Dr. Heinrich Adalbert von Wlislocki


Der Grund warum ich meinen Lesern von diesem Mann etwas mitteile und einen eigenen Beitrag widme ist jener, das dieser Mann anscheinend der erste in der Geschichte war der das Leben der Zigeuner, deren Sprache, Sitten und Kultur studiert hat.
Man sagt dass er sogar, um seine Lebensaufgabe zu verwirklichen, einige Jahre mit Wanderzigeunern durch Europa gezogen ist um deren Vertrauen und Wissen zu erlangen. Das nahm er alles auf sich um eine bessere Studie machen zu können. Das Thema Zigeuner spaltet auch heute noch die Wissenschaften wen es um die Herkunft die Umstände und Zeitpunkt ihrer Ankunft in Europa und somit auch in Siebenbürgen geht.
Jetzt fragen sie sich bestimmt was hat dieser Mann mit Mühlbach zu tun? Die Frage ist berechtigt. Die Antwort ist: Er lebte einige Zeit in Mühlbach und wurde in Mühlbach auf dem Ev. Friedhof bestattet.

Dr. Heinrich von Wlislocki

Dr. Heinrich Adalbert von Wlislocki
(*9.7.1856 – † 19.2.1907)

Dr. Heinrich Adalbert von Wlislocki,

Ethnologe, Sprachforscher und Tsiganologe geb. zu Kronstadt in Siebenbürgen am 9. Juli 1856. Der Sohn eines polnischen kaiserlichen Finanzbeamten und einer Siebenbürgerin. Er erhielt seine erste Ausbildung an dem Honterus – Gymnasium seiner Vaterstadt und bezog von 1875 – 1879 die Universität in Klausenburg, an welcher er vornehmlich humanistische Studien betrieb und unter diesen mit Vorliebe der Germanistik, Philosophie und Sanskrit oblag. Da nötigte ihn der Tod seines Vaters, auf eigenen Erwerb bedacht zu sein, den er kümmerlich als Hauslehrer fand. Indessen seit 1878 trieb er seine Studien der Zigeunerfolklore fort, bereitete sich für ein öffentliches Lehramt vor, erlangte 1880 die philosophische Doktorwürde, lebte die folgenden Jahre als von Armut, Arbeitslosigkeit und mit Alkoholproblemen geprägtes Forscherleben als Privatgelehrter an verschiedenen Orten Ungarns und Siebenbürgens. Von 1883 bis 1890 hatte er seinen Wohnsitz in Mühlbach.
Während dieser Zeit intensive folkloristische Sammeltätigkeit, und mehrere Forschungsaufenthalte bei den Siebenbürgischen Wanderzigeunern (Zeltzigeuner). Er wurde Mitglied eines dieser Zigeunerstämme und ging Zeitweise sogar eine Ehe mit einer Wanderzigeunerin dieses Stammes ein. Von 1896 bis 1898 Mitarbeiter bei der in Budapest von A. Hermann herausgegebenen Ethnologischen Mitteilungen aus Ungarn. 1896 bis 1898 Beiträge für H. Helmolts Weltgeschichte. Nach dieser Zeit folgte Körperlicher und geistiger Verfall. Bis zu seinem Tod befand er sich in Pflege bei seiner Ungarischen Frau in Klosdorf, die hier als Lehrerin eine Stelle hatte. Er galt als einer der Pioniere der modernen Zigeunerforschung und als bester Kenner der Siebenbürgischen Wanderzigeuner. Wlislocki wählte einen Gegenstand zu seinen Forschungen, über den die Gelehrten verschiedener Völker noch lange nicht einig, und den erst in jüngster Zeit ein Spross unseres erlauchten Kaiserhauses zu seinen eindringenden Studien erkoren: die Zigeunersprache.

