kulturellen Belange von großer Wichtigkeit war, ist selbstverständlich.

Das Ende begann am 18 Juli 1945 als der Hauptsitz in Hermannstadt und alle Sparkassen Filialen, auch die in Mühlbach, von den Russen besetzt  und total verwüstet wurden. Bei deren Abzug wurde das verwüstete Gebäude von einer Kommission, angeführt durch den damaligen Bürgermeister Ieronim Trifan, übernommen.

Im April 1946 wurde Der Hauptsitz der Gesellschaft in Hermannstadt und auch die Filiale in Mühlbach mit, in „ Hermannstädter Allgemeine Sparkassa“ umbenannt. Das Gebäude des Gasthofes „Unterwald“, das der Sparkassa gehörte wurde später enteignet. Im Jahre 1948 wurde alles nationalisiert. Und im Jahre 1949 aufgelöst. Nachher später war in diesem Gebäude die Sparanstalt der Kommunistischen  Ära C. E. C. untergebracht.

Beitrag zusammengestellt von Horst Theil

 Quellen:

Nicolae Afrapt und A. Möckel

Erinnerungen an eine Episode aus der Zeit in Rumänien


Wie alles begann.

Liebe Leser, in diesem Beitrag möchte ich ihnen einige Ausschnitte aus dem „Kampf“ den fast jeder kämpfen musste, der zu dem schweren Entschluss kam seine Heimat verlassen zu müssen. Ich sage ganz bewusst zu müssen, aus dem einfachen Grund weil es jedem einleuchtet, dass niemand seine Heimat und Geburtsstätte gerne verlässt.

Ich werde aus Persönlichen Gründen keine Namen nennen.

Ja es mag sein das der eine oder andere dieses, auch unter anderem, aus materiellen Gründen tat, aber die überwiegende Mehrheit tat es weil die Benachteiligungen, deutscher Nationalität zu sein, immer offensichtlicher und deutlicher, im laufe der Zeit wurden. Mann muss allerdings zugestehen dass die Situation der Deutschstämmigen Bevölkerung in Rumänien viel besser war, als in den restlichen Staaten des Ostblocks, in der Zeit nach dem 2-ten Weltkrieg. Trotz allem erfahrenen  Übel wie Deportation, Enteignungen und Benachteiligungen durften die Deutschstämmigen ihre Kultur, Schulen und Hochschulen in deutscher Sprache pflegen und bewahren, was ein großer Vorteil gegenüber anderer Staaten des Ostblocks war, wo schon das benutzen der deutschen Sprache ein Vergehen darstellte.

Nicht desto trotz wurden aber die Schrauben immer mehr angezogen und die Umstände des täglichen Lebens immer schwerer. Das ging mit der Beschaffung von Lebensmittel und Alltagsgegenständen, bis zur Bevorzugung der Rumänischen Bürger wenn es hieß einen bestimmten Arbeitsplatz zu erhalten, ganz geschweige eine Führungsposition. Die Polittische Karierre war, wenn auch nicht öffentlich, den Deutschstämmigen nicht immer möglich. Im Gegenteil, alle galten insgeheim als Staatsfeinde und wurden von dem Geheimdienst Securitate bespitzelt. Dieses geschah aus dem Grund weil fast alle Deutschstämmigen Verwandte und Bekannte im Ausland und ins besondere in Deutschland hatten. Die Reisefreiheit war so gut wie nicht vorhanden, wenn doch dann nur in Sozialistische Länder nach einer gründlichen Überprüfung der Securitate. Die Grenzen waren dicht, man war praktisch Gefangen im eigenen Land, in der Heimat.  Es wurde so gut es ging der Kontakt mit dem Ausland unterbunden. Diese Umstände führten, schon Anfang der 50-er vereinzelt auch früher, zu der Tatsache das Teile der deutschen Bevölkerung das Risiko eingingen und die Flucht nach dem freien Westen in Kauf nahmen. Dieses geschah zu Wasser und zu Land, jeder wo er seine Schanze vermutete. Alle die gefasst wurden, und das waren die Mehrheit, galten als Landesverräter, und mussten lange Jahre im Gefängnis verbringen oder wurden niemals wieder gesehen.

