Zwei Gedichte von Winfried Bretz


 

einwanderer 1141 - 11644

Einwanderung der Siebenbürger Sachsen

(1141 – 1164)

Quelle: Siebenbürger.de

Auf den Spuren unserer Ahnen

Sie strebten nach Osten, nach Freiheit im Leben,

nach eig’ner Bestimmung, nach eigenem Herd,

sie wollten den Kindern ihr Bestes geben,

für eigenes Land waren die Mühen das wert.

 

Sie folgten dem Ruf und Geishas Versprechen,

von Mosel und Rhein, bis ins Ungarland,

sie mussten sich neue Wege brechen

und Burgen bauen mit Fleiß und Verstand.

 

Sie schufen ein Bollwerk gegen Türken, Tataren,

Sie brachten ihr Können, den Fleiß mit, die Ehr‘;

Sie rodeten Wälder, scheuten keine Gefahren

und setzten sich standhaft den Feinden zur Wehr.

 

Es blühten die Felder, es keimten die Saaten;

verwurzelt im Land, im Boden ihr Fleiß;

sie hielten die Treue und wurden verraten,

geschunden an Leib und Seele der Preis.

 

Erprobt in achthundert schweren Jahren

hielten sie Treue dem Volke, dem Land.

Vom Staat behandelt wie von Barbaren

enteignet, entwürdigt, vom Herde verbannt.

 

Uns ist die Erinnerung nur noch geblieben,

an Einst, an ein schönes blühendes Land;

wir ehren der Väter Sitten und Bräuche

und alles, das uns mit Einstmals verband.

 

Auch hier in der Ferne – es gibt kein Vergessen,

wir halten zusammen im Geist und sind still.

Wir ließen uns nicht durch Willkür erpressen,

ein Beispiel dafür ist Gerhard Rill.

 

Furchtlos bestand er die vielen Gefahren,

verfolgt und gehetzt – was war schon dabei.

Sein Ziel – das Volksgut zu schützen und wahren,

für Kinder und Enkel  bracht‘ er es herbei.

 

Er schuf ein Museum vom Wirken und Werken,

von Trachten, von Kunst, vom sächsischen Fleiß;

wird sein Bemühen bewahrt und uns stärken?

Oder ist nur das Vergessen der Preis.

 

Folgt doch den Spuren, dem wirken der Ahnen,

erzählt der Jugend, wo dieses zu sehen.

Lenkt eure Schritte in würdige Bahnen,

nicht lasst diese Spuren vom Winde verwehen!

Verfasst nach einem Museumsbesuch

Gerhard Rill – Museum  Augsburg

Winfried Bretz

 museum_rill 2011 foto Inge Erika Roth

Gerhard Rill in Mitten seiner Sammlung 2011 in Augsburg

Foto: Inge Erika Roth

1973996_10152261994029840_1608769222_o

Der Studententurm von Mühlbach

Fotograf unbekannt.

Studententurm in Mühlbach

In wildem Trab – die Erde dröhnt,

Es stürmen die Türken in Scharen,

Bimm! Bamm! Bimm! Bamm! Die Glocke tönt,

Schon wieder nahen Gefahren.

Zu fallen die Tore mit dumpfen Klang,

Es quietschen die Riegel der Pforten;

Sturm läuten die Glocken Bimm! Bamm! Bimm! Bamm!

Ganz nahe sind feindliche Horden.

.

Die Zunftmänner eilen bewaffnet zur Pflicht,

Zu den Türmen zum Wehrgang nach oben.

Aus der Menge ein Jüngling löst sich und spricht:

„Aus Rummes komm ich gezogen,

Bin junger Student für mein Vaterland,

Will treu meine Kraft ich geben,

Will kämpfend meine schwache Hand

Gegen die Feinde erheben!“

.

Aus der verängstigten Volkesschar

Sechs andere dazu sich stellen.

Wir sind aus der Stadt, die Studentenehr

Ruft uns zu unsrem Gesellen!

Gebt uns o, Hann, den Turm dort,

Den sonst deine Leute wehren!

Wir sieben werden von diesem Hort,

Unser jugendlich’ Herz nicht entehren!“

.

Bimm! Bamm! Bimm! Bamm! Erschallt es laut,

Eindringlich das Kirchturmgeläute!

„Eilt hin, ihr Burschen, eilt und haut

In die Flucht die gierige Meute!“

Der Ratsherr sprach es, sie eilen hin

Vorbei an allen, die gaffen;

Sie nehmen schwere Waffen mit,

Auch Nahrung zusammen sie raffen.

.