Im Druck sind von ihm, (in deutscher Sprache 80 Bücher), unter anderen zum Thema Zigeuner erschienen:
„Heideblüten. Volkslieder der transsilvanischen Zigeuner“ (Leipzig 1880);
„Eine Hildebrandsballade der transsilvanischen Zigeuner“ (ebd. 1880);
„Die Sprache der transsilvanischen Zigeuner“ (ebd. 1883)
„Vom wandernden Zigeunervolke“ : Bilder aus dem Leben der Siebenbürger Zigeuner : geschichtliches, ethnologisches, Sprache und Poesie (1890)
„Aus dem inneren Leben der Zigeuner“ (1892)
„Märchen und sagen der Transsilvanischen Zigeuner“ (1886)
– ferner in der ungarischen Zeitschrift „Egyetemes philologiai közlöny“ d. i. Allgemeine philologische Revue, redigiert von Dr. Thewrewk und Dr. G. Heinrich,
– 1883, Heft 1 die Abhandlung: „Magyarból átvétt czigány szavak“, d. i. Ungarische Lehnwörter im Zigeunerischen; und ebenda: „Abhandlung über Zigeunerromanzen“‘ – „Adalék a czigány nyelvészet történelméhez“, d. i. Beitrag zur Geschichte der Zigeunerphilologie (Klausenburg 1881) und in der von Paul Hunfalvi und Gust. Heinrich herausgegebenen „Ungarischen Revue“ 1884:
„Zur Volkskunde der transsilvanischen Zigeuner“ [IV. Heft, S. 229 bis 258 und V. Heft, S. 343 bis 358], ein ungemein interessanter Essay; 1886: „Vier Märchen der transsilvanischen Zigeuner“. Inedita. Originaltexte nebst Verdeutschung und Glossar“ [Seite 219 bis 236]. Außerdem behandelt Wlislocki seinen Gegenstand in mehreren Feuilletons verschiedener Zeitschriften. Hunfalvi (Paul). Ungarische Revue. Mit Unterstützung der ungarischen Akademie der Wissenschaften (1881) S. 85.

Quelle Text: Wikisource; Siebenbürgisches Lexikon.
Quelle Bild: Manuscripts and more. Special Collections & Archives at the University of Liverpool Library


Dr. Heinrich von Wlislocki verstarb am 19 Februar 1907 in Klosdorf bei Kleinkopisch (Sânmiclăuș, Alba). Unter unbekannten Umständen wurde er auf dem Evangelischen Friedhof in Mühlbach (Sebes – Alba), in einem heute der Fam. Daniel gehöhrenden Grab beigesetzt. Sein Name ist auf dem Grabstein nicht vermerkt.
Horst Theil


 

Zwei Kostproben aus: „Heideblüten“ Volkslieder der transsilvanischen Zigeuner

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Zum Gedenken an Schmidt`en Titz


Andreas Schmidt wurde in Mühlbach am 7. November 1832 geboren. Von Beruf Fleischhauer (Metzger). Nebenher betrieb er auch einen Fuhrbetrieb für Nahverkehr. Seine Fleischbank befand sich in zentraler Lage auf dem großen Platz. Er war, um seine Zeit, allen Bürgern der Stadt bekannt ging aber in die Geschichte der Stadt Mühlbach als Schmidt`en Titz ein. Andreas Schmidt hatte aus erster Ehe eine Tochter namens Johanna. In seiner Zweiten Ehe die sehr Kinderreich war, aber nur wenige das Kleinkindalter überlebten, musste er den Verlust seiner Kinder verkraften. Und da er ein besonderer Mensch war, verarbeitete er diese Schicksalsschläge indem er anfing das Ganze Irdische Leben als einen Witz zu behandeln. In seinem Inneren war er ein herzensguter Mensch, er half den Armen und Bedürftigen wo er nur die Möglichkeit hatte. Er hatte immer ein offenes Ohr für deren Probleme. Er begann die Dummheit, die Bosheit, den Neid und die Selbstsucht zu verspotten egal ob es Privatpersonen oder die Obrigkeiten waren. Er liebte die Alt- Griechische und Römische Geschichte und war auch ein Bibelfester Mann. Als gebildeter Mann wurde er oftmals um Rat gebeten wen es um die Belange der Stadt ging. Beim durchführen seiner Streiche, die sich im Rahmen der Einfachen Gemeinschaft abspielten, legte er immer wieder Ironie und Kühnheit an den Tag. Diese Eigenschaften widerspiegeln sich auch in den Aufzeichnungen seiner, im Laufe seines Lebens begangenen Streiche, in Form von Anekdoten und Geschichten wieder. Die Leute erzählten sich diese Geschichten weiter, und wahrscheinlich dichteten sie auch das eine oder andere dazu.

Andreas Schmidt war wie alle Fleischhauer in Mühlbach gut situiert, durch seine Stückchen aber, die er zum Gaudium der Volksmenge aufführte und die ihn viel Geld kosteten, (Strafen und Bußgelder) zum Schluss gänzlich verarmt. Er starb am 6. April 1902 in Mühlbach und wurde auf dem Evangelischen Friedhof beigesetzt. Einen Grabstein findet man allerdings nicht mehr. Wahrscheinlich wurde das Grab nicht mehr bezahlt und trat in anderen Besitz.

