Einige Uhrenmacher im Früheren Mühlbach


0.

Wie in jeder Stadt mit Technischem Fortschritt, hat sich der Wohlstand auch bei der Mühlbacher Bevölkerung bemerkbar gemacht.
Es wurden Moderne Haushaltsgeräte wie Kühlschränke, Waschmaschinen und unter anderem auch verschiedene Uhren, die deutlich preiswerter wurden angeschafft. Der Trend waren die Quarz Uhren mit Analogen oder Digitalen Zifferblättern. Bei so einer Anzahl von Uhren, war es nicht zu vermeiden, das auch manche kaputt gingen. So hatten die Mühlbacher Uhrenmacher, und es waren etliche davon, jede Menge Arbeit.

1.

2.

Die Bekannten „ C.F.R.“ Wecker mit dem Logo des Uhrenmachermeisters

Das Geheimnis mit den Namen der Uhrenmacher auf dem Zifferblatt der „CFR“ Weckers, ist dass ein Abkommen mit der Uhren Firma war: wenn die Uhrenmacher die diesen Wecker vertrieben sich verpflichteten eine gewisse Zahl von diesen Uhren verkaufen, durften sie ihren Nahmen auf das Zifferblatt drucken lassen. Dies war eine Art Werbung zu der Zeit für dieses Produkt und gleichzeitig auch für den Betreffenden Uhrenmacher.
Einer von Ihnen war, Hermann Fredel:

3.
Hermann Fredel
(1887 – 1966)

Geboren am 24.Juli 1887 in Mühlbach, nach dem Abschluss des Unter- Gymnasiums in Mühlbach, begann er eine Lehre als Uhrenmacher in Kronstadt (Brasov). Nachher folgte eine zweijährige Ausbildung in der „Deutschen Uhrenmacher Schule zu Glashütte“ in Sachsen 1909 – 1911.

4.5.

Hermann Fredel in der Uhrenmacher Schule in Glashütte 1909 bis 1911.

Nach der Ausbildung in der Uhrmacher Schule zu Glashütte und erworbenem Uhrenmacher Brief, arbeitete er eine Zeit in Wien wo er sich weiter in diesem Gewerbe spezialisierte. Mit einer Top Ausbildung und vielseitigen praktischen Kenntnissen kam er in seine Heimatstadt zurück. 1920 heiratete der junge Uhrmachermeister seine Kläre geb. Hatzack (1895-1988). Sie hatte die Handelsschule in Budapest besucht bis 1918, und mit den erworbenen Kenntnissen, konnte sie die Buchführung des Geschäfts übernehmen.

 

6.

 Das Ehepaar Fredel (1951)

7.

Das Ehepaar bekam drei Kinder: zwei Söhne und eine Tochter. Die Söhne hatte er auch zu Uhrenmachern ausgebildet. Der jüngere Herwig, hat nach dem Ruhestand seines Vaters den Laden übernommen.
1948 wurden die Siebenbürger Sachsen enteignet: Die Häuser, Geschäfte und noch viel mehr wurde ihnen weggenommen, manche Intellektuellen wurden inhaftiert und in die Arbeitslager geschickt. Herr Fredel hatte sein Geschäft, mit viel Verlust an Werkzeugen, Uhren und Schmuck verloren. Später mietete er einen kleineren Raum im Löwischen Haus neben dem Hotel „Unterwald“ in der Siculorumgasse. Da arbeitet er bis zum Ruhestand.
Herr Heinrich Fredel verstarb 1966 im Alter von 79 Jahren in Mühlbach.
Herr Herwig Fredel:

8.

