Noch einiges zur Innenstadt von Mühlbach


Heute noch ein Paar Worte zur Innenstadt von Mühlbach. Obwohl ich schon in einem anderen Beitrag über dieses Thema geschrieben habe, https://coolmann53.wordpress.com/2013/07/18/kleine-beschreibung-der-innenstadt-in-meiner-kindheit/ möchte ich heute noch einige Aspekte hervorheben.

Im vorigen Jahrhundert, war Mühlbach im Grunde genommen da keine Ausnahme gegenüber den Restlichen Siebenbürger Städten. Die Innenstadt war der Ort wo sich das Öffentliche Leben abspielte. In diesem Sinne, waren alle Ämter der Stadtverwaltung, Schule, Kirche, Handwerker, Speiselokale, Wirtshäuser, Übernachtungsmöglichkeiten  und nicht zuletzt die Geschäfte (Läden), mit wenigen Ausnahmen, innerhalb der Stadtmauern zu finden. Der Marktplatz rundete das Bild der Innenstadt ab. Ja was geschah den da so alles? Das Quirlige, pulsierende Leben konnte man um diese Zeit noch miterleben. Ich muss bemerken dass um die Zeit keine, oder ganz wenige Automobile in Mühlbach vorhanden waren. Alle Besorgungen, Behördengänge wurden zu Fuß oder mit dem Fahrrad erledigt. Das Einkaufen machte man in den Geschäften der Petrigasse und Siculorumgasse. Da reihte sich Geschäft an Geschäft  Lebensmittel, Stoffe, Eisenwaren, Buchhandlung, Apotheken, Spezereiwaren, und später auch Gemüseläden. Die Handwerker waren auch da vertreten so wie: Schuster, Uhrenmacher, Konditor, Spengler, Schneider und Hutmacher. Die meisten Handwerker hatten, an der Hauptstrasse, auch einen kleinen Laden zwecks Verkauf und Annahme der Bestellungen.

Die Innenstadt war also der Begegnungs- Ort  der Bürger von Mühlbach aller Gesellschaftlichen Schichten. Da konnte man sehen und gesehen werden. Da erfuhr man die letzten Neuigkeiten. Da konnte man sonntags im Schatten der schönen Bäume, die zu beiden Seiten der Strassen waren, spazieren gehen. An den Markttagen konnte man das Treiben der Vielen Marktbesuchern und Verkäufern, die aus der ganzen Gegend an diesen Tagen nach Mühlbach strömten, beobachten und bewundern.

Man begegnete sich beim Einkaufen, später nach dem Krieg an den Schlangen, oder bei jeder Gelegenheit wen man etwas in der Innenstadt zu tun hatte auch beim Sonntagsspaziergang. Man kannte sich einfach.

In meiner Kindheit gab es auch einen Zeitungskiosk, der im Laufe der Zeit mehrmals seinen Standort wechselte. Das war möglich da er aus Metal und Glas bestand, und so als ganze Einheit bewegt werden konnte. Der Grillstand an der Ecke der Sparkasse (CEC), bot Holzfleisch und Mititei (Mici) zum verzehr an. An der Ecke zur Petersdörfer Gasse standen Blumenverkäufer mit frischen Schnittblumen zum verkaufen, alle von privat die sich noch ein Zubrot damit verdienten. An dem Eingang zum Stadtpark und zum Kino standen Verkäufer mit frisch auf Holzkohle gebackenem Popkorn (cocosi) und gesalzenen Kürbiskernen oder Sonnenblumenkernen. An mehreren Stellen konnte man Eis kaufen das an warmen Sommertagen sehr gefragt war. Lose im Umschlag (loz în plic) konnte man überall in der Innenstadt auf der Straße und in Lokalen kaufen. Der Beruf der Friseure war getrennt, zum einen die Damenfriseure zum anderen die Herrenfriseure.

Wir können also feststellen dass die Innenstadt von Mühlbach um diese Zeit ein reges und harmonisches Miteinander seiner Bürger gewährte. Man fühlte sich wohl in dieser Idyllischen Siebenbürgischen Kleinstadt.

Im Anschluss an diese Zeilen, einige Bilder gesammelt von den Mitgliedern der Facebook- Gruppe : Mühlbach – Sebes von der Innenstadt von Mühlbach.

10256803_648030838578358_3409781099646736506_n

 Elektromeister Ernst Peppel und Konditorei Otto Sander 1937

 Geißberger

 Lederhandlung Franz Geisberger

 Petrigasse

 Petrigasse (Herrengasse) der 30- er Jahre

 10b Herrengasse

 Petrigasse (Herrengasse) der 30- er Jahre

centrum (2)

Innere Siculorumgasse der 30- er Jahre

 Konfirmation_1931_in_der_Petrigasse_Mühlbach_Konfirmantenzug_vor_Reinhardtschen_Apotheke

 Konfirmandenzug im Jahre 1931 (Petrigasse)

 

P1080206

Innere Siculorumgasse 30- er Jahre

  

Petrigassse

Blick aus dem Tor des Kirchenhofes

  

10645153_706457142735727_1328456225028547954_n

Modistin Hermine Fritsch

 10636483_706071792774262_5729149389953408700_o

 Modegeschäft Rudolf Fritsch

 

Siculorumgasse um 1980 arhive alba

Siculorumgasse 1980

 10557683_706756766039098_3880555797612289065_o

 Siculorumgasse 1980

Horst Theil

Der kleine Laden in der Nördlichen Vorstadt.