Später sickerte es durch das man legal ausreisen konnte wenn man eine bestimmte Geldsumme in Valuta an bestimmte Personen zahlte oder ein von hochgestellten Personen begehrtes Anwesen oder Haus besaß. Das alles geschah im geheimen und wurde von der Securitate im Auftrag der Regierung durchgeführt. Dann konnte man auch Ausreisen wen man von Deutschland abgekauft wurde, das war ein geheimes Abkommen zwischen der BRD und Rumänien das die Bevölkerung BEIDER Staaten nicht wusste. Also Menschenhandel an dem Rumänien sehr  gut verdiente. Die Summen die da im geheimen pro Kopf bezahlt wurden schwankten zwischen vier und acht bis zehntausend D- Mark, je nach Ausbildung, Geschlecht und Alter der Personen. Diejenigen die nicht das Glück hatten in diesen Personenkreis zu fallen, mussten Jahre und Jahre warten und auf das Wohlwollen der Behörden angewiesen sein.


Eigene Erfahrungen

In meiner Familie war das auch der Fall. Zu erst versuchte ich alleine eine Genehmigung für einen Besuch bei meiner Tante in Deutschland zu erlangen. Kurz nach der Antragstellung wurde ich zur Securitate vorgeladen. Ein Offizier dessen Namen ich nicht nennen möchte, tauchte eines Tages bei mir zu Hause auf und sagte ich möchte mich auf der Polizei bei der Zimmernummer melden den man müsste mit mir ein Gespräch führen. Ich dachte mir schon worum es geht und sagte ihm dass ich in einer Stunde da sein werde. Er war damit einverstanden. So wie er weg war fuhr ich mit meinem Moped zur Lederfabrik, wo meine Frau arbeitete und gab ihr Bescheid wo ich hinging, anschließend fuhr ich zu meinem Vater um ihm auch Bescheid zu sagen. Das alles tat ich nur damit sie wissen wo ich verblieben bin für alle Fälle den man konnte nie wissen wie so ein „Gespräch“ endete. Also fuhr ich zur Polizei. Mein Erstaunen war groß als ich im Wartezimmer saß und aus einer der Türen eine mir bekannte Person trat und so tat als ob sie auch erstaunt war mich da zu sehen. Wir begrüßten uns und ich fragte ihn ob er den da arbeiten würde. Er gab das kleinlaut zu. Nach einigem hin und hehr sagte er mir ich sollte lieber von Anfang an alles zugeben denn die da drinnen könnten unangenehm werden wen ich ihnen nicht die Wahrheit sage. Na prosit das konnte heiter werden. Falls ich die Genehmigung für meinen Besuch in Deutschland aber doch bekommen sollte, wurde ich gebeten ihm eine Batterie für sein altes Motorrad mit zu bringen er wolle sie mir auch bezahlen. Na ja, was soll man noch dazu sagen. Kurz darauf wurde ich herein  gebeten. Da saßen einige Herren in der Runde, ich wurde gebeten Platz zu nehmen, und einer von denen, wie ich später herausbekam ein Oberst vom Kreiß, ergriff das  Wort. Es sei ihnen zu Ohren gekommen das ich nach Deutschland auf Besuch fahren zu wollte. Warum gerade hin? Es gäbe ja die Möglichkeit auch nach Bulgarien zu fahren. Sogar mit der Familie. Na ja dann sagte ich das ich  meine Verwanden besuchen möchte und nicht Erholungsurlaub machen. Dan bekam ich zu hören das ich ja noch nicht mal Parteimitglied sei und ideologisch nicht gegen die „Gefahren“ des Westens gerüstet sei. Es wäre ja nur zu meinem Guten. Wie führsorglich. Also ich sollte mir den Besuch im Westen aus dem Kopf schlagen. Danke. Ich durfte gehen.