Herwig Fredel
(1924 – 2002)

Geboren am 26.06.1924 in Mühlbach. Nach dem Schulabschluss in Mühlbach, machte er eine Ausbildung als Eisenhändler bei Herrn Foreck in Mühlbach. 1940 arbeitete er in einer Eisenhändlerei in Linz, (Österreich) bis 1942, als er ins deutsche Militär einberufen wurde. An der Ostfront kämpfte er in Königsberg. 1944 wurde er aus dem deutschen Militär entlassen und kam Nachhause. Nach kurzer Zeit wurde er ins rumänische Militär einberufen, für zwei Jahre und kam in russische Gefangenschaft, 1951 entlassen, kam er wieder nach Mühlbach. 1952 Heiratete er seine Hermannstädter Ehefrau Elisabeth (Medi). Das Ehepaar bekam zwei Kinder, einen Sohn (Gerhard) und eine Tochter (Renate).
Herwig Fredel wurde jetzt von seinem Vater zum Uhrenmacher ausgebildet. Er arbeitete als Uhrenmacher in Mühlbach bis zu seiner Ausreise mit Familie in die BRD im Jahre 1979. Die letzten Jahre lebte er mit seiner Familie in Landshut.
Im Mai 2002 im Alter von 78 Jahre verstarb Herwig Fredel in München in Folge eines Herzinfarktes.

Herr Friedrich Dürr (19. 03. 1891 – 10.01.1956),
war auch ein Mühlbacher Uhrenmacher, von dem ich kaum etwas erzählen kann. Dieser Wecker von der Firma Junghans mit der er in Verbindung war, hat auf dem Zifferblatt, neben dem Logo der Firma Junghans

9.
Wecker mit Namenslogo „Friedrich Dürr“

auch die Inschrift: „Friedrich Dürr.“ Nach der Inschrift kann man Folgern dass er Uhren von der Firma Junghans in Mühlbach vertrieben hat.
Herr Dürr war ein kleiner behinderter Mann. Er war verheiratet mit Frau Katharina geb. Kramer (24.07.1918 – 22.11.1976) aus Kelling. Sie hatten einen Sohn, Friedrich (Fritz) dieser war mit Sofia Almann verheiratet, sie hatten zwei Söhne, Gerhard und Friedrich. Fritz Dürr arbeitet eine Zeit in der Strumpffabrik wo er auch seine Frau kennen lernte. Nachher arbeitete er im Mühlbacher Tal auf der Baustelle „Hidrocentrala Valea Sebesului“.
Herr Dürr Senior hatte sein Geschäft in der Sikulorumgasse, und wohnte in der Quergasse, wo er später seine Uhrenmacher Werkstatt einrichtete, und auch da arbeitete.
Ich erinnere mich noch an Herrn Ceconi aus der Jakobigasse, der in dem Schönhardischen Haus wohnte und da auch sein Geschäft hatte.
In der Entengasse (Str. 9 Mai), war noch ein Herr Comãnac Gh. ein Moldauer, der da wohnte und auch Uhren reparierte.
Leider habe ich von diesen Herrn keine Daten.
Beitrag von M. Ziegler u. Horst Theil

 

 

 

 

Advertisements

Otto Sander, der Konditor von Mühlbach


 Unbenannt..

 Otto  Sander

( 1893 – 1963 )

10256803_648030838578358_3409781099646736506_n - Kopie (2)

Die Konditorei „Otto Sander“ 1937

Otto Sander wurde im Jahre 1893 in der Schweiz geboren. Danach gelangte er nach Bayern in Deutschland, wo er auch seinen Militärdienst absolvierte. In den Wirren der Jahre zwischen den beiden Weltkriegen, aus unbekannten Gründen verschlug es ihn nach Siebenbürgen, und zwar nach Mühlbach. Da er von Beruf Konditor war, gründete er sich eine Existenz durch Eröffnung einer Konditorei in der Petrigasse, gegenüber dem evangelischen Kindergarten.

SANDER  -02

 Die gewesene Konditorei.

