Erinnerung an die Lehrbubenjahre (Teil III)


In den folgenden Zeilen möchte ich in der Zeit zurückgehen um einiges aus dem „Praktikum“ dieser 3 Jahre zu erzählen.

Ein Teil der Arbeiten die auch von Elektrikern bewältigt werden musste war die Fertigung und Montage von Blitzableitern und Erdungen. Beginnen wir mit Erdungen. Als allgemeine Information gilt eine Erdung ist eine Verbindung zur Erde über die der Strom einer defekten Maschine, Haushaltsgerätes oder jeglicher aus versehen unter Spannung gekommener Metallteile abfließen kann, um keine Gefahr für Leib und Leben darzustellen. Natürlich waren die Materialien und Bauweise in dieser Zeit viel primitiver als heute. Eine der Baustellen wo eine Bestellung zum bau einer Blitzableiteranlage errichtet werden sollte, war die Tischlerei „Leibli“ am Holzplatz. Der Erste Tag verging mit Besichtigung des Objektes und mit Aus- messungen zur Ermittlung des benötigten Materials. Das es durchaus nicht länger als 2 Stunden in Anspruch genommen hätte ist wohl jedem klar, aber so ging das eben bei der UNIREA, was ich noch reichlich feststellen sollte. Na gut. Am nächsten Tag gingen wir zum Warenlager der Bauabteilung um Material zu holen. Da wir einige Meter an verzinktem Rohr und einige Meter Betoneisen benötigten brauchten wir für den Transport einen LKW. Aber wie das gang und gebe war, stand an diesem Tag keiner der beiden zur Verfügung. Beide waren am Bahnhof im Einsatz den angelieferten Zement in das Lager aus der Teichgasse zu Transportieren. Lagerist war um diese Zeit Herr Damian aus der Quergasse. Na gut wurde eben an diesem Tag nichts mit dem Transport. Also packten wir unsere Werkzeug Taschen auf die Fahrräder und fuhren zur Tischlerei um wenigsten Anwesenheit zu zeigen und eventuell sogar noch mit der Arbeit zu beginnen. Bis wir da waren stand die Mittagssonne schon hoch am Himmel. Mein Meister zeichnete auf dem Boden die Länge des benötigten Grabens für die Erdleitung an, und wir begannen mit Schaufel und Krampen (Pickel) einen Graben mit den Massen von: B 40 cm, T 100 cm und einer Länge von 10 Meter entlang der Mauer des Gebäudes zu buddeln. Heut zu Tage würde man einen Minibagger nehmen, aber damals war alles noch Handarbeit. Nach einer guten Stunde war ich fix und fertig, die Sonne knallte auf uns herunter und ich war auch nicht gewöhnt an solche Arbeit. Mein Meister hatte aber anscheinend auch die Schnauze voll und war unter dem Vorwand ins Büro zu müssen verschwunden. Bevor er ging sagte er mir ich sollte noch machen was ich könnte und danach heimgehen. Um es kurz zu machen an diesem Graben vergingen noch Tage der Schufterei wen man bedenkt dass der Boden fast im ganzen Stadtgebiet sehr steinhaltig ist.

Nach zwei Tagen bekamen wir den LKW um das Material auf die Baustelle zu transportiere. Ein Kleinlaster der Marke „ Molotow“ russischer Produktion. Bis das Material an Ort und Stelle war, verging wieder fast ein ganzer Tag.

Die nächsten Tage hatten wir den Graben fertig, die Rohre in je 2 Meterstücke gesägt (von Hand), und diese im Abstand von einem Meter senkrecht in dem Graben in den Boden Gerammt. (mit einem 10 Kg Vorschlaghammer). Jetzt wurden die Rohrpfähle im Graben miteinander verbunden mittels eines Flacheisenbandes, das an jedem Pfahl fest geschweißt wurde. Das eine Ende führten wir an der Wand hoch, so dass es ein Stück aus dem Erdreich ragte und als Verbindungsstelle für den Leiter der Blitzableiteranlage diente. Das war bis jetzt alles harmlos, was nun folgte war wirklich gefährlich und schwierig. Die drei Blitzableiterspitzen mussten auf der ganzen Länge des Gebäudes gleichmäßig verteilt werden.

Eine an den jeweiligen Enden und eine genau mittig. Das Gebäude hat eine Länge von etwa 40 Meter die Spitzen montierte man immer auf dem First das hatte die Folge das der Leiter der die Spitzen verband auch über den First geführt werden musste. Diese Leiter wurden durch große Nägel die am Ende eine Öse hatten gezogen. Das Dach war mit Dachziegeln (Dachpfannen) gedeckt und die First- Ziegeln waren ebenso aus Keramik. Jetzt begann die Turnerei. Die Dachrinne war in einer Höhe von etwa 6 Meter, der First dementsprechend höher. Bewaffnet mit einer Hand- Bohrmaschine und einer Hosentasche voll Metallbohrer, wagten wir uns, durch ein Paar hochgeschobenen Dachziegeln, hinauf in luftige Höhen. Ich will jetzt die Angst und das Schwindelgefühl nicht mehr weiter vertiefen. Also wurden die Löcher für Spitzen und Halter gebohrt und diese Montiert. Danach der Verbindungsleiter mit allen Spitzen verbunden und das Dach herunter bis zur Verbindungsstelle. Dieser Blitzableiter ist auch heute noch nach über 40 Jahren in Funktion und wen man über den Holzplatz schreitet und seinen Blick auf das Gebäude der gewesenen Tischlerei „Leibli“ richtet, kann man ihn sehen. Zu dieser Baustelle, und vielen anderen folgenden möchte ich noch sagen dass die meiste Arbeit von den Lehrbuben gemacht wurde, die in den meisten Fallen unter sehr prekären Sicherheitsbedingungen ausgeführt wurde. Aber um diese Zeit nahm man das noch so hin. Die Meister um diese Zeit standen Fast alle kurz vor der Pensionierung, und waren noch von der „alten Garde“, dem zu Folge mussten die Lehrbuben auch schon mal privat bei den Meistern Daheim mit anpacken. Das ging vom Aufräumen über Garten umgraben bis Kartoffeln hacken und noch vieles mehr.