Sie stehen im Wehrturm, die Glocke schweigt,

Sie drücken sich bindend die Hand;

Sie schworen, dass keiner Schwäche zeigt,

Bis zum Tod für das Vaterland.

Schon schwirren die Sehnen,

Schon sausen die Pfeile,

Schon sinkt manch Türke ins Wasser hinein,

Zu mächtig der Ansturm, ohne Rast, in Eile.

.

Es kämpfen die Bürger mit edlem Mut,

Und mancher fällt tödlich getroffen,

Die Alten, die Jungen sind machtlos und Wut

Erfüllt sie und macht sie betroffen.

Manche Frau beklagt den toten Mann,

Manch‘ Mutter den sterbenden Sohn;

Schon leuchtet von Dächern der Feuerhahn,

Den löschenden Frauen zum Hohn.

.

„Öffnet die Tore! Wir schonen euer Leben!“

So ruft eine Stimme. Die Stadt ist in Not;

Die Türken da draußen wie Sand am Meere

Erwägt wird des Falschen Gebot.

Man öffnet die Tore, der Glockenton schweigt,

Das türkische Heer ergießt sich in Scharen,

Dringt in die Stadt, der Tag sich neigt,

Was noch lebt, wird versklavt, fortgefahren.

.

Greise und Männer liegen im Blut,

Mit Flüchen auf sterbenden Lippen;

Es bersten die Häuser in Flammen und Glut;

Die Kirche ward Stall und Gestühle zu Krippen.

Ein Turm ist standhaft noch eine Nacht …

Noch schwirren tödliche Pfeile

Und stolz klingt der Ruf: Sachs halte Wacht!

Er mahnt den Türken zur Eile.

.

Sie hoffen auf Beute und stapeln dann

Herum um die Feste die Scheite,

Herzlos legen sie Feuer an:

„Schmort nun, bei lebendigem Leibe!“

Ein grau und schwarz sich ringelnder Qualm

Steigt durch die Scharten nach oben –

„Die Hölle bricht auf“, ein Bursche spricht,

„Doch wir, wir alle ergeben uns nicht,

Wir haben dem Tod uns verschworen!“

Sie fassen einander erschlaffend am Arm

Und nochmals klingt mit letzter Kraft

Der stolze Ruf: „Sachs halte Wacht!“

Sie haben gekämpft, sie hielten Wacht,

Verschossen das Pulver, die Pfeile,

Bis der letzte Mann im Rauch erschlafft

Zusammenbricht, erstickt nach einer Weile.

.

Der Rauch verfliegt im Morgenwind,

Vom Turm folgt keine Gegenwehr,

Die Burschen liegen, da, sie sind

Getreu geblieben Schwur und Ehr!

Sie haben gekämpft, getreu dem Eid,

Sich nicht dem Türken ergeben,

Der Übermacht in diesem Streit

Sind sie zuletzt doch erlegen.

.

Dort finden die Fremden sie in der Bastei,

Die reglosen Leiber, kein Schatz ist dabei –

Da, einer regt sich, sie eilen herbei,

Ein Wunder, sie führten ihn fort in Sklaverei;

Zurück blieb Tod, Asche, Trümmer;

Die Stadt war tot – leer ohne Leute;

Die Türken – die Gewinner,

Frauen und Kinder die Beute.

.

Rauch und Ruinen blieben zurück,

Überall nur Gestank und Leichen –

Ein starkes Geschlecht mit wenig Glück

Musste der Übermacht weichen.

Und was noch lebte nach dieser Schlacht,

Wurd’ versklavt, wurde aufgerieben,

Der Knechtschaft entflohen, hat es einer geschafft,

Hat Mühlbachs Geschichte geschrieben.

.

Ein neuer Stamm bevölkert den Ort,

Der Wehrturm hat geschwärzt überdauert,

Im Winde quietscht der Wetterhahn,

Und jeder Betrachter erschauert.

Aus Rom wurde die Mär gebracht,

Von der Schlacht, vom Türkensturm

Dem Rummeser zur Ehre heißt

Die Bastei: STUDENTENTURM!

Winfried Bretz

Zusammenstellung: Horst Theil

Buchvorstellung, Autor Winfried Bretz.


P1000748

Winfried Bretz 

geb. 18. August 1936

 Liebe Mühlbacher!