 Traveler Digital Camera

 Oben an der Fazade sieht man den Halter des Firmenlogos

 Er sollte bald das Ansehen der Mühlbacher, und der Umliegenden Ortschaften erlangen.Das Lokal der Konditorei war nicht groß aber sehr beliebt schon wegen den berühmten und Wohlschmeckenden Cremeschnitten. Hier konnte man auch andere Kuchen und Konditorwaren genießen. Herr Otto Sander war einer der ersten Konditoren der Stadt die den Mühlbachern das Speiseeis anboten. Das konnte man vor Ort genießen, oder von dem Eisboten (Dumitru) auf den Strassen von Mühlbach kaufen. Dieser war, wie schon in einem anderen Beitrag erwähnt, ein Bürger aus dem nahen Langendorf den er für diesen Zweck eingestellt hatte um auch hiermit den Absatz zu erhöhen. In seinen besten Jahren hatte er das Kinderpulver erfunden, das sehr nahrhaft für Säuglinge und Kleinkinder war, und sogar International sehr gefragt. Otto Sander war drei Mal verheiratet. Mit der ersten Frau bekam das Ehepaar eine Tochter (Liesel). Seine zweite Frau war sehr tüchtig, sie führte das Geschäft, da er sehr schlecht die rumänische Sprache beherrschte, und die ganze Zeit lieber in der Backstube arbeitete. Mit seiner dritten Frau Hedviga, geborene Ziegler lebte er zusammen bis zu seinem Tode.

005-Otto Sander & Ehefrau Hedwig neu

Otto Sander mit Frau Hedviga

Herr Sander war Diabetiker und hatte in seinen letzten Jahren sehr viel gelitten.  Durch sein schweres Leiden starb er im Alter von 70 Jahren und wurde auf dem Mühlbacher Friedhof beerdigt.

Unbenannt

Ruhestätte von Otto Sander

 auf dem Evangelischen Friedhof zu Mühlbach

 

Horst Theil

Dank an Herr Manfred Ziegler und Barna Denis!

Erich Frank, der Spenglermeister aus Mühlbach.


Frank1

Erich Frank (1910 – 1989)

 Die Ehe von Ferdinand Johann Frank mit Elisabetha Johanna Frank, geb. Schoppelt ergab vier Kinder: Nandi Frank, Johanna verh. Konnerth, Martha verh. Dahinten und Erich Frank.

Der Spenglermeister aus Mühlbach, Erich Frank, wurde am 26. März 1910 in Mühlbach geboren. Die Liebe für die Spenglerei hat er von seinem Vater geerbt, der auch Spenglermeister war, auch wenn  der Großvater Kürschnermeister war.

Als Kind hat er die deutsche Schule in Mühlbach besucht. Die Lehre als Spengler hat er in der Werkstatt seines Vaters (die sich auf der Inneren Siculorumgasse, heute Bld. Lucian Blaga nr 70. befand)  abgeschlossen.

Frank2

Erich Frank (2. von rechts mit Sicherheitsgurt) vor dem Carolinator

 Bekannt für seine Arbeiten, hat er das Dach des dritten Tores der Festung aus Karlsburg, Carolina genannt, gedeckt. Eine andere bekannte Arbeit vom Spenglermeister Erich Frank sind die Dachrinnen der evangelischen Kirche von Mühlbach. Außer dem hatte er Bestellungen von Leuten aus Mühlbach und Umgebung. In der Zeit als Erich als Spengler gearbeitet hat, waren in vielen Häusern Sägespäne Öfen, die von ihm hergestellt wurden. Auch lange nachdem er in Rente war – 1975- hatte er in seiner Werkstatt zu tun.

In seiner Freizeit hat der Spenglermeister Briefmarken gesammelt. Jeden Sonntag setzte er sich, nach dem Kirchenbesuch, an den Schreibtisch und arbeitete an seinen Markenalben.

Er hatte seine Freizeit, unter anderem, einem Stadtplan von Mühlbach aus dem Jahre 1926 gewidmet, wo die Hauseigentümer  Mühlbachs und die damaligen deutschen Benennungen der Strassen eingetragen sind. Dieser Stadtplan diente, nach dem Fall des Kommunismus, auch dazu, die Strassen Mühlbachs neben der rumänischen Benennung auch in deutscher Sprache zu beschriften.