In diesem Beitrag möchte ich ihnen eine weitere Stätte der Begegnung aus der Vorstadt in Erinnerung bringen. Es handelt sich um das kleine Geschäft (Laden) an der Kreuzung gegenüber des Wirtshauses das ich in einem anderen Beitrag beschrieben habe. Es war das Eckhaus Mühlgasse – Quergasse. Ein für die Vorstadt imposanter Bau und lange Zeit so ziemlich das Einzige zweigeschossige Gebäude.

Auf der Seite zur Quergasse befanden sich zwei Ladenlokale. Über das Linke Lokal kann ich nur soviel sagen, dass nach der Erweiterung der Lederfabrik und Abriss der Fleischverarbeitung  (ehemals Haffner), ein Teil der Wurst und Mici- Produktion, dahin verlegt wurde. Die Vorgeschichte dieses Ladens ist mir nicht bekannt. Das Rechte Lokal um das es hier geht war in der Zeit meiner Kindheit und Jugend ein Lebensmittel Geschäft. Das Erscheinungsbild war so wie es im vorigen Jahrhundert typisch war, mit zentralem Eingang, links und rechts mit je einer Auslage (Schaufenster), alles mit schöner und kunstvoll gearbeiteter Holzverleidung. Alles, Schaufenster samt Türe waren mit soliden Blechrollos gesichert. Diese wurden von außen mit einem Haken an einer Holzstange jeden Morgen und Abend von Hand geöffnet oder geschlossen. Das verursachte ein typisches Geräusch das weit zu hören war, an das ich mich noch gut erinnere.

Nach dem Betreten des Geschäftes war zur Rechten die kleine Ladentheke und dahinter die Ladenregale in der Mitte dieser war ein Abteil mit Fleischhaken an denen meistens nur Wurstwaren oder Speck hangen. Die Seitlichen Abteile waren mit allerhand Waren die verpackt waren aber auch Zellophan, Kneule mit Bindfaden und Kleinkram den die Hausfrauen dieser Zeit so brauchten. Die Theke war nur mit einer Lebensmittelwaage (Marke „Balanta Sibiu) ausgestattet. Registrierkasse gab es keine. Neben der Waage befand sich ein großer Notizblock oder ein Stapel loser Papierblätter auf dem die abgewogene Ware notiert wurde und der Preis daneben. Dann war auf dem einen Theken Ende ein Stapel Packpapier und einer mit Fettpapier (Butterbrotpapier). Vor diesen waren große Blechbüchsen mit verschiedenen Sorten Bonbons und Kartons mit „Napolitane“, „Eugenia“ und verschiedenen Waffeln.

Am anderen Thekenende waren drei große Holzbretter. Darauf standen folgende Waren in Würfelform von 40×40 cm: Schweinefett, Margarine und Marmelade. Diese Waren wurden auch abgewogen und in Papier verpackt verkauft. Die Nahrungsmittel Reis, Grieß, Mehl, Kukuruzmehl, Salz und Zucker wurden in Jutesäcken a 50 Kg angeliefert und dem entsprechend auch abgewogen verkauft. Das gleiche galt auch für das Speiseöl das in 100 Literfässern angeliefert wurde. Diese Waren in Säcken und Fässern standen auf der Linken Seite des Geschäftes da stand auch eine Sackwaage und ein aus Blech bestehender Behälter mit der Handpumpe für Öl und einem geeichten Liter Maß für das Öl.

Alles in allem konnte man hier fast alles kaufen was man so an Nahrungsmittel zum täglichen Leben brauchte, außer Fleisch das man in der Fleischbank (Metzgerladen) holen musste. Ich erinnere mich als ich Kind und Jugendlicher war, das meine Mutter oder meine Oma immer ein paar Tage vor dem Zahltag „wen das Geld kam“, in einem Plick (Briefumschlag) und nicht wie heute auf ein Konto, einen Langen Einkaufszettel für den Monatseinkauf schrieb.

Wen das Geld da war wurde der hölzerne Handwagen hervorgeholt und bewaffnet mit „Ölflaschen mit Korkstopfen“, und Leinensäckchen für Reis, Grieß, Mehl, Kukuruzmehl und Zucker ging es dann zum Monatseinkauf „zum Trif“, so hieß der Verkäufer in diesem Geschäft, nachher war es eine Frau mit Namen Floare. Wir sehen also das um die Zeit sehr wenig Müll anfiel da fast alle Behältnisse der Lebensmittel wieder verwendbar waren, und dass über einen längeren Zeitraum.

Ich sagte am Anfang dieser Zeilen dass das Geschäft, wie viele andere auch in Mühlbach, auch eine Stätte der Begegnung war aus dem Grund da man häufig warten musste bis man an der Reihe war, und so lange Zeit mit Nachbarn und Bekannten in der Schlange stand und tratschte. Das Warten war eine Normalität um diese Zeit wenn man in betracht zieht das die Waren abgewogen, aufgeschrieben und dann die Endsumme mit Bleistift und Papier ausgerechnet werden musste.