Die Lehrmädels und Jungs wurden auch für kulturelle Zwecke herangezogen. Als Beispiel

Erwähne ich die „ Brigada artistica de agitatie“. Das ging alle drei Lehrjahre das man sich vorbereiten musste für den „Concurs“ auf Stadtebene, Kreisebene und Landesebene.

Dann kam noch dazu das vom UTC aus eine kulturelle Aktivität von jedem Betrieb gefordert wurde.

Also alles in allem, waren die Lehrbubenjahre kein Zuckerlecken. Aber im nach hinein muss man sagen das alle Handwerke die vertreten waren von der Picke auf gelernt wurden. Um die Zeit wurde nicht nur neues gemacht sondern in allen Bereichen großer Wert auch auf die anfallenden Reparaturen gelegt wurde. Und wen ich sage Reparatur, dann meine ich nicht mit alt durch neu ersetzt, sondern repariert im waren Sinne des Wortes.

Hier beende ich diese Zeilen mit Erinnerungen aus meinen Lehrbubenjahren, obwohl noch viel dazu zu sagen wäre.

ENDE

Horst Theil

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Erinnerung an die Lehrbuben- Jahre (Teil II)


Diese Berufsschule bildete die verschiedensten Berufe der Zentrale der Handwerkergenossenschaften  für ganz Rumänien aus. So die Berufe: Elektriker, Schuster, Herren und Damenfriseure, Goldschmiede und Spengler.

Die Klasse der Friseure war überwiegend mit dem Weiblichen Geschlecht belegt. Die Mädels hatten natürlich ihren eigenen Schlafsaal und den eigenen Raum für Spinde so wie Badezimmer.

Das Schultor war durch  Pförtner gesichert die im Schichtbetrieb rund um die Uhr gegenwärtig waren. Dasselbe galt auch für die Pädagogen (Erzieher) vormittags und nachmittags je zwei, in der Nachtschicht nur einer der auch ein Schlafzimmer zur Verfügung hatte.  Über den Unterricht und Schulablauf muss ich nicht extra erzählen, den der war wie in jeder Schule in der Kommunistischen Ära.  Der Tagesablauf der Internatschüler war in dieser Schule, da sie spezielle Bedingungen bot, ein wenig gewöhnungsbedürftig. Wie schon erwähnt begann der Tag mit dem Aufwecken, es folgte die morgendliche Körperertüchtigung (Înviorare) dann folgte die Morgentoilette und schließlich im Hof das in Rei` und Glied aufstellen um abzuwarten bis einem die Reihe kam das Frühstück einzunehmen, dass zwischen 7:00 Uhr und 7:45 Uhr begrenzt war. Und das bei egal welchem Wetter. Der Unterricht begann um 8:00 Uhr. Das Mittagessen Begann um 12:00 Uhr und lief nach demselben Schema ab. Danach um 13:00 Uhr noch zwei drei Stunden Unterricht. Nach beenden des Unterrichtes folgte zwei Stunden lang Hausaufgaben machen (meditatie). Nach dem auch das erledigt war hatten alle Freizeit zur freien Verfügung die wiederum zum Wäschewaschen per Hand im Badezimmer geschehen musste. Wäschereitdienst gab es nur für die Bettwäsche die jede Woche gewechselt werden musste. Wer nicht waschen musste oder Schuh putzen, der verbrachte die Freizeit im Hof mit Fußball, oder in kleinen Gruppen auf den Bänken im Hof mit Gesprächen bis es wieder hieß aufstellen für das Abendbrot das von 17 bis 18 Uhr ausgegeben wurde.

Nach dem Abendbrot verbrachten noch einige ein wenig Zeit im Hof oder im Keller jeder bei seinem Schrank um etwas zu ordnen oder einfach so weil das die die einzige Stelle war die einem persönliche Verbundenheit gewährte.

Da in dem Riesigen Kellergewölbe verbrachten alle die kurze Zeit bis zur Bettruhe die um 21:00 Uhr mit dem Ausknipsen des Lichtes eingeleitet wurde.

Im Keller wurde auch heimlich geraucht, was meistens zur Ausgangssperre für den nächsten Sonntag führte. Die Zigarettenkippen schoben wir unter den Schrank als Reserve. Wenn kein Geld mehr da war, holte man diese hervor und drehte aus deren Resttabak mit Zeitung eine Riesenzigarette, die dann wie eine Friedenspfeife die Runde machte.

Auf dieser Schule bahnten sich auch die ersten Liebeleien an. Wir hatten ja eine ganze Klasse Mädchen bei den Friseuren. Die Pädagogen versuchten ja immer so etwas zu unterbinden, aber bekanntlich hat ja die Liebe keine Grenzen und der Erfindungsgeist war schon immer groß wen es darum ging etwas Verbotenes trotz allen Hindernissen zu machen. Man traf sich auf dem Hof in unübersichtlichen Ecken, man tauschte Liebesbriefe über geheim vereinbarten Stellen wo man den versteckte und nur der Andere wusste und diesen an der Stelle fand.

Das beste und schönste war wen man sich nach Langersehnten Tagen, an einem Sonntag, wen beide Ausgang hatten, in der Stadt traf um gemeinsam ins Kino zu gehen. Da war es perfekt. Man war anonym, und es war dunkel. Da konnte man Händchen halten, sich küssen und ein bisschen Zärtlichkeiten austauschen, eben so gut es ging.