Frank3

Digitalisierter  Auszug des Stadtplanes von Mühlbach

 

Erich Frank heiratete 1946 die Witwe Irene Welther, geb. Göbbel, aus Mühlbach. Irene und Erich kannten sich seit langen Jahren, da sie denselben Freundeskreis hatten. Irene hatte 2 Kinder aus der vorherigen Ehe: Karlheinz Welther und Brigitte verh. Koreck. Erich und Irene bekamen nach einem Ehejahr, im Jahre 1947, den Sohn Rolf Dittmar Frank. Rolf Frank hat die Universität in Klausenburg abgeschlossen und unterrichtete Mathematik in der deutschen Abteilung der Allgemeinschule Nr. 2. in Mühlbach im Zeitraum 1980-1987 und 1990-2012.

Frank4

Erich Frank mit Familie:  Irene, Brigitte, Karlheinz, Rolf

 Sein Tod kam unerwartet im April 1989. Er wurde auf dem evangelischen Friedhof in Mühlbach beerdigt.

Beitrag zusammengestellt und geschrieben von:

 Sohn Rolf Frank und Enkelin Iuliana Frank

Wie auch bei anderen Mühlbachern, ist auch bei Erich Frank zu bemerken das er nicht nur Handwerkermeister sondern auch manchmal dichterisch tätig war.
Eines seiner dichterischen Werke möchte ich ihnen nahe legen. Aus seiner Traurigkeit über die Auswanderung seiner Freunde und bekannten der Heimatstadt Mühlbach, entstand das nachfolgende Gedicht. Gleichzeitig kann man seine Enttäuschung über diese Tatsache und eine Ermahnung gegen das Vergessen derer die diesen Schritt vermieden haben.

Und nun das Gedicht:

Wir Sachsen 0317Wir Sachsen 02318

Horst Theil

Photostudio Cloos


cloos

Carl Viktor Cloos

(1890 – 1968)

Die Geburt der Photographie begann mit dem 7. Januar 1839, dem Tag an dem Dominique François Jean Arago, ein französischer Physiker mit katalanischen Wurzeln, an der Französischen Akademie der Wissenschaften in Paris, einen Vortrag über die Erfindung der Photographie gehalten hat.

Mühlbach, das als stolze Stadt etwas auf sich hielt, hatte bereits kurz darauf eine Reihe von Photographen. Es waren dies begabte und weniger begabte, Amateure und Profis, aber nur zwei waren gut genug, sich mit dem der Bezeichnung „Kunstphotograph“ zu schmücken. Carl Viktor Cloos und seine Frau Ida. Ida Cloos (1899 – 1976) wurde als Tochter von Emil Albert Schneider geboren, welcher das erste Photostudio in Mühlbach eröffnete.
Carl Viktor Cloos wurde in Karlsburg geboren und wuchs in Kronstadt auf, wo er das Honterusgymnasium besuchte. Während des ersten Weltkrieges verschlug es ihn nach Mühlbach, wo er dann blieb und dort auch heiratete.