 Horst Theil


Und nun Erzählungen einiger Streiche des Schmidt`en Titz, von Frau Marion Koepf geb. Graf, die Ihr Großvater Julius Graf (gebürtiger Mühlbacher) ihr per Korrespondenz aus Mühlbach erzählte. Herr Julius Graf kannte Andreas Schmidt persönlich.

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Frau Marion Koepf für diese schönen Geschichten über den Mann der im Früheren Mühlbach für Heiterkeit und Spaß sorgte.


Mein Großvater, Julius Graf, geb. 1878 in Mühlbach, schrieb mir, als ich noch ein Kind war, 1956 aus Rumänien gerne die Geschichten vom Schmidt`en Titz. Ein anderer Kontakt war zu meinem Großvater damals ja nicht möglich, erst kurz später konnten meine betagten Großeltern nach Deutschland ausreisen.
Der Schmidt`en Titz war ein Schalk- vergleichbar vielleicht mit Till Eulenspiegel- der anderen Leuten und der Obrigkeit gerne Streiche spielte. Die Leute erzählten sich diese Geschichten weiter, dichten vielleicht auch das eine oder andere dazu.
Mein Großvater schrieb:
Nun willst Du auch vom Schmidt`en Titz etwas hören? Also hör gut zu und lach ein wenig. Schmidt`en Titz war Fleischhauer wie auch mein Vater in Mühlbach, wo wir alle 5 Geschwister, Dolf, ich, Jul, Iren, Pepi und Andres das Licht der Welt erblickten. Die Fleischbänke befanden sich am großen Platz, wo sich auch der ganze Verkehr abspielte und hatten diese Form: (Zeichnung). In jeder Abteilung war, links und rechts, je 1 Fleischer untergebracht, darunter auch Schmidt`en Titz. Dieser war wie alle Fleischhauer in Mühlbach gut situiert, durch seine Stückchen aber, die er zum Gaudium der Volksmenge aufführte und die ihn viel Geld kosteten, zum Schluss gänzlich verarmt. Wir hielten uns als Fleischhauerbuben auch sehr gerne in der Nähe dieser Verkaufstellen auf, es gab da immer, auf Kosten anderer, etwas zum Lachen. Nun will ich beginnen:
Schmidt hatte ein Militärhorn in seiner Bude. Leute, die ihn kannten (fast alle), gingen deshalb nie über den Platz, sondern an den Häusern ringsherum. Nun aber traf es sich, daß einmal der alte Färbermeister Has über den Platz ging. Rasch ergriff Schmidt seine Trompete, blies hinein und rief laut: Schaut’s meine Herren und Damen, bei uns laufen jetzt die alten Hasen am helllichten Tag frei über den Platz. Der alte Has darüber erbittert, hob einen Fuß und rief dem Schmidt den Schäßburger Gruß zu („Götz v. Berlichingen“). Mutti oder Vati sollen euch diesen übersetzen. Da gab’s natürlich großes Hallo.

Marion Koepf geb. Graf bzw. Julius Graf (geb. 1878)


 Einen Zigeuner, einen großen feschen Mann, zog Schmidt`en Titz einmal ganz in schwarz an, Salonrock, schwarze Hose, Lackschuhe, Zylinder, weiße Glacéhandschuhe und weiße Krawatte, und er trug ihm auf, um 12 Uhr mittags, wenn die Beamten, Bürgermeister, Polizeidirektor und verschiedene höhere Beamte zum Speisen gingen, vor dem Gebäude nichts anderes zu machen als dort auf und ab zu promenieren. Das andere würde sich dann schon finden. Die Polizeidiener und viele andere, die nicht einmal sonntags in einer so kleinen Stadt so elegante Persönlichkeiten in schwarz sahen, grüßten devot, bis einer ihn ansah und in dem eleganten Herrn den Bronz, den Zigeuner aus der Ziganie erkannte. Da nahm das Hallo wieder kein Ende. Schmidt musste natürlich wieder bezahlen, und der Zigeuner flog für einige Tage ins Loch.
Ich stand wieder einmal in der Nähe von der Fleischbank des Schmidt`en Titz, hatte einen Strohhut auf dem Kopf, auf dem ich ein gewisses gefärbtes Gras befestigt hatte, so wie es unsere rumänischen Bauernburschen heute noch tragen. Auf einmal kommt mir so ein brenzliger Geruch in die Nase und es kam mir so warm vor auf meinem Kopf. Zum Teufel, dachte ich, was ist dies? Da steht schon der Schmidt hinter mir und ruft mir zu: Jul, dein Hut brennt! Und er hatte Recht. Ich riss diesen sofort von meinem Kopfe, und nicht nur das Gras, sondern auch der halbe Hut stand schon in Flammen. Von rückwärts hatte er das Gras angezündet und schneller als er dachte hatte auch der Hut Feuer gefangen.

