Erinnerung an die Lehrbubenjahre (Teil III)


In den folgenden Zeilen möchte ich in der Zeit zurückgehen um einiges aus dem „Praktikum“ dieser 3 Jahre zu erzählen.

Ein Teil der Arbeiten die auch von Elektrikern bewältigt werden musste war die Fertigung und Montage von Blitzableitern und Erdungen. Beginnen wir mit Erdungen. Als allgemeine Information gilt eine Erdung ist eine Verbindung zur Erde über die der Strom einer defekten Maschine, Haushaltsgerätes oder jeglicher aus versehen unter Spannung gekommener Metallteile abfließen kann, um keine Gefahr für Leib und Leben darzustellen. Natürlich waren die Materialien und Bauweise in dieser Zeit viel primitiver als heute. Eine der Baustellen wo eine Bestellung zum bau einer Blitzableiteranlage errichtet werden sollte, war die Tischlerei „Leibli“ am Holzplatz. Der Erste Tag verging mit Besichtigung des Objektes und mit Aus- messungen zur Ermittlung des benötigten Materials. Das es durchaus nicht länger als 2 Stunden in Anspruch genommen hätte ist wohl jedem klar, aber so ging das eben bei der UNIREA, was ich noch reichlich feststellen sollte. Na gut. Am nächsten Tag gingen wir zum Warenlager der Bauabteilung um Material zu holen. Da wir einige Meter an verzinktem Rohr und einige Meter Betoneisen benötigten brauchten wir für den Transport einen LKW. Aber wie das gang und gebe war, stand an diesem Tag keiner der beiden zur Verfügung. Beide waren am Bahnhof im Einsatz den angelieferten Zement in das Lager aus der Teichgasse zu Transportieren. Lagerist war um diese Zeit Herr Damian aus der Quergasse. Na gut wurde eben an diesem Tag nichts mit dem Transport. Also packten wir unsere Werkzeug Taschen auf die Fahrräder und fuhren zur Tischlerei um wenigsten Anwesenheit zu zeigen und eventuell sogar noch mit der Arbeit zu beginnen. Bis wir da waren stand die Mittagssonne schon hoch am Himmel. Mein Meister zeichnete auf dem Boden die Länge des benötigten Grabens für die Erdleitung an, und wir begannen mit Schaufel und Krampen (Pickel) einen Graben mit den Massen von: B 40 cm, T 100 cm und einer Länge von 10 Meter entlang der Mauer des Gebäudes zu buddeln. Heut zu Tage würde man einen Minibagger nehmen, aber damals war alles noch Handarbeit. Nach einer guten Stunde war ich fix und fertig, die Sonne knallte auf uns herunter und ich war auch nicht gewöhnt an solche Arbeit. Mein Meister hatte aber anscheinend auch die Schnauze voll und war unter dem Vorwand ins Büro zu müssen verschwunden. Bevor er ging sagte er mir ich sollte noch machen was ich könnte und danach heimgehen. Um es kurz zu machen an diesem Graben vergingen noch Tage der Schufterei wen man bedenkt dass der Boden fast im ganzen Stadtgebiet sehr steinhaltig ist.

Nach zwei Tagen bekamen wir den LKW um das Material auf die Baustelle zu transportiere. Ein Kleinlaster der Marke „ Molotow“ russischer Produktion. Bis das Material an Ort und Stelle war, verging wieder fast ein ganzer Tag.

Die nächsten Tage hatten wir den Graben fertig, die Rohre in je 2 Meterstücke gesägt (von Hand), und diese im Abstand von einem Meter senkrecht in dem Graben in den Boden Gerammt. (mit einem 10 Kg Vorschlaghammer). Jetzt wurden die Rohrpfähle im Graben miteinander verbunden mittels eines Flacheisenbandes, das an jedem Pfahl fest geschweißt wurde. Das eine Ende führten wir an der Wand hoch, so dass es ein Stück aus dem Erdreich ragte und als Verbindungsstelle für den Leiter der Blitzableiteranlage diente. Das war bis jetzt alles harmlos, was nun folgte war wirklich gefährlich und schwierig. Die drei Blitzableiterspitzen mussten auf der ganzen Länge des Gebäudes gleichmäßig verteilt werden.

Eine an den jeweiligen Enden und eine genau mittig. Das Gebäude hat eine Länge von etwa 40 Meter die Spitzen montierte man immer auf dem First das hatte die Folge das der Leiter der die Spitzen verband auch über den First geführt werden musste. Diese Leiter wurden durch große Nägel die am Ende eine Öse hatten gezogen. Das Dach war mit Dachziegeln (Dachpfannen) gedeckt und die First- Ziegeln waren ebenso aus Keramik. Jetzt begann die Turnerei. Die Dachrinne war in einer Höhe von etwa 6 Meter, der First dementsprechend höher. Bewaffnet mit einer Hand- Bohrmaschine und einer Hosentasche voll Metallbohrer, wagten wir uns, durch ein Paar hochgeschobenen Dachziegeln, hinauf in luftige Höhen. Ich will jetzt die Angst und das Schwindelgefühl nicht mehr weiter vertiefen. Also wurden die Löcher für Spitzen und Halter gebohrt und diese Montiert. Danach der Verbindungsleiter mit allen Spitzen verbunden und das Dach herunter bis zur Verbindungsstelle. Dieser Blitzableiter ist auch heute noch nach über 40 Jahren in Funktion und wen man über den Holzplatz schreitet und seinen Blick auf das Gebäude der gewesenen Tischlerei „Leibli“ richtet, kann man ihn sehen. Zu dieser Baustelle, und vielen anderen folgenden möchte ich noch sagen dass die meiste Arbeit von den Lehrbuben gemacht wurde, die in den meisten Fallen unter sehr prekären Sicherheitsbedingungen ausgeführt wurde. Aber um diese Zeit nahm man das noch so hin. Die Meister um diese Zeit standen Fast alle kurz vor der Pensionierung, und waren noch von der „alten Garde“, dem zu Folge mussten die Lehrbuben auch schon mal privat bei den Meistern Daheim mit anpacken. Das ging vom Aufräumen über Garten umgraben bis Kartoffeln hacken und noch vieles mehr.

Die Lehrmädels und Jungs wurden auch für kulturelle Zwecke herangezogen. Als Beispiel

Erwähne ich die „ Brigada artistica de agitatie“. Das ging alle drei Lehrjahre das man sich vorbereiten musste für den „Concurs“ auf Stadtebene, Kreisebene und Landesebene.

Dann kam noch dazu das vom UTC aus eine kulturelle Aktivität von jedem Betrieb gefordert wurde.

Also alles in allem, waren die Lehrbubenjahre kein Zuckerlecken. Aber im nach hinein muss man sagen das alle Handwerke die vertreten waren von der Picke auf gelernt wurden. Um die Zeit wurde nicht nur neues gemacht sondern in allen Bereichen großer Wert auch auf die anfallenden Reparaturen gelegt wurde. Und wen ich sage Reparatur, dann meine ich nicht mit alt durch neu ersetzt, sondern repariert im waren Sinne des Wortes.

Hier beende ich diese Zeilen mit Erinnerungen aus meinen Lehrbubenjahren, obwohl noch viel dazu zu sagen wäre.

ENDE

Horst Theil

Erinnerung an die Lehrbuben- Jahre (Teil II)


Diese Berufsschule bildete die verschiedensten Berufe der Zentrale der Handwerkergenossenschaften  für ganz Rumänien aus. So die Berufe: Elektriker, Schuster, Herren und Damenfriseure, Goldschmiede und Spengler.

Die Klasse der Friseure war überwiegend mit dem Weiblichen Geschlecht belegt. Die Mädels hatten natürlich ihren eigenen Schlafsaal und den eigenen Raum für Spinde so wie Badezimmer.

Das Schultor war durch  Pförtner gesichert die im Schichtbetrieb rund um die Uhr gegenwärtig waren. Dasselbe galt auch für die Pädagogen (Erzieher) vormittags und nachmittags je zwei, in der Nachtschicht nur einer der auch ein Schlafzimmer zur Verfügung hatte.  Über den Unterricht und Schulablauf muss ich nicht extra erzählen, den der war wie in jeder Schule in der Kommunistischen Ära.  Der Tagesablauf der Internatschüler war in dieser Schule, da sie spezielle Bedingungen bot, ein wenig gewöhnungsbedürftig. Wie schon erwähnt begann der Tag mit dem Aufwecken, es folgte die morgendliche Körperertüchtigung (Înviorare) dann folgte die Morgentoilette und schließlich im Hof das in Rei` und Glied aufstellen um abzuwarten bis einem die Reihe kam das Frühstück einzunehmen, dass zwischen 7:00 Uhr und 7:45 Uhr begrenzt war. Und das bei egal welchem Wetter. Der Unterricht begann um 8:00 Uhr. Das Mittagessen Begann um 12:00 Uhr und lief nach demselben Schema ab. Danach um 13:00 Uhr noch zwei drei Stunden Unterricht. Nach beenden des Unterrichtes folgte zwei Stunden lang Hausaufgaben machen (meditatie). Nach dem auch das erledigt war hatten alle Freizeit zur freien Verfügung die wiederum zum Wäschewaschen per Hand im Badezimmer geschehen musste. Wäschereitdienst gab es nur für die Bettwäsche die jede Woche gewechselt werden musste. Wer nicht waschen musste oder Schuh putzen, der verbrachte die Freizeit im Hof mit Fußball, oder in kleinen Gruppen auf den Bänken im Hof mit Gesprächen bis es wieder hieß aufstellen für das Abendbrot das von 17 bis 18 Uhr ausgegeben wurde.

Nach dem Abendbrot verbrachten noch einige ein wenig Zeit im Hof oder im Keller jeder bei seinem Schrank um etwas zu ordnen oder einfach so weil das die die einzige Stelle war die einem persönliche Verbundenheit gewährte.

Da in dem Riesigen Kellergewölbe verbrachten alle die kurze Zeit bis zur Bettruhe die um 21:00 Uhr mit dem Ausknipsen des Lichtes eingeleitet wurde.

Im Keller wurde auch heimlich geraucht, was meistens zur Ausgangssperre für den nächsten Sonntag führte. Die Zigarettenkippen schoben wir unter den Schrank als Reserve. Wenn kein Geld mehr da war, holte man diese hervor und drehte aus deren Resttabak mit Zeitung eine Riesenzigarette, die dann wie eine Friedenspfeife die Runde machte.

Auf dieser Schule bahnten sich auch die ersten Liebeleien an. Wir hatten ja eine ganze Klasse Mädchen bei den Friseuren. Die Pädagogen versuchten ja immer so etwas zu unterbinden, aber bekanntlich hat ja die Liebe keine Grenzen und der Erfindungsgeist war schon immer groß wen es darum ging etwas Verbotenes trotz allen Hindernissen zu machen. Man traf sich auf dem Hof in unübersichtlichen Ecken, man tauschte Liebesbriefe über geheim vereinbarten Stellen wo man den versteckte und nur der Andere wusste und diesen an der Stelle fand.

Das beste und schönste war wen man sich nach Langersehnten Tagen, an einem Sonntag, wen beide Ausgang hatten, in der Stadt traf um gemeinsam ins Kino zu gehen. Da war es perfekt. Man war anonym, und es war dunkel. Da konnte man Händchen halten, sich küssen und ein bisschen Zärtlichkeiten austauschen, eben so gut es ging.

Das waren auch die einzigen Annehmlichkeiten  die einem hier zur Verfügung standen. Da es Herbst war, wurden wir auch in dieser Schule, so wie in allen aus Rumänien dieser Zeit, zur „Freiwilligen Arbeit“ auf die Felder rund um Arad gefahren.Das war bitter für die Internatsschüler, den danach musste die versaute Kleidung und Schuhe wieder auf Hochglanz gebracht werden, da man hier nicht Daheim war und keine Ersatz Kleidung für Arbeit hatte.