Nach dem Tod seines Schwiegervaters Albert Schneider, sah er sich zusammen mit seiner Frau Ida gezwungen, dessen Photostudio zu übernehmen, das sich damals in der Rosengasse befand. Seine Lehre machte er in Hermannstadt bei dem berühmten Photographen Emil Fischer, dem damaligem Kaiserlich-Königlichen Hofphotographen von Erzherzog Josef. Danach arbeitete er von 1919 bis 1930 in Mühlbach, die nächsten fünf Jahre in Temeswar. 1935 kehrte er schließlich nach Mühlbach zurück.
In der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen zog das Studio in die Siculorumgasse um. Nach dem Krieg wurde es samt Inventar vom Staat enteignet. Nun sah sich Cloos samt seiner Mitarbeiter genötigt, in seinem eigenen Studio, als Angestellter der kommunistischen Mühlbacher Handwerkergenossenschaft „Unirea“ (Vereinigung) zu arbeiten.
Seine beiden Töchter, Annemarie und Rosemarie Cloos erlernten den Beruf des Photographen im elterlichen Studio, so dass die beiden in der Lage waren nach dem Tode ihres Vaters den nun enteigneten ehemaligen Betrieb ihres Vaters fortzuführen. Das Künstlerische Können und die Begabung dieser Photographen, kann man in jedem ihrer Bilder erkennen. Beginnend von gefühlvollen Retuschierungen, bis zu Ergänzungen mit kleinen Korrekturen am Bild.
Ein Teil des umfangreichen, über Jahrzehnte gesammelten Archivs befindet sich heute im Mühlbacher Stadtmuseum „Ion Raica“.

Abschließend kann gesagt werden, dass ein bedeutender Teil des photographischen Materials, mit dokumentarischem Wert zur Zeitgeschichte unserer Stadt, welches uns heute zur Verfügung steht, diesem Studio mit seinen verdienstvollen Photographen zu verdanken ist. Schade ist nur, dass in der damaligen Zeit eine Ausstellung aus politischen Gründen nicht möglich war. Durch entsprechende Ausstellungen hätte dieses Studios sicherlich weit über die Stadtgrenzen hinaus Bekanntheit erlangt und hätte so die wohlverdiente Wertschätzung eines weit größeren Personenkreises erfahren.

Beitrag geschrieben von Horst Theil
Quelle: Zeitschrift „ Der Unterwald“

 

Josef Schoppelt


Es fällt mir schwer zu sagen zu welcher Kategorie Mensch dieser Mann einzustufen ist. Zu einer Persönlichkeit? Zum einfachen Handwerkermeister? Zum einfachen Familienvater? Zum Chronisten? Ich denke er war von jedem ein bisschen, aber vor allem Mensch. Er war einer der vielen Söhne der Stadt auf die wir Mühlbacher stolz sein können, aber auch sollen.

Josef Schoppelt gehörte zu jenen Personen unserer Stadt die unsere besondere Aufmerksamkeit verdienen. Warum sage ich das? Der Grund ist dass wir diesem Mann zu verdanken haben eine genaue Beschreibung aus einer gewissen Zeitspanne in der Geschichte der Stadt zu haben, die uns in vielen Fällen sehr genau die Umstände des wirklichen Lebens in Mühlbach beschreibt. Es wird nichts verschönt oder gehuldigt, die Schilderungen beziehen nahezu alle Themen des Lebens zu jener Zeit ein.

Des Weiteren war er ein Handwerkermeister dessen Erzeugnisse weit über die Stadtgrenzen begehrt waren, man bedenke dass zur sächsischen Männertracht auch selbstverständlich Stiefel gehören. Seine Beteiligung am öffentlichen Leben, seine Mitgliedschaft in mehreren Vereinen und nicht zuletzt als Zunftmeister der Tschismenmacher-Zunft, bestätigen die Bedeutung dieses Mannes für unsere Stadt.

Ich werde Ihnen jetzt einen kleinen Einblick in seine Biografie geben. ( In seinem Buch ausführlicher)

Horst Theil

  

 

Schoppelt 

Josef Schoppelt

1837 –  1929

Josef Schoppelt wurde 1837 in Mühlbach/Siebenbürgen geboren. Mit sieben Jahren 1844 besuchte er die Schule von Mühlbach bis im Jahre 1851.

Als vierzehnjähriger, im Jahre 1851, begann er eine Lehre zum Kürschner, die er aber abgebrochen hatte und bei seinem Vater den Beruf des Tschismenmacher (Stiefelmacher) erlernte.
Im Jahre 1854 wurde er zum Gesellen freigesprochen. 1860 machte er den Meister. Im selben Jahr heiratete er seine Ehefrau: Luise geb. Nössner.