Das waren auch die einzigen Annehmlichkeiten  die einem hier zur Verfügung standen. Da es Herbst war, wurden wir auch in dieser Schule, so wie in allen aus Rumänien dieser Zeit, zur „Freiwilligen Arbeit“ auf die Felder rund um Arad gefahren.Das war bitter für die Internatsschüler, den danach musste die versaute Kleidung und Schuhe wieder auf Hochglanz gebracht werden, da man hier nicht Daheim war und keine Ersatz Kleidung für Arbeit hatte.

Des weiteren war das Essen in der Internatskantine so berechnet das minimale kosten für den Staat entstanden. Dem entsprechend war auch die Menge aber besonders die Qualität die darunter zu leiden hatte. Mit der Zeit kannten wir die Köchinnen gut. Eine davon, eine dicke Banater Schwäbin hatte mich ins Herz geschlossen und so bekam ich manchmal einen Teller Spiegeleier oder anderes beim Abendessen übrig gebliebenes, das ich dann mit den Kollegen aus Mühlbach Abends im Keller teilte. Die Pakete die jeder ab und zu von Daheim bekam wurden auch unter allen Mühlbachern redlich geteilt und da nie alle gleichzeitig kamen hatten wir immer ein bisschen Reserve an zusätzlichem Essen.

Nach diesen Zeilen können sie sich ein grobes Bild von den Bedingungen und dem Alltag in der Berufsschule die ich besuchte machen. Unser Glück war das wir jedes der drei Jahre nur jeweils für drei Monate hierher mussten. Den Rest des Jahres mussten wir bei der UNIREA arbeiten, das so genannte Praktikum.

Am Ende des dritten Jahres hatten wir die Abschlussprüfung, die ich dann auch bestand.

Die Diplome wurden uns ausgehändigt.

Nun hatte ich die Ausbildung zum : „Elektriker für industrielle und private Elektroinstallationen“ in der Hand. Die Reise konnte als Geselle nach Hause in ein privates Leben beginnen.

 

Horst Theil

 

 

Erinnerung an die Lehrbuben- Jahre (Teil I )


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Lehrbuben im Bergbau 60-er Jahre

(Foto: SV-Bilderdienst)

 

Erinnerung an die Lehrbuben- Jahre

Das Jahr 1967 war in meinem Leben für mich ein Wendepunkt. Nach  dem ich nach der Beendung der achten Volkschulklasse bei der Aufnahmeprüfung für das Lyzeum, mit Pauken und Trompeten, durchgesegelt war, kam die Frage: was nun?

Es bestand die Möglichkeit diese Prüfung im Herbst zu wiederholen, oder Jen Weg einen Beruf zu erlernen. Diese Entscheidung stand mir nun bevor. Natürlich hatten meine Eltern den Wunsch dass ich den Sommer über weiter lernen sollte, und mich im Herbst wieder der Herausforderung stellen sollte. Nach einigen Tagen und heftigen Debatten, hatte ich mich entschieden einen Beruf zu erlernen da ich keine Lust, zum lernen mehr hatte. Für meine Eltern war diese Entscheidung natürlich nicht erfreulich, aber nach einigem Zögern stimmten sie dann widerwillig zu.

Wo erlernte man in Mühlbach einen Beruf? Natürlich bei der Handwerkervereinigung UNIREA. Mein Vater ging in den nächsten Tagen da vorbei und kam mit der Botschaft dass die Möglichkeit bestand hier den Beruf des Autoelektrikers zu erlernen. Ich sollte mich am nächsten Montag um 7 Uhr bei der Autowerkstatt der Kooperative vorstellen. Der Leiter der Werkstatt war um diese Zeit Herr Santei Dorin. Also ging ich Montag pünktlich dahin. Nach der spärlichen Begrüßung, wurde ich einem Gesellen zugeordnet, der mich dann in die Geheimnisse dieses Berufes einweihen sollte.

Diese Werkstatt befand sich in der äußeren Sikulorum gegenüber der neuen Post. Diese Straßenseite sollte danach im laufe der Systematisierung komplett abgerissen werden. Die ersten Tage vergingen normal. Es waren mit mir noch 4 Lehrbuben die gleichzeitig angefangen hatten. Dann wurden wir immer öfters für Arbeiten die nichts mit dem Beruf zu tun hatten eingesetzt. Das ging von den Gruben, die sich unter den Arbeitsrampen befanden, vom Schlamm und Dreck gemischt mit Altöl zu säubern bis Einkäufe für das Personal zu tätigen. Ja wir waren halt nur Lehrbuben und mussten uns den Gesellen und dem Meister unterordnen. Eines Tages kam der Personalchef vom Büro und verkündete uns dass wir nächsten Monat zur Aufnahmeprüfung für die Berufsschule nach Broos müssten.  Na ja, also Daheim angekommen erstattete ich Bericht über das bevorstehende Ereignis. Da bis zum ersten des nächsten Monats nur noch eine Woche Zeit war, nutzte ich diese um noch schnell meine Kenntnisse aufzufrischen. Einen Tag vor der Abreise nach Broos, packte mir meine Mutter eine Reisetasche mit Wäsche und Essen für zwei Tage. Am nächsten Morgen stiegen noch mehrere Lehrlinge zusammen mit mir in den Bus Hermannstadt – Deva, der auch in Broos Haltestelle hatte. Die Fahrt verlief eigentlich gut, mal abgesehen vom überfüllten Fahrgastraum und den Mannigfaltigen Gerüchen die durch den Bus zogen. Obwohl das ein Fernbus war, wurde um diese Zeit von Küken bis Lämmer fast alles als Gepäck mitgeführt. Daher die Gerüche. Nach etwas über einer Stunde Fahrt stiegen wir aus dem Bus und marschierten in Richtung Brooser Lyzeum wo die Prüfung stattfinden sollte. Nach etwa 20 Minuten erreichten wir das Lyzeum und meldeten uns da in der Kanzlei. Es wurden uns Schlafplätze in dem Internat das sich auch auf dem Schulgelände befand, zugewiesen. Das war ein Raum mit 10 Betten und Spinden. Also suchte sich jeder meiner Mühlbacher Leidensgenossen ein Bett und einen Spind aus, wo wir unsere mitgebrachten Sachen verstauen konnten.