Des weiteren war das Essen in der Internatskantine so berechnet das minimale kosten für den Staat entstanden. Dem entsprechend war auch die Menge aber besonders die Qualität die darunter zu leiden hatte. Mit der Zeit kannten wir die Köchinnen gut. Eine davon, eine dicke Banater Schwäbin hatte mich ins Herz geschlossen und so bekam ich manchmal einen Teller Spiegeleier oder anderes beim Abendessen übrig gebliebenes, das ich dann mit den Kollegen aus Mühlbach Abends im Keller teilte. Die Pakete die jeder ab und zu von Daheim bekam wurden auch unter allen Mühlbachern redlich geteilt und da nie alle gleichzeitig kamen hatten wir immer ein bisschen Reserve an zusätzlichem Essen.

Nach diesen Zeilen können sie sich ein grobes Bild von den Bedingungen und dem Alltag in der Berufsschule die ich besuchte machen. Unser Glück war das wir jedes der drei Jahre nur jeweils für drei Monate hierher mussten. Den Rest des Jahres mussten wir bei der UNIREA arbeiten, das so genannte Praktikum.

Am Ende des dritten Jahres hatten wir die Abschlussprüfung, die ich dann auch bestand.

Die Diplome wurden uns ausgehändigt.

Nun hatte ich die Ausbildung zum : „Elektriker für industrielle und private Elektroinstallationen“ in der Hand. Die Reise konnte als Geselle nach Hause in ein privates Leben beginnen.

 

Horst Theil

 

 

Erinnerung an die Lehrbuben- Jahre (Teil I )


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Lehrbuben im Bergbau 60-er Jahre

(Foto: SV-Bilderdienst)

 

Erinnerung an die Lehrbuben- Jahre

Das Jahr 1967 war in meinem Leben für mich ein Wendepunkt. Nach  dem ich nach der Beendung der achten Volkschulklasse bei der Aufnahmeprüfung für das Lyzeum, mit Pauken und Trompeten, durchgesegelt war, kam die Frage: was nun?

Es bestand die Möglichkeit diese Prüfung im Herbst zu wiederholen, oder Jen Weg einen Beruf zu erlernen. Diese Entscheidung stand mir nun bevor. Natürlich hatten meine Eltern den Wunsch dass ich den Sommer über weiter lernen sollte, und mich im Herbst wieder der Herausforderung stellen sollte. Nach einigen Tagen und heftigen Debatten, hatte ich mich entschieden einen Beruf zu erlernen da ich keine Lust, zum lernen mehr hatte. Für meine Eltern war diese Entscheidung natürlich nicht erfreulich, aber nach einigem Zögern stimmten sie dann widerwillig zu.

Wo erlernte man in Mühlbach einen Beruf? Natürlich bei der Handwerkervereinigung UNIREA. Mein Vater ging in den nächsten Tagen da vorbei und kam mit der Botschaft dass die Möglichkeit bestand hier den Beruf des Autoelektrikers zu erlernen. Ich sollte mich am nächsten Montag um 7 Uhr bei der Autowerkstatt der Kooperative vorstellen. Der Leiter der Werkstatt war um diese Zeit Herr Santei Dorin. Also ging ich Montag pünktlich dahin. Nach der spärlichen Begrüßung, wurde ich einem Gesellen zugeordnet, der mich dann in die Geheimnisse dieses Berufes einweihen sollte.

Diese Werkstatt befand sich in der äußeren Sikulorum gegenüber der neuen Post. Diese Straßenseite sollte danach im laufe der Systematisierung komplett abgerissen werden. Die ersten Tage vergingen normal. Es waren mit mir noch 4 Lehrbuben die gleichzeitig angefangen hatten. Dann wurden wir immer öfters für Arbeiten die nichts mit dem Beruf zu tun hatten eingesetzt. Das ging von den Gruben, die sich unter den Arbeitsrampen befanden, vom Schlamm und Dreck gemischt mit Altöl zu säubern bis Einkäufe für das Personal zu tätigen. Ja wir waren halt nur Lehrbuben und mussten uns den Gesellen und dem Meister unterordnen. Eines Tages kam der Personalchef vom Büro und verkündete uns dass wir nächsten Monat zur Aufnahmeprüfung für die Berufsschule nach Broos müssten.  Na ja, also Daheim angekommen erstattete ich Bericht über das bevorstehende Ereignis. Da bis zum ersten des nächsten Monats nur noch eine Woche Zeit war, nutzte ich diese um noch schnell meine Kenntnisse aufzufrischen. Einen Tag vor der Abreise nach Broos, packte mir meine Mutter eine Reisetasche mit Wäsche und Essen für zwei Tage. Am nächsten Morgen stiegen noch mehrere Lehrlinge zusammen mit mir in den Bus Hermannstadt – Deva, der auch in Broos Haltestelle hatte. Die Fahrt verlief eigentlich gut, mal abgesehen vom überfüllten Fahrgastraum und den Mannigfaltigen Gerüchen die durch den Bus zogen. Obwohl das ein Fernbus war, wurde um diese Zeit von Küken bis Lämmer fast alles als Gepäck mitgeführt. Daher die Gerüche. Nach etwas über einer Stunde Fahrt stiegen wir aus dem Bus und marschierten in Richtung Brooser Lyzeum wo die Prüfung stattfinden sollte. Nach etwa 20 Minuten erreichten wir das Lyzeum und meldeten uns da in der Kanzlei. Es wurden uns Schlafplätze in dem Internat das sich auch auf dem Schulgelände befand, zugewiesen. Das war ein Raum mit 10 Betten und Spinden. Also suchte sich jeder meiner Mühlbacher Leidensgenossen ein Bett und einen Spind aus, wo wir unsere mitgebrachten Sachen verstauen konnten.

Nach einer halben Stunde kam jemand und verkündete dass die erste Prüfung schon bald beginnen würde und wir uns in dem und dem Klassenzimmer versammeln sollten. Na Prosit dachte ich, das geht ja schon gut los. Über diese zwei Tage verteilt fanden die Prüfungen in den verschiedenen Fächern statt. Am Nachmittag des Zeiten Tages sollten die Listen mit den Bestanden und den Durchgesegelten Namen, auf die verschiedenen Berufe unterteilt, veröffentlicht werden. Das geschah an der großen Pinnwand die sich im Hauptflur des Gebäudes befand.

Alle anwesenden studierten am späten Nachmittag die Listen, und nach und nach entfernten sich alle die sich auf einer der Listen entdeckt hatten. Mir lief es eiskalt über den Rücken ich konnte mich auf keiner Liste der Autoelektriker entdecken, nicht bei Bestanden und nicht bei den durchgesegelten. Ich ging zaghaft zur Kanzlei und fragte was mit mir nun los ist, bestanden oder durchgefallen. Man verwies mich auf den Aushang. Als ich nun sagte dass ich auf keiner Liste stand, fragten sie nach dem Namen und blätterten ihre Unterlagen durch. Nach einer Weile wurde mir gesagt dass ich bei den Elektrikern auf der Liste stand und dass ich bestanden hätte. Einerseits verblüfft, Andererseits aber doch froh das ich durchgekommen war, verließ ich schnell das Gebäude und holte meine Sachen aus dem Internat. Ich wollte nicht mehr bis 8 Uhr Abends warten und den letzten Bus in Richtung Mühlbach nehmen, sondern ich ging an die Landstraße um mit Gelegenheit Heim zu fahren. Heute würde man sagen, per Anhalter oder Autostopp.

Irgendwann spät Abend langte ich Daheim an und berichtete meinen Eltern die Sachlage. Die hatten auch zwiespältige Gefühle. Daher ging ich am nächsten Morgen stracks zum Büro der Personalverwaltung der Genossenschaft und schilderte was ich wusste. Der Herr Truta der Personalchef erklärte mir dass beschlossen wurde mich zum Elektriker und nicht zum Autoelektriker auszubilden, man aber vergessen hatte mir das mitzuteilen. Schön. Also hatte ich ab sofort ein anderes Ausbildungsprofil. Der Chef guckte zufällig durch das Hoffenster und sagte mir ich soll schnell mit ihm gehen, denn mein künftiger Meister und Ausbilder wäre gerade im Hof, und bei dieser Gelegenheit könnte er mich gleich vorstellen und die Übergabe meiner Bescheidenheit an diesen vollziehen.

Die Überraschung war groß als sich herausstellte das es Herr Ernest Peppel war den ich schon von früher sehr gut kannte. Nach gegenseitigem begrüßen war der Tag für mich gelaufen. Herr Peppel sagte mir ich soll heute nach Hause gehen und am nächsten Morgen zu Ihm nach Hause kommen, aber nicht vor 8 Uhr. (?) Na gut mir sollte es Recht sein. Ich fuhr anschließend mit dem Fahrrad zu „meiner alten Werkstatt“ und erzählte auch dort was ich erlebt hatte. Anschließend nahm ich noch meine restlichen Sachen die noch da waren und Schlug den Heimweg ein.

Pünktlich um 8 Uhr war ich an Ort und Stelle bei Herr Peppel. Unser erster Weg führte uns in das Warenlager der UNIREA, um ein bisschen Werkzeug für mich zu holen. Anschließend musste mein Meister noch Bürokram erledigen und ich wartete so lange und lernte auch die Angestellten der Bauabteilung bei dieser Gelegenheit kennen. Das Büro war mit drei Personen besetzt: Herr Besoi, Herr Acker und Herr Gogesch. Der Vorsitzende der UNIREA war um diese Zeit Herr David und zwei Vizevorsitzende Herr Wolfgang Leibli und Herr Habean.

Nach dem mein Meister hatte irgendwann seinen Bürokram erledigt und es ging zu meiner ersten Baustelle in diesem Beruf. Diese war bei dem allen Mühlbachern bekannten Apotheker Herr Alesi. Der Grund unseres Kommens war eine defekte alte Wasserpumpe, die für 110V ausgelegt war, und jetzt über einen Trafo an der neuen Netzspannung von 220V angeschlossen war. Es stellte sich heraus das der Trafo defekt war und auch ein Teil der veralteten Elektroinstallation, so das wir da noch einige Tage zu tun hatten. So ging mein Erster Arbeitstag zu Ende.

Ich will ihnen nicht weitere Einblicke in die folgenden Tage und Wochen gewähren, da es zu langweilig  wäre. Irgendwann erfuhr ich vom Büro aus dass am Ersten September das Schuljahr in der Berufsschule der UCECOM beginnen würde und ich für 3 Monate nach Arad im Banat müsste.

Die Tage und Wochen vergingen und der Tag der Abreise nach Arad rückte immer näher. Damit auch alles seine Richtigkeit haben sollte, fertigte mir Onkel Dany einen Holzkoffer an, so wie man früher beim einrücken zum Militär benutzte. Dieser wurde dann von meiner Mutter gepackt. In de Koffer packte meine Mutter Unterwäsche, Kleider, ein Paar Schuhe und der übliche Krim- Kram den man für einen längeren Aufenthalt in der Fremde benötigte. In eine separate Tasche kam das Essen für den Weg.