Seine Werkstatt befand sich am großen Platz und war geräumig und gut gelegen.

Er beschäftigte vier Gesellen und zwei Lehrbuben.

1880 Gab er die Werkstadt auf und beschäftigte sich weiterhin mit der Landwirtschaft so wie dem Weinbau.
Josef Schoppelt war in mehreren Vereinen Mitglied, z. B. im Vorschussverein, der mit niedrigen Zinsen  den Handwerkern half an billiges Geld zu kommen.  Er war der letzte Zunftmeister der Tschismenmacher (Stiefelmacher) in Mühlbach und legte das Geld aus der Zunftauslösung für soziale Zwecke an.

Aus seinem erlebnisreichen Leben schildert er dann in seinen „Erinnerungen“ die spannenden Veränderungen in dieser Zeit.

Josef Schoppelt starb im Jahre 1929 in Mühlbach.

Quelle:

 

Erinnerungen aus den Jahren 1848 bis 1910 in Siebenbürgen

Autor: Josef Schoppelt

Herausgeber: Otto Rodamer

Verlag: Books on Demand

 

 

Der Zimmermaler Meister – Josef Schmidt –


– Der Zimmermalermeister – Josef Schmidt –

 

001-Josef Schmidt 02 - Kopie

(1883 – 1965)

Mit dem Handwagen, voll bepackt mit Farbtöpfen, Pinseln und Leitern, Rollmustern und Musterschablonen durch Mühlbachs Straßen ziehend, so kannte man ihn, den Zimmermalermeister Josef Schmidt.

Josef Schmidt war ein mittelgroßer eher zart gebauter Mann, sehr flink, in allem was er tat, mit lebhaften blauen Augen, weißen vollen Haaren, eine leicht gebogene Nase und markantem Profil. Er war ein fröhlicher, humorvoller Mann, und stets auf das Wohl seiner Familie bedacht.

Aber sein Leben war nicht immer voller Sonnenschein, denn der erste Weltkrieg, an dem er als junger Mann teilnehmen musste, hat die Familie hart hergenommen. Ehefrau Luise (Tochter des bekannten „Tschismenmachers“ Heinrich Hatzack), und Töchterchen Edda mussten ohne ihn einige Jahre zurechtkommen.

Opas Haus348N

Das Haus in der Gallusgasse

Aus dem Kriege zurückgekehrt, begann er für seine kleine Familie ein Haus in der Gallusgasse zu bauen. Dafür musste er hart arbeiten, denn die Mühlbacher betrachteten das Bauvorhaben argwöhnisch und voller Neid, und gaben ihm keine Arbeit. Die Aufträge blieben aus und die Schulden wurden immer höher. Aber das ließ ihn nicht den Mut verlieren, sondern er suchte sich Arbeit in den Dörfern des Unterwaldes und hier war er ein gefragter Mann. So konnte er nach und nach seine Darlehen für den Hausbau abbezahlen und allmählich hatten auch die Mühlbacher sich wieder an ihn und seine Handwerkskunst erinnert und die Aufträge mehrten sich. Das sicherte der inzwischen fünfköpfigen Familie ein gutes Auskommen.

Werbeanzeige_Gemeindeblatt_1925_J_SchmidtWerbeanzeige im Gemeindeblatt 1925

 

Es gab kaum ein Haus in Mühlbach, wo er nicht wenigstens einmal beratend, fachkundig, mit Pinsel, Farbe, Lineal und Musterrolle zu Werke gewesen wäre. Dabei machte er keinen Unterschied, ob es private Haushalte, Firmen oder Institutionen waren, ob hier deutsch, sächsisch, rumänisch oder ungarisch gesprochen wurde, egal wo immer Not am Mann war, wurde sein sachkundiges Wissen erfragt und geachtet. Man ließ ihn nach seinem Gutdünken schalten und walten und war mit der gelieferten Arbeit über Jahre hinweg zufrieden.