In der nächsten Zeit merkte ich dass etwas nicht stimmte. Das komische Verhalten der Arbeitskollegen machte mich stutzig. Ich arbeitete um diese Zeit in der Strumpffabrik als Elektriker bei der Instandhaltung. Ich sollte viel später erfahren das der Hauptmann von der Securitate der für unseren Betrieb zuständig war schon gleich nach der Antragstellung bei Arbeitskollegen, Meister und Büroangesellten über mich Informationen gesammelt hatte. Spätestens jetzt wurde mir klar, als ich eines Tages in das Büro des Abteilungsleiters gerufen wurde, was hier am laufen war. Im Büro war auch mein Meister anwesend. Ich wurde gefragt warum ich den so einen Antrag gestellt habe und dem ganzen Team solche Unannehmlichkeiten bereite und warum überhaupt ich in die BRD reisen wollte. Ich erwiderte das ich dieses alles schon an der passenden Stelle gesagt habe und dieses den Betrieb gar nichts angehe was ich in meiner Freizeit und Urlaub mache. Nach mehreren Drohungen das diese Aktion für mich folgen haben könnte, wurde ich wieder an meinen Arbeitsplatz geschickt. Ich muss erwähnen dass ich in der Spätschicht oft auch Radioapparate von Kollegen und Arbeiterinnen aus der Produktion reparierte. Und dieses wurde mir zum Verhängnis.

Abermals bei einem „Besuch“ des Hauptmanns im Betrieb wurden alle Kollegen, AUSER MIR, in das benachbarte Kesselhaus der Fabrik zur Befragung gerufen. Eine Woche darauf wurde ich wieder zur Securitate „eingeladen“. Dieses geschah um die Zeit als in Polen  der Aufstand der Gewerkschaftler in Danzig war.

Wieder dieselben Personen wie bei meinem ersten „Besuch“. Es wurde mir klar gemacht dass ich jetzt zu weit gegangen war. Sie warfen mir vor dass ich im Betrieb Radio „Freies Europa gehört hätte und auch Kollegen dazu ermutigt hätte. Ich stritt das kategorisch ab, obwohl mir Prügel angedroht wurde. Ich sagte ihnen das es war ist das ich ab und zu Radios während der Arbeitszeit repariert hätte aber niemals „Freies Europa „ hörte oder gar jemanden dieses zu tun ermunterte. Was hätte ich den gehört? Was den so in Polen vor sich ginge? Entgegen meiner Überzeugung sagte ich ihnen das was dort vor sich ging nicht richtig war für einen Sozialistischen Staat und die Leute sich nicht im Klaren sind was sie da anrichten und so weiter. Na ja, irgendwann gaben sie auf und ich durfte wieder gehen.

Es folgten Bespitzelungen auch innerhalb meiner Band in der ich Bassgitarre spielte, bei Nachbarn und Bekannten.  Mir wurde klar dass es so nicht weiter gehen konnte.

Nach längerer Überlegung und auf mein drängen entschlossen sich meine Eltern das wir gemeinsam einen endgültigen Ausreiseantrag stellten auf der Basis im Besitz einer so genannten RU- Nummer zu sein, die wir mit Hilfe von der Schwester meiner Mutter aus Deutschland erhielten. Diese hatten wir schon vor einigen Jahren erhalten.


Die Weichen waren gestellt.

 Ja die Weichen waren gestellt. Ab jetzt gab es kein zurück mehr. Nach dieser Antragstellung zur endgültigen Ausreise aus Rumänien ging es erst richtig Loos. Mann schrieb inzwischen  das Jahr 1983. Das begann bei meinen beiden Kindern  die damals die deutsche Abteilung in der Städtischen Grundschule besuchten. Da sich so etwas herumsprach erfuhren auch ihre Klassen und Schulkameraden so wie das Lehrerteam das ihre Eltern Antrag auf Ausreise gestellt hatten. Es waren eigentlich mehr die lästigen Fragen, warum wieso und wann. Die Situation Meiner Frau an Ihrem Arbeitsplatz in der Lederfabrik war schon ein bisschen anders. Da wurde der Druck schon offensichtlicher so wohl von Seiten des Betriebes als auch von den nichtdeutschen Arbeitskollegen. Ich möchte nicht in Einzelheiten gehen da ich sonst ein Kapitel für sich schreiben müsste.