Am Tag der Abreise Morgens um 4 Uhr stand ich auf und nach Frühstück und reichlicher Verabschiedung, schleppte ich mich mit dem schweren Koffer und der Tasche in Richtung Bushaltestelle gegenüber vom Kino, von wo ich den Bus zum Bahnhof von Alwinz nahm. Der Bus hielt in Höhe des Bahnhofes auf offener Landstraße an einer Haltestelle an. Von da musste man über die Gleise zum Bahnhofgebäude marschieren. Schwer keuchend kam ich da an und kaufte mir am Schalter eine Fahrkarte bis Arad. Alle Lehrbuben aus Mühlbach waren schon da oder kamen gleichzeitig mit mir da an. Bis der Zug kommen sollte war noch etwas über eine Stunde Zeit. Also ging man in das Bahnhofsrestaurant. Zwei Tische wurden zusammen geschoben so dass wir alle gemeinsam am Tisch sitzen konnten. Bei Fruchtsaft oder einem Glas sauer gespritztem Wein, wurde diskutiert über das was noch auf uns zukommen sollte. Mit dem Blick auf die Uhr merkten wir das es an der Zeit war auf zu stehen und auf den zuständigen Bahnsteig zu gehen. Da kam auch schon die Ansage über Lautsprecher dass der Zug in den Bahnhof einfährt. Als dieser zum stehen kam, bemühten  wir uns mit den klobigen und schweren Koffern ein leeres Abteil zu ergattern. Sitzplätze wurden bei diesem Personenzug keine vergeben also auf Gutglück. Wir hatten noch nichts gefunden da ertönte schon der Pfiff des Schaffners zur Abfahrt. Mit einem heftigem Ruck und schnaubender Dampflok begann unsere Fahrt ins ungewisse. Nun standen wir und unser Gepäck, wie an einer Perlenkette aufgereiht, auf dem engen Flur des Waggons. Fahrgäste zweigten sich mit ihrem Reisegepäck immer wieder an uns vorbei. Alle suchten das Gleiche wie wir, nämlich einen Sitzplatz. Dieser Zug bestand aus altersschwachen Waggons die meistens noch mit Holzbänken ausgestattet waren und einer Dampflokomotive  die auch mal bessere Tage erlebt hatte. Aber so war das eben um die Zeit, die besseren Waggons und Lokomotiven brauchte man für die Schnellzüge. Die Gleise waren um die Zeit noch nicht verschweißt und so spürte man jedes mal einen Stoß wen die Räder des Waggons über die Übergangstellen von einem Schienenstrang auf den darauf folgenden  wechselte. Dazu kam noch das schlingern des Zuges dass mit zunehmender Geschwindigkeit immer stärker wurde.

Na ja, wir waren unterwegs. Ich möchte noch erwähnen das diese Personenzüge an jeder nur erdenklichen Haltestelle halt machten um die Personen aus den angrenzenden Dörfern auf zu nehmen oder absteigen zu lassen. Dem entsprechend verlängerte sich die Reise mit diesem Typ von Zügen. Wir hatten aber Glück den der nächste größere Ort war Deva und hier hielt der Zug ein paar Minuten länger. Zum einen weil er einen entgegen kommenden Lastzug vorbeifahren lassen musste und zum anderen, viele Personen abstiegen, aber zu unserem Glück nicht viele aufstiegen.

Endlich leerte sich ein Abteil und wir konnten nun unsere Reise im sitzen fortsetzen. Die Landschaft war schön. Durch das Maroschtal schlängelte sich die Bahn fast immer parallel zum sich gemächlich schlängelnden Fluss. Die Reise ging über Lippa (Lipova) in Richtung Arad wo wir am Späten Nachmittag ankamen. Schon ziemlich müde schleppten wir uns auf den großen Platz vor dem Bahnhofsgebäude.

Was nun? Wir hatten zwar die Adresse der Schule auf einem Zettel aber keiner von uns wusste wie man hin gelangen sollte. Für mich war diese Großstadt so wieso ein wenig unheimlich. Der Große Verkehr, die vielen Autos, Busse, und auch noch Straßenbahnen. Ich war bis dato in keiner so großen Stadt, außer 2 mal in Hermannstadt.  Wir fragten einen und den anderen ob man uns helfen könnte aber komischer weise wusste niemand wo die Straße, oder gar die Schule war. Am Bahnhof waren auch sehr viele Taxis aber wir hatten nur unser Taschengeld, was nicht gerade ein Vermögen darstellte. Also verzichteten wir auf Taxis. Aber zu unserem erstaunen stieg ein bärtiger Taxifahrer aus einem der parkenden Taxis und näherte sich unserer Gruppe.

Er fragte wo wir den hin wollten, er hatte uns nämlich schon länger beobachtet wie wir die Leute um Auskunft baten. Er hatte einen stark ungarischen Akzent. Wir erklärten im das wir nicht viel Geld hatten und uns eine Taxifahrt nicht erlauben konnten. Dieser lächelte und sagte dass er so etwas vermutet hätte und er wisse dass die Schulkinder nur wenig Taschengeld haben und es für andere Dinge benötigten. Wir sollten ihn aber doch sagen wo wir hin wollen. Na gut wir sagten ihm die Adresse. Er zog einen Notizblock und begann zu kritzeln als es fertig war erfuhren wir das er auch in dem Viertel der Stadt wohnte und als Taxifahrer Arad wie seine Westentasche kannte. Er gab uns den Zettel in die Hand und erklärte und welcher Bus dahin fuhr und bei welcher Haltestelle wir dann aussteigen mussten. Wir waren diesem Mann sehr dankbar. Also nahmen wir den entsprechenden Bus und zählten die Stationen ab und stiegen aus. Nach ein paar Fragen in der Runde wussten wir Bescheid dar wir 10 Minuten Fußmarsch vor uns hatten. Bald sahen wir den kleinen Park mit der Serbischen Kirche und in unmittelbarer Nähe die „Emil Gîrleanu“- Straße. Die Schule war mit der Hausnummer 1. Wir waren endlich da, aber das Tor war schon geschlossen den mittlerweile war es schon fast dunkel. Wir machten uns irgendwie bemerkbar und tatsächlich kam der Pädagoge der Dienst hatte und ließ uns auf das Gelände. Da es heute schon zu spät war um die Aufnahme zu machen führte er uns zu den Schlafsälen um uns ein provisorisches Bett zum schlafen zu geben und morgen Früh sollten wir uns in dem Schulgebäude vorstellen um die Aufnahme zu vollenden.

Ich sagte vorhin Schlafsäle, es war ein Saal und kein Zimmer. Dieser Saal war mit 40 Etagenbetten nach Militärart ausgestattet, also für 80 Schüler. Es stank nach allerhand Körpergerüchen einfach undefinierbar. Nach einer traumlosen Nacht weckte uns am Morgen um 6 Uhr das Leuten einer Handglocke die der Schüler der gerade Dienst hatte fleißig schwang.

Die Morgentoilette fand in einem Gemeinschaft-Badezimmer das im selben Gebäude untergebracht war. In diesem Raum befanden sich 6 Waschbecken und 6 Duschen und das für alle 80 Schüler des Internats. Ich muss noch dazu sagen das auch von den Waschbecken und auch von den Duschplätzen nicht alle funktionierten. Die Wände waren mannshoch mit Fliesen, von denen schon viele fehlten gekachelt. Der Anstrich darüber und die Decke hatte eine undefinierbare Farbe die wahrscheinlich schon 20 Jahre nicht mehr erneuert war. Aber egal, da musste ich durch. Um 7 Uhr gab es Frühstück im Speisesaal der im Kellergeschoss untergebracht war und etwa Platz für 20 bis 25 Personen bot. Das hieß die Mahlzeiten mussten in mehreren Touren von Statten gehen. Das Frühstück bestand aus 2 Scheiben schwarzem Brot, ein kleiner Würfel ekliger Margarine, einen Klecks Marmelade und Russischen Tee, den man bei Bedarf auch nachgereicht bekam. Nach dem Frühstück meldete ich mich in der Kanzlei und die Aufnahme wurde offiziell und schriftlich festgehalten. Der Verwalter des Internats wurde gerufen mich in Empfang zu nehmen. Nach der Vorstellung führte mich dieser in den anderen Flügel des Internats in den Kellerraum, wo alle 80 Metallspinde untergebracht waren, die zum aufbewahren der Habseligkeiten der Schüler dienten. Diese waren jeder mit einem Vorhängeschloss gesichert. Die Koffer eines jeden wurden oben darauf aufbewahrt. Also öffnete ich meinen Koffer und räumte meine Sachen in den Spind der mir zugeteilt wurde. Danach legte ich meinen Koffer so wie alle anderen darauf. Nach dem ich auch mein Schloss angebracht hatte so wie mein Namensschild war ich nun ein Mitglied dieser Gemeinschaft die in den nächsten 3 Jahren ihren Alltag des Schülerlebens in diesen traurigen Bedingungen fristen musste.

Horst Theil

Fortsetzung folgt  

 

Mit dem Fahrrad nach Benzenz.


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Evangelische Kirche Benzenz

(Foto:Wikipedia)

Einiges zu den Schwaben aus Benzenz.

Das Geschlecht der Habsburger suchte zu Beginn des 18. Jh. im deutschsprachigen Raum nach freiwilligen Siedlern, welche die südöstlichen Randgebiete des Österreich-Ungarischen-Kaiserreiches gegen die türkische Bedrohung sichern sollte. Es handelte sich hierbei um ein Gebiet das heute im Dreiländereck zwischen Ungarn, Rumänien (Banat) und Jugoslawien (Serbien)liegt. Die Batschka, um die es in der 1.Wanderungsbewegung geht, gehört heute mit einem nördlichen Teil zu Ungarn und dem größeren südlichen Teil zur Woiwodina (Serbien). Der Ort Tschervenka, welcher der Herkunfts- Ort dieser Siedler der ersten Welle war, liegt im Flachland zwischen Donau und Theiß, ungefähr in dem Zentrum der Batschka.
Von den Habsburgern wurden gezielt Bauern und Handwerker gesucht, um neue Ortschaften zu gründen. Als Anreiz dienten Grundstücke, Häuser, Gerätschaften, Vieh und Geld. Die Besiedlung der Gegend um Benzenz erfolgte in drei Wellen: die erste 1729 unter Karl VI, die zweite 1762 unter Maria Theresia und eine dritte ab 1782 unter Joseph II. Mit der dritten Siedlungswelle kamen die Siedler aus dem Odenwald und gründeten 1785 Cservenka, was aus dem Orts Siegel ersichtlich wird.
Da die Batschka von Donau und Theiß begrenzt liegt, und sich hier viele Großfamilien niederließen wirkte der Raum bald beengt. Aus diesem Grund entschlossen sich einige Siedler 1893 zu einer 2.Wanderungsbewegung nach Siebenbürgen. Siebenbürgen bildete zu der Zeit die nord-östliche Grenze des Österreich- Ungarischen- Kaiserreiches. Seit 1918 gehört Siebenbürgen zu Rumänien.
Auf Grund der beengten Wohnverhältnisse suchten vor allem die Bauern nach neuen Ländereien. In Siebenbürgen wurden sie fündig. Eine Gruppe, deren Anführer Ludwig Albrecht war, fand in der Siebenbürgisch-Sächsischen-Bank in Hermannstadt (Sibiu) Unterstützung. Diese bot ihnen Ländereien von verschuldeten ungarischen Adligen in Benzenz zum Kauf an. Die Siedler verkauften ihren Grund in Cservenka, und machten sich auf den Weg: die Männer mit Pferdewagen im Konvoi, die Frauen und Kinder per Eisenbahn. Sie ließen sich in dem kleinen Ort Benzenz  am Marosch nieder. Innerhalb der zugewanderten Gruppe gab es später noch einmal weitere Umzüge: 1907 ins nahe gelegene Batiz, und 1918 nach Rusch.

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In Mühlbach schrieb man das Jahr 1967. Es war das Jahr meiner Konfirmation. Und so wie es in Mühlbach Sitte und Brauch war dass jeder ein Geschenk, oder Geld von den Paten und den geladenen Gästen zum Fest bekam war das auch bei mir der Fall.

Unter den Geschenken war ein Fotoapparat der Marke „Smena 8“ russischer Produktion, den ich von meinem Paten Wilhelm Theil bekam. Nach  dem Fest war auch eine gewisse Geldsumme zusammen gekommen, und da ich mir schon lange ein eigenes Fahrrad wünschte legte mein Vater noch etwas darauf und so kam ich zu meinem Ersten Fahrrad. Also kam der große Tag und mein Vater und ich gingen in die Stadt zum „Fierul“ um eines zu kaufen. Für die Fahrräder war ein Verkäufer zuständig, den damals alle Mühlbacher nur „Dase“ nannten.

Ein sehr höflicher Mann. Er zeigte uns den damaligen Renner zu gutem Preis die Marke „Tohan“ als Herrenrad- Ausführung. Der Lenker wurde gerade gedreht und das mit Paraffin getränkte Papier notdürftig entfernt, so dass man es vor sich herschieben konnte. Und so schob ich nun mein Erstes eigene Fahrrad, die Mühlgasse herunter, vor mir her. Mein Vater meinte wir sollten beim Mann seiner Hannotante halt machen und es vorzeigen. Das taten wir dann auch. Dieser meinte das der Tag noch jung war und bot sich an mir das Fahrrad zu schmieren und alle Schrauben nachziehen, und so fahrtauglich zu machen. Er schmierte alle Teile sorgfältig, das Schutzpapier wurde entfernt und die Räder aufgepumpt. Somit war das Fahrrad fertig. Ich setzte mich darauf und fuhr ganz stolz Heim. Mein Vater kam zu Fuß nach.