Hier beim Schlange stehen erfuhr man die letzten Neuigkeiten, wer gestorben war, wer ein Kind bekommen hatte, was wann und wo zu bekommen war und vieles mehr. Da es um diese Zeit kein gutes Nachrichtensystem wie heute gab, war der Großeinkauf immer eine gute Gelegenheit dazu um alles was neu in der Stadt war zu erfahren.

In Deutschland würde man sagen das dieses Geschäft so etwas wie ein „Tante Emmaladen“ war. Es ist schade dass diese Geschäfte weniger werden und je nach Ort ganz verschwunden sind. Die waren noch etwas Persönliches wo der Betreiber noch fast jeden Kunden kannte und auch immer ein Dialog stattfand. Was heutzutage in den Supermärkten und Selbstbedienungsläden nicht mehr der Fall ist.

Ich hoffe das ich der Generation meines Alters und der davor mit diesen Zeilen eine Erinnerung geweckt habe, und der jüngeren etwas vermittelt zu haben was der Vergangenheit, auch von Mühlbach, angehört.

 trif3

 Position des Gebäudes (Foto Google)

 10631563_270378083168856_526134248_o

 Das Gebäude (heute)

 Trif4

 Das Gebäude mit den zwei Geschäften (heute)

Fotothek_df_roe-neg_0006456_017_Kundin_beim_Einkauf

 

  Beispielbild aus Deutschland der 30- er Jahre. Da wurde auch mit Papier und Bleistift gerechnet.

Typischer „Tante Emmaladen“

Horst Theil

Foto by : Google; Florin Muntean

Das Wirtshaus der Nördlichen Vorstadt.


Wie meine treuen Leser wissen, habe ich schon über einige Wirtshäuser von Mühlbach geschrieben. In diesem Beitrag möchte ich über ein unscheinbares, aber dennoch sehr beliebtes einige Zeilen schreiben. Es durfte sich ja eigentlich gar nicht Wirtshaus, im wahren Sinne des Wortes nennen, eher hatte es den Charakter einer Dorfkneipe. Dazu kam auch noch die kuriose Stelle an der es sich befand. Aber dazu später. Die Rolle der Kneipe, die in Mühlbach unter dem Begriff Wirtshaus üblich war, hatte mehrere Funktionen. Hier traf man sich am späten Nachmittag oder frühem Abend und auch dazwischen. Da wurden kleine Geschäfte  gemacht und Neuigkeiten ausgetauscht. Oder einfach kam man aus langer Weile her um mit anderen Leuten beisammen zu sein und bei einem Becher von irgendetwas einen kleinen Plausch zu halten.

Und nun zu der Kneipe um die es geht. Ich hatte sie schon mal in einem Früheren Beitrag über das Umfeld meiner Kindheit erwähnt. Aber ich will es noch mal, für die die den Beitrag nicht gelesen haben. Das Gebäude mit der Kneipe befand sich in Mitten der Kreuzung von Mühlgasse – Altgasse und Quergasse wie eine Insel. Bei den Rumänen auch „Casa fara vecini“ (Haus ohne Nachbarn) genannt. Ich kann mich nicht erinnern an den Ursprünglichen Zweck dieser Lokale. Wahrscheinlich ehemalige Geschäfte. Wen man bedenkt das rechts gegenüber das Gebäude des wohlbekannten Gasthofes „Fränk“ Anfang des vorigen Jahrhunderts bestand, wo Speise und Trank in angenehmer Atmosphäre geboten wurden, so glaube ich nicht das diese Kneipe an dieser Stelle rentabel gewesen sein kann. Aber das ist reine Spekulation. Das Gebäude verfügt über Zwei Ladenräume. Der eine war die Kneipe und der andere war zu meiner Kindheit hatte etwas das mit Imkerei zu tun hatte weil in der Auslage immer Bienenwaben und Imkerwerkzeug lag aber selten offen war. Aber Zurück zur Kneipe. Die bestand aus einem einzigen Raum und einem sehr kleinen Abstellraum. Die Eingänge beider Lokale waren über Eck. Nach dem Betreten  konnte man links und rechts des Einganges an einigen Tischen Platz nehmen. Ich glaube mich zu erinnern dass es vier an der Zahl waren. An der Wand gegenüber der Türe befanden sich ein Ladenregal und davor die Kneipentheke. Dahinter Stand der Wirt mit aufgekrempelten Hemdärmeln rotem Gesicht und mit einer Schürze die nur bis zum Gürtel reichte. An derselben Wand befand sich ein Tisch mit Stühlen vor dem einzigen Auslagenfenster, übrigens der Stammplatz eines Nachbahren der gegenüber von uns wohnte.

Die Kneipe war eine reine Getränkekneipe ohne Essen.  Da wurde getrunken, geraucht, Karten gespielt und auch gestritten, was der Wirt gar nicht gerne sah. In sehr guter Lage ging das Geschäft gut. Es wurden Schnaps, Wein und manchmal Bier über die Theke gereicht. Eine Besonderheit beim Schnaps war das Maß. Man verlangte einen Deci (100 ml)  oder einen halben Deci (50 ml), wenn man einen doppelten verlangte bekam man 200 ml, dann nahm der Wirt ein speziales Glas zum Messen. Dieses Messglas nannte sich Zoi (rum. Toi). Die Skepsis der älteren Generation (Pensionisten, Rentner) gegenüber dem Wirten war so groß das fast jeder seinen eigenen Zoi hatte und auch aus dem trank. Der Zoi war ein Glas das oben sehr eng war und man so genauer sehen konnte wen der Wirt einen beim Messen übers Ohr hauen wollte (betrügen).