In diesem Beitrag möchte ich Ihnen einen Sohn unserer Heimatstadt vorstellen. Mir ist bewusst dass die älteren Semester ihn kennen oder sich an ihn erinnern. Sein Name ist Winfried Bretz geboren den 18. August 1936  als 5.Kind von 8 Geschwistern  in Mühlbach als Sohn des Schneidermeisters Emil Bretz und Therese Bretz.  Sein Elternhaus steht in der Quergasse in Mühlbach, dem beschaulichen Städtchen am Fuße des Mühlbacher Gebirges, wo er seine Kindheit verbrachte und auch dort zur Schule ging.

Vierzehnjährig besuchte er in Klausenburg die Gewerbeschule für Polygraphie. Er arbeitete in verschiedenen Bereichen wie Leder – und Papierfabrik und besuchte nach dem Militärdienst das Abendgymnasium in seiner Heimatstadt. Im Jahre 1964 immatrikulierte er an der Universität Temeschburg, wo er erstmals in der deutschsprachigen Presse mit einem Gedicht in Erscheinung trat. Nach Jahren erschienen einige Gedichte in der Zeitschrift Volk und Kultur.

Nach einer mehrjährigen Tätigkeit als Deutschlehrer in Bulkesch an der Kleinen Kokel und dem Tode seiner Ehefrau Johanna verließ er Siebenbürgen in Richtung Bundesrepublik, wo er sich in Augsburg niederließ.

Werdegang:

1950-53 Polygraphische Gewerbeschule in Klausenburg.

1953-54 Druckerei Craiova,

1954-55 Arbeiter Lederfabrik Simion Barnutiu Mühlbach,

1955-57 Brigadeleiter Papierfabrik Petersdorf,

1957-59 Militärdienst Bukarest,

1959-63 Papierfabrik Petersdorf Buchbinder, Lyzeum Abendkurs,

1963-64 Hilfslehrer und Direktor Im Mühlbacher Gebirge,

1964-67 Pädagogisches Institut Temeschburg,

1967-82 Deutschlehrer Bulkesch

1983 Ausreise nach Augsburg

Verschiedene Vertreter Tätigkeit 1989,

1989- 90 Erzieher ev. Kinderheim Augsburg,

Unheilbare Stimmerkrankung seit 1990 Rentner.

Mit 14 Jahren ersten Roman (verloren gegangen), Gedichte, Geschichten.

Erste Veröffentlichungen 2014

Er schreibt Gedichte und Romane wie: Fliege mit dem Vogel; Großvaters Gedichte; Die Schwestern; Wenn sich die Tore öffnen und Kurzgeschichten. Die Quergasse.

Ich hatte das Glück Winfried Bretz persönlich kennen, und schätzen zu lernen. Wie aus seinem Werdegang ersichtlich ist, begann er schon im zarten Alter von 14 Jahren seine ersten schriftstellerischen Versuche. Das war eine Folge des Verlangens und des Wissensdurstes, der sich aus der Liebe zur Literatur entwickelte, und ihn motivierte, selber zu versuchen seine Gedanken und  Erinnerungen zu Papier zu bringen. Das ihm dann auch nach späteren Jahren gelang.

Eines seiner Werke, in dem er die Erinnerung an sein Leben zu Papier brachte, ist der autobiografische Roman „ Wenn sich die Tore öffnen“.

 Wbuch

 

Ich denke dass die Worte des Autors, die er als Vorwort zu diesem Buch niedergeschrieben hat, passend sind.

Ich Zitiere:

„Es gibt viele Wege, Wege die man beschreiten kann, Wege die sich kreuzen, und wieder auseinander gehen, um sich irgendwo zu verlieren oder wieder zu finden.

Jede Geschichte ist einzigartig, wie jedes Leben einzigartig ist. Alle Berührungspunkte sind schicksalhaft, gleichen sich in mancher Weise, um doch durch Besonderheiten aufzufallen.

Man  führt ein geordnetes Leben, wird geführt, auf ein Gleis gebracht, von dem man annimmt, dass es in eine erstrebenswerte Zukunft führt. Und alles verläuft gradlinig, bis der Punkt erreicht ist, wo sich der eingeschlagene Weg gabelt und ein neuer eingeschlagen werden muss – wo sich ein neues Tor öffnet.

Über das Geschick kann man rätseln – was ist gerecht, was ist ungerecht? Man kann fragen was wurde richtig und was wurde falsch gemacht?

Und wieder öffnet sich ein Tor, und andere Wege tun sich auf, die schon die beschrittenen Wege kreuzen oder tangieren. Manchmal tauchen Punkte auf, leuchtend, wie Sterne am Himmel und verschwinden wieder im Nebel des Vergessens. Doch gerade diese Lichtpunkte sind es, die uns zeigen, wie klein und zerbrechlich unser Werdegang, wie töricht unser Handeln ist. Die Erkenntnis unserer Fehler macht uns stark, sie gibt uns das Werkzeug in die Hand Gutes vom Bösen zu unterscheiden und doch macht man, wo es an Erkenntnis mangelt, die gleichen Fehler wieder.