Selbstverständlich verbrachte ich die nächsten Tage und Wochen mit Fahrradfahren, einfach spazieren, Angeln oder einkaufen.

Mittlerweile hatten auch die Anderen meiner gleichaltrigen Freunde auch ein Fahrrad und wir unternahmen so manche kleinere Tour in der Umgebung von Mühlbach. Das ging so bis zum darauf folgenden  Sommer.

Eines Tages fragte mich einer meiner Freunde ob wir vielleicht mal eine längere Fahrradtour unternehmen sollten.  Die Idee hörte sich nicht schlecht an, die Frage war nur wohin. Es vergingen ein paar Tage und mein Freund meinte dass wir es mal bis nach Benzenz (Aurel Vlaicu) wagen sollten, den er habe da Anverwandte, und bei dieser Gelegenheit könnte er sie mal besuchen. Wir teilten unser Vorhaben unseren Eltern mit, und nach einigem Hin Und Her waren diese einverstanden. Zu dem Fahrradwerkzeug kam noch Flickzeug, wegen eventueller Reifenpanne, hinzu und so waren die Fahrräder fahrbereit. Die Taschen wurden gepackt und am nächsten Morgen um 7 Uhr begannen wir unser Abenteuer. Wir fuhren die Altgasse und die Mühlgasse hoch bis zur großen Kreuzung an der Alten Post, die um diese Zeit noch nicht mit Verkehrsampeln ausgerüstet war, und bogen dann Links ab um über die Griechengasse in Richtung Stadtrand zu gelangen. Nach den letzten Häusern von Mühlbach Öffnete sich der Blick zur Linken und Rechten über die Felder und reichte bis in die Ferne zur Weggabelung wo die eine Straße nach Deutsch- Pien und die andere in Richtung Winz führte. Wir traten fleißig in die Pedale und gelangten nach einiger Zeit an diese Weggabelung und nahmen die in Richtung Winz. An dieser Stelle begann auch die Straße anzusteigen. Die Leute nannten diese Stelle die „Pien- er Hula“.

Es sei gesagt das unsere Fahrräder um diese Zeit noch keine Gangschaltungen wie heute zu Tage. Und das merkten wir sehr bald. Wir schafften es mit Ach und Krach bis fast oben hin. Die letzten Meter mussten wir aber schieben. Oben angekommen, stiegen wir wieder auf und setzten unseren Weg auf einer Schnurgeraden Straße in Richtung Winz fort. Auf der Linken dehnte sich ein riesengroßer Acker, der von den Mühlbachern „Vintisoara“ genannt wurde, aus. In weiter Ferne konnte man eine Häusergruppe erkennen. Aus der Geschichte wissen wir dass da einmal ein Wirtshaus und Pferdewechselstation in der Zeit als die Postkutschen und die Fuhrleute, noch den Warenverkehr bewältigten.

Wir passierten diese Stelle nach geraumer Zeit und befuhren nun die Straße die bergab nach Winz führte, das man schon von da sehen konnte. Unser Vorteil, man musste nun nicht mehr in die Pedale treten. Wir gewannen Geschwindigkeit, und waren nach einiger Zeit schon dem Winzer Bahnhof gegenüber. Da legten wir eine kleine Rast ein und tranken am Bahnhof  Wasser. Die Sonne war jetzt schon hoch am Himmel und es war schon heiß so das uns das gelegen kam um uns hier mal erfrischen zu können. Dann ging es weiter über Sibiseni bis Tartaria zum Bahnhof wo wir uns wieder unseren Durst stillten. Es folgten: Balomir und Sibot

Wo wir eine längere Rast einlegten da hier eine große Straßen –Kreuzung war und auch eine Gaststätte an der Straße mit Parkplätzen. Ein anderes Argument war auch die Tatsache dass hier auch der Kudschir- er Bach in Richtung Mieresch floss, und man an seinen mit Bäumen gesäumten Ufern herrlich im Schatten ausruhen konnte. Da aßen wir auch von der Brotzeit die wir mitgenommen hatten. Nach einer halben Stunde ging es weiter über die Gleise die nach Kudschir führten, in Richtung Broos. Nach einigen Kilometern bogen wir von der Landstraße nach Rechts ab, und nach dem überqueren der Gleise der Bahnstrecke die bis Arad ging, waren wir schon am Ziel angekommen. Nach ein paar Minuten der Suche stiegen wir vor dem Hause der Verwandten meines Freundes ab.

Wir wurden verwundert aber freundlich begrüßt und gleich zu Tisch gebeten, denn es war Mittlerweile schon Mittagszeit. Bei Tisch begann die Fragerei auf schwäbisch. Warum und wieso wir uns auf diesen weiten Weg aufgemacht haben und ob unsere Eltern auch davon wussten und so das Übliche. Na ja, mein Freund stand Rede und Antwort bis sich alle beruhigt hatten. Dann saßen alle gemütlich im Hof im Schatten und danach ging es in den Garten wo auch  ein schöner Sitzplatz war.

Wir waren ziemlich mitgenommen von der Fahrt, es sind immer hin 32 Km, die uns noch für die Heimfahrt bevor standen. Wir beschlossen noch zu warten bis die Hitze gegen Abend nachließ. Na ja, und so wie im Hochsommer das ziemlich späht geschah, verschob sich die Heimfahrt immer mehr dem Abend entgegen. Die netten Leute boten uns an hier zu übernachten, aber unser Bedenken war dass die Eltern das nicht wussten, und in Panik geraten wen sie sahen dass wir nicht Heim kommen.

Also gegen 7 Uhr Abends sattelten wir unsere Drahtesel und begannen die Heimfahrt. Am Anfang ging alles recht gut, aber das sollte sich bald ändern. Kaum ein paar Kilometer gefahren, bis kurz vor Sibot, war ich unachtsam und fuhr glatt über ein am Straßen Rand liegendes Hufeisen. Was war das Resultat? Reifenpanne. Na ja, nutzte alles nichts, musste irgendwie behoben werden um weiter zu fahren, den um diese Zeit gab es noch keine Mobilfunktelefone  um irgendwie daheim Bescheid zu sagen.

Also wurde zu erst das Vorderrad abgeschraubt. Keiner von uns beiden hatte so eine Reparatur schon selber gemacht, und man kann sich vorstellen was für Mühe uns das bereitete, mal abgesehen das wir schon beide sehr müde waren an diesem Tag. Dem entsprechend lange dauerte diese Reparatur bis es nach fast einer Stunde wieder mit Ach und Krach weiter ging. Wir fuhren durch bis Tartaria Bahnhof, wo wir kurz anhielten um Wasser zu trinken. Mittlerweile begann es schon dunkel zu werden. Wir schalteten unsere Dynamos ein und fuhren nun mit Licht weiter. In Höhe vom Winzer Bahnhof war es schon stockdunkel. Wir zogen uns mehr schlecht wie recht die Anhöhe zu der vorhin erwähnten Häusergruppe die Landstraße hoch. Oben angekommen, nach ein paar hundert Metern, bemerkten wir den Scheinwerfer eines Motorrades das sich zügig aus Richtung Mühlbach näherte. Plötzlich stellten wir fest dass das Motorrad abbremste und vor uns zum Stillstand kam. Eine uns bekannte Stimme Sagte unsere Namen in fragendem Ton. Wir konnten nicht erkennen wer es tatsächlich war bis der Fahrer abstieg und in das Scheinwerferlicht trat. Es war Herr Marta Remus der beim Vater meines Freundes in der Lederfabrik arbeitete. Dieser hielt uns eine kleine Standpauke. Wir erfuhren dass er geschickt wurde uns zu suchen und nach zu sehen ob was passiert  war. Nachher fuhr er wieder wider zurück um Daheim zu berichten das alles in Ordnung war.

Das verhieß nichts Gutes. Wir traten fleißig in die Pedale um zügiger voran zu kommen. Nach geraumer Zeit fuhren wir in Mühlbach ein und bemerkten schon bei der Einfahrt in die Altgasse dass unsere Eltern auf der Gasse unsere Ankunft erwarteten. Nach mehreren hitzigen Diskussionen und Vorwürfen gingen wir alle nach Hause. Wir waren beide froh dass dieser Ausflug noch, für uns beide, ein so gutes Ende genommen hatte.

 

Horst Theil

Die Fußball WM vom Roten Berg.


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Alte Ansichtskarte

Der Titel wird Sie vielleicht irritieren. Aber ich will es erklären. Es ist eine weitere Erinnerung die ich ihnen gerne erzählen möchte.

Mühlbach im Jahre 1982. Es ist das Jahr in dem die Fußball – WM in Spanien stattfand. Na ja, nichts besonderes werden manche sagen. Dennoch war es für uns Mühlbacher, aber nicht nur, etwas besonderes, und zwar das die WM nicht im rumänischen Fernsehen übertragen wurde. Das wusste man und alle Leute versuchten auf irgend eine Weise doch noch wenigstens einige Spiele zu sehen.

Viele meiner Bekannten die Freunde oder Verwandte in den Grenzgebieten von Rumänien hatten, versuchten bei diesen für die Dauer der Spiele unter zu kommen.

Bevorzugt war das Banat den da konnte man in Grenznähe die TV Programme der Ungarn und der Serben ja sogar im Süden die der Bulgaren empfangen. Alle diese Länder sendeten die WM, nur wir wurden als Stiefkinder behandelt und hatten nicht die Möglichkeit die Spiele zu verfolgen.

Und da die Not erfinderisch war ließen die Leute sich so einiges einfallen. Jeder nach seinen Möglichkeiten.

Und die besten Möglichkeiten dieser Zeit hatten die Partei und die Direktoren der Großen Betriebe der Stadt. Also eines Tages kurz nach dem Beginn der WM sprach es sich herum das am roten Berg Fußball gesehen wird. Kurios für den normal sterblichen. Ich erzählte es einem guten Freund und wir beschlossen uns diesem Gerücht auf den Grund zu gehen. Wir hatten beide Mopeds und fuhren kurzer Hand mal zum roten Berg um zu sehen ob da etwas dran war. Schon beim Verlassen der Stadt äugten wir skeptisch in Richtung roter Berg. Und tatsächlich, ungefähr auf halbem Weg, bemerkten wir etwas was hoch oben am Berg was nicht dahin gehörte. Um so näher wir kamen um so mehr entpuppte sich das Ungewöhnliche zu einem Zelt von größeren Ausmaßen. Also fuhren wir in die Richtung den Berg hoch bis neben das Zelt. Es war noch relativ früh am Morgen und es war niemand da zu sehen. Aber wir hatten uns getäuscht den neben dem Zelt war auch ein geschlossener Kleinbus „Tudor Vladimirescu“ geparkt, dem zwei Männer entstiegen die wahrscheinlich durch das Motorengeräusch aufgescheucht wurden. Prompt wurden wir gefragt was wir den da wollten. Wir taten unwissend und sagten das wir am Zeckesch waren und das große Zelt sahen und neugierig waren was den da sei. Die Zwei waren anscheinend genervt den sie sagten das sie seit 3 Tagen nicht mehr Daheim waren und hier das blöde Zelt hüten mussten. Auf unsere Frage warum gaben sie uns bereitwillig bekannt das die „hohen Tiere“ hier Fußball guckten. „Kommt schaut was für einen Luxus diese hier haben“ sagte der eine und öffnete den Eingang zum Zelt, so das wir einen Blick hinein werfen konnten. Na ja dann klappte uns die Kinnlade runter. Im Hintergrund thronte einer der größten Fernseher aus der Zeit („Opera“) auf einem Tisch der sogar ein Tischtuch hatte. In der Ersten Reihe waren fünf sechs bequeme Sessel. Der Zeltboden war mit Teppichen ausgelegt. Und in einer Ecke des Zeltes waren ein Stapel Klappstühle. In der anderen Ecke stapelten sich kästen mit Bier und anderen Getränken. Neben dem Zelt war eine riesige Antenne auf einen in den Boden gerammtes Rohr befestigt war. Nachher erfuhren wir das alles von Partei und Betrieben in organisierter Zusammenarbeit zustande gekommen ist. Natürlich zogen nur die Bosse ihren Nutzen daraus. Sogar der Polizeikommandant und auch die von der Securitate waren dabei. Na gut, wir wurden gebeten uns zu entfernen den das Auto mit Nachschub sollte kommen und man wollte vermeiden das wir da gesehen werden um nicht selber Ärger mit den Bossen zu bekommen. Das verstanden wir und fuhren zurück in die Stadt.