Die Kundschaft war überwiegend aus den anliegenden Strassen. Nach Feierabend kamen noch die Arbeiter von der Lederfabrik (Gerber und Taschner), von der Schlachtbrücke (Schlachthof) oder alle anderen die nach Hause gingen oder kamen. Die Höhepunkte allerdings waren die Donnerstage wenn Markt war. Der Betrieb ging manchmal bis spät in die Nacht hinein, draußen war schon die Dunkelheit angebrochen. In die Stille der Nacht und Dunkelheit drang nur der Lichtkegel der nackten Glühbirne, die traurig von dem Plafon (Decke) baumelte,  durch die meistens offen stehende Türe, gemischt mit dem manchmal sehr lauten Debatieren der letzten Gäste. Irgendwann erlosch das Licht und die Dunkelheit und Ruhe übernahmen wieder ihren Platz.

Liebe Leser! Ich hoffe dass ich ihnen mit dieser kleinen Beschreibung dieses Wirtshauses auch einige Erinnerungen aus der Alten Heimatstadt geweckt habe.

 

Und nun einige Bilder:

wirtshaus

Position des Gebäudes (Foto Google)

 10581536_270378009835530_1467314471_o

Das Wirtshaus an der Kreuzung (Foto by Florin Muntean)

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                        

toi-pentru-tuica-129x300       

1 (2)

Beispiele der Besagten Maßbecher 

 

Horst Theil

 

 

 

Die Ruhestätte unserer Ahnen.


In diesem Beitrag möchte ich einige Zeilen über die Ruhestätte unserer Ahnen und Vorfahren niederschreiben. Der Grund dafür ist das ich vor einigen Tagen frische Bilder vom Evangelischen Friedhof aus Mühlbach bekommen habe. Der Photograf ist ein guter Bekannter Florin Muntean. Ich habe über Mühlbach schon so einiges zu Papier gebracht und habe überlegt dass es angebracht wäre, auch an dieser Stelle, einige Worte zum Thema Friedhof zu schreiben. Ich kann keine präzisen Angaben machen, aber ich werde Versuchen aus der Erinnerung und meinen Vermutungen ein paar Worte da zu sagen.

Wie wir alle wissen, war es in den frühen Jahren der Geschichte in Europa Brauch und Sitte die Ruhestätten der von uns gegangenen fast immer in unmittelbarer Nähe der Kirchen und Gotteshäuser anzulegen. Dieses geschah meistens auf dem Kirchengelände, also um die Kirchen herum. Ich vermute das dass auch in Mühlbach der Fall war. Im Zuge einer generellen Renovierung in den 60- er Jahren der Kirche, erinnere ich mich das man im Kirchhof und selbst in der Kirche einige alte Gräber entdeckt hatte. Selbstverständlich waren die in der Kirche wahrscheinlich von Würdenträgern oder Geistlichen, und die außerhalb von normalen Bürgern des jungen Mühlbachs. Mein Gedanke ist das mit zunehmender Zahl der Einwohner von Mühlbach der Platz nicht mehr ausreichend für die Bestattung der Leichen war. Wenn man bedenkt das in den folgenden Jahrzehnten und Jahrhunderten Mühlbach immer wieder unter der Last der Verwüstung und Brandschatzung, mal abgesehen von den Krankheiten und Seuchen, zu leiden hatte wäre es nicht abwegig anzunehmen das der Beschluss irgend wann kam den Gottesacker zu verlegen. Der Platz wurde außerhalb der Stadtmauern neben dem Mauerngraben gewählt, wo er sich auch heute befindet. Jetzt kommt die Frage wann?  Ich weiß es nicht, ich habe aber die Vermutung  dass die Leichen am Anfang durch das noch vorhandene Nordtor der Stadt zur letzten Ruhestätte gebracht wurden. In späteren Jahren, als die Stadtbefestigung nicht mehr ihren Zweck entsprach, und Mühlbach zur Ruhe kam, wurde wahrscheinlich der Durchbruch der Stadtmauer im Bereich der Rathausgasse (die lange Zeit „Leichengasse genannt wurde) in Richtung Holzplatz gemacht. Auf diese Weise konnten die Leichen die wahrscheinlich auch um die Zeit in der Jakobskapelle aufgebahrt wurden, auf direktem Wege zum Friedhof gebracht werden.

Dieser befindet sich zur Linken des erwähnten Mauerdurchbruchs. Schon beim ersten Betrachten des Eingangbereiches merkt man das die Bürger der Stadt sich ihre Ruhestätte etwas kosten haben lassen. Das eindrucksvolle Schmiedeiserne Tor und insgesamt die ganze Fazade aus Mauerwerk kombiniert mit dem ebenfalls Schmiedeisernen Zaun.

10627714_264118353794829_1043028227_o

 Friedhofstor

 10585776_264118327128165_964530756_o

Linke Seite des Eingangsbereiches.