Marion Koepf bzw. Julius Graf (geb. 1878)


Früher, wie ich noch klein, also ein Junge war, waren in Mühlbach 2 – 3 Nachtwächter angestellt mit Hellebarde und Horn. Zuerst blies der Nachtwächter ins Horn hinein und rief dann die Stunde aus: 11, 12 usw. Nachher kam der Vers: Bewahrt das Feuer und das Licht, damit ja auch kein Unglück geschicht! Auf diese hatte Schmidt es besonders scharf, da sie oft in einer Ecke schliefen und es unserem Herrgott überließen, für sie zu sorgen. Nun, was tat er? Er ließ an einem schönen Abend Schnaps aufmarschieren- und nicht wenig. Die Nachtwächter tranken bis sie total voll waren. Dieses wartete Schmidt ab, holte einen Wagen mit Stroh, legte sie hinein und fuhr mit ihnen nach Alvincz, einem Dorf 1/2 Stunde entfernt von Mühlbach. Dort weckte er sie auf, sie mögen doch ihren Dienst versehen, es sei ja schon 11 Uhr. Derweil war es schon 3 Uhr morgens. Diese, noch total tusslich im Kopfe wußten nicht recht, was mit ihnen los war und riefen in jeder Gasse die Zeit aus. Auf dieses Geschrei kamen die dortigen Nachtwächter herbei, und es gab zwischen diesen eine elende Keilerei. Schmidt machte sich mit seinem Wagen rasch aus dem Staube und überließ die Nachtwächter ihrem Schicksal. Dies Ereignis hatte am nächsten Tag noch ein Nachspiel. Er wurde auf das Rathaus zitiert, um sich für diesen Ulk zu verantworten. Man wusste ja gleich, wer der Urheber war. Das Rathaus war ein sehr alter Bau mit einer sehr breiten Treppe hinauf, so daß auch ein Pferd hinaufsteigen konnte. Schmidt nahm eines seiner Pferde, ritt zum Rathaus hinauf und band dort das Pferd an den Drücker einer Türe von außen an. Er ging zur nach innen aufgehenden Tür hinein. Das Pferd, durch das viele Hin und Her der Leute verängstigt, wollte sich losreißen und zog natürlich nach außen, so daß kein Mensch weder herein noch heraus konnte. Die von innen wußten sich keinen Rat, während sich Schmidt ins Fäustchen lachte. Endlich hörten sie von außen, was die Ursache gewesen war und mussten Schmidt bitten, mit seinem Pferd abzuziehen. Dies gelang, da das Pferd sich auf Schmidts Stimmt beruhigte. Die Einwohner von Mühlbach lachten noch lange über diesen Streich.

Marion Koepf bzw. Julius Graf (geb. 1878)


 Schmidt hatte einmal geschäftlich zu tun und musste da einige Stationen mit der Bahn fahren. Da aber die Waggons überfüllt waren, fand er keinen Sitzplatz. Und da ihm auch niemand einen solchen anbieten wollte, was tat er? Er kam mit den Leuten ins Gespräch, und weil diese ihn fragten, wohin er fahre, erzählte er ihnen, dass ihn vor einiger Zeit ein wütender Hund gebissen hätte und er es nicht beachtet habe. Jetzt aber überfiele es ihn manchmal, dass er alle Menschen beißen möchte. Dabei rollte und verdrehte er die Augen so, dass alle Leute zitterten, und wie er auf einmal nach ihnen anfing zu schnappen (ham, ham ,ham), war auf ganz schnell das Abteil leer, und nicht einmal der Schaffner traute sich in seine Nähe. Nun hatte er genügend Platz und fuhr bis zur nächsten Station, wo er gemütlich ausstieg.

Marion Koepf, bzw. Julius Graf (geb. 1878)


Schmidt hatte verschiedene Wägen, darunter einen Fiaker und einen Pferdeomnibus, Autos und dergleichen gab’s derzeit nicht. Da sollte er seine Frau im Fiaker einmal ausführen. Auf der Mitte des Platzes angekommen zog er den großen Nagel, der das Vorderteil mit dem Hinterteil des Wagens verband, mit einem Ruck heraus. Er fuhr mit dem Vorderteil davon, und seine Frau blieb zum großen Gaudium der Anwesenden zurück.