Nach einer halben Stunde kam jemand und verkündete dass die erste Prüfung schon bald beginnen würde und wir uns in dem und dem Klassenzimmer versammeln sollten. Na Prosit dachte ich, das geht ja schon gut los. Über diese zwei Tage verteilt fanden die Prüfungen in den verschiedenen Fächern statt. Am Nachmittag des Zeiten Tages sollten die Listen mit den Bestanden und den Durchgesegelten Namen, auf die verschiedenen Berufe unterteilt, veröffentlicht werden. Das geschah an der großen Pinnwand die sich im Hauptflur des Gebäudes befand.

Alle anwesenden studierten am späten Nachmittag die Listen, und nach und nach entfernten sich alle die sich auf einer der Listen entdeckt hatten. Mir lief es eiskalt über den Rücken ich konnte mich auf keiner Liste der Autoelektriker entdecken, nicht bei Bestanden und nicht bei den durchgesegelten. Ich ging zaghaft zur Kanzlei und fragte was mit mir nun los ist, bestanden oder durchgefallen. Man verwies mich auf den Aushang. Als ich nun sagte dass ich auf keiner Liste stand, fragten sie nach dem Namen und blätterten ihre Unterlagen durch. Nach einer Weile wurde mir gesagt dass ich bei den Elektrikern auf der Liste stand und dass ich bestanden hätte. Einerseits verblüfft, Andererseits aber doch froh das ich durchgekommen war, verließ ich schnell das Gebäude und holte meine Sachen aus dem Internat. Ich wollte nicht mehr bis 8 Uhr Abends warten und den letzten Bus in Richtung Mühlbach nehmen, sondern ich ging an die Landstraße um mit Gelegenheit Heim zu fahren. Heute würde man sagen, per Anhalter oder Autostopp.

Irgendwann spät Abend langte ich Daheim an und berichtete meinen Eltern die Sachlage. Die hatten auch zwiespältige Gefühle. Daher ging ich am nächsten Morgen stracks zum Büro der Personalverwaltung der Genossenschaft und schilderte was ich wusste. Der Herr Truta der Personalchef erklärte mir dass beschlossen wurde mich zum Elektriker und nicht zum Autoelektriker auszubilden, man aber vergessen hatte mir das mitzuteilen. Schön. Also hatte ich ab sofort ein anderes Ausbildungsprofil. Der Chef guckte zufällig durch das Hoffenster und sagte mir ich soll schnell mit ihm gehen, denn mein künftiger Meister und Ausbilder wäre gerade im Hof, und bei dieser Gelegenheit könnte er mich gleich vorstellen und die Übergabe meiner Bescheidenheit an diesen vollziehen.

Die Überraschung war groß als sich herausstellte das es Herr Ernest Peppel war den ich schon von früher sehr gut kannte. Nach gegenseitigem begrüßen war der Tag für mich gelaufen. Herr Peppel sagte mir ich soll heute nach Hause gehen und am nächsten Morgen zu Ihm nach Hause kommen, aber nicht vor 8 Uhr. (?) Na gut mir sollte es Recht sein. Ich fuhr anschließend mit dem Fahrrad zu „meiner alten Werkstatt“ und erzählte auch dort was ich erlebt hatte. Anschließend nahm ich noch meine restlichen Sachen die noch da waren und Schlug den Heimweg ein.

Pünktlich um 8 Uhr war ich an Ort und Stelle bei Herr Peppel. Unser erster Weg führte uns in das Warenlager der UNIREA, um ein bisschen Werkzeug für mich zu holen. Anschließend musste mein Meister noch Bürokram erledigen und ich wartete so lange und lernte auch die Angestellten der Bauabteilung bei dieser Gelegenheit kennen. Das Büro war mit drei Personen besetzt: Herr Besoi, Herr Acker und Herr Gogesch. Der Vorsitzende der UNIREA war um diese Zeit Herr David und zwei Vizevorsitzende Herr Wolfgang Leibli und Herr Habean.

Nach dem mein Meister hatte irgendwann seinen Bürokram erledigt und es ging zu meiner ersten Baustelle in diesem Beruf. Diese war bei dem allen Mühlbachern bekannten Apotheker Herr Alesi. Der Grund unseres Kommens war eine defekte alte Wasserpumpe, die für 110V ausgelegt war, und jetzt über einen Trafo an der neuen Netzspannung von 220V angeschlossen war. Es stellte sich heraus das der Trafo defekt war und auch ein Teil der veralteten Elektroinstallation, so das wir da noch einige Tage zu tun hatten. So ging mein Erster Arbeitstag zu Ende.

Ich will ihnen nicht weitere Einblicke in die folgenden Tage und Wochen gewähren, da es zu langweilig  wäre. Irgendwann erfuhr ich vom Büro aus dass am Ersten September das Schuljahr in der Berufsschule der UCECOM beginnen würde und ich für 3 Monate nach Arad im Banat müsste.