 10631829_264118340461497_1041126655_o

 Das Tor

 Nach dem betreten des Friedhofs fällt einem sofort die zur Rechten befindliche Gruftenreihe auf. Alle Gruften sind in einem Gebäude untergebracht und durch Schmiedeiserne Zaunelemente voneinander getrennt. In jeder Gruft ist eine Innschriftstafel mit den Namen der Bestatteten Personen angebracht. Diese Gruftenreihe ist wahrscheinlich ursprünglich von wohlhabenden Patrizierfamilien des alten Mühlbachs erbaut worden.

Bilder dieser Gruften:

 IMG_20131227_102247

 

 IMG_20131227_102237

Gruften evangelischer Friedhof

 10627698_264117910461540_1487927150_o

 Innschriftstafel einer dieser Gruften

 In der gleichen Bauweise gibt es noch eine Gruftenreihe im Hinteren Teil des Friedhofs.

Gruften im hinteren Teil des Friedhofes

 10585301_264118137128184_1511994454_o

 10579726_264118147128183_588528366_o

Andere Gruften

 10627582_264118220461509_1298302130_o

 10631460_264118143794850_1963536748_o

 Baumannsche_Gruft_am_ev_Friedhof_Diapositiv_1994

Über den zentralen Weg gelangte man an den Ort der Aussegnung. Dieser Bestand aus drei Holzgebäuden. Zwei Links und Rechts der Stelle wo der Sarg aufgebahrt stand. Und ein kleines Gebäude, zentral am Kopfende des Sarges gelegen, das von dem Geistlichen bei Regenwetter als Wetterschutz genutzt wurde. Die Beiden seitlichen waren auf drei Seiten geschlossen und nur in Richtung Sarg bis in Gürtelhöhe geschlossen. Mit Holzbänken als Sitzgelegenheit ausgestattet dienten sie den Trauergästen als Unterstand bei Regen und prallem Sonnenschein. Da hielt der Geistliche die Aussegnungszeremonie bevor der Sarg zu Grabe getragen und nach einem Letzten Gebet in die Erde unserer Heimatstadt zur ewigen Ruhe gebettet wurde.

Einige Bilder dieses Platzes:

bilder aus Mühlbach 030

10621726_264118247128173_2025526633_o

10600006_264118300461501_1845541624_o

10621400_264118363794828_2032280452_o

10600006_264118300461501_1845541624_o 

 Wenn man den Weg an den Gruften vorbei Ging gelangte man zum Friedhofsbrunnen der lange, lange Jahre als einzige Wasserquelle zum Gießen der Gräber diente. Heute ist der Friedhof mit einer Wasserleitung versehen die an einigen Orten am Friedhof in einem Betongbehälter enden, und so die früheren weiten Wege vom Brunnen bis zu den Gräbern, erspart.

10631866_264118050461526_1682985947_o

Der alte Brunnen.

 10614618_264118203794844_900814901_o

 Eine der neuen Wasserquellen des Friedhofes

 Ein paar Schritte weiter gelangt man zu dem Platz wo zur Rechten dieses Weges die in den Kriegen in und um Mühlbach gefallenen Deutschen Soldaten von der Kirchengemeinde zu Mühlbach beerdigt worden sind. Einige Identitäten sind bekannt wiederum einige nicht. Die Pflege dieser Heldengräber wird von der Gemeinde übernommen.

 Soldatengräber:

 

10621208_264118100461521_1719056458_o

10627439_264118090461522_954800099_o

 Zum Schluss einige Worte zum Rest der Gräber. Im Allgemeinen werden die Gräber gepflegt, sei es von restlichen hier gebliebenen Verwandten aber meistens im Auftrag von Angehörigen aus Deutschland und der ganzen Welt.

Einige Gräber wurden vor der Ausreise versiegelt um die Pflege dieser Gräber nicht zu vernachlässigen wen niemand mehr da war der diese übernehmen hätte können. Als Schlusswort möchte ich dazu sagen das unsere Ahnen und Angehörigen so wie die beerdigten Soldaten eine angemessene und schöne letzte Ruhestätte auf dem Friedhof in Mühlbach gefunden haben.

Der liebe Gott sei ihnen gnädig.

Hier endet mein kleiner Rundgang vom Friedhof in Mühlbach.

 

