Mit dem Fahrrad nach Benzenz.


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Evangelische Kirche Benzenz

(Foto:Wikipedia)

Einiges zu den Schwaben aus Benzenz.

Das Geschlecht der Habsburger suchte zu Beginn des 18. Jh. im deutschsprachigen Raum nach freiwilligen Siedlern, welche die südöstlichen Randgebiete des Österreich-Ungarischen-Kaiserreiches gegen die türkische Bedrohung sichern sollte. Es handelte sich hierbei um ein Gebiet das heute im Dreiländereck zwischen Ungarn, Rumänien (Banat) und Jugoslawien (Serbien)liegt. Die Batschka, um die es in der 1.Wanderungsbewegung geht, gehört heute mit einem nördlichen Teil zu Ungarn und dem größeren südlichen Teil zur Woiwodina (Serbien). Der Ort Tschervenka, welcher der Herkunfts- Ort dieser Siedler der ersten Welle war, liegt im Flachland zwischen Donau und Theiß, ungefähr in dem Zentrum der Batschka.
Von den Habsburgern wurden gezielt Bauern und Handwerker gesucht, um neue Ortschaften zu gründen. Als Anreiz dienten Grundstücke, Häuser, Gerätschaften, Vieh und Geld. Die Besiedlung der Gegend um Benzenz erfolgte in drei Wellen: die erste 1729 unter Karl VI, die zweite 1762 unter Maria Theresia und eine dritte ab 1782 unter Joseph II. Mit der dritten Siedlungswelle kamen die Siedler aus dem Odenwald und gründeten 1785 Cservenka, was aus dem Orts Siegel ersichtlich wird.
Da die Batschka von Donau und Theiß begrenzt liegt, und sich hier viele Großfamilien niederließen wirkte der Raum bald beengt. Aus diesem Grund entschlossen sich einige Siedler 1893 zu einer 2.Wanderungsbewegung nach Siebenbürgen. Siebenbürgen bildete zu der Zeit die nord-östliche Grenze des Österreich- Ungarischen- Kaiserreiches. Seit 1918 gehört Siebenbürgen zu Rumänien.
Auf Grund der beengten Wohnverhältnisse suchten vor allem die Bauern nach neuen Ländereien. In Siebenbürgen wurden sie fündig. Eine Gruppe, deren Anführer Ludwig Albrecht war, fand in der Siebenbürgisch-Sächsischen-Bank in Hermannstadt (Sibiu) Unterstützung. Diese bot ihnen Ländereien von verschuldeten ungarischen Adligen in Benzenz zum Kauf an. Die Siedler verkauften ihren Grund in Cservenka, und machten sich auf den Weg: die Männer mit Pferdewagen im Konvoi, die Frauen und Kinder per Eisenbahn. Sie ließen sich in dem kleinen Ort Benzenz  am Marosch nieder. Innerhalb der zugewanderten Gruppe gab es später noch einmal weitere Umzüge: 1907 ins nahe gelegene Batiz, und 1918 nach Rusch.

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In Mühlbach schrieb man das Jahr 1967. Es war das Jahr meiner Konfirmation. Und so wie es in Mühlbach Sitte und Brauch war dass jeder ein Geschenk, oder Geld von den Paten und den geladenen Gästen zum Fest bekam war das auch bei mir der Fall.

Unter den Geschenken war ein Fotoapparat der Marke „Smena 8“ russischer Produktion, den ich von meinem Paten Wilhelm Theil bekam. Nach  dem Fest war auch eine gewisse Geldsumme zusammen gekommen, und da ich mir schon lange ein eigenes Fahrrad wünschte legte mein Vater noch etwas darauf und so kam ich zu meinem Ersten Fahrrad. Also kam der große Tag und mein Vater und ich gingen in die Stadt zum „Fierul“ um eines zu kaufen. Für die Fahrräder war ein Verkäufer zuständig, den damals alle Mühlbacher nur „Dase“ nannten.

Ein sehr höflicher Mann. Er zeigte uns den damaligen Renner zu gutem Preis die Marke „Tohan“ als Herrenrad- Ausführung. Der Lenker wurde gerade gedreht und das mit Paraffin getränkte Papier notdürftig entfernt, so dass man es vor sich herschieben konnte. Und so schob ich nun mein Erstes eigene Fahrrad, die Mühlgasse herunter, vor mir her. Mein Vater meinte wir sollten beim Mann seiner Hannotante halt machen und es vorzeigen. Das taten wir dann auch. Dieser meinte das der Tag noch jung war und bot sich an mir das Fahrrad zu schmieren und alle Schrauben nachziehen, und so fahrtauglich zu machen. Er schmierte alle Teile sorgfältig, das Schutzpapier wurde entfernt und die Räder aufgepumpt. Somit war das Fahrrad fertig. Ich setzte mich darauf und fuhr ganz stolz Heim. Mein Vater kam zu Fuß nach.