Am nächsten Tag traf ich mich wieder mit meinem Freund und wir schmiedeten den Plan es auch zu versuchen. Mein Freund besaß einen kleinen tragbaren Fernseher ich besorgte eine alte Autobatterie. Nun kam die Frage von wo eine Antenne. Also noch ein Tag und wir bastelten eine Antenne die man mit Schrauben zusammenstellen konnte. Am anderen Tag am späten Nachmittag packten wir alles auf die Mopeds und fuhren zum roten Berg. Allerdings nicht in die Nähe des besagten Zeltes sondern suchten uns eine andere Anhöhe auf dem roten Berg wo wir unseren Versuch starten konnten. Es war schnell alles zusammengebaut. Nun Schalteten wir unseren winzigen Fernseher ein und begannen den Sender zu suchen. Wir guckten uns die Ausrichtung der Antenne bei den anderen ab und verstanden das die auf Ungarn ausgerichtet war. Also über das Maroschtal das in westlicher Richtung verlief und dem zur Folge auch in Richtung Ungarn. Damals war noch terrestrisches Fernsehen und dem entsprechen schwer einen anderen Sender wie das rumänische Fernsehen zu empfangen. Anscheinend hatten unsere Rivalen eine ausgeklügeltere Technik zur Verfügung, den bei uns bekamen wir nichts außer ein paar verwischte Bilder die durch Ruflektion hervorgerufen wurden. Der Ton war nur ein Rauschen. Wir bemühten uns bis spät am Abend etwas auf den Bildschirm zu bekommen aber alles vergebens und der alte Akku gab auch den Geist auf. Müde und total betrübt packten wir unsere Amateurausrüstung zusammen und fuhren in der Dunkelheit, der inzwischen hereingebrochenen Nacht, wieder heim.

Also wir sehen auch an Hand dieses kleinen Beispieles, das der einfache Bürger auf so manches, und das war nicht wenig, in den Jahren der „Goldenen Epoche“ verzichten musste im Gegensatz zu den „Auserlesenen“, die in den Genuss jeder Art von Privilegien kam.

Horst Theil

Der Hirte vom „Roten Berg“


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Die Wiese zur Linken der Steilwand

Es war Ende der 70-er Anfang der 80-er Jahre. In dieser Zeit war das tägliche Leben in Mühlbach, so wie in ganz Siebenbürgen, keine einfache Sache. Da alles ziemlich teuer war, musste jeder sehen das er mit dem Einkommen der Familie zurecht kam. Wie ich schon bei anderer Gelegenheit erwähnte, musste man Bekanntschaften und Verbindungen in fast allen Bereichen haben, um einiger Maßen an Sachen des täglichen Lebens heranzukommen.

Das soll nicht heißen das man etwas geschenkt bekam, man musste alles bezahlen aber man musste durch Beziehungen an das gewünschte erst mal heran kommen. Dann war auch der Tauschhandel noch üblich. Ich möchte ihnen ein kleines Beispiel aus meiner Erinnerung schildern.

Eines Tages als ich wieder einmal am Zeckesch angeln war, bemerkte ich auf der anderen Seite des Zeckesch, auf den Wiesen die bis zur Hälfte des roten Berges reichten, alles weiße Punkte. Da das Angeln nicht besonders gut lief, und meine Neugierde geweckt war, beschloss ich der Sache auf den Grund zu gehen. Ich musste ein Stück Flussaufwärts fahren um an die Furt zu gelangen wo ich mit dem Moped durch den Zeckesch ans andere Ufer gelangen konnte. Ich näherte mich der Wiese zur Linken Seite der Hauptschlucht, und Stellte fest das die aus der Ferne gesehenen weißen Punkte sich als Wiesenchampignons entpuppten.

Na, dachte ich, wenn keine Fische dann wenigstens Pilze“

Ich stieg ab und suchte eine festere Stelle wo ich mein Moped aufbocken konnte. Dann sammelte ich einige Pilze bis meine Umhängetasche voll war. Ich ärgerte mich das ich nur diese, für meine Anglersachen mit hatte, den es waren sehr viel mehr Pilze als ich darin unterbringen konnte. Da der Tag noch jung war, beschloss ich Heim zu fahren und eine größere Tasche mit zu nehmen. Gesagt getan. Ich lieferte die gesammelten Pilze Daheim ab und nahm einen Rucksack mit. Die noch vorhandenen Pilze reichten noch den Rucksack zur Hälfte zu füllen, den Mittlerweile waren noch andere Leute zum Pilze sammeln erschienen.

Da ich den Roten Berg in und auswendig kannte wusste ich das ober „ dem roten“ noch ausgedehnte Wiesen waren und wahrscheinlich auch da Champignons zu finden waren. Diese Wiesen grenzten an den Daiaer Wald. Der Weg dahin führte weit zur Linken der Steilwand nach oben. Da ich aber mit dem Moped war wollte ich es nicht da unterhalb stehen lassen, und wog ab mit diesem den Weg nach Oben zu wagen. Das war nicht ungefährlich den es ging ziemlich steil nach Oben auf einer Länge von ungefähr drei bis vierhundert Meter. Da mein Moped keine Kross-Maschine war, hatte ich so meine Bedenken. Bis zu Letzt ging ich aber das Risiko ein. Ich legte den ersten Gang ein und gab Vollgas. Unter dem höllischen Lärm den der misshandelte, aufheulende Motor machte , ging es aber stetig Aufwärts. Nach unendlichen Minuten langte ich mit ach und Krach auf der Oberen Wiese an.

Nun überschlugen sich die Ereignisse, ich landete nach dem Austritt aus den Büschen, die den Weg dahin säumten, mitten in einer Herde Kälber. Die Hunde kamen kläffend, durch den Krach den ich verursachte, in meine Richtung gerannt. Es waren vier an der Zahl. Die Kälber die näher an mir waren stoben auseinander. Aus der Ferne hörte ich Lautes Pfeifen und eine Männerstimme die die Hunde zurückrufen. Nach einigen Augenblicken sah ich auch den Hirten der hinter einigen Büschen hervorkam und in meiner Richtung mit zügigen Schritten kam. Ich stellte den Motor ab und harrte dem das nun kommen sollte. Die Begrüßung war frostig. Der Mann war böse das ich seine Herde fast zu einer Stampede gebracht habe. Nach einigem hin und her legten sich die Gemüter und es begann ein normales Gespräch. Der Mann war so um die 60 – 65 Jahre alt. Er sagte mir ich solle mit ihm zur „Stîna“ kommen den er habe keine Lust den ganzen Tag da stehend zu verbringen, also folgte ich ihm. Seine Hütte konnte ich vorhin wegen den Büschen nicht sehen. Diese war nicht wirklich als Hütte zu betrachten, es war ein Gebilde aus Ästen und Laub, aber alles mit einer alten Zeltplane abgedeckt und so einiger Massen Wasser- und Windfest. Die Einrichtung bestand aus einem ebenfalls aus Ästen gefertigtem Nachtlager, einigen Wolldecken und Aluminiumgeschirr.

Neben der „Hütte“ waren noch ein eingezäunte Fläche wo zwei Schweine waren, und eine nächster mit einer Kuh.

Nach dem ich ihm erzählt hatte was ich da oben wollte begann auch er mir seine Geschichte zu erzählen. Ich erfuhr das er der Hirte vom Kollektiv, der für die Herde mit dem Jungvieh zuständig sei, war. Der praktisch den ganzen Sommer über da oben war und die Herde betreute. Die ganze Zeit des Diskussion immer wieder unterbrochen mit einem Schluck Schnaps und Zigaretten die er von mir dankend annahm.

Er bot mir zum Schluss an, wenn ich nochmal den Weg hierhin hätte, sollte ich im vielleicht eine Flasche Wein oder Schnaps und einige schachteln „Nationale“ (Zigaretten) mit bringen. Als Gegenleistung wolle er mir Frische Milch geben.

Das tat ich dann auch des öfteren, ich brachte ihm jedes mal einen Liter von meinem Hauswein und zwei Pack „Nationale“ und bekam jedes mal 5 Liter frische und nicht gerahmte Milch.

So war für meine Familie, den Sommer über, der Bedarf an frischer und guter Milch so wie an frischem Rahm gedeckt.

Dieses ist ein Beispiel der Beziehungen und Warentausch den ich am Anfang dieser Zeilen erwähnt hatte. Daraus entwickelte sich eine dauerhafte Beziehung. Die sollte erhalten bleiben bis zu meiner Ausreise nach Deutschland.

Das war auch eine Erinnerung an Mühlbach und das Leben in dieser Stadt.

Horst Theil

Siebenbürgische Sagen


Eine kleine Sammlung von Siebenbürgischen Sagen

Quelle: Radiobruk. ro

 

Die Siebenbürgische Sagenstrasse

die schönsten Sagen aus Siebenbürgen

 Gesammelt von:

Andrei Moga

Andreea Petre

Stefania Imbuzan

Ioana Degeu

Mit der Hilfe von:

Alexander Frohn

Sorana Părăian

Inge Sommer

 Das vorliegende Buch zum „Siebenbürgischen Sagenwanderweg“ wurde so erstellt, dass der Leser mit jeder Seite das Universum seiner Einbildungskraft erweitert. Die Märchen, die hier gesammelt wurden, führen in ein Land der Tradition und der Passion für das Idyllische. Sie wurden schon seit langer Zeit nicht mehr erzählt und bringen doch Phantasie und das Prinzip des ländlichen Lebens zusammen. Wir laden Sie ein sich auf diese Weise ein wenig vom täglichen Leben zu lösen und die schönsten Sagen aus Siebenbürgen zu geniessen.

  

Der Rabenbrunnen

(eine Sage aus Petersdorf/Petresti)

 

Als Mädchen wohnte ich in einer Gasse, in der unserem Haus gegenüber ein kleines Haus stand. Es hieß, da sei der König Matthias, wenn er nach Petersdorf, kam, abgestiegen. Dort  wohnte er jedes Mal, wenn er in Petersdorf war.

Einmal, als er sich wusch, streifte er seinen schönen, goldenen Ring vom Finger, und legte ihn aufs Fensterbrett. Als er sich später daran erinnerte, fand er den Ring nicht mehr. Er suchte und suchte, doch kein Ring war zu finden.

Erst nachdem einige Zeit vergangen war, fand man den Ring. In unserem Wald gibt es eine Quelle, die heißt der „Rabenbrunnen“. Dort, an der Stelle, fand man den Ring und vermutete, ein Rabe hätte den Ring gefunden und ihn bis dorthin verschleppt, wo er ihn dann fallen ließ. Bis heute nennt man diese Quelle den „Rabenbrunnen“.

(Maria Kellinger, 1977,  gesammelt von Inge Sommer)

 

Der    Trudenweiher

(eine Sage aus Petersdorf/ Petresti)

 

Bei uns in Petersdorf gibt es eine Wiese, die heißt die ,,Drausenwis“. Und warum hat sie diesen Namen? Da soll früher eine Frau in einem kleinen Häuschen gewohnt haben, von dem man auch heute noch die Spuren sieht. Die Frau hieß Maria Draus und man sagte, die Frau wäre eine Trude gewesen. Unsere Gemeinde wollte aber keine Trude haben und man überlegte hin und her, wie man das machen sollte, wie man die Trude aus Petersdorf wegkriegt. Und man fasste einen Entschluss.