Die Tage und Wochen vergingen und der Tag der Abreise nach Arad rückte immer näher. Damit auch alles seine Richtigkeit haben sollte, fertigte mir Onkel Dany einen Holzkoffer an, so wie man früher beim einrücken zum Militär benutzte. Dieser wurde dann von meiner Mutter gepackt. In de Koffer packte meine Mutter Unterwäsche, Kleider, ein Paar Schuhe und der übliche Krim- Kram den man für einen längeren Aufenthalt in der Fremde benötigte. In eine separate Tasche kam das Essen für den Weg.

Am Tag der Abreise Morgens um 4 Uhr stand ich auf und nach Frühstück und reichlicher Verabschiedung, schleppte ich mich mit dem schweren Koffer und der Tasche in Richtung Bushaltestelle gegenüber vom Kino, von wo ich den Bus zum Bahnhof von Alwinz nahm. Der Bus hielt in Höhe des Bahnhofes auf offener Landstraße an einer Haltestelle an. Von da musste man über die Gleise zum Bahnhofgebäude marschieren. Schwer keuchend kam ich da an und kaufte mir am Schalter eine Fahrkarte bis Arad. Alle Lehrbuben aus Mühlbach waren schon da oder kamen gleichzeitig mit mir da an. Bis der Zug kommen sollte war noch etwas über eine Stunde Zeit. Also ging man in das Bahnhofsrestaurant. Zwei Tische wurden zusammen geschoben so dass wir alle gemeinsam am Tisch sitzen konnten. Bei Fruchtsaft oder einem Glas sauer gespritztem Wein, wurde diskutiert über das was noch auf uns zukommen sollte. Mit dem Blick auf die Uhr merkten wir das es an der Zeit war auf zu stehen und auf den zuständigen Bahnsteig zu gehen. Da kam auch schon die Ansage über Lautsprecher dass der Zug in den Bahnhof einfährt. Als dieser zum stehen kam, bemühten  wir uns mit den klobigen und schweren Koffern ein leeres Abteil zu ergattern. Sitzplätze wurden bei diesem Personenzug keine vergeben also auf Gutglück. Wir hatten noch nichts gefunden da ertönte schon der Pfiff des Schaffners zur Abfahrt. Mit einem heftigem Ruck und schnaubender Dampflok begann unsere Fahrt ins ungewisse. Nun standen wir und unser Gepäck, wie an einer Perlenkette aufgereiht, auf dem engen Flur des Waggons. Fahrgäste zweigten sich mit ihrem Reisegepäck immer wieder an uns vorbei. Alle suchten das Gleiche wie wir, nämlich einen Sitzplatz. Dieser Zug bestand aus altersschwachen Waggons die meistens noch mit Holzbänken ausgestattet waren und einer Dampflokomotive  die auch mal bessere Tage erlebt hatte. Aber so war das eben um die Zeit, die besseren Waggons und Lokomotiven brauchte man für die Schnellzüge. Die Gleise waren um die Zeit noch nicht verschweißt und so spürte man jedes mal einen Stoß wen die Räder des Waggons über die Übergangstellen von einem Schienenstrang auf den darauf folgenden  wechselte. Dazu kam noch das schlingern des Zuges dass mit zunehmender Geschwindigkeit immer stärker wurde.

Na ja, wir waren unterwegs. Ich möchte noch erwähnen das diese Personenzüge an jeder nur erdenklichen Haltestelle halt machten um die Personen aus den angrenzenden Dörfern auf zu nehmen oder absteigen zu lassen. Dem entsprechend verlängerte sich die Reise mit diesem Typ von Zügen. Wir hatten aber Glück den der nächste größere Ort war Deva und hier hielt der Zug ein paar Minuten länger. Zum einen weil er einen entgegen kommenden Lastzug vorbeifahren lassen musste und zum anderen, viele Personen abstiegen, aber zu unserem Glück nicht viele aufstiegen.

Endlich leerte sich ein Abteil und wir konnten nun unsere Reise im sitzen fortsetzen. Die Landschaft war schön. Durch das Maroschtal schlängelte sich die Bahn fast immer parallel zum sich gemächlich schlängelnden Fluss. Die Reise ging über Lippa (Lipova) in Richtung Arad wo wir am Späten Nachmittag ankamen. Schon ziemlich müde schleppten wir uns auf den großen Platz vor dem Bahnhofsgebäude.

Was nun? Wir hatten zwar die Adresse der Schule auf einem Zettel aber keiner von uns wusste wie man hin gelangen sollte. Für mich war diese Großstadt so wieso ein wenig unheimlich. Der Große Verkehr, die vielen Autos, Busse, und auch noch Straßenbahnen. Ich war bis dato in keiner so großen Stadt, außer 2 mal in Hermannstadt.  Wir fragten einen und den anderen ob man uns helfen könnte aber komischer weise wusste niemand wo die Straße, oder gar die Schule war. Am Bahnhof waren auch sehr viele Taxis aber wir hatten nur unser Taschengeld, was nicht gerade ein Vermögen darstellte. Also verzichteten wir auf Taxis. Aber zu unserem erstaunen stieg ein bärtiger Taxifahrer aus einem der parkenden Taxis und näherte sich unserer Gruppe.