Der Weg der beschritten werden soll, ist beschwerlich und das Reifen ein Prozess, den alles Leben durchläuft und doch, im Einzelnen betrachtet, ist jeder Weg einzigartig. Wen wundert es also, dass es bei gleichen Voraussetzungen immer wieder zu unterschiedlichen Verzweigungen kommt.

Darum gibt es immer wieder ein Ziel, wenn sich die Tore öffnen“.

Zitat Ende.

Der ganze Inhalt dieses Buches ist ein Spiegel seines Lebens, seiner Seele und nicht zuletzt seiner Gefühle auf den vielen Wegen seines Lebens der Nachkriegszeit die er beschritten hat.

Wie es auch im Vorwort heißt, waren viele Wendepunkte und Abschnitte zu bewältigen. Diese Wendepunkte, die auch gleich-zeitlich einen neuen Lebensabschnitt bedeuten, beschreibt der Autor sehr detailliert und gewissenhaft. Er schildert seine Zweifel und Bedenken, er hadert oft mit sich selbst, er weiß nicht ob es das Richtige oder das Falsche ist. Er geht aber tapfer auch durch das nächste offene Tor das sich so oft in seinem Leben vor ihm öffnete und sieht nicht hinter sich, wenn sich eines hinter ihm schloss. Seine Sprache in diesem, wie auch in seinen gesamten Schriften, ist eine leichte, gut verständliche, oft mit regionalen Ausdrücken und Erläuterungen, gespickt. Der Leser lernt wie beiläufig einige Städte und Regionen aus Rumänien kennen. Auch manche Bräuche werden angesprochen so wie Ausdrücke der verschiedenen Regionen in Rumänien.  Das gesamte Buch hält den Leser gefesselt und schürt die Neugier was als nächstes passiert, welchen Weg ihm noch das Schicksal bereitete.

So wie Winfried Bretz muss jeder in seinem Leben unterschiedliche Tore passieren um auf den nächsten Weg der ihm bevorsteht zu gelangen. Und immer, wenn ein Tor durchschritten wurde, weiß keiner, was der nächste Lebensabschnitt für ihn bereithält.

Liebe Leser, wenn sie eine Interessante und spannende Lektüre suchen, kann ich das Buch nur empfehlen.

Horst Theil

 Weitere Werke des Autors die erschienen sind:

 winfried

Mühlbach erzählt – Geschichte und Geschichten


Die Reihe der bisher erschienen Heimatbücher und Ortsmonographien, die das gesellschaftliche Leben in siebenbürgischen Städten und Dörfern beschreiben, wurde im November dieses Jahres durch eine Neuerscheinung erweitert: „Am Kreuzweg der Geschichte. Mühlbach im Unterwald“ ist eine umfangreiche Darstellung des wechselvollen Lebens dieser kleinen Stadt im Südwesten Siebenbürgens.

20141116_122003

20141116_122031

20141116_122145

Schon der Titel des neuen Heimatbuches weist auf die geographische Zuordnung von Mühlbach hin und macht deutlich, dass dieser Band Lesern ermöglicht, die Vergangenheit der Stadt und deren großzügig abgesteckte Umgebung zu erkunden. Die Entwicklung Mühlbachs wurde im Laufe der Jahrhunderte wesentlich durch deren Lage bestimmt. Die Weite der Landschaft vermittelt ein Gefühl der Freiheit, die am Horizont sichtbaren Berge bieten Geborgenheit an, erinnern sich Mühlbacher.

Ein von Theobald Streitfeld verfasster Text eröffnet die Reihe der Beiträge, verweist auf die einzelnen Themenbereiche und hat somit programmatische Funktion. Er beschreibt die Landschaft des Unterwaldes, deren Entwicklung und bewegte Geschichte, verweist auf die soziale und wirtschaftliche Entwicklung der Stadt sowie auf die kulturelle Leistung ihrer Bürger im Laufe der Jahrhunderte. Diese Aspekte sind es, die in den Beiträgen des Heimatbuches im Einzelnen dargestellt und aus unterschiedlicher Sicht vertieft werden.