In der nächsten Stadt, in Mühlbach, nicht weit von uns, ist ein großer See, den man auch jetzt noch den ,,Trudenweiher’’ nennt. Man beschloss, die Trude hinzufahren und sie im See zu ertänken. Als man dort ankam, sagte sie: ,,Ich weiß, ich muss jetzt sterben, aber erfüllt mir noch einen letzten Wunsch. Gebt mir ein großes Sieb (Reckter).’’ Das Sieb war so groß, dass sie sich hineinsetzten konnte. ,,Ich will euch ein paar Kunststücke zeigen, die ich kann.” Sie saß in dem Sieb und versank nicht im Wasser. Da sah man, dass sie sich mit dem Sieb in die Luft erhob, immer höher. Da rief sie hinunter: ,,Adieu, ich fliege nach Australien zu meinem Trudengeier!“

(Maria Kellinger, 1977,  gesammelt von Inge Sommer)

 

Der Studententurm

(eine Sage aus Mühlbach/Sebes)

 

Im 15. Jahrhundert sind die Türken häufig in Siebenbürgen eingefallen. Im Gegensatz zu Hermannstadt, konnte man Mühlbach leicht erobern und die Stadt ist des öfteren schlimm zerstört geworden, am schlimmsten 1438.

Die Häuser wurden niedergebrannt, die Menschen getötet oder als Sklaven mitgenommen. Eine kleine Gruppe hatte sich in einem der Stadttürme verschanzt. Da konnten die Türken nicht hinein. Um diese Leute doch zu kriegen, legten die Feinde Feuer vor den Eingang und so trieb der Rauch die Verteidiger hinaus.

Einer von ihnen war ein Schüler des Mühlbacher Gymnasiums, er kam aus Rumes, einem Dorf im Unterwald. Die Türken verschleppten ihn in die Türkei. Dort diente er lange als Sklave, lernte Türkisch und die Bräuche und Sitten dieses Volkes kennen. Nach vielen Jahren gelang ihm die Flucht und er gelangte in ein Kloster in Rom. Dort schrieb er auf lateinisch ein Buch, das ,,Türkenbüchlein“. Es ist das erste schriftliche Zeugnis eines Nicht-Türken über sie. Selbst Luther lobte das Buch. Der Klostername des Mannes war Pater Georgius, und in Mühlbach nennt man ihn bis heute den Rumeser Studenten.

Der Turm, nach diesem Ereignis Studententurm genannt, steht auch heute noch in Mühlbach als Zeugnis dieser historischen Ereignisse genau gegenüber des ,,Trudenweihers“.

(erzählt von Inge Sommer, 18.12.2013)

 

Der schwarze Ritter

(eine Sage aus Kleinpold/ Apoldul de Jos)

 Vor etwa fünfhundert Jahren kam ein Bauer von der Feldarbeit nach Hause. Es war windstill und die Luft warm. Am Himmel hingen dunkle Wolken und ein Gewitter meldete sich an

Am zweiten Feld hörte er plötzlich Pferdegetrappel hinter sich, und zuerst dachte er, dass jemand aus dem Dorf geritten käme. Er blickte sich um und sah ein großes weißes Pferd mit goldenem Zaumzeug und darauf saß ein Mann in einem langen schwarzen Mantel und mit einer großen Sense in der Hand. Schnell sprang der Bauer hinter einen Baum, und Pferd und Reiter eilten vorbei und verschwanden im Kleinpolder Busch.

In den Hufspuren auf dem Feldweg aber begann sich Blut zu sammeln. So wie in kleinen Pfützen nach dem Regen. Entsetzt lief der Bauer nach Hause.

Damals deutete man diese Begebenheit so: Es werden schwere Zeiten kommen, und in den Gemeinden am Zekesch und im  Unterwald wird viel Blut fließen. Das traf dann auch um das Jahr 1600 ein…

(Claus Stephani, ,,Die Sonnenpferde“, Seite 149)

 

Der Schlangenbeschwörer

(eine Sage aus Großau/Cristian)

 

Am Großauer ,,Kallbärch“ (Kalleberg) liegen die gemeindeeigenen Weingärten, daneben, dem Wald ,,Schaichelt“ zu, erstreckt sich das Gelände, in dem sich zwei mit Rohr bewachsene Weiher befinden. Der eine Tümpel soll sehr tief sein. Mehrere Bauern, die hier im Heu waren, wollten einmal seine Tiefe mit dem Wiesbaum messen, aber sie fanden keinen Grund. Früher traute sich das Vieh an dieses versumpfte Wasserauge nicht heran, aus Angst, dass es darin versinken könnte.

In diesem unendlich tiefen Weiher lebten einst große Schlangen, welche im Weinberg arbeitenden Müttern die an der Hacke zurückgelassenen Säuglinge in den Sumpf entführten. Als immer mehr Kinder geraubt wurden, versanken die Großauer in Trauer. Ihr Leid sprach sich in ganz Siebenbürgen herum.

Ein heiliger Mann, der davon hörte, machte sich auf und kam in die Gemeinde, um an Ort und Stelle zu erfahren, was hier geschehe. Da er die genaue Anzahl der Schlangen wissen wollte, erkündigte er sich danach bei jedem Einwohner, der ihm begegnete. Er bekam stets die gleiche Antwort: Acht Schlangen lebten im Weiher. Wenn die Sonne heiß scheine, stiegen sie aus dem Teich und sonnten sich. An ihren silbrig-weiß glitzernden Bäuchen hätte man sie erkannt und nie mehr als acht gezählt.

Auf seine Anweisung hin bauten die Männer der Gemeinde in der Nähe des Moores einen Ziegelbrennofen. Darin entfachten sie mit Papier ein Feuer. Die Gemeindebewohner, die alle gekommen waren, um das Wunder, das geschehen sollte, zu sehen, standen in kurzer Entfernung davon. Doch glaubte keiner, dass das Papier, das im Ofen brannte und große Hitze ausstrahlte, die gefährlichen Schlangen aus dem Weiher herauszulocken vermöchte. ,,Die lassen sich ja nicht besprechen wie ein vernüftiger Mann!“ sagte der eine zum andern.

Da erscholl das Wort des Mannes. Wenn sich mehr als acht Schlangen dort aufhielten, teilte er den Leuten mit, würde es um ihn geschehen sein, denn er beschwöre nur ihrer acht. Dann begann er aus einem Gebetbuch zu lesen. Plötzlich erschienen aus dem Tümpel der Reihe nach, eine von der anderen denselben Abstand bewahrend, die acht Schlangen. Sie wanden sich an dem Mann vorbei, schlängelten sich zum glüheißen Ofen und verschwanden darin.

Als die letzte der Schlangen verbrannt war, hoben die Großauer ein Jubelschrei an. Sie bedankten sich bei ihrem Retter, dem sie

Gesundheit und ein langes Leben wünschten, damit er noch öfters gute Tagen vollbringen könne.

Aber schon im nächsten Augenblick verschlug es ihnen die Sprache. Im Sumpf erschien eine neue Schlange, die trug auf dem Kopf eine Krone. Sogleich umringten einige forsche Männer den weisen Mann, um ihn vor der Gefahr, die ihm drohte, zu schützen. Doch er wollte vor dem schrecklichen Unheil, das über ihn hereinbraach, nicht fliehen, auch dann nicht, als die ganze Gemeinde eine undurchdringliche Wand um ihn gebildet hatte.

,,Nein, das darf ich nicht tun!“ sprach er, als die Männer mit ihm davonlaufen wollten. ,,Das Gebot verlangt es so!“

Die Schlangenkönigin kam ruhig und gemächlich auf den Mann zu, hängte sich bei ihm ein und schritt gemeinsam mit ihm ins Feuer, wo sie beide verbrannten.

(Friedrich Schuster, ,,Der weisse Büffelstier“, Seiten 96-98)

 

Ein Alzner vor dem Sultan

(eine Sage aus Alzen/Altana)

 

Vor langer Zeit mußten die Alzner Sachsen dem türkischen Sultan jährlich einen Tribut zahlen. Mit dem eingesammelten Geld zog ein Mann aus der Gemeinde jedes Jahr, der Reihe nach, von Nachbar zu Nachbar. Oft kehrten die ausgezogenen Männer, die den langen und beschwerlichen Weg zum Sultan zu Fuß zurücklegen mußten, nicht mehr zurück.

In einem Jahr kam die Reihe an einen Mann, der vier Kinder hatte. Ehe er sich auf den weiten Weg machte, aß er noch einmal zu Abend mit seiner Familie. Frau und Kinder aber waren voller Trauer.

Nach vielen Tagen kam der Alzner wohlbehalten in der Türkei an. Er trat vor den Sultan und überreichte ihm das mitgebrachte Geld. Der Herrscher des türkischen Reiches stellte ihm dabei verschiedene Fragen, die der Mann befriedigend zu beantworten hatte. Der Alzner dachte bei sich: Werde ich auf die Fragen bejahende Antworten gegen, läßt der Sultan mir den Kopf abhauen, werde ich aber verneinend antworten, wird mir dasselbe Los zuteil. Also beantwortete er die Fragen so gut er konnte , indem er weder bejahende noch verneinende Antworten gab.

Als der Mann schon meinte, es sei um sein Leben geschehen, rief der Sultan einen Diener, dem er befahl, den Alzner abzufüren. Er wurde in eine Kammer gesteckt und daraus erst wieder hervorgeholt, als der Herrscher ihm weitere Fragen stellen wollte. Als er auch diesmal annehmbare Antworten gegeben hatte, wurde er, ohne etwas über sein weiteres Geschick zu erfahren, wieder in sein Zimmer gebracht.

Inzwischen war ein ganzes Jahr vergangen, dem Alzner hatte es in dieser Zeit an nichts gemangelt. Das Essen, das er bekam, war gut, und alles was er sonst brauchte, wurde ihm zur Verfügung gestellt.

Eines Tages wurde er wieder vor den Thron geladen. Diesmal teilte ihm der Sultan mit, dass er mit seinen Antworten zufrieden sei und ihn nun belohnen möchte. Er solle mit dem Diener in die Schatzkammer gehen und sich eines der drei Säcklein, die dort stünden, auswählen. In einem befinde sich Goldgeld, im zweiten Silbergeld, und im dritten Kupfergeld.

Der Sachse traute den Worten nicht recht, er vermeinte, dass ihm eine Falle gestellt wurde. Er überlegte: Wenn der Sultan ihn warscheinlich umbringen lassen werde, spiele es auch keine Rolle, welches der Säcklein er nehme. Sobald er in der Kammer war, griff er nach dem Gold. Der Sultan sprach: ,,Nimm dir das Säcklein und gehe damit nach Hause!“

Doch der Alzner glaubte noch immer nicht, dass der Türke ihn so einfach laufen lassen werde. Auf dem Weg zurück drehte er sich immer wieder um und lauschte, ob die Leute des Sultans ihn dennoch verfolgten, um ihm Leben und Geld zu nehmen. Ein ganzes Jahr brauchte er, bis er zuhause ankam.

Mit dem Geld baute sich der Mann ein großes Haus. Da die Gemeinde in jener Zeit nur aus kleinen Häusern bestand, war seines das größte und schönste. In der Alzener Kirchenburg besaß er, wie jede andere Familie auch, einen Raum, wo er Weizen und Feldfrüchte für schwere Belagerungszeiten aufbewahrte. Einmal brach in diesen Fruchtkammern Feuer aus. Als die Frau des Heimgekehrten davon hörte, kam sie angelaufen und rief verzweifelt: ,,Meine Knäuel, meine Garnknäueln verbrennen!“

Da ihre Vorratskammer, in der sie das Garn sichergestellt hatte, noch nicht vom Feuer verwüstet war, ergriff sie die Knäuel und trug sie eilig in ihrer Schürze weg. Niemand hatte bis dahin gewusst, dass im Innern dieser Garnknäuel Gold steckte.  Nachdem sich der Mann das Haus gebaut hatte, war ihm noch Geld übriggeblieben. Damit man es ihnen nicht stehle, hatte seine Frau Garn darauf gewickelt und dieses in die Burg getragen.