Er fragte wo wir den hin wollten, er hatte uns nämlich schon länger beobachtet wie wir die Leute um Auskunft baten. Er hatte einen stark ungarischen Akzent. Wir erklärten im das wir nicht viel Geld hatten und uns eine Taxifahrt nicht erlauben konnten. Dieser lächelte und sagte dass er so etwas vermutet hätte und er wisse dass die Schulkinder nur wenig Taschengeld haben und es für andere Dinge benötigten. Wir sollten ihn aber doch sagen wo wir hin wollen. Na gut wir sagten ihm die Adresse. Er zog einen Notizblock und begann zu kritzeln als es fertig war erfuhren wir das er auch in dem Viertel der Stadt wohnte und als Taxifahrer Arad wie seine Westentasche kannte. Er gab uns den Zettel in die Hand und erklärte und welcher Bus dahin fuhr und bei welcher Haltestelle wir dann aussteigen mussten. Wir waren diesem Mann sehr dankbar. Also nahmen wir den entsprechenden Bus und zählten die Stationen ab und stiegen aus. Nach ein paar Fragen in der Runde wussten wir Bescheid dar wir 10 Minuten Fußmarsch vor uns hatten. Bald sahen wir den kleinen Park mit der Serbischen Kirche und in unmittelbarer Nähe die „Emil Gîrleanu“- Straße. Die Schule war mit der Hausnummer 1. Wir waren endlich da, aber das Tor war schon geschlossen den mittlerweile war es schon fast dunkel. Wir machten uns irgendwie bemerkbar und tatsächlich kam der Pädagoge der Dienst hatte und ließ uns auf das Gelände. Da es heute schon zu spät war um die Aufnahme zu machen führte er uns zu den Schlafsälen um uns ein provisorisches Bett zum schlafen zu geben und morgen Früh sollten wir uns in dem Schulgebäude vorstellen um die Aufnahme zu vollenden.

Ich sagte vorhin Schlafsäle, es war ein Saal und kein Zimmer. Dieser Saal war mit 40 Etagenbetten nach Militärart ausgestattet, also für 80 Schüler. Es stank nach allerhand Körpergerüchen einfach undefinierbar. Nach einer traumlosen Nacht weckte uns am Morgen um 6 Uhr das Leuten einer Handglocke die der Schüler der gerade Dienst hatte fleißig schwang.

Die Morgentoilette fand in einem Gemeinschaft-Badezimmer das im selben Gebäude untergebracht war. In diesem Raum befanden sich 6 Waschbecken und 6 Duschen und das für alle 80 Schüler des Internats. Ich muss noch dazu sagen das auch von den Waschbecken und auch von den Duschplätzen nicht alle funktionierten. Die Wände waren mannshoch mit Fliesen, von denen schon viele fehlten gekachelt. Der Anstrich darüber und die Decke hatte eine undefinierbare Farbe die wahrscheinlich schon 20 Jahre nicht mehr erneuert war. Aber egal, da musste ich durch. Um 7 Uhr gab es Frühstück im Speisesaal der im Kellergeschoss untergebracht war und etwa Platz für 20 bis 25 Personen bot. Das hieß die Mahlzeiten mussten in mehreren Touren von Statten gehen. Das Frühstück bestand aus 2 Scheiben schwarzem Brot, ein kleiner Würfel ekliger Margarine, einen Klecks Marmelade und Russischen Tee, den man bei Bedarf auch nachgereicht bekam. Nach dem Frühstück meldete ich mich in der Kanzlei und die Aufnahme wurde offiziell und schriftlich festgehalten. Der Verwalter des Internats wurde gerufen mich in Empfang zu nehmen. Nach der Vorstellung führte mich dieser in den anderen Flügel des Internats in den Kellerraum, wo alle 80 Metallspinde untergebracht waren, die zum aufbewahren der Habseligkeiten der Schüler dienten. Diese waren jeder mit einem Vorhängeschloss gesichert. Die Koffer eines jeden wurden oben darauf aufbewahrt. Also öffnete ich meinen Koffer und räumte meine Sachen in den Spind der mir zugeteilt wurde. Danach legte ich meinen Koffer so wie alle anderen darauf. Nach dem ich auch mein Schloss angebracht hatte so wie mein Namensschild war ich nun ein Mitglied dieser Gemeinschaft die in den nächsten 3 Jahren ihren Alltag des Schülerlebens in diesen traurigen Bedingungen fristen musste.

Horst Theil

Fortsetzung folgt  

 

Mit dem Fahrrad nach Benzenz.


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Evangelische Kirche Benzenz

(Foto:Wikipedia)

Einiges zu den Schwaben aus Benzenz.

Das Geschlecht der Habsburger suchte zu Beginn des 18. Jh. im deutschsprachigen Raum nach freiwilligen Siedlern, welche die südöstlichen Randgebiete des Österreich-Ungarischen-Kaiserreiches gegen die türkische Bedrohung sichern sollte. Es handelte sich hierbei um ein Gebiet das heute im Dreiländereck zwischen Ungarn, Rumänien (Banat) und Jugoslawien (Serbien)liegt. Die Batschka, um die es in der 1.Wanderungsbewegung geht, gehört heute mit einem nördlichen Teil zu Ungarn und dem größeren südlichen Teil zur Woiwodina (Serbien). Der Ort Tschervenka, welcher der Herkunfts- Ort dieser Siedler der ersten Welle war, liegt im Flachland zwischen Donau und Theiß, ungefähr in dem Zentrum der Batschka.
Von den Habsburgern wurden gezielt Bauern und Handwerker gesucht, um neue Ortschaften zu gründen. Als Anreiz dienten Grundstücke, Häuser, Gerätschaften, Vieh und Geld. Die Besiedlung der Gegend um Benzenz erfolgte in drei Wellen: die erste 1729 unter Karl VI, die zweite 1762 unter Maria Theresia und eine dritte ab 1782 unter Joseph II. Mit der dritten Siedlungswelle kamen die Siedler aus dem Odenwald und gründeten 1785 Cservenka, was aus dem Orts Siegel ersichtlich wird.
Da die Batschka von Donau und Theiß begrenzt liegt, und sich hier viele Großfamilien niederließen wirkte der Raum bald beengt. Aus diesem Grund entschlossen sich einige Siedler 1893 zu einer 2.Wanderungsbewegung nach Siebenbürgen. Siebenbürgen bildete zu der Zeit die nord-östliche Grenze des Österreich- Ungarischen- Kaiserreiches. Seit 1918 gehört Siebenbürgen zu Rumänien.
Auf Grund der beengten Wohnverhältnisse suchten vor allem die Bauern nach neuen Ländereien. In Siebenbürgen wurden sie fündig. Eine Gruppe, deren Anführer Ludwig Albrecht war, fand in der Siebenbürgisch-Sächsischen-Bank in Hermannstadt (Sibiu) Unterstützung. Diese bot ihnen Ländereien von verschuldeten ungarischen Adligen in Benzenz zum Kauf an. Die Siedler verkauften ihren Grund in Cservenka, und machten sich auf den Weg: die Männer mit Pferdewagen im Konvoi, die Frauen und Kinder per Eisenbahn. Sie ließen sich in dem kleinen Ort Benzenz  am Marosch nieder. Innerhalb der zugewanderten Gruppe gab es später noch einmal weitere Umzüge: 1907 ins nahe gelegene Batiz, und 1918 nach Rusch.