Selbstverständlich verbrachte ich die nächsten Tage und Wochen mit Fahrradfahren, einfach spazieren, Angeln oder einkaufen.

Mittlerweile hatten auch die Anderen meiner gleichaltrigen Freunde auch ein Fahrrad und wir unternahmen so manche kleinere Tour in der Umgebung von Mühlbach. Das ging so bis zum darauf folgenden  Sommer.

Eines Tages fragte mich einer meiner Freunde ob wir vielleicht mal eine längere Fahrradtour unternehmen sollten.  Die Idee hörte sich nicht schlecht an, die Frage war nur wohin. Es vergingen ein paar Tage und mein Freund meinte dass wir es mal bis nach Benzenz (Aurel Vlaicu) wagen sollten, den er habe da Anverwandte, und bei dieser Gelegenheit könnte er sie mal besuchen. Wir teilten unser Vorhaben unseren Eltern mit, und nach einigem Hin Und Her waren diese einverstanden. Zu dem Fahrradwerkzeug kam noch Flickzeug, wegen eventueller Reifenpanne, hinzu und so waren die Fahrräder fahrbereit. Die Taschen wurden gepackt und am nächsten Morgen um 7 Uhr begannen wir unser Abenteuer. Wir fuhren die Altgasse und die Mühlgasse hoch bis zur großen Kreuzung an der Alten Post, die um diese Zeit noch nicht mit Verkehrsampeln ausgerüstet war, und bogen dann Links ab um über die Griechengasse in Richtung Stadtrand zu gelangen. Nach den letzten Häusern von Mühlbach Öffnete sich der Blick zur Linken und Rechten über die Felder und reichte bis in die Ferne zur Weggabelung wo die eine Straße nach Deutsch- Pien und die andere in Richtung Winz führte. Wir traten fleißig in die Pedale und gelangten nach einiger Zeit an diese Weggabelung und nahmen die in Richtung Winz. An dieser Stelle begann auch die Straße anzusteigen. Die Leute nannten diese Stelle die „Pien- er Hula“.

Es sei gesagt das unsere Fahrräder um diese Zeit noch keine Gangschaltungen wie heute zu Tage. Und das merkten wir sehr bald. Wir schafften es mit Ach und Krach bis fast oben hin. Die letzten Meter mussten wir aber schieben. Oben angekommen, stiegen wir wieder auf und setzten unseren Weg auf einer Schnurgeraden Straße in Richtung Winz fort. Auf der Linken dehnte sich ein riesengroßer Acker, der von den Mühlbachern „Vintisoara“ genannt wurde, aus. In weiter Ferne konnte man eine Häusergruppe erkennen. Aus der Geschichte wissen wir dass da einmal ein Wirtshaus und Pferdewechselstation in der Zeit als die Postkutschen und die Fuhrleute, noch den Warenverkehr bewältigten.

Wir passierten diese Stelle nach geraumer Zeit und befuhren nun die Straße die bergab nach Winz führte, das man schon von da sehen konnte. Unser Vorteil, man musste nun nicht mehr in die Pedale treten. Wir gewannen Geschwindigkeit, und waren nach einiger Zeit schon dem Winzer Bahnhof gegenüber. Da legten wir eine kleine Rast ein und tranken am Bahnhof  Wasser. Die Sonne war jetzt schon hoch am Himmel und es war schon heiß so das uns das gelegen kam um uns hier mal erfrischen zu können. Dann ging es weiter über Sibiseni bis Tartaria zum Bahnhof wo wir uns wieder unseren Durst stillten. Es folgten: Balomir und Sibot

Wo wir eine längere Rast einlegten da hier eine große Straßen –Kreuzung war und auch eine Gaststätte an der Straße mit Parkplätzen. Ein anderes Argument war auch die Tatsache dass hier auch der Kudschir- er Bach in Richtung Mieresch floss, und man an seinen mit Bäumen gesäumten Ufern herrlich im Schatten ausruhen konnte. Da aßen wir auch von der Brotzeit die wir mitgenommen hatten. Nach einer halben Stunde ging es weiter über die Gleise die nach Kudschir führten, in Richtung Broos. Nach einigen Kilometern bogen wir von der Landstraße nach Rechts ab, und nach dem überqueren der Gleise der Bahnstrecke die bis Arad ging, waren wir schon am Ziel angekommen. Nach ein paar Minuten der Suche stiegen wir vor dem Hause der Verwandten meines Freundes ab.