(Friedrich Schuster, ,,Der weiße Büffelstier“, Seiten 71-72)

 

Die tapfere Ursula

(eine Sage aus Agnetheln/Agnita)

 Die Türken hatten die Agnethelner Siedlung eingenommen. Außer einer Kürschnerfrau, die sich auf dem Feld verspätet hatte, waren alle Bewohner in die feste Kirchenburg geflüchtet. Während der Feind die Ortschaft plünderte, schlich sich die Frau in ihre Wohnung, wo sie sich sicherer wähnte als draußen auf dem offenen Gelände.

,,Was soll ich jetzt tun?“ fragte sie sich, als sie zuhause angekommen war. Die Möglichkeit, von den Türken entdeckt und gefangengenommen zu werden bestand nämlich auch hier.

Da griff sie nach einem zerlumpten Pelz aus der Werkstatt ihres Mannes, zog ihn über, hing sich eine große Kuhschelle an den Leib und verhüllte ihr Gesicht. Mit einer Karbatsche (Riemenpeitsche) in der Hand verliess sie danach das Haus. Knallend und schellend lief sie in dieser Aufmachung durch die Gassen. Als die Türken sie gewahrten, vermeinten sie, der Leibhaftige in Person käme auf sie zu. Sie erschracken und liefen davon.

Die Frau, die durch ihren närrischen Einfall die Türken vertrieben hatte, hieß Ursula.

Seither laufen alljährlich die Männer, wie einst das kühne Weib, vermummt und eine Peitsche in der Hand schwingend, durch die Agnethelner Gassen. In Anlehnung an ihren Namen nennen sich die Verkleideten Urzeln.

(Friedrich Schuster, ,,Der weisse Büffelstier“, Seite 146)

 

Der Hundertbüchler Riese

(eine Sage aus Hundertbücheln/Movile)

 

Auf dem Neustädter, Seligstädter und Hundertbüchler Hattert befinden sich hundert Hügel, nach denen die eine Ortschaft auch ihren Namen erhalten hat. Wie diese Bodenerhebungen, die verschiedenartig geformt sind, entstanden, erklären die Hundertbüchler auf folgende Art:

In alter Zeit wohnte in der Gegend ein Riese. Eines Tages entschloß er sich zum Bau einer Burg. In der großen Schürze, die er anhatte, trug er das Baumaterial zusammen. Nach einiger Zeit, in der er hart gearbeitet hatte, riß in seine Leinenschürze ein Loch ein und überall, wohin ein Klumpen mit Erde, Sand und Steinen fiel, entstand ein Büchel. Als der Mann den Riß bemerkte, erzürnte er so heftig über den Schaden, den er sich angetan hatte, daß er den Inhalt der Schürze ausleerte und den Burgbau aufgab.

Aus der Erdmasse, die er ausschüttete, entstand der hundertste Hügel, der Kirchenhügel. Darauf bauten die Hundertbüchler später ihre Kichenburg.

Ein sehr großer Hügel, den die Leute „Des Måtthes sen Häffel“ (Des Matthias sein Hügel) nennen, liegt auf Neustädter Gemarkung. Hierhin hatte der Riese das Baumaterial, das er dem Harbach entnahm, gebracht, um auf dem aufgehäuften Berg seine Riesenburg zu errichten.

Nach dem mißlungenen Versuch, sich hier eine Burg zu bauen, verließ der Riese für immer das Gebiet. Was außer den Hügeln noch an ihn erinnert, ist der große Hundertbüchler Menschenschlag. Die Alten beaupteten nämlich, daß die Bewohner der Gemeinde Abkömmlinge des Riesen seien.

(Friedrich Schuster „DER WEISSE BÜFFELSTIER“, Seiten 85-87)

 

Der Henndorfer Schatz

(eine Sage aus Henndorf/Bradeni)

 

Auf dem Henndorfer ,,Skrëibärch“ (Gräfenberg), im oberen Teil des Harbachtals, stand in alter Zeit ein Schloss, darin wohnte der Graf Kirr. Hinter dem Berg besaß der Edelmann einen großen Wald, den ,,Kirpesch“. Aus dem Grafenschloss führte ein unterirdischer Gang bis in die doppelt ummauerte, mit einem Brunnen versehene Wehrkirche der Gemeinde. Auf diesem Weg rettete sich der Graf, wenn die Tataren seinen Sitz stürmten.

Es wird erzählt, dass der Graf der Kirchengemeinde eine goldene Henne mit zwölf Kücken geschenkt habe, und dass von diesem Schatz der Name der Gemeinde herrühre. Während eines Tatarenüberfalls wurden diese Wertstücke vergraben, und später, trotz allen Suchens, nicht mehr gefunden.

Als vor Jahren ein sehr alter Mann im Sterben lag, offenbarte er das nur ihm bekannte Geheimnis: der Goldschatz liege an jener Stelle vergraben, wo der Schatten des Turmknopfes am Nachmittag hinfalle. Aber zu welcher Stunde, sagte er nicht mehr.

Vor weniger Zeit hat man einen Teil des unterirdischen Ganges gefunden. Inzwischen ist auch dieser Abschnitt eingestürzt. Oben auf dem etwa anderhalb Kilometer entfernten ,,Skrëibärch“ sind öfters Ziegeln von dem ehemaligen Schloss des Grafen entdeckt worden.

(Friedrich Schuster, ,,DER WEISSE BÜFFELSTIER“, Seite 101)

 

Pumpernickel

(eine Sage aus Bekokten/Barcut)

 

Eine arme Bekoktener Witwe wusste oft nicht, womit sie ihre fünf Kinder sättigen sollte. Eines Tages, als sie in arger Verlegenheit war, stahl sie Brot. Doch sie wurde gefasst und dem Ortsgericht übergeben, das sie zum Tode verurteilte. So streng waren in jener Zeit die Gesetze.

Die Frau bat um Gnade, man solle doch Nachsicht üben, da sie um ihrer Kinder Willen gestohlen habe, die am Verhungern gewesen seien. Der Richter hörte sie an und entschied, sie nur dann zu begnadigen, wenn sie den Gerichtsherrn eine so schwere Denkaufgabe zu stellen vermöge, das diese sie nicht lösen könnten.

Am festgesetzten Tag trat die arme Witwe mit schlurfenden Schritten in den Gerichtsaal; vor den Gerichtsherrn blieb sie stehen und sagte: ,,Auf Pumpernickel steh ich!“ Dann ging sie einige Schritte weiter und sprach: ,, Auf Pumpernickel geh ich!“ Nun begann sie zu hüpfen und rief: ,, Auf Pumpernickel hüpf ich!“ Dann fragte sie: ,,Ratet meine Herren, was kann es sein?“

Die Gerichtsherren sahen sich an, dachten lange nach, rätselten hin und her, doch auf die gestellte Frage konnten sie keine Antwort geben. Nun, sie solle endlich die Lösung sagen, forderte der Richter die findige Frau auf. Nur dann wolle sie die Lösung des Rätsels preisgeben, wenn man ihre Strafe auch tatsächlich erlasse, entgegnete sie, da sie den Gerichtsherrn nicht ganz vertraute. Als diese ihren Entscheid erneut bekräftigten, erzählte sie, dass sie sich aus dem Balg (?) ihres Hündchens mit Namen Pumpernickel Schuhe gemacht habe, in denen sie nun vor Gerichts getreten sei.

(Friedrich Schuster, ,,DER WEISSE BÜFFELSTIER“, Seiten 38-39)

 

Die irregegangenen Kinder

(eine Sage aus Scharosch/Saros pe Tirnave)

 Die Scharoscher von der Großen Kokel erzählen, dass der Rattenfänger von Hameln mit der ihm folgenden Kinderschar durch das Kokeltal gezogen sei. In jeder Gemeinde, in die der Spielmann kam, liefen ihm Kinder nach. Als er schon durch eine ganze Reihe von sächsischen Ortschaften gewandert war, kam er eines Tages in eine junge Siedlung, die am rechten Ufer der Großen Kokel lag. Hier führte er Jungen und Mädchen zum bewaldetem Berg ,,Mojerusch“, wo sich eine bis dahin nicht vorhandene Türe auftat, durch die der Mann samt den Kindern verschwand.  Aus der jungen sächsischen Siedlung, die der Rattenfänger zuletzt besucht hatte, lief ein kleines Mädchen mit, das seither nie wieder gesehen ward. Weil dieses Mädchen, und alle Kinder die dem Mann gefolgt waren, irregingen, erhielt die Gemeinde, bei der sie im Berg veschwunden waren, den Namen ,,Irrgang“ (rum.: Ernea?). Später starben hier die Sachsen aus, die Benennung der Ortschaft aber ist geblieben.

(Friedrich Schuster, ,,DER WEISSE BÜFFELSTIER“, Seite 95)

 

Der goldene Karrenpflug

(eine Sage aus Felmern/Felmer)

 In den Jahren, als die Sachsen noch in vereinzelten Höfen auf dem Felmerner und Woldorfer Hattert siedelten, errichteten sie eine Kirche, die den Namen ,,Måtheskirch“ (Mattiaskirche) erhielt. Später wurde der Bau mit einer Ringmauer versehen. Ob es die erste, oder gar die zweite Kirche war, die die Einsiedler gebaut hatten, ist nicht bekannt.

Zum Kirchenschatz der Mattiaskirche gehörte neben dem Altargerät auch ein kleiner, goldener Pflug mit Karre. Das kostbare Stück wurde in einem verborgenen Kellerraum aufbewahrt, der sich in einem hohen Hügel, unweit der Kirche befand. Den Schlüssel zum Kellergewölbe verwahrte der Burghüter. Den Mann aber ergriffen die Türken, als sie einmal in der Gegend brandschatzten, und verschleppten ihn in die Türkei, von wo er nicht mehr zurückkehrte. Mit ihm ging auch der Schlüssel verloren.

Nach den Türken wütete die Cholera, an der alle alten Siedler starben. Von den wenigen jungen Menschen, die am Leben geblieben waren, wusste keiner, wo sich der versteckte Keller befand.

Als die beiden Siedlungen zu geschlossenen großen Gemeinden gewachsen waren, wurde die Matthiaskirche, die auf dem hügligen Gelände zwischen den zwei Niederlassungen stand, von den Bewohnern beider Ortschaften besucht. Um das Jahr 1700, als Friede im Land herrschte, wurde die befestigte Kirche von einem Volk, das die Urgoßeltern Schomanyen nennten, gewaltsam abgetragen. Aus den Steinen, die weggeschafft wurden, baute der fremde Stamm die Repser Burg.

Der Hattert, auf dem sich der Kirchenbau einst befand, heißt heute noch ,,Måtheskirch“. Die Stelle, wo er stand, kann heute nicht mehr erkannt werden. Sie befindet sich in der Nähe des bewaldeten hohen Hügels, worin noch immer der goldene Karrenpflug liegen soll.

(Friedrich Schuster, ,,DER WEISSE BÜFFELSTIER“, Seiten 21-22)

 

Die Riesenschlange

(eine Sage aus Königsberg/Crihalma)

 Zwischen dem Galter und dem Königsberger Hattert erhebt sich das hohe ,,Kiarlyrëich“ (Königsberg). Hierher kam einmal König Matthias auf die Jagd. Bei einer Quelle mit kaltem Wasser hielt er an, um daraus zu trinken. Als er sich niederbeugte, schoß plötzlich eine Riesenschlange, die hier auf der Beute lauerte, auf ihn zu. Noch ehe sie den trinkenden König erreichte, hatte sie ein wachsamer Mann aus dem Jagdgefolge erspäht. Er sprang vom Pferd und stellte sich der Schlange in den Weg. In dem Kampf, der sich entfesselte, gelang es ihm, das Tier durch einen Schwerthieb inzwei zu hauen.

,,Ich habe Euer Majestät das Leben gerettet!“ sprach darauf der Mann zum König. Der hatte noch gar nicht wahrgenommen, was in der Zeit, während er Wasser trank, geschehen war.