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In Mühlbach schrieb man das Jahr 1967. Es war das Jahr meiner Konfirmation. Und so wie es in Mühlbach Sitte und Brauch war dass jeder ein Geschenk, oder Geld von den Paten und den geladenen Gästen zum Fest bekam war das auch bei mir der Fall.

Unter den Geschenken war ein Fotoapparat der Marke „Smena 8“ russischer Produktion, den ich von meinem Paten Wilhelm Theil bekam. Nach  dem Fest war auch eine gewisse Geldsumme zusammen gekommen, und da ich mir schon lange ein eigenes Fahrrad wünschte legte mein Vater noch etwas darauf und so kam ich zu meinem Ersten Fahrrad. Also kam der große Tag und mein Vater und ich gingen in die Stadt zum „Fierul“ um eines zu kaufen. Für die Fahrräder war ein Verkäufer zuständig, den damals alle Mühlbacher nur „Dase“ nannten.

Ein sehr höflicher Mann. Er zeigte uns den damaligen Renner zu gutem Preis die Marke „Tohan“ als Herrenrad- Ausführung. Der Lenker wurde gerade gedreht und das mit Paraffin getränkte Papier notdürftig entfernt, so dass man es vor sich herschieben konnte. Und so schob ich nun mein Erstes eigene Fahrrad, die Mühlgasse herunter, vor mir her. Mein Vater meinte wir sollten beim Mann seiner Hannotante halt machen und es vorzeigen. Das taten wir dann auch. Dieser meinte das der Tag noch jung war und bot sich an mir das Fahrrad zu schmieren und alle Schrauben nachziehen, und so fahrtauglich zu machen. Er schmierte alle Teile sorgfältig, das Schutzpapier wurde entfernt und die Räder aufgepumpt. Somit war das Fahrrad fertig. Ich setzte mich darauf und fuhr ganz stolz Heim. Mein Vater kam zu Fuß nach.

Selbstverständlich verbrachte ich die nächsten Tage und Wochen mit Fahrradfahren, einfach spazieren, Angeln oder einkaufen.

Mittlerweile hatten auch die Anderen meiner gleichaltrigen Freunde auch ein Fahrrad und wir unternahmen so manche kleinere Tour in der Umgebung von Mühlbach. Das ging so bis zum darauf folgenden  Sommer.

Eines Tages fragte mich einer meiner Freunde ob wir vielleicht mal eine längere Fahrradtour unternehmen sollten.  Die Idee hörte sich nicht schlecht an, die Frage war nur wohin. Es vergingen ein paar Tage und mein Freund meinte dass wir es mal bis nach Benzenz (Aurel Vlaicu) wagen sollten, den er habe da Anverwandte, und bei dieser Gelegenheit könnte er sie mal besuchen. Wir teilten unser Vorhaben unseren Eltern mit, und nach einigem Hin Und Her waren diese einverstanden. Zu dem Fahrradwerkzeug kam noch Flickzeug, wegen eventueller Reifenpanne, hinzu und so waren die Fahrräder fahrbereit. Die Taschen wurden gepackt und am nächsten Morgen um 7 Uhr begannen wir unser Abenteuer. Wir fuhren die Altgasse und die Mühlgasse hoch bis zur großen Kreuzung an der Alten Post, die um diese Zeit noch nicht mit Verkehrsampeln ausgerüstet war, und bogen dann Links ab um über die Griechengasse in Richtung Stadtrand zu gelangen. Nach den letzten Häusern von Mühlbach Öffnete sich der Blick zur Linken und Rechten über die Felder und reichte bis in die Ferne zur Weggabelung wo die eine Straße nach Deutsch- Pien und die andere in Richtung Winz führte. Wir traten fleißig in die Pedale und gelangten nach einiger Zeit an diese Weggabelung und nahmen die in Richtung Winz. An dieser Stelle begann auch die Straße anzusteigen. Die Leute nannten diese Stelle die „Pien- er Hula“.

Es sei gesagt das unsere Fahrräder um diese Zeit noch keine Gangschaltungen wie heute zu Tage. Und das merkten wir sehr bald. Wir schafften es mit Ach und Krach bis fast oben hin. Die letzten Meter mussten wir aber schieben. Oben angekommen, stiegen wir wieder auf und setzten unseren Weg auf einer Schnurgeraden Straße in Richtung Winz fort. Auf der Linken dehnte sich ein riesengroßer Acker, der von den Mühlbachern „Vintisoara“ genannt wurde, aus. In weiter Ferne konnte man eine Häusergruppe erkennen. Aus der Geschichte wissen wir dass da einmal ein Wirtshaus und Pferdewechselstation in der Zeit als die Postkutschen und die Fuhrleute, noch den Warenverkehr bewältigten.