Wir wurden verwundert aber freundlich begrüßt und gleich zu Tisch gebeten, denn es war Mittlerweile schon Mittagszeit. Bei Tisch begann die Fragerei auf schwäbisch. Warum und wieso wir uns auf diesen weiten Weg aufgemacht haben und ob unsere Eltern auch davon wussten und so das Übliche. Na ja, mein Freund stand Rede und Antwort bis sich alle beruhigt hatten. Dann saßen alle gemütlich im Hof im Schatten und danach ging es in den Garten wo auch  ein schöner Sitzplatz war.

Wir waren ziemlich mitgenommen von der Fahrt, es sind immer hin 32 Km, die uns noch für die Heimfahrt bevor standen. Wir beschlossen noch zu warten bis die Hitze gegen Abend nachließ. Na ja, und so wie im Hochsommer das ziemlich späht geschah, verschob sich die Heimfahrt immer mehr dem Abend entgegen. Die netten Leute boten uns an hier zu übernachten, aber unser Bedenken war dass die Eltern das nicht wussten, und in Panik geraten wen sie sahen dass wir nicht Heim kommen.

Also gegen 7 Uhr Abends sattelten wir unsere Drahtesel und begannen die Heimfahrt. Am Anfang ging alles recht gut, aber das sollte sich bald ändern. Kaum ein paar Kilometer gefahren, bis kurz vor Sibot, war ich unachtsam und fuhr glatt über ein am Straßen Rand liegendes Hufeisen. Was war das Resultat? Reifenpanne. Na ja, nutzte alles nichts, musste irgendwie behoben werden um weiter zu fahren, den um diese Zeit gab es noch keine Mobilfunktelefone  um irgendwie daheim Bescheid zu sagen.

Also wurde zu erst das Vorderrad abgeschraubt. Keiner von uns beiden hatte so eine Reparatur schon selber gemacht, und man kann sich vorstellen was für Mühe uns das bereitete, mal abgesehen das wir schon beide sehr müde waren an diesem Tag. Dem entsprechend lange dauerte diese Reparatur bis es nach fast einer Stunde wieder mit Ach und Krach weiter ging. Wir fuhren durch bis Tartaria Bahnhof, wo wir kurz anhielten um Wasser zu trinken. Mittlerweile begann es schon dunkel zu werden. Wir schalteten unsere Dynamos ein und fuhren nun mit Licht weiter. In Höhe vom Winzer Bahnhof war es schon stockdunkel. Wir zogen uns mehr schlecht wie recht die Anhöhe zu der vorhin erwähnten Häusergruppe die Landstraße hoch. Oben angekommen, nach ein paar hundert Metern, bemerkten wir den Scheinwerfer eines Motorrades das sich zügig aus Richtung Mühlbach näherte. Plötzlich stellten wir fest dass das Motorrad abbremste und vor uns zum Stillstand kam. Eine uns bekannte Stimme Sagte unsere Namen in fragendem Ton. Wir konnten nicht erkennen wer es tatsächlich war bis der Fahrer abstieg und in das Scheinwerferlicht trat. Es war Herr Marta Remus der beim Vater meines Freundes in der Lederfabrik arbeitete. Dieser hielt uns eine kleine Standpauke. Wir erfuhren dass er geschickt wurde uns zu suchen und nach zu sehen ob was passiert  war. Nachher fuhr er wieder wider zurück um Daheim zu berichten das alles in Ordnung war.

Das verhieß nichts Gutes. Wir traten fleißig in die Pedale um zügiger voran zu kommen. Nach geraumer Zeit fuhren wir in Mühlbach ein und bemerkten schon bei der Einfahrt in die Altgasse dass unsere Eltern auf der Gasse unsere Ankunft erwarteten. Nach mehreren hitzigen Diskussionen und Vorwürfen gingen wir alle nach Hause. Wir waren beide froh dass dieser Ausflug noch, für uns beide, ein so gutes Ende genommen hatte.

 

Horst Theil

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