Marion Koepf, bzw. Julius Graf (geb. 1878)


Unsere Korterzigeuner hielten sich auch immer am großen Platz auf, neben den Fleischerläden. Sie wurden als Express und für sonstiges verwendet. Einmal stand ein solcher brauner Gesell auch dort. Da kam Schmidt von rückwärts, griff ihm in seine schwarzen, langen und feuchten Haare und sagte: “Mensch, was hast du denn auf dem Kopf, bist ja ganz rot! Geh doch zum Wasser und wasch dich! Der Zigeuner griff sich an den Kopf, und wirklich, die Hände waren ganz rot. Rasch lief er zum kleinen Wasser (Mäz), das dort vorbei floss. Na, was tat er, und wie sah er aus? Je mehr er sich wusch, umso roter wurden Haare, Gesicht und Hände. Er war auf einmal zum Indianer geworden. Wir brüllten vor Lachen.

Marion Koepf, bzw. Julius Graf (geb. 1878)


Wie ich bereits erzählte, hatte Schmidt auch einen Omnibus, in dem er die Kinder öfters spazieren führte, und einmal verlautbarte er, er wolle mit denen einen Ausflug machen, und zwar fuhr er dann mit ihnen nach Karlsburg, lud sie dort in einem Gasthof ab und sagte dem Wirt, er möge ihnen zu essen und trinken auftischen, er käme später, sie abzuholen und bezahle dann alles. Auch sagte er dem Wirte, 6 Kinder seien seine eigenen und 7 seien von seinen Verwandten. Ja, die Kinder aßen und tranken, aber es wurde spät, und der Vater kam nicht mehr. Der Wirt wurde nach einiger Zeit ungeduldig und fragte die Kinder: „Wo ist denn euer Vater, dass er noch immer nicht kommt?“ Die Kinder antworteten: „Das ist ja nicht unser Vater, dieses ist der Schmidt`en Titz aus Mühlbach. Nun wusste der Wirt gleich, mit wem er es zu tun hatte. Da nun der „Vater“ nicht mehr kam und längst wieder in Mühlbach war, musste der Wirt zwei Wägen nehmen und die Kinder nach Hause fahren, was ihn auch ein schönes Stück Geld kostete.

Marion Koepf, bzw. Julius Graf (geb. 1878)


 Jetzt weiß ich nur noch eine Geschichte, diese ist aber mehr nur für Große. Macht aber die Augen zu, wenn Ihr es auch lesen wollt, und dass Ihr ja nicht lacht!

Also: In jeder Stadt gehen die Herren auf einen Abend- oder Dämmerschoppen. So ist’s oder war es auch in Mühlbach. Dieser Schoppen dehnte sich manchmal auch in die Länge aus, und um nicht noch weiter in den Hof zu gehen, um ihre kleine Notdurft zu verrichten, stellten sie sich einfach vor die Türe auf die Gasse, natürlich im Dunkeln. Das verdross die Spaziergänger, die dort auf und ab promenierten- dieses hieß die „Ganselpromenade“- und sie beschwerten sich bei der Polizei, die nun dort einen Diener aufstellte, der die Delinquenten zur Anzeige bringen sollte. Schon am nächsten Abend wurden einige gefasst, darunter auch Schmidt. Der wusste, was ihm bevorstand: Wieder eine Strafe von 50 Kreuzer (ein Kreuzer war ein Wert von derzeit 2 Pfennigen). Was tat er nun? Er nahm seine beiden Hosentaschen voll mit Sand, mischte aber vorher in jede 50 einzelnen Kreuzer hinein und ging zur Polizei. Dort wurde er natürlich wie die anderen mit 50 Kreuzern bestraft und musste das Geld auch gleich bezahlen. Er griff in die Tasche und legte dem Beamten den ganzen Sand auf den Tisch. Auf die Frage, was er da denn mache, meine Schmidt: „Ich zahle“. Darauf der Beamte: „Mit Sand?“. Schmidt sagte: „Nein, mit Kreuzern“, und er solle nur suchen, im Sand seien auch die 50 einzelnen Kreuzer, er wisse aber nicht, wie der Sand in seine Tasche kam. Beim Hinausgehen kam er noch einmal zurück, kramte aus der anderen Tasche auch Sand und Geld heraus mit der Bemerkung, ja, er habe noch etwas zu zahlen vergessen, er habe doch auch einen F..z  gelassen….. und weg war er.