Horst Theil

Foto by: Florin Muntean

Die Mätz aus Mühlbach


Ja, die Mätz aus Mühlbach. Ich finde dass dieses Thema auch wenigsten eine Stelle auf diesem Blog bekommen sollte da es um eine Sache geht die das Leben und Stadtbild von Mühlbach geprägt hatte. Das war etwas Einzigartiges an dieser Stadt. Das war die Ader die dafür sorgte dass im Sommer die Frische und angenehme Kühle ihren Einzug in die Innenstadt, und teilweise in die Vorstadt hielt. Die Metz sorgte auch dafür dass die anliegenden Bürger auch die Möglichkeit hatten an Wasser zum Bewässern der Gärten heranzukommen.
Ich werde jetzt versuchen zu beschreiben wie und wo deren Verlauf und Abzweigungen waren.
Also, die Mätz kam aus Richtung Petersdorf, auf der Rechten Straßenseite in Richtung Mühlbach. Hier zwischen Petersdorf und Mühlbach befand sich der Gemüsegarten des Herrn Zelencov, der aus der Mätz die Bewässerung seines Gartens tätigte. Vor Mühlbach vereinigte diese sich mit der Mätz die aus den Baumanischen Teichen kam, und floss bis zur Kreuzung der Gieshübel Quergasse (Horia) und Postgasse (heute Dorin Pavel). Hier teilte sich die Mätz in Zwei Richtungen, die eine folgte der Postgasse auf der rechten Seite. Angekommen an der Parkgasse (Reformierte Kirche) unterquerte sie diese und folgte der Postgasse vorbei an der Ungarischen Schule, dem Restaurant Nr. 2 und mündete in den Mühlkanal. Der andere Teil folgte der Gieshübel Quergasse und zweigte wieder ein Teil in die Spitalsgasse ab, folgte dieser biss zur Petersdörfer Gasse, da knickte sie auf die Parkgasse an der linken Seite folgte sie dieser in Richtung Park. Ein Teil wurde da abgezweigt und mündete in den Teich des Parks der andere Teil floss bis an die Kreuzung mit der Sikulorumgasse. Der andere Teil aus der Gieshübel Quergasse floss bis in Höhe der Teichgasse und folgte dieser auf der linken Seite auch bis zum Teich im Park. Diese Beiden Zuflüsse speisten den Teich im Stadtpark mit Frischwasser.
Der Teil der Mätz der von der Gieshübel Quergasse Ecke Sikulorum ankam bog nach links auf diese ein. Kurz vor dem alten Forstamt zweigte sie einen Teil des Wassers für die linke Straßenseite der Sikulorum ab, der Rest unterquerte die Straße und wechselte auf die Rechte Seite.

Mätz

Mätz in der Petrigasse (Anfang der 70-er Jahre)

In Höhe des Restaurants „Der Unterwald“ zweigte sie noch einmal ab und floss durch die Entengasse zur Jacobigasse und folgte dieser an dem Rathaus vorbei in Richtung Gymnasium. Da vereinigte sie sich mit denen in Höhe Petersdörfer Gasse wieder zusammenfliesenden Armen der Sikulorum und Petrigasse. Gemeinsam unterquerten sie das Haus und den Hof der Familie Teutsch bis in die Mühlgasse. Da floss sie in Richtung Altgasse bis zum Mariengässchen da bog sie  ab, unterquerte die Mühlgasse und unter den Häusern über den Garten von Schneider Rezler mündete sie in den Mühlkanal. Ein anderer Teil der Mätz entsprang dem Stadtteich unterquerte die äußere Sikulorum an der Großen Alee vorbei und folgte der Daiaergasse (Calarasi) bis zur Ecke mit der Quergasse am Heumarkt. Sie folgte der Quergasse bis zur Neugasse in welche sie abbog und dieser auf der rechten Seite folgte bis zur Balcescu. Auf dieser floss sie in Richtung Ecke mit der Altgasse,  am Schlachthaus vorbei in den Mühlkanal mündete.
Da gab es noch zwei Mätzen links und rechts der Griechengasse die aus dem Mühlkanal gespeist wurden, durch eine Art Überlauf da das Wasser des Kanals hier durch die Mühle gestaut wurde. Diese Beiden Läufe flossen in Richtung Klosterbach in den sie mündeten.
Das Bett der Mätz war in der Innenstadt vor dem Krieg betoniert worden. Der Rest in der Vorstadt nicht. Die Totallänge der Mätzen in Mühlbach belief sich auf etwa 12 -15 Km.

Traveler Digital Camera

Ein trauriger Rest der Metz vor dem ehemaligem deutschen Gymnasium

Aber man kann sagen dass die Mätz bis spät in die 60-er Jahre noch vollständig ihre wohltuenden Funktionen erfüllte. Ich denke das all diejenigen die das noch erlebt haben mir Recht geben das die Metz zusammen mit dem Stadtpark mit Teich und Insel ein Markenzeichen der Stadt waren um die sie so manch andere Stadt in Siebenbürgen beneidete. Es ist schade das die Umstände sich so entwickelt haben wie wir es alle wissen dass diese Besonderheiten heut zu Tage nicht mehr existieren außer ein paar traurigen Überresten die noch an die Tage erinnern wie es einmal war.
Ich habe mich bemüht  so genau wie möglich den Verlauf zu beschreiben.
Vergeben sie mir wenn meine Schilderung zu Verwirrung geführt hat, aber es ist so, dass das Metz sehr verzweigt, und über das ganze Stadtgebiet verbreitet war.