Der Band ist in mehrere Kapitel gegliedert, denen die Herausgeber eine entsprechende Einführung vorangestellt haben. Darin wird der Entstehungsprozess dieses Heimatbuches erläutert und in dem Kontext darauf hingewiesen, dass gemäß den Vorgaben der Initiatoren nicht allein wissenschaftliche Abhandlungen in diese Publikation aufgenommen wurden, sondern auch Dokumente, Darstellungen wirtschaftlicher Veränderung, Zeitzeugenberichte bis hin zur Auflistung von Daten. Die Leser erhalten einen bunten Strauß an Informationen, die Einblicke in viele Lebensbereiche möglich machen. Der Bogen wird von der ersten Besiedlung der Region bis in die jüngste Vergangenheit gespannt, lädt zum Verweilen bei wichtigen historischen Ereignissen ein und ermöglicht  auch den Blick auf bauliche Besonderheiten Mühlbachs. Es ist zwar die evangelische Kirche, die Besucher beeindruckt, doch welche siebenbürgische Stadt hatte ein Salzbad? Wieso es ein solches Heilbad in Mühlbach gab, kann man aus diesem Buch erfahren. Das reiche kulturelle Leben, dessen Tradition auch noch in den Zeiten der kommunistischen Diktatur nachwirkte und das trotz aller Widrigkeiten gepflegt wurde, wird seiner Bedeutung entsprechend gewürdigt. Persönlichkeiten, die über Siebenbürgen hinaus bekannt waren, kamen aus Mühlbach, wie Dr. Victor Roth, dessen kunsthistorisches Werk, in Straßburg gedruckt, die Aufmerksamkeit europäischer Kunsthistoriker erregte, oder der in Venedig jung verstorbene Pianist und Komponist Carl Filtsch. Diesen wären die Namen weiterer bekannter Personen, auch von Frauen, hinzuzufügen. Die Vielfalt der Bevölkerungsstruktur, die sich auf immer neue Einwanderer zurückführen lässt, war eine der Ursachen dafür, dass trotz aller Schrecken und Zerstörungen, welche die Stadt erleiden musste, immer wieder ein Neuanfang gewagt wurde. Ausgeprägter Überlebenswille, zielstrebige Arbeitsbereitschaft der Bewohner, die mit Zuversicht und Gottvertrauen in die Zukunft blickten, machten es möglich, dass diese kleine mittelalterliche Stadt die Jahrhunderte überdauerte.

Die Vielzahl der Bilder, die den Beiträgen hinzugefügt worden sind, ergänzen die dargestellten Themenbereiche.

Insgesamt bietet dieses Heimatbuch seinen Leserinnen und Lesern aus Mühlbach eine Begegnung mit ihrer Heimatstadt aus neuen Perspektiven und jenen, welche die Stadt nicht kennen, einen Anreiz, sie näher kennenzulernen.

Die Herausgeber

Gerhard Wagner, u.a. (Hgg.), „Am Kreuzweg der Geschichte. Mühlbach im Unterwald. Siebenbürgen.“, Moosburg a.d. Isar, 2014. ISBN 978-3-00-047171-1.

Das Heimatbuch wurde  beim Mühlbacher Treffen in Dinkelsbühl, am 15. 11. 2014, vorgestellt und kann  bei Gerhard Wagner, Münchenerstr. 31b, 85368 Moosburg a.d. Isar, Tel. 08761 72 76 71 / 0160 36 62 292, bestellt werden.

Wichtig.

Für alle Vorbestellungen die bis zum 15.11.2014 getätigt waren, beträgt der Preis des Heimatbuches 45 Euro inklusive Versand.

Für alle die nach dem oben genannten Datum bestellt haben, beträgt der Preis 50 Euro inklusive Versand.

24. Sachsentreffen in Mühlbach im Unterwald Siebenbürgen.


Für alle meine Landsleute die nicht dabei sein können, oder konnten, einige Informationen und Bilder von diesem großen Ereignis.

Horst Theil

10672392_10203980324380775_2525433736184167382_n

 Mühlbach-

 Zum ersten Mal seit 1991, als die jährlichen Sachsentreffen in Rumänien begannen, bereitet sich Mühlbach, das mittelalterliche Städtchen im Unterwald, auf den Ansturm der Gäste aus Rumänien und Deutschland und aller Welt vor. Das 24. Sachsentreffen am 20. September steht unter dem Motto „Wir sind hier“, das ein Stück Selbstbehauptung vermittelt. Die Veranstaltung beginnt wie immer mit dem Festgottesdienst um 10.00 Uhr in der ev. Stadtpfarrkirche. Gleichzeitig eröffnen auch die Handarbeitsstände vor den Mauern um die Kirche. Programme und Abzeichen werden ab 8.30 Uhr vor dem Eingangstor zum Kirchhof verkauft.