Bei mir war es nicht anderes, aber ich hatte mich so zu sagen damit abgefunden und wusste schon wie ich reagieren sollte. Ich wusste auch ziemlich gut vor wem ich mich in Acht nehmen musste, aber wie das so ist fand sich immer jemand der vielleicht neidisch war oder aber irgendwie der Securitate  verpflichtet war. Das waren nicht nur Rumänen sondern auch von unseren eigenen deutschstämmigen, und das bis in höhere Kreise. Mann musste immer aufpassen was, wo und mit wem man etwas redet, den sicher konnte man nie sein. Also die Ausreiseprozedur sah vor das das in zwei Etappen vor sich ging. Erstens das Ausfüllen der Vor-Formulare, von allen „die kleinen Formulare“ genannt. Wenn man das erreicht hatte war das schon fast der halbe Weg auf dem Weg in den Westen. Als zweiter Schritt folgten dann die Haupt- Formulare oder „großen Formulare genannt. Wer die schon hatte war schon weit. Da musste alles angegeben werden, Persönliche Daten, Ausbildung, einfach alles für jede Person der Familie, genau und mit Datum zu jedem Ereignis im Leben. Militäreinheit, Waffengattung, Grad, von wann bis wann und wo. Der nächste Schritt war die Benachrichtigung wann man die Reisepässe abholen konnte. Erst nach dem man den Pass in der Hand hatte konnte man sich die Fahrkarten besorgen, aber bis da hin war noch ein langer und mühsamer Weg.

Also der Reihe nach. Nach dem Antragstellen zur Ausreise geschah erst mal gar nichts und das Monate lang, außer natürlich den Bespitzelungen. Alles was man machte, sagte, wo und mit wem man verkehrte, war anscheinen für die Securitate bedeutsam.

Jeder der das mitgemacht hat weiß von was ich rede. Und ich hatte noch Glück das ich viele Personen in Spitzen Positionen der Stadt und Kreisebene gekannt hatte durch meine Kulturellen Tätigkeiten. Dadurch hielten die Securitate- Leute sich noch ein wenig zurück.

Also begann die „Jagd“ auf die „kleinen Formulare“.

Da um diese Zeit außer uns mehrere Familien auch in derselben Situation waren, und man sich kannte, erfuhr man durch Gespräche, wie man vorgehen sollte oder musste, um das Ziel zu erreichen. Es kristallisierte sich heraus dass man nicht die Hände in den Schoß legen konnte und warten sondern selber aktiv werden musste. Also schlugen wir auch diesen Weg ein. Mit klopfendem Herzen gingen wir zu unserer ersten Audienz beim Chef der Securitate nach Karlsburg in die Kreishauptstadt die wöchentlich einmal gehalten wurde. Die Audienz begann in der Regel um 8 Uhr. Also machten wir uns auf den Weg zum ersten Bus der um 6 Uhr am morgen nach Karlsburg abfuhr. Da angekommen stellte man sich an die schon vorhandene Menschenschlange an, um den Personalausweis an der Pforte schon mal abzugeben. Danach gingen wir ein paar hundert Meter weiter zu einem heruntergekommenen Kaffeehaus, das sich gegenüber der Evangelischen Kirche befand. Nicht das idealste aber das einzige das um diese Uhrzeit geöffnet hatte. Vorteilhaft im Winter da man nicht draußen beim warten frieren musste. Um diese Uhrzeit war das der Treffpunkt aller Gleichgesinnten. Mann trank einen heißen, wenn auch schlechten Kaffee, danach ging es wieder an der, inzwischen länger gewordenen Schlange, anstehen.

Pünktlich um 8 Uhr wurden die ersten 10 herein gelassen und in ein rudimentäres Wartezimmer geschleust wo man wieder warten musste bis man zum Chef herein gerufen wurde. Im Büro des Chefs waren noch zwei Beamte anwesend die im immer die passenden Personalausweise reichten, die er dann eingehend und wichtig tuend  studierte bevor es losging.  Die erste Frage war warum man den überhaupt um diese Audienz gebeten hatte. Wie wenn er das schon nicht wüsste. Na ja dann erzählte man das man gerne mit den Anverwandten in Deutschland zusammen leben möchte und überhaupt. Dann kriegte man noch allerhand Fragen gestellt. Am Ende wurde einem gesagt das dieser Fall noch in Bearbeitung ist und wen die abgeschlossen sei benachrichtigt wird. Man konnte wieder gehen.

Wir wiederholten diese Prozedur fast wöchentlich. Die gleichen Fragen, die gleichen Antworten, einfach grotesk.