Hors Theil

 

Die Schottergrube oder „Balta lui Dolfi“


Schottergrube

Die gewesene Schottergrube nördlich von Mühlbach (Polaroidbild Ende der 70-er Jahre)

Die Schottergrube am Nördlichen Stadtrand gelegen, fand ihre Geburtsstunde beim Bau der Eisenbahntrasse Hermannstadt – Unterwinz. Die Strecke wurde am  25 November 1897 fertig gestellt und in Betrieb genommen.  Die Stelle wurde gewählt aus dem einfachen Grund, da sie sich nahe dem Trassenverlauf befand. Der hier vorhandene Schotter, stammt wahrscheinlich daher, das der Mühlbach in seiner Vergangenheit, laut geschichtlichen Aufzeichnungen, sein Bachbett mehrere male geändert hatte angeblich über das ganze Stadtgebiet. Da man für den Bahndamm viel Material benötigte, war sein naher Abbau Ort willkommen. Um diese Zeit gab es noch keine Bagger, daher musste das meiste Material in Handarbeit abgebaut und mit Fuhrwerken an die benötigte Stelle transportiert werden. So entstand bis zur Fertigstellung der Trasse ein beachtliches Loch in der Landschaft. Die Hälfte der Bodenfläche des Grundes war einige Meter tiefer wie der Rest. Diese Hälfte füllte sich nach und nach mit Wasser. Die Ufer der Grube wurden grün und ein kleiner Buschbestand machte sich breit. Von den Ufern ausgehend zur Mitte der Wasserfläche begann der Schilfwuchs so dass nur eine kleine Fläche in der Mitte schilffrei blieb. In diesem Abschnitt machten sich Seerosen breit. Die Fauna blieb auch nicht aus. Verschiedene Wasservögel wie Fischreiher , Wildenten und zeitweise auch Wildgänse die hier Rast machten. Die Unterwasserwelt beherbergte Fische, Wasserkäfer, Blutegel, verschiedene Lurche und Molche. Und natürlich Frösche. Eine Unzahl Frösche die an Sommerabenden ihr Konzert, lauthals bis in die Stadt sendeten. Alles in allem, ein sehr reichhaltiges Biotop das zu erhalten es sinnvoll gewesen wäre. Die Kinder benutzten die Ufer auf der Wasserfreien Seite im Winter um zu Rodeln, da es nahe der Stadt war. Die Fleischverarbeitung im frühen Mühlbach entnahm im Winter das für die Eiskeller benötigte Eis. Das Schilf wurde auch geerntet und Fußabtritte und die beim Verputzen der Decken (Plafon) benötigten Schilfmatten, herzustellen. An den Ufern saßen oft Angler und gingen hier ihrem Steckenpferd nach.  Aber im Laufe der Jahre änderte sich so manches an dieser Idylle. Die Leute aus der Nähe fingen an ihren Müll und Schrott an den Ufern auszukippen. Das inzwischen verstaatlichte Schlachthaus zäunte am Ufer einen Bereich ein und benutzte diese Fläche für die Zwischenlagerung von Schlachttierknochen, bis zum Abtransport von diesen zur Weiterverarbeitung. Und alles offen und unter freiem Himmel. Mann kann sich vorstellen was für ein bestialischer Gestank die vergammelten Knochen verbreiteten. Abgesehen von den Myriaden von Mücken und Schmeißfliegen die da ihr Paradies hatten. Nach 1989 irgendwann rückten die Bulldozer an und die Schottergrube wurde eingeebnet.

1622505_10202642840584414_280105950_o

Blick auf die Stelle wo einst die Schottergrube war. 2013

Balta

Die Stelle wo die Schottergrube war. (heute)

Heute liegt die Fläche brach, abgesehen das man bemerken kann das wieder das Erscheinen des Mülls in den Vordergrund rückt. Den Mühlbachern ist die Schottergrube ein Begriff, daher gilt diese Beschreibung denen die sich erst vertraut mit der Stadt Mühlbach machen, oder machen möchten. Die von der rumänischen Bevölkerung benutzte Bezeichnung lautet „Balta lui Dolfi“. Das kam daher dass in dem letzten Haus der Stadt, fast gegenüber der Schottergrube, ein Mann namens Dolfi wohnte der früher mal einen Fiaker besaß und am Marktplatz in der Stadt seine Dienste anbot.

Das war die kleine Geschichte der Schottergrube von Mühlbach.

Horst Theil

Der Mühlkanal oder die Wasserräder der Stadt


In dem heutigen Beitrag möchte ich ihnen etwas über ein Thema erzählen, das wie der Titel schon sagt, mit den Wasserrädern von Mühlbach zu tun hat. Wie schon aus der Geschichte der Stadt Mühlbach bekannt ist, war das Gebiet der Stadtgründung, eine von mehreren Wasserläufen durchzogene Landschaft. Die Siedler und die in der Umgebung ansässigen Uhreinwohner machten sich diese Lage zu Nutze indem sie schon seit sehr früher Zeit die Wasserkraft nutzten. Das geschah am Anfang mit dem Bau der wohlbekannten Wassermühlen, die ich schon in einem anderen Beitrag erwähnt habe. Von daher entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte auch der Name der Stadt Mühlbach, der allerdings im Laufe der Zeit unter verschiedenen Schreibweisen in der Geschichte zu finden ist. Der  Lauf des Mühlbaches war ursprünglich  in mehreren kleineren Armen, die über das ganze Stadtgebiet führten und ihren Lauf mehrmals änderten, verteilt. Von diesen Bachläufen setzte sich nur der Hauptarm das heute existierende Bachbett durch. Der einzige Nebenarm der bis in die Neuzeit existierte, war der bekannte Mühlkanal. Dieser wurde von den Siedlern befestigt und ausgebaut. An diesem Kanal wurden im Stadtgebiet die ersten zwei Wassermühlen erbaut, die lange Jahre hindurch der Bevölkerung von großem Nutzen waren. In späteren Jahren kamen moderne „Wasserräder“ bei der Erbauung des Wasserkraftwerkes in Form von Wasserturbinen zum Einsatz. Ein aufmerksamer Beobachter kann die Reste des alten Laufes dieses Mühlkanales war nehmen wen er, bei einem Spaziergang unter die Erlen, seine Aufmerksamkeit auf die rechte Seite des Weges ab dem ehemaligen E-Werk bis zum Fußballstadion richtet. Man kann eine leichte Vertiefung parallel zum eigentlichen Flussbett feststellen und daraus den Schluss ziehen das die Abzweigung des Mühlkanals irgendwo im Bereich des Stadions war. Ab dem E-Werk abwärts, vermute ich, ist das Bett des Mühlkanales noch das originale.  Das Stadtgebiet zwischen dem Mühlkanal und dem Mühlbach (auch Klosterbach genannt) wurde seit jeher „Zwischen den Bächen“ (Într-e rîuri) genannt. Der Mühlkanal verlief also mit Beginn unter den Erlen (später vom Großen Wehr) bis Ende der Altgasse, beim später errichteten  Schlachthaus, wo er wieder in den Hauptarm mündet.