Eine Ausstellung entlang der Außenmauern stimmt auf das große Treffen ein. Damit auch die kleinen Gäste gut beschäftigt sind, finden in der „Şcoala 2“ am Piaţa Libertăţii von 10.00-12.00 Uhr Bastelworkshops für Kinder statt.
Nach dem Gottesdienst gibt es Führungen durch die im letzten Jahr im Rahmen des 18-Kirchenburgen-Programms restaurierte Kirche und das Stadtmuseum. Glanzstück ist der wertvollste Hochaltar südöstlich von Wien, der dem bedeutenden Künstler des 16. Jahrhunderts, Veit Stoß dem Jüngeren, zugeschrieben wird. Sehenswert sind auch die gotische Kanzel, der Lettner und der Bußstein aus dem 17. Jahrhundert.
Nach einem Konzert um 12.00 Uhr in der Stadtpfarrkirche beginnen um 13.30 Uhr die festlichen Trachtenumzüge entlang der Hauptstraße, gefolgt von Auftritten der sächsischen Volkstanz- und Gesangsgruppen auf der dort installierten Bühne. Am Nachmittag wird auch das neue Buch „Altstädte, Dörfer und Kirchenburgen – Zeichnungen und Aquarelle aus Siebenbürgen“ des Malers und Zeichners Theo Damm vorgestellt. Der pensionierte Architekt und Denkmalschutzexperte aus Nottuln, der zuletzt als Baureferent bei der Landwirtschaftskammer Westfalen-Lippe tätig war, hat sich bereits durch seine Illustrationen im Bildband „Alte Dörfer im Münsterland – Skizzen aus den Baumbergen“ einen Namen gemacht.
Höhepunkt am Nachmittag ist wie immer die Festveranstaltung, die voraussichtlich um 15.00 Uhr im Kulturhaus Lucian Blaga beginnt. Die Festrede hält Benjamin Jósza, Geschäftsführer des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien (DFDR). Im Anschluss (um 16.00 Uhr) wird die Honterusmedaille an Dr. Paul-Jürgen Porr, den Vorsitzenden des DFDR, verliehen.
Den Besuchern werden geführte Stadtrundgängen geboten, um die Geschichte Mühlbachs zu erkunden. Der Unterwald ist das älteste Siedlungsgebiet der Siebenbürger Sachsen. In der an der Kreuzung zweier bedeutender Handelswege – von Hermannstadt nach Broos (Orăștie) und von der Walachei über die Berge nach Karlsburg und Klausenburg – gelegenen Stadt erblühten vor allem im 14. Jahrhundert Handel, Handwerk und die schönen Künste.
Für Touristen bietet das Mühlbachtal neben geschichtsträchtigen Stätten eine spektakuläre Hochstraße, die sogenannte Königsstraße oder Transalpina (www.adz.ro/artikel/artikel/auf-der-strasse-des-koenigs). Weitere Ausflugsziele in der Umgebung sind Karlsburg mit seiner gewaltigen, restaurierten Burg im Vauban-Stil oder die Dakerfestungen in der Gegend um Broos, die Teil des UNESCO-Welterbes sind (www.adz.ro/artikel/artikel/das-unesco-welterbe-in-rumaenien). Von der turbulenten Zeit der Türken- und Tatarenüberfälle zeugen die Gräfenburg in Kelling, ebenfalls UNESCO-Welterbe, und die Kirchenburg in Urwegen.

Nina May

Bilder von der evangelischen Stadtpfarrkirche von Mühlbach im Unterwald Siebenbürgen.

Vom 20.09.2014

856923_230741697132495_2238132299635015965_o

Gesamtansicht aus den 40- er Jahren

10703897_280728102133854_382237123273873758_o

Der Turm mit der Veranstaltungsflagge.

10685780_280713535468644_193297851_o

Die Orgel (Rieger)

10704957_280713488801982_2128501852_n

Der Altar (Im Vordergrund das Taufbecken)

10711245_280713572135307_2087395049_n

 Die Kanzel

siebenbürger.de sachsentreffen 2014 mühlbach

Bild mit Trachtenträger und unseren Repräsentanten der HOG und Verband der Siebenbürger Sachsen.