Nach ein paar Monaten machten wir uns in die Landeshauptstadt Bukarest zur Deutschen Botschaft auf um dort eine Audienz zu erhalten. Nach einer Reise mit dem Zug, die nie enden wollte, kamen wir in Bukarest an. Schon am Bahnhof warteten Taxifahrer die es im Gespür hatten wer zur Botschaft will, keine Ahnung wie die das einem ansahen oder herausbekamen. Das Taxi hielt in der Strasse wo die Botschaft ihren Sitz hatte an und wir stiegen aus. Da waren noch eine große Menschenmenge die das gleiche wollten, nämlich in die Botschaft. Manche campierten schon da seit Tagen und schafften es nicht in das Gebäude zu kommen. Der Grund war das die rumänischen Sicherheitsleute die das Gebäude der Deutschen Botschaft bewachten immer nur zwei Personen auf einmal herein ließen. Wir hatten Glück nach 7 Stunden Wartezeit irgendwie nach innen zu kommen. Wir waren wie in einer anderen Welt, man wurde freundlich empfangen und ein Mitarbeiter nahm sich Zeit einen genau an zu hören  was man auf dem Herzen hatte. Man bekam wertvolle Ratschläge was zu unternehmen war und wie man sich verhalten sollte. Es wurde eine Akte angelegt. Alles wurde notiert und mit dem Versprechen sich um den Fall zu kümmern wurde man entlassen, aber nicht bevor man Telefonnummer und Kontaktmöglichkeiten erhielt mit der Bitte sich zu melden falls etwas Außergewöhnliches passieren sollte.

Mit dem Taxi ging es zurück zum Nordbahnhof, und mit dem Schnellzug Richtung Mühlbach nach 3 Tagen und zwei ungeschlafenen Nächten kamen wir wieder in Mühlbach an. Es dauerte noch 5 lange Jahre, mit den sich immer wieder wiederholenden Audienzen bis endlich die lang ersehnten „großen Formulare“ in unseren Händen lagen.


Die Vorbereitungen und das Ende

 Ja der Zeitpunkt war da wo wir mit voller Hoffnung die Formulare studierten und feststellen mussten das noch mehr Angaben gemacht werden sollten. Also machten wir und daran diese Formulare sorgfältig auszufüllen. Und bei den Behörden einzureichen. Es vergingen Monate und Monate ohne dass wir eine Information bekamen. Auf diese Tatsache hin, wiederholten wir unsere Aktionen mit Audienzen in Karlburg. Meine Frau und ich beschlossen den Auto- Führerschein zu machen, was wir dann auch taten. Im gleichen Jahr waren wir glückliche Besitzer des Führerscheins Klasse B. Wir begannen unsere persönlichen Dokumente, wie Geburtsuhrkunden, Heiratsuhrkunden Ausbildungsuhrkunden und Schulzeugnisse zu kopieren und übersetzen zu lassen. Wenn das getan war mussten alle Dokumente vom Innenministerium in Bukarest beglaubigt werden, so wohl die Kopien als auch die Übersetzungen in deutscher Sprache. Diese Sachen machte für uns ein Mann aus Petersdorf gegen Bezahlung natürlich. Nach weitern Monaten des Wartens wurden meine Eltern benachrichtigt das sie die Situation mit dem Haus das sie in der Altgasse besaßen klären sollten sonst kann man die Pässe nicht aushändigen. Das „Klären“ war eigentlich die Abtretung an den Staat, obwohl es verkaufen hieß, für einen Klickerbetrag weit unter dem tatsächlichen Wert. Obwohl der Grund auf dem das Haus stand und der Hausgarten im Grundbuch als Eigentum eingetragen wahren hieß es das dieser nicht bezahlt wird da er schon sowieso dem rumänischen Staat gehöre. Also war alles für ein paar Lei futsch. Na gut wen nur der ersehnte Pass kommen würde. Mit dem Geld wurden ein paar neue Sachen gekauft und alle Unkosten gedeckt die bis dato entstanden waren. Mittlerweile war das Jahr 1989. Im August dieses Jahres kam dann die Nachricht dass wir die Pässe abholen sollten. Die Erlösung war da. Endlich waren wir im Besitz der Ausreisepässe. Nun mussten die original Uhrkunden Geburtscheine bei der Stadtverwaltung und die Personalausweise (Buletine) bei der Polizei abgeliefert werden. Ich muss noch erwähnen dass wir im Vorfeld verpflichtet wurden auf die Rumänische Staatsbürgerschaft zu verzichten. Egal, es war uns nun alles Recht nur endlich diese anspannende Situation zu beenden.