 Mühle

 Obere Mühle mit Mühlkanal

 Mit diesem Mühlkanal sind alle Bürger älteren Semesters von Mühlbach aufgewachsen, und es erwachen  unvergessliche Erinnerungen damit, schon beim erwähnen des Namens. Wie ich schon öfters erwähnte bin ich in der Altgasse, auf der linken Straßenseite und somit am rechten Ufer des Mühlkanals aufgewachsen.  Meine ganze Kindheit und Jugend war mit dem Mühlkanal verbunden. So erinnere ich mich dass die Gärten rechts des Kanals alle im Durchschnitt etwa 75 Meter Lang und etwa 15 bis 20 Meter Breit waren. Die Gärten hatten guten Boden und waren sehr Ertragsreich das ganze Jahr über. Sie wurden meistens, aber nicht nur, von den Hausfrauen bearbeitet, die oft die überschüssigen Erträge auf dem Städtischen Markt verkauften, und so einen Beträchtlichen Beitrag zum Familiären en Einkommen leisteten.  Das war hier möglich dank der Wasserräder. Entlang dem Lauf des Kanals von der Letzten Wassermühle bis zur Mündung waren fast in allen Gärten, die alle an den Kanal grenzten, selbstgebaute Wasserräder (oder Schöpfräder genannt) vorhanden. Die Konstruktionen waren unterschiedlich. Die einen waren aus Holz, andere wieder aus Metall gebaut die sich alle auch in der Größe unterschieden, je nach Möglichkeiten der Besitzer. Ich werde jetzt eine kleine Beschreibung dieser Räder machen für diejenigen die nicht wissen was so ein Rad ist und wie es funktioniert. Der Bau war so ähnlich eines Mühlrades. Der Unterschied war nur das es am inneren Radkranz Behälter (Eimer oder Blechdosen) befestigt waren die bei der Drehung des Rades in das Wasser tauchten und es in einem dafür befestigten Trog oder Wanne im oberen bereich auskippten. So ward das Wasser manchmal bis zu 2 – 3 Meter angehoben und konnte so aus dem besagtem Trog, über eine Holz- oder Metall Rinne, in Richtung garten fließen, und so mit die Bewässerung des Gartens sicherstellen. Das war sinnvoll um einen gesicherten Ertrag zu gewährleisten. Die Bewässerung startete man indem man den Bremsbalken, entfernte und die Wasserkraft das Rad zu drehen begann. Man beendete diesen Vorgang in dem man den Balken wieder durch die Speichen des Rades schob bis zum Bock der das eine Ende der Welle stützte. Das andere Ende des Balkens stützte man an einem kurzen Pflock der am Ufer in den Boden gerammt war. Dadurch wurde das Rad gebremst und der Vorgang war beendet. Diese Investition lohnte sich da die Wasserkraft immer und jederzeit zur Verfügung stand. Man verbrauchte keine Energie und die Bewässerung war somit kostenlos.

Einige Bewohner der Altgasse spezialisierten sich auf die Gärten und Gartenarbeit. Es wurde jede Ecke der Gärten für Gemüsebeete, Mistbeete und Gewürze genutzt. Manchmal waren es auch die Blumen die man gut verkaufen konnte, da ja kein Blumenladen in der Stadt war.

Die Setzlinge aus den Mistbeeten fanden im Frühjahr und Frühsommer auch riesigen Absatz.

Alles in allem eine intensive Arbeit und Mühe. Dieses alles währe aber nicht ohne die Wasserräder möglich gewesen. Wir müssen feststellen dass der Mühlkanal von größter Bedeutung für die Stadt Mühlbach war. Die an dem Kanal gelegenen Betriebe wie die Lederfabrik, mit beiden Standorten, die Strumpffabrik und das Schlachthaus so wie alle Bürger deren Gärten angrenzten einen beträchtlichen Nutzen von dem Kanal bezogen.

Heute existiert dieser Kanal nicht mehr außer ein paar Stellen die noch an seine ehemalige Existenz erinnern. Somit gehört auch dieses Kapitel der Geschichte an.

Horst Theil