Wir passierten diese Stelle nach geraumer Zeit und befuhren nun die Straße die bergab nach Winz führte, das man schon von da sehen konnte. Unser Vorteil, man musste nun nicht mehr in die Pedale treten. Wir gewannen Geschwindigkeit, und waren nach einiger Zeit schon dem Winzer Bahnhof gegenüber. Da legten wir eine kleine Rast ein und tranken am Bahnhof  Wasser. Die Sonne war jetzt schon hoch am Himmel und es war schon heiß so das uns das gelegen kam um uns hier mal erfrischen zu können. Dann ging es weiter über Sibiseni bis Tartaria zum Bahnhof wo wir uns wieder unseren Durst stillten. Es folgten: Balomir und Sibot

Wo wir eine längere Rast einlegten da hier eine große Straßen –Kreuzung war und auch eine Gaststätte an der Straße mit Parkplätzen. Ein anderes Argument war auch die Tatsache dass hier auch der Kudschir- er Bach in Richtung Mieresch floss, und man an seinen mit Bäumen gesäumten Ufern herrlich im Schatten ausruhen konnte. Da aßen wir auch von der Brotzeit die wir mitgenommen hatten. Nach einer halben Stunde ging es weiter über die Gleise die nach Kudschir führten, in Richtung Broos. Nach einigen Kilometern bogen wir von der Landstraße nach Rechts ab, und nach dem überqueren der Gleise der Bahnstrecke die bis Arad ging, waren wir schon am Ziel angekommen. Nach ein paar Minuten der Suche stiegen wir vor dem Hause der Verwandten meines Freundes ab.

Wir wurden verwundert aber freundlich begrüßt und gleich zu Tisch gebeten, denn es war Mittlerweile schon Mittagszeit. Bei Tisch begann die Fragerei auf schwäbisch. Warum und wieso wir uns auf diesen weiten Weg aufgemacht haben und ob unsere Eltern auch davon wussten und so das Übliche. Na ja, mein Freund stand Rede und Antwort bis sich alle beruhigt hatten. Dann saßen alle gemütlich im Hof im Schatten und danach ging es in den Garten wo auch  ein schöner Sitzplatz war.

Wir waren ziemlich mitgenommen von der Fahrt, es sind immer hin 32 Km, die uns noch für die Heimfahrt bevor standen. Wir beschlossen noch zu warten bis die Hitze gegen Abend nachließ. Na ja, und so wie im Hochsommer das ziemlich späht geschah, verschob sich die Heimfahrt immer mehr dem Abend entgegen. Die netten Leute boten uns an hier zu übernachten, aber unser Bedenken war dass die Eltern das nicht wussten, und in Panik geraten wen sie sahen dass wir nicht Heim kommen.

Also gegen 7 Uhr Abends sattelten wir unsere Drahtesel und begannen die Heimfahrt. Am Anfang ging alles recht gut, aber das sollte sich bald ändern. Kaum ein paar Kilometer gefahren, bis kurz vor Sibot, war ich unachtsam und fuhr glatt über ein am Straßen Rand liegendes Hufeisen. Was war das Resultat? Reifenpanne. Na ja, nutzte alles nichts, musste irgendwie behoben werden um weiter zu fahren, den um diese Zeit gab es noch keine Mobilfunktelefone  um irgendwie daheim Bescheid zu sagen.

Also wurde zu erst das Vorderrad abgeschraubt. Keiner von uns beiden hatte so eine Reparatur schon selber gemacht, und man kann sich vorstellen was für Mühe uns das bereitete, mal abgesehen das wir schon beide sehr müde waren an diesem Tag. Dem entsprechend lange dauerte diese Reparatur bis es nach fast einer Stunde wieder mit Ach und Krach weiter ging. Wir fuhren durch bis Tartaria Bahnhof, wo wir kurz anhielten um Wasser zu trinken. Mittlerweile begann es schon dunkel zu werden. Wir schalteten unsere Dynamos ein und fuhren nun mit Licht weiter. In Höhe vom Winzer Bahnhof war es schon stockdunkel. Wir zogen uns mehr schlecht wie recht die Anhöhe zu der vorhin erwähnten Häusergruppe die Landstraße hoch. Oben angekommen, nach ein paar hundert Metern, bemerkten wir den Scheinwerfer eines Motorrades das sich zügig aus Richtung Mühlbach näherte. Plötzlich stellten wir fest dass das Motorrad abbremste und vor uns zum Stillstand kam. Eine uns bekannte Stimme Sagte unsere Namen in fragendem Ton. Wir konnten nicht erkennen wer es tatsächlich war bis der Fahrer abstieg und in das Scheinwerferlicht trat. Es war Herr Marta Remus der beim Vater meines Freundes in der Lederfabrik arbeitete. Dieser hielt uns eine kleine Standpauke. Wir erfuhren dass er geschickt wurde uns zu suchen und nach zu sehen ob was passiert  war. Nachher fuhr er wieder wider zurück um Daheim zu berichten das alles in Ordnung war.

Das verhieß nichts Gutes. Wir traten fleißig in die Pedale um zügiger voran zu kommen. Nach geraumer Zeit fuhren wir in Mühlbach ein und bemerkten schon bei der Einfahrt in die Altgasse dass unsere Eltern auf der Gasse unsere Ankunft erwarteten. Nach mehreren hitzigen Diskussionen und Vorwürfen gingen wir alle nach Hause. Wir waren beide froh dass dieser Ausflug noch, für uns beide, ein so gutes Ende genommen hatte.

 

Horst Theil