Foto: Siebenbürger.de

Bilder vom Fest 20.09.2014 Mühlbach

Fotos: Florin Muntean und Dorica Susan

16349_280729365467061_1609126133274612522_n

241907_280728115467186_1042597478389798762_o

906673_280729498800381_4825621134838311158_o

1487833_280729668800364_7769350553125213826_o

1617601_280729828800348_6845881724830103632_o

1617638_280729128800418_1448840076136058354_o

1658139_280727638800567_7814158884805851243_o

1781014_280727418800589_9119769350403547627_o

1782487_280730028800328_8097191469066913040_o

10257859_280729308800400_5046487638074800233_o (1)

10257859_280729308800400_5046487638074800233_o

10339451_280729642133700_7638794924803201070_o

10511400_280729262133738_7307594837911061295_o

10536517_280728082133856_8730548546275495424_o

10551435_280729708800360_7397149727507249040_o

10606420_280727532133911_9103217069647967792_n

10612620_280728008800530_8878192232555165744_n

10623304_280728035467194_7971780700492715287_o

10623321_280732688800062_8061778863451748866_o

10636791_280728825467115_6657875845589002575_o

10636920_280727772133887_7411600812757177726_o

10648376_280730155466982_1272466264057776258_o

10659085_280728065467191_8845916809678005899_o

10661847_280729025467095_2145697685025244961_o

10661861_280727538800577_5942303873048103933_o

10661895_280728945467103_2232230470860812692_o

 Und hier zwei kleine Videoaufnahmen von: Florin Muntean

 Ein Dankeschön an meine rumänischen Freunde für das Bildmaterial!

 

Transportfahrzeuge der 60- er in Mühlbach


Wie jeder weis, funktioniert keine Wirtschaft ohne Transporte. Das hat auch für Mühlbach und ganz Siebenbürgen gegolten. Nachfolgend möchte ich einige, bei weitem nicht alle, dieser Transportmittel, die übrigens nicht nur für Mühlbach spezifisch waren, in Erinnerung bringen.

Ich hoffe sie haben ein bisschen Spaß.

Quelle Bilder: Internet

 800px_multicar_197

 „Multicar“ Transporter

ims57a_205

Geländewagen „IMS 57“

tv41m_391

 Kleinbus „Tudor Vladimirescu“

sr_132_carpati_3br2s_1_372_104

 LKW „Carpati“

sr_113_bucegi_4_202_611

LKW „Bucegi“

stoicescu_gaz_63

 „Molotov“

Sofer%252520pe%252520steagul%252520rosu

 LKW „Steagu Rosu“

 Skoda-RT706-Jthiele-220610

 LKW „Skoda“ 

Soviet_Zil-164_4x2_heavy_duty_truck

 LKW „Zil“

pcl12750_0

LKW „Tartra“

Zusammengestellt: Horst Theil

Die Zweiräder im Mühlbach der 60-er.


In den 60- er Jahren besaßen die Privathaushalte noch nicht so viele Autos wie heute. Jeder versuchte sich, je nach Geldbeutel, so gut es ging mobil zu machen um unabhängig von den öffentlichen Verkehrsmitteln zu sein.

Wie jeder ahnen kann waren es in erster Reihe die Fahrräder, einige mit Hilfsmotor, aber die meisten ohne. Dann folgten die Mofas und Mopeds und zu guter letzt die Motorräder. Diese waren teilweise mit Beiwagen aber die meisten ohne. Mit diesen Gefährten wurde alles Mögliche transportiert vom normalen Einkauf bis zu schweren Säcken mit Kartoffeln und dergleichen. Ja man ging so weit das einige sich zweirädrige Handkarren hinten dran irgendwie befestigten um so viel wie möglich transportieren zu können. Heute unvorstellbar.

Die Fahrräder wurden selber repariert, teilweise auch die motorgetriebenen Zweiräder. Man bekam im Handel fast alle Ersatzteile und wen nicht wurden diese in Cujir nachgebaut oder von anderswo „organisiert“. Mit diesen Fortbewegungsmitteln (Fahrräder und Mofas) wurden manchmal sehr weite Strecken zurückgelegt, es ging manchmal bis Hermannstadt oder Klausenburg und so weiter. Also der Weg zur Arbeit, aufs Feld, Einkaufen, Angeln einfach alles was damit möglich war.

Im Anschluss habe ich ein paar Bilder aus dem Netz zusammengetragen um zu zeigen was alles mit zwei Rädern in den 60- er Jahren in Mühlbach so unterwegs war, ausgenommen von ei paar Exoten von denen ich keine Bilder gefunden habe.

Viel Spaß beim betrachten.