Jetzt galt es den Haushalt meiner Eltern und den Unserigen aufzulösen. Was verkauft werden konnte wurde verkauft was nicht verschenkt. Ich kündigte zum ersten Oktober meinen Job in der Strumpffabrik und meine Frau den Ihren in der Lederfabrik. Wir organisierten Hausflohmärkte wo wir fast alles was meine Eltern und wir besaßen verkaufen konnten den Rest verschenkten wir an Leute die die übrigen Sachen gebrauchen konnten.

Wir bestellten die vorgeschriebenen genormten Holzkisten zu über ein tausend Lei pro Stück, eine für meine Eltern und eine für uns. Die Sachen die mitgenommen werden sollten mussten erst von Nationalmuseum in Karlsburg abgesegnet werden, denn was die als wertvolle Kunst einschätzten, durfte nicht mitgenommen werden. So brauchte man für jedes Bild, Buch oder Porzellan vom Museum eine Bestätigung dass es nicht zum Nationalen Eigentum gehörte.

Nachher konnte man die Kisten packen mit den Sachen die man mitnahm. Diese Kisten mussten nach Arad zum Bahnzoll gebracht werden. Dafür musste wiederum ein Auto gemietet werden der den Transport nach Arad übernahm. Wir mussten da auch erscheinen gemeinsam mit den Kisten. In einem speziell dafür vorgesehenem Raum musste man alles wieder auspacken zur Besichtigung. Nach dem OK der Zollbeamten ging man mit dem Zettel den die ausgefüllt hatten zur Kasse um den anfallenden Zoll zu bezahlen. Dann kam man zurück und durfte wieder alles einpacken. Nach dem das geschehen war wurden die Kisten verplombt. Die ganze Aktion dauerte zwei Tage.

Wieder in Mühlbach angekommen Organisierten wir eine Abschiedsfeier mit den Kollegen und Freunden unserer beiden Kinder. Danach folgte die Abschiedsfeier mit den Bleibenden Verwandten den Freunden und Nachbarn meiner Eltern. Als letzte feierten wir mit unseren Angehörigen und Freunden.

Die Fahrkarten für die Eisenbahn bis Nürnberg wurden für die letzten Oktobertage bestellt.

Den letzten Tag in Mühlbach verbrachten wir im Elternhaus in der Altgasse. Am Nachmittag kam der Mann vom I.G.C.L. um das Haus hinter uns abzuschließen. Es kamen viele Verwandte und Nachbarn um sich zu Verabschieden. Alle auch wir hatten Tränen in den Augen. Die Koffer wurden in mehrere PKW verladen. Mein Vater schloss das Haustor eigenhändig zum letzten mahl ab und übergab die Hausschlüssel dem Mann vom I.G.C.L.

Mann lag sich ein letztes mahl in den Armen bevor man in die Fahrzeuge stieg um nach Karlsburg zum Bahnhof zu fahren von wo wir den Abendzug in Richtung Westen nahmen.

Viele begleiteten uns auf diesem Weg bis zum Bahnhof.

Nach einigen Minuten wurde unser Schicksalszug über die Bahnhoflautsprecher angesagt.

Ein kurzer aber herzlicher Abschied und der Zug kam zum stehen. Die Koffer wurden in den Zug getragen und in dem Abteil verstaut, wir ließen die Fenster herunter und winkten den mit Tränen in den Augen Zurückgeblieben. Ei kurzer Pfiff des Schaffners und der Zug setzte sich in Bewegung einem ungewissen Schicksal entgegen.


So oder so ähnlich erlebten es viele Landsleute nicht nur aus Mühlbach sondern aus ganz Siebenbürgen. Hier endet meine bescheidene Schilderung über die Motive und die Umstände wie sich das Auswandern meiner Familie abgespielt hatte.

Beitrag von Horst Theil