Weil er ihn vor der Schlange behüttet hatte, beschenkte der König seinen Gefolgsmann mit all den Ortschaften, die dieser an einem Tag umreiten konnte. Der machte sich am anderen Tag schon auf,

überquerte den Alt und umritt bis zum Abend sieben Gemeinden. Beim Rakosch überschritt er wieder den Fluss, um sich dem am rechten Altufer liegenden Galter Hattert zuwenden zu können. Als er sich vor der Gemeinde befand, brach die Nacht herein, so dass sein Vorhaben, auch die Galter zu seinen Untertanen zu machen, misslang. Die Galter blieben sonach freie sächsische Bauern,  im Gegensatz zu den anderen Ortschaften, die leibeigen wurden.

Der Gefolgsmann des Königs wurde darauf zum Ritter geschlagen. Der Herrscher erlaubte ihm, in seinem Adelswappen die Schlange zu führen, als Erinnerung an seine Tat. Er war ein Vorfahre der Adelsfamilie Bethlen.

(Friedrich Schuster, ,,DER WEISSE BÜFFELSTIER“, Seite 18)

 

Der Rundstein im Alt

(eine Sage aus Galt/Ungra)

 Im Galter Altabschnitt liegt tief im Wasser ein großer, runder Stein, auf dem soll folgende Inschrift stehen: „Wenn ihr mich seht, dann müßt ihr weinen!“ Noch hat kein Mensch den Stein je aus dem Fluß herausragen sehen, doch in manchen dürren Jahren, wenn der Wasserstand sehr niedrig war, soll man ihn gleich unter dem Wasserspiegel erblikt haben. In jenen trockenen Jahren, wo auf Feldern und Äckern alles verdorrte, sollen – dem Sinn der Inschrift gemäß – die Menschen vor Hunger geweint haben.

Das letzte Jahr, wo man den Stein durch das trübe Altwasser gesehen hat, war 1946. Infolge der Trockenheit war der Wasserspiegel so tief gesunken, dass der Stein nur noch wenige Zentimeter unter dem Wasser lag.

(Friedrich Schuster „DER WEISSE BÜFFELSTIER“, Seite 83)

 

Die Sage von den Bienen, die einst ein Dorf retteten

(eine Sage aus Reps/Rupea)

 Es  geschah  vor vielen  Jahren  und zwar  zur Zeit  als  die  Tataren  unser  Land durchstreiften und alles eroberten und plünderten, was in ihrem Weg stand. Zu dieser Zeit trug sich in einem Dorf in der Nähe meines Heimatortes, Reps, ein lustiges Erlebnis zu.  Und  zwar  gab  es  im  Dorf  Schweischer  eine  kleine  Bäckerei,  wo  auch  ehrliche Bäckerlehrlinge ihre Lehre machten.

Zwei von den Lehrlingen mussten einmal früh am Morgen das Brot und andere  Backwaren austragen. Nach getaner Arbeit  sollten sie wieder  in  die  Backstube  zurückkehren,  aber  das  taten sie  nicht.  Wie  halt  die Jugendlichen so sind, gingen sie zur Kirchenburg, die mit einer großen Mauer umgeben war. Dort stiegen sie auf die Mauer und unterhielten sich. Als dann der Tag anbrachund das Land in dichten Nebel getaucht war, sahen sie einige dunkle Gestalten, die sichder Kirchenburg näherten. Erst nach einer Zeit sahen sie, dass das Feinde waren, die die Kirchenburg angreifen wollten.  In ihrem großen Schrecken wussten die Jungen nicht was sie tun sollten, sollten sie Alarm schlagen, da das ganze Volk noch schlief? DieZeit war zu kurz.  Da entdeckten sie unweit  einige Bienenkörbe, die voll  mit Bienen waren. In ihrer Verzweifung schleppten sie die Körbe herbei und warfen sie von  der Burgmauer auf die Feinde.

Die Bienen  verbreiteten sich und in ihrer Wut fielen sie über die Feinde her und zerstachen sie, so dass die Feinde die Flucht ergriffen und denOrt schnell verließen. In dieser großen Aufregung und in diesem großen Lärm wachten auch die Dorfbewohner auf und eilten zur Burgmauer. Sie staunten und lobten die zwei Bäckerlehrlinge,  die  mit  Hilfe  der  kleinen  Bienen  ihre  Kirchenburg  und  dieDorfbewohner gerettet hatten.

 

Der Büßer

 (eine Sage aus Keisd/Saschiz)

 Zwei junge Männer hatten dieselbe Frau gern. Beide waren aber verkommene Menschen und gerieten ihretwegen immer wieder in heftigen Streit. Um ihre Gunst zu erwerben, begannen sie eine frevelhafte Tat. Eines Tages wurden sie jedoch gefasst, vor den Richter gebracht und zum Tode verurteilt. Nun bat sich die Frau vom Ortsrichter einen Verurteilten aus. Weil sie gütig und fromm war und der Gemeinde viel Gutes getan hatte, gewährte er ihr die Bitte. Die verurteilten Männer, verlangte sie fernerhin, sollten sich aber den Galgen selbst errichten. Denjenigen aber, der als erstes damit fertig werde, den wollte sie heiraten. Von dieser Vereinbarung durften die beiden aber nichts erfahren.

Als die Männer nun an ihrem Galgen zimmerten, verzögerte der eine die Arbeit, während der andere das Tempo beschleunigte. Der eine versuchte dadurch den Zeitpunkt seiner Hinrichtung hinauszuschieben, der andere aber, der innerlich büßte, nahm die harte Strafe als gerecht hin. Diesen , den letzten, wählte sich folglich die Frau zu ihrem Gemahl.

Der andere Mann wurde gehängt. Einige Tage nach der Hinrichtung wurde der  Leichnam vom Seil abgeschnitten um begraben zu werden. Unter dem Galgen, wo er hinfiel, enstand ein tiefes Loch. Darüber erschracken die Leute mächtig. Seither gestatten es die Keisder nicht mehr, auf ihrem Galgenberg Menschen durch den Strang hinzurichten.

Die Stellen, an denen die Gehängten begraben worden sind, erkennt man auf dem Berg auch heute noch. Hier und da sprießen auf den überwachsenen Gräbern Gartenblumen.

(Friedrich Schuster, ,,Der weisse Büffelstier“, Seiten 19-20)

 

Das Riesenspielzeug

(eine Sage aus Noul sasesc)

 Ein  Riese, der so groß war, dass er von einem Berg auf den anderen schritt, hat vor langen Zeiten in der Neudorfer Umgebung gelebt. An einem Tag, als er den Fuß von ,,Hiönchbärch“ (Hiönchberg) auf das ,,Dadderrëich“ (Radder Hang) setzte, erblickte er im dazwischenliegenden Tal, im ,,Fulkessaifken“(Fulkesgraben), einen mit vier Rossen ackernden Bauern. Der Riese blieb stehen, sah sich die erschrockenen, winzigen Geschöpfe an, griff dann sanft nach ihnen und hob sie in seine Schürze. So trug er den Bauern, die Pflugschar und die davor gespannten Pferde in das Riesenschloss und brachte sie seinen Jungen. Als aber der Riesenjunge das ihm geschenkte neue Spielzeug herumzuschieben begann, wurde der Vater böse. ,,Die darfst du nicht misshandeln, von denen leben wir!” mahnte er den mutwilligen Sohn.  Nun hob er den Bauern und seine Rosse wieder in die Schürze und brachte sie zurück aufs Feld, wo er ihnen die Freiheit gab. Der Bauer machte sich auch gleich an die Arbeit und pflügte seinen Acker fertig. Wo das Riesenschloss sich befand, dass wusste der heimgekehrte Mann nachher nicht mehr. In seiner Angst hatte er sich den Weg und die Richtung, die der Riese eingeschlagen hatte, nicht gemerkt.

,,Än den Hillen“ (In den Hillen) auf dem ,,Hiuhen Rëich“ (Hohen Hang) befinden sich viele ,,Hunnengraiwer“ (Hünengräber) , die denen auf dem Kastenholzer und Gierelsauer Hattert ähnlich sind. Hier wurden vor uralten Zeiten Hünen, große, starke Menschen, begraben. Sie siedelten in der Gegend und starben alle, als eimal die Pest wütete. Andere Hünen kamen nach ihnen nicht mehr in das Gebiet.

(Friedrich Schuster, ,,Der weiße Büffelstier“, Seiten 84-85)

 

Der Törnener Kirchenturm

(eine Sage aus Törnen/Pauca)

 Einmal hat es auch in Törnen einen Kirchturm gegeben. Mit der Zeit ist darauf so viel Gras gewachsen, dass die Bauern sich schon fragten, was zu machen sei.

Einige sagten: ,,Wir steigen auf das Dach und mähen, da haben wir auch schönes Heu.“

Die anderen aber meinten: ,,Na, wie wollt ihr das machen, auf dem Dach kann man ja nicht mähen“.

Da kam eines Tages ein Fremder ins Dorf und sagte: ,,Zieht doch ein Büffeltier hinauf auf das Dach, damit es das Gras fressen kann“.

Nun haben sich die Törnener gefreut. Als sie aber das Büffelrind hochzogen, brach der Turm zusammen — die Mauern waren schon sehr alt und haben das Gewicht nicht ausgehalten.

(Claus Stephani, ,,Die Sonnenpferde“, Seite 39)

 

Ruhe im Froschteich

(eine Sage aus Gergeschdorf/Ungurei)

 In früheren Zeiten gab es im Bächlein, das durch Gergeschdorf fließt, viele Frösche. In warmen Sommernächten quackten sie bis spät in der Nacht; doch die Bauern störte das nicht, sie waren müde von der schweren Feldarbeit und hatten einen tiefen Schlaf.

Anders war es jedoch an den Sonntagen, wenn man das Froschkonzert sogar während des Gottesdienstes hörte, denn die Kirche stand damals schon dicht neben dem Bächlein. Da pflegte der Prediger zu sagen: ,,Die Frösche sind wohl auch Geschöpfe Gottes, aber wenn ich auf der Kanzel stehe, möchte ich sie, bei Gott, nicht mehr hören!’’

So hatte er eines Tages einen guten Einfall: Er stellte einen Zigeuner als Froschwächter an. Der musste nun jeden Sonntagvormittag, wenn die Sachsen in der Kirche waren, über die Frösche ,,wachen’’: quackten sie, so schlug er mit einer Fisolenstange (Bohnenstange) aufs Wasser und rief : ,,He, schweigt!”

Nun war, so sagt man, Ruhe im Froschteich.

(Claus Stephani, ,,Die Sonnenpferde“, Seite 28)

 

Die ,,Goldgrube“

(eine Sage aus Weingartskirchen/ Vingard)

  In der Nähe von den Weingartskirchen gibt es zwischen zwei Hügeln einen Graben, der im Volksmund ,,Goldgrube“ heißt. In alten Zeiten soll hier ein Grafenschloss gestanden haben.

Als die Türken einmal ins Land einfielen, musste auch der Graf mit seinem Gesinde in die nahen Wälder flüchten. Vorher jedoch vergrub er Schmuck und Goldstücke neben einer alten Eiche, die hinter seinem Schloss stand.

Die Türken brannten das Anwesen nieder, und auch von der Eiche blieb nichts mehr übrig. Der Graf hatte nun keine Zeit, den Schatz zu heben, und als er eines Tages starb, wusste niemand mehr davon.

Seither hat man schon öfters in der ,,Goldgrube“ nach jenem Schatz gesucht, doch fand man immer nur alte Tonscherben und Knochen.

Vor einigen Jahren begann man wieder zu graben, und diesmal hatte das ,,Golfieber“ die ganze Gemeinde erfasst: Den ganzen Tag über hackten und schaufelten Männer und Frauen an jener Stelle, wo man den Schatz vermutete.

Hier hatten nun zwei Spaßmacher einen Küchentopf vergraben, und in der Nacht stieß ein Bauer plötzlich auf den Topf und rief:, ,Hej, da ist was!“

Während die anderen hinzueilten, um den ,,Schatz“ zu sehen, erschienen plötzlich zwei weiße Gestalten und jagten den Leuten einen solchen Schreck ein, dass sie alles liegen ließen und davonliefen. Die beiden Spaßmacher hatten sich als ,,Gespenster“ verkleidet und so dem Schatzsuchen ein Ende bereitet.

(Claus Stephani, ,,Die Sonnenpferde“, Seite 82)