Carpati

 Herrenfahrrad Carpati

Tohan

 Herrenfahrrad Tohan

831

 Mofa Simson

222bcc3f4d637edb074dc15845a172a1-5847595-1000_1000

 Mokick  Carpati

pv_file_323345_phprpHL4k

Mokick Mobra (Lizenz nach Zündapp)

pv_file_315126_phpJNDMs6

 Mokick Mobra Super ( Nachfolgermodel)

pv_file_157040_phpHcJ7P2

 Mobra Hoinar (letztes Model)

1_

 Motorrad MZ

 turing

 Motorrad MZ

simson_awo_425_sport_1960

 Motorrad Simson

59683_yajt1exy

 Motorrad Simson mit Beiwagen

CZ

 Motorrad CZ

jawa_jairo04

 Motorrad Jawa

 02-Jawa-350-Californian

 Motorrad Jawa California 350 ccm (das schnellste zu der Zeit)

 1img-1222955400

 Motorrad Danuvia

21622711_3_644x461_vand-scuter-manet-scutere

 Scooter Manet

Motorrad_BMW_R26

 Motorrad BMW 250 ccm Eintopf (kein Boxer!!)

Ich hoffe sie hatten Spaß!

Horst Theil

Unser Nachbarort Alvincz im Unterwald


Liebe Leser!

In diesem Beitrag möchte ich etwas über einen Ort schreiben der seit seiner Gründung in einigen Hinsichten mit unserer Heimatstadt Mühlbach verbunden war. Es handelt sich, wie der Titel schon sagt um Alvincz, auch Unterwinz oder Winz genannt. (rum. Vintul de Jos).

Der Ort Vințu de Jos wurde erstmals 1248 (1486 unter Alwijncz) urkundlich erwähnt. Im Mittelalter war der Ort ein blühender Marktflecken im Komitat Unterweißenburg, mit einem Hafen für Salzhandel und andere Rohstoffe der Region. 1621 siedelten sich Hutterer am Ort an, die hier einen Bruderhof aufbauten, der bis zur Rekatholizierung Mitte des 18. Jahrhunderts Bestand hatte.

Gegründet von deutschstämmigen Einwanderern im 12-ten Jahrhundert am linken Ufer des Mieresch (oder Marosch), gewann Winz im Laufe der Geschichte an Bedeutung in der Region Unterwald, so wie zeitweilig in ganz Siebenbürgen. In unmittelbarer Nachbarschaft, am gegenüberliegenden Ufer des Mieresch befindet sich das Dorf Burgberg (rum. Vurpar) (auch von deutschstämmigen gegründet) wo der Mühlbacher Afrikaforscher und Völkerkundler Franz Binder auf seinem Besitztum seine letzte Ruhestätte fand.

Alvincz besaß in seiner Blütezeit zwei Schlösser. Das eine war das Stammschloss der Fürstlichen Familie Horváth  Barcsay, das andere war zeitweilig der Sitz des Georg Martinuzzi, über den ich im Anschluss ausführlicher werde. Um das Jahr 1900 hatte Alvincz ca. 3800 Einwohner. Hier wurde Weinbau betrieben, Getreideanbau und Spiritusherstellung so wie Ackerbau im Allgemeinen. Alle drei Konfessionen des Unterwaldes waren auch hier vertreten. In späteren Jahren trug noch zu seiner Bedeutung auch die Bahnstrecke Töwisch (Teiusi) – Arad bei. Winz bekam einen Großen Bahnhof, (der nach Überlieferung eigentlich in Mühlbach errichtet werden sollte, aber die Bürger von Mühlbach weigerten sich aus Angst vor der Luftverschmutzung durch den Rauch der Dampfloks.) und nach der Fertigstellung der Bahnstrecke Hermannstadt – Winz wurde es zum Bahnverkehrsknotenpunkt. Das hinderte aber nichts daran das die Bahn auch nach Mühlbach kam. (darüber habe ich in einem anderen Beitrag berichtet). Nun war Mühlbach mit Alvincz nicht nur über die Landstrasse verbunden sondern auch auf dem Schienenwege.

p0055133

Bahnhof von Alvincz

Wen man mit der Bahn irgendwohin in Richtung Westen oder Norden fahren wollte, musste man in Alwinz umsteigen. Diesbezüglich war schon in frühen Jahren eine permanente Busverbindung zum Bahnhof von Alvincz eingerichtet worden die zu allen wichtigen Zügen eine Verbindung herstellte. Die vorhin erwähnte Landstrasse war die Hauptverbindungsstrasse von ganz Siebenbürgen in West – Ostrichtung und gleichzeitig die wichtigste Handelsrute in den Westen Europas. Entlang dieser Strasse ereigneten sich früher viele Raubüberfälle und Raubmorde. Desgleichen waren entlang dieser Strasse einige Gasthöfe und Einkehrstätten für die