003-Zimmermalermeister J. Schmidet mit Ehefrau luise

Josef Schmidt (1883 – 1965)

Mit

Ehefrau Luise Schmidt ((1883 – 1965)

Josef und Ehefrau Luise Schmidt (1893 – 1980) waren auch in verschiedenen Vereinen der Stadt sehr aktiv. Josef Schmidt war als Tenorsänger Mitglied in der „Liedertafel“, und Luise Schmidt beim Frauenverein und Jugendbund tätig, war bei der Organisation von Faschingsveranstaltungen und Festbällen und Kommersabenden eine führende Kraft, studierte mit der Jugend Theaterstücke ein, schrieb zu verschiedenen Anlässen Gedichte, Anekdoten und Kurzgeschichten, die sie vortrug, dramatisierte Märchen und Kindergeschichten für die Schulklassen, wo sie auch teilweise Regie führte. In der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen und der Nachkriegszeit, war das kulturelle Leben der Stadt ohne die beiden kaum denkbar.

Geselligkeit und Familienfeiern wurden immer unter Heranziehen der ganzen Familie gefeiert. Es wurde sehr viel musiziert und gesungen. Die beiden älteren Töchter spielten jeweils Klavier und Violine. So trug das Haus in der Gallusgasse zu Recht den Beinamen „Das Sonnenhaus“.

Nach dem Tod der jüngsten Tochter Irmgard, die 20-jährig an Zuckerkrankheit starb, zog sich das Ehepaar Schmidt aus dem öffentlichen Leben etwas zurück. Es folgte der zweite Weltkrieg, der ihm durch russische Einquartierungen und Deportation ihrer ältesten Tochter Edda nach Russland doch viel Verantwortung und Pflichtgefühl abverlangte. Trotzdem versuchten sie, nicht zu verzagen und das Leben zu meistern, was ihnen auch gut gelungen ist.

Josef Schmidt ging seiner Arbeit nach, und Luise Schmidt sorgte für die Enkel und die mittlere Tochter Traudl, die wieder im Elternhause mit ihren beiden Kindern lebte. So hatte es sich J.Schmidt zur Aufgabe gemacht, für alle (inzwischen waren es fünf Enkel) zu sorgen. Er tat es mit viel Pflichtbewusstsein, Besonnenheit und viel, viel Güte. Er wusste auch immer einen Rat und war stets hilfsbereit.

Er gönnte sich wenig Auszeit, und war immer in Bewegung. Wenn er von seiner Arbeit kam, gab es für ihn auch noch Arbeit in Garten, den er sehr liebte und pflegte und viel Zeit damit verbrachte, anfallende Arbeiten hier durchzuführen. Erst wenn es dunkel wurde, machte er endlich Feierabend, dann aber spielte er mit den Enkeln „Mensch ärgere dich nicht“ oder andere Spiele. Er möchte Kinder sehr und war für manche Späße zu haben, was seine Gattin mit strengem Auge beobachtete, um ja nicht „über die Schnur“ zu hauen.

Er hatte auch bestimmte Vorlieben, die er pflegte. So war der sonntägliche Frühschoppen nach der Kirche „im Unterwald“ mit seinen Freunden ein obligates Muss um die Geselligkeit zu pflegen und das aktuelle Leben und die Ereignisse mit ihnen zu erörtern. Musikalisch hatte er auch seine Favoriten. Seine Lieblingslieder waren der Baby-Booggi von Ralph Bendings und die „Elisabeth“-Serenade vom Günther Kalman-Chor gesungen. Dann strahlten seine Augen.

Er klagte nie über ein Leid oder Gebrechen, war Zeit seines Lebens nie ernsthaft krank. Das Zeitungslesen abends war die einzige Zeit, die er ruhig verbrachte und damit seinen arbeitsreichen Tag beendete.