Marion Koepf, bzw. Julius Graf (geb. 1878)


Hermann Meuselbach


Hermann_Meuselbach_um_1915_Autoportrait_in_Öl

 (1858 – 1924)

 Hermann Meuselbach

Autoportrait Öl um 1915


Hermann Meuselbach wurde am 28 Januar im Thüringischen Eischleben geboren und besuchte die Kunstschule in Weimar. In dieser Kunstschule wurde im Bereich der Malerei eine realistische Landschafts- und Genremalerei gelehrt. Im Alter von 23 Jahren wanderte Meuselbach nach Siebenbürgen aus und ließ sich in Mühlbach nieder. Im Jahre 1881 nahm er die Stelle des Künstlerischen  Zeichenlehrers am  Mühlbacher Untergymnasium an,  und war  bis 1912 in diesem Amt.

Hermann Meuselbach starb am 12 Oktober 1924 in Mühlbach.


 

Meuselbach

  Das Haus in der Jakobigasse in dem Hermann Meuselbach wohnte.(Foto Google)


 Einige seiner Werke:

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 Stadtteich von Mühlbach (Gemälde in Öl  1913)


Meuselbach 

Landschaft oberhalb des „Großen Wehres“

Gemälde in Öl


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 Landschaft oberhalb des „Großen Wehres“ mit Floß

Gemälde in Öl


 Scan

 Der „Studententurm“(Schneiderturm)Öl

 


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Der achteckige Wehrturm (Im Garten des Hermann Meuselbach Öl)


Zusammengestellt von Horst Theil

Quellen:

Totoianu, Radu: Siebenbürgisch-Sächsische Mühlbacher Maler aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und dem 20. Jh.
In: Der Unterwald, Nr. 1, S. 21, Mühlbach 2009
Totoianu, Radu: Der Unterwald, Nr. 1, S. 21, Mühlbach 2009 (Autoportrait in Öl von Herrmann Meuselbach).

Meuselbach’sches Haus zwischen kath. Kirche u. Salzbad in der Jakobigasse / Mühlbach, Foto: Google street view.
Stadtteich Mühlbach, Landschaftsbild in Öl, H. Meuselbach, 1913. Diapositiv 
um 1994. Originalgemälde im Besitz des Städtischen Museums Mühlbach.
Flußlandschaft oberhalb des Großen Wehres, Gemälde in Öl von H. Meuselbach: Städtisches Museum Mühlbach
„Ion Raica“.
Flußlandschaft mit Floß oberhalb des Großen Wehres, Gemälde in Öl von H. Meuselbach: Städtisches Museum
Mühlbach „Ion Raica“.
Totoianu, Radu: Siebenbürgisch-Sächsische Mühlbacher Maler aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und dem
20. Jahrhundert. In: Der Unterwald, Nr. 1, S. 21, Mühlbach 2009 (Studententurm, Gemälde in Öl von Hermann
Meuselbach).
Totoianu, Radu: Siebenbürgisch-Sächsische Mühlbacher Maler aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und dem
20. Jahrhundert. In: Der Unterwald, Nr. 1, S. 21, Mühlbach 2009 (Wehrturm im Meuselbach’schen Garten, Gemälde
in Öl von Hermann Meuselbach).

 

Anna Müller


Anna Müller

Anna Müller (1900 – 1974)

Anna Müller, geb. Kraft wurde 1900 in Mühlbach geboren. Nach dem Besuch des ev. Kindergartens und der ev. Grundschule, kam sie an das evangelische Mühlbacher Untergymnasium, wo sie das Glück hatte, den bekannten Maler Hermann Meuselbach zum Zeichenlehrer zu haben. Während des II. Weltkriegs heiratete Anna Müller und wohnte zeitweilig in Mühlbach, folgte aber ihrem Ehemann nach Bukarest, wo dieser eine Baufirma betrieb. Im Jahre 1944 kehrt Anna wieder nach Mühlbach zurück und bewohnt dort ihr Haus in der Johannisgasse. Heute beherbergt dieses Haus die Bibliothek des Mühlbacher Gymnasiums „Lucian Blaga“. Nach der Enteignung des Hauses, um 1950, zog sie aus Mühlbach nach Hermannstadt, wo sie noch einige Jahre wohnte, malte und lebte. Danach wanderte sie nach Deutschland aus und verstarb dort im Jahre 1974. Quelle:  Zeitschrift  „Der Unterwald“Nr.2 von 2009 Ihre Lieblingsthemen waren Motive aus ihrer Heimatstadt Mühlbach und Umgebung. Sie malte überwiegend mit Wasserfarben aber auch mit Ölfarben. Ihre Werke sind nicht nur künstlerisch von Bedeutung, sonder stellen auch ein Stück Mühlbacher Zeitgeschichte dar. Ihr besonders Interesse an den Resten des mittelalterlichen Baubestandes in Mühlbach spiegelt sich in ihrem künstlerischen Werk wieder. Ich werde Ihnen im Anschluss einige Bilder Ihrer Werke vorstellen:

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Die ev. Stadtpfarrkirche A.B. in Mühlbach

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Blick vom Friedhof zur Mühlbacher ev. Stadtpfarrkirche

  

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Blick über die Gärten der Mühlbacher Altstadt zur ev. Stadtpfarrkirche 

  

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 Bewohnter Schmiedeturm in der Mariengasse in Mühlbach

  

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Wehrturm im Garten des Meuselbach‘schen Hauses mit kath. Kirche im Hintergrund

 

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Müller’sches Haus (nach der Enteignung als „Pionierhaus“ genutzt)

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Brücke zur Insel im Teich des Stadtparks

 

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Studententurm (vormals Turm der Schneiderzunft)

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 Sachsengasse mit Blick auf die Hinterseite des Zapolyahauses

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Roter Berg Mühlbach

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Blick durch die Eiche am Kirchhof auf den Chor der Stadtpfarrkirche

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Kirchhof mit Blick auf Chor und Haupteingang zum Kirchhof

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Schul- und Kirchhof mit Blick auf Jakobskapelle u. Stadtpfarrkirche

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Blick auf die Festtagsseite des Altars im Chor der Stadtpfarrkirche Mühlbach

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Geflößtes Holz auf dem Mühlbach

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Das Gewesene Nördliche Stadttor (heute Wohnhaus ehemalig Riemner)

Beitrag zusammengestellt von:

Horst Theil

Photostudio Cloos


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Carl Viktor Cloos

(1890 – 1968)

Die Geburt der Photographie begann mit dem 7. Januar 1839, dem Tag an dem Dominique François Jean Arago, ein französischer Physiker mit katalanischen Wurzeln, an der Französischen Akademie der Wissenschaften in Paris, einen Vortrag über die Erfindung der Photographie gehalten hat.

Mühlbach, das als stolze Stadt etwas auf sich hielt, hatte bereits kurz darauf eine Reihe von Photographen. Es waren dies begabte und weniger begabte, Amateure und Profis, aber nur zwei waren gut genug, sich mit dem der Bezeichnung „Kunstphotograph“ zu schmücken. Carl Viktor Cloos und seine Frau Ida. Ida Cloos (1899 – 1976) wurde als Tochter von Emil Albert Schneider geboren, welcher das erste Photostudio in Mühlbach eröffnete.
Carl Viktor Cloos wurde in Karlsburg geboren und wuchs in Kronstadt auf, wo er das Honterusgymnasium besuchte. Während des ersten Weltkrieges verschlug es ihn nach Mühlbach, wo er dann blieb und dort auch heiratete.

Nach dem Tod seines Schwiegervaters Albert Schneider, sah er sich zusammen mit seiner Frau Ida gezwungen, dessen Photostudio zu übernehmen, das sich damals in der Rosengasse befand. Seine Lehre machte er in Hermannstadt bei dem berühmten Photographen Emil Fischer, dem damaligem Kaiserlich-Königlichen Hofphotographen von Erzherzog Josef. Danach arbeitete er von 1919 bis 1930 in Mühlbach, die nächsten fünf Jahre in Temeswar. 1935 kehrte er schließlich nach Mühlbach zurück.
In der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen zog das Studio in die Siculorumgasse um. Nach dem Krieg wurde es samt Inventar vom Staat enteignet. Nun sah sich Cloos samt seiner Mitarbeiter genötigt, in seinem eigenen Studio, als Angestellter der kommunistischen Mühlbacher Handwerkergenossenschaft „Unirea“ (Vereinigung) zu arbeiten.
Seine beiden Töchter, Annemarie und Rosemarie Cloos erlernten den Beruf des Photographen im elterlichen Studio, so dass die beiden in der Lage waren nach dem Tode ihres Vaters den nun enteigneten ehemaligen Betrieb ihres Vaters fortzuführen. Das Künstlerische Können und die Begabung dieser Photographen, kann man in jedem ihrer Bilder erkennen. Beginnend von gefühlvollen Retuschierungen, bis zu Ergänzungen mit kleinen Korrekturen am Bild.
Ein Teil des umfangreichen, über Jahrzehnte gesammelten Archivs befindet sich heute im Mühlbacher Stadtmuseum „Ion Raica“.

Abschließend kann gesagt werden, dass ein bedeutender Teil des photographischen Materials, mit dokumentarischem Wert zur Zeitgeschichte unserer Stadt, welches uns heute zur Verfügung steht, diesem Studio mit seinen verdienstvollen Photographen zu verdanken ist. Schade ist nur, dass in der damaligen Zeit eine Ausstellung aus politischen Gründen nicht möglich war. Durch entsprechende Ausstellungen hätte dieses Studios sicherlich weit über die Stadtgrenzen hinaus Bekanntheit erlangt und hätte so die wohlverdiente Wertschätzung eines weit größeren Personenkreises erfahren.

Beitrag geschrieben von Horst Theil
Quelle: Zeitschrift „ Der Unterwald“

 

Alfred Möckel


Alfred Möckel, ein nach seinen Werken und Taten so wie seinem ganzen Leben, ehrenwerter Bürger unserer Heimatstadt Mühlbach, sollte an dieser Stelle auch erwähnt werden. Er gewann eine beträchtliche Bedeutung durch die Tatsache das er einen Bedeuteten Beitrag zur Erhaltung in schriftlicher Form der geschichtlichen Begebenheiten und kulturellen so wie Wirtschaftlichen Situationen unserer Stadt fest gehalten hat.

Einige Biografische Daten:

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Beitrag zusammengestellt von: Horst Theil

Dank an : Frau Cornelia Guju

Johann Schöpp


Johann Schöpp

Johann Schöpp

( 1870 – 1954)

Ich möchte Ihnen hier eine Persönlichkeit aus dem Alten Mühlbach vorstellen, die nur bei wenigen und mit der Geschichte der Stadt vertraut sind, bekannt ist.  Es sei erwähnt das Johann Schöpp, in seiner Amtszeit als Bürgermeister der Stadt Mühlbach, eine ganze Anzahl wichtiger Maßnamen zur Erneuerung der Infrastruktur und dem allgemeinen Wohlergehen der Bürger unternommen hatte.

Einige wichtige Bauten wurden in dieser Zeit errichtet:

–        Das Elektrizitätswerk in der Postgasse

–        Das Sophien Krankenhaus

–        Das Salzbad

–        Die Turnschule am Holzplatz

–        Das Schlachthaus

–        Die städtische Kavalleriekaserne in der Daia- er Strasse.

–        Das neue Rathaus auf dem großen Platz.

–        Das Postgebäude

–        Das Gebäude der ungarischen Staats- Schule

–        Das Alte Forstamt    

In Anbetracht dieser Tatsachen, wenn auch manche Chroniken und einige Leute anderer Meinung sind, muss man zugestehen das das eine Ansehliche Leistung war, die vorher und nach her von keinem der ganzen Bürgermeister die Mühlbach hatte erreicht worden ist. Und das  gilt bis zum heutigen Tage.

Sein Verdienst ist es auch das er in der Lage war die übrigen Stadtväter und die Bürger zu begeistern hinter ihm zu stehen und mit zu machen. Dieses beweist noch einmal wenn der Wille da ist und alle an einem Strang ziehen so ist manches möglich was man gar nicht glauben mag.

Und nun einige Biographische Daten zu Johann Schöpp:

Johann Schöpp wurde am 7. Juni 1870 in Alzen, als Sohn der Bauers Johann Schöpp (1847 – 1921) und Maria geb. Schuster (1850 – 1899), Tochter des Notars Karl Schuster, geboren. Seine Reifeprüfung legte er 1890 am Evangelischen Gymnasium in Hermannstadt ab. Zwischen den Jahren  1890 – 1894 studierte er Rechts- und Staatswissenschaften an den Universitäten Marburg und Budapest. Von 1894 – 1895 bekleidete er das Amt des Stuhl-Richters in Hermannstadt. Das gleiche Amt dieses Mal in Reußmarkt von 1895 bis 1905. Von 1905 bis 1907 Oberstuhl- Richter unserer Heimatstadt Mühlbach. Das Amt des Bürgermeisters von Mühlbach übte er von 1907 bis 1918 aus. Die Zeitspanne von 1918 bis 1930 war er Subpräfekt des Hermannstädter Komitates. Im Jahre 1930 wurde er in den wohlverdienten Ruhestand versetzt.

Geburtstag Hans Schöpp

Hans Schöpp starb in Hermannstadt am 17 März 1954.

Beitrag geschrieben von: Horst Theil

Dank an: Frau Cornelia Guju

Dank an: Herr Marius Gliga