Als er 82-jährig starb, war das für die Familie ein großer Verlust. Seine fleißigen Hände ruhten jetzt und seine strahlend blauen, lebhaften Augen waren für immer zu, seine klare, warme Stimme verstummt. Ein Lebenskreis hat sich geschlossen!

Doch Josef Schmidt bleibt seinen Nachkommen stets gegenwärtig und lebendig in Erinnerung, denn trotz aller Widrigkeiten und Schicksalsschläge, die das „Sonnenhaus“ in Mühlbachs Gallusgasse trafen, ist es dem Ehepaar Josef und Luise Schmidt doch gelungen, den Kindern gute Eltern zu sein, den Enkeln die fehlenden Elternteile zu ersetzen, und ihnen eine sorglose, glückliche Kindheit und Jugendzeit zu bescheren, wofür diese ihnen stets ein dankbares Andenken bewahren werden.

Beitrag geschrieben von: Edda Rother

Bilder:  Manfred Ziegler

Dank an Herr Gerhard Wagner für den zur Verfügung gestellten Text.

Der Lebkuchen Bäcker von Mühlbach.


 

Fritz Gruninger

– Fritz Gruninger –

Wer kannte ihn nicht? Fritz Gruninger war über die Stadtgrenzen hinaus bekannt, für seine immer gut schmeckenden, und vor allem frischgebackenen Lebkuchen.

Er war keine prominente Persönlichkeit, aber  für unsere Stadt trotz allem eine wichtige Person.

Fritz Gruninger wohnte mit seiner Familie in Mühlbach gegenüber vom Salzbad Ecke mit der Daia-er Strasse (Calarasi). In diesem Hause hatte er auch seine Backstube. Der Eingang zum „ Geschäft“ (Laden) war genau in der Ecke des Hauses. (heute zugemauert)

0254-Rãulea Haus Kopie_ji..

Das gewesene Haus der Familie Gruninger

Es war ein Familienbetrieb alle mussten mit anpacken. Seine Ehefrau Hedwig, (geb. Schoppelt) und der Sohn Kurt. Es gab eine Zeit da hatte er auch einen Gesellen und ein oder zwei Lehrbuben (Lehrlinge). Der Mittwoch und die Nacht auf den Donnerstag waren die arbeitsreichsten, aus dem Grund weil Herr Gruninger darauf bestand das die Ware am Donnerstag morgens alle frisch sein soll.

 Fritz Gruninger Backstube

Die Backstube mit zwei Lehrlingen.

Donnerstag früh am Morgen konnte man auf dem „Platz“ (Marktplatz am Holzplatz) den Herr Gruninger in seinem Schatter (Verkaufstand), das neben dem Hoftor  vom  „Ohler“(damals Friedhofsbesorger) stand antreffen. Die Produkte waren reichhaltig, frisch und haben sehr gut geschmeckt. Das ging von Halsketten aus Lebkuchen bis Lebkuchenherzen mit einem kleinen Spiegel in der Mitte. Die Rumänen sagten oft zu Ihren Kindern „ Sa fii cuminte  ca-ti cumpara tata turta cu oglinda“ (sei brav dann kauft dir Papa Lebkuchen mit Spiegel). Nach seinem Tot im Jahre 1961 führte seine Ehefrau das Geschäft und die Backstube noch einige Zeit alleine weiter. Der Sohn lebte in der Schweiz, und hatte 2 Töchter, ist aber mittlerweile verstorben. Nach dem Tot seiner Ehefrau 1977 bekamen die Familie Raulea, späterer Generaldirektor vom Holzkombinat, das Haus weil sie Frau Gruninger bis zum Tode besorgt und gepflegt hatten. Alle Rezepte und verfahren blieben bei der Familie Raulea. Alle die die ihn kannten erinnern sich gerne an Herr Gruninger und seine leckeren Verführungen für jung und alt.

Beitrag geschrieben von: Horst Theil

Dank an Herr M. Ziegler und Roland Hans Kentsch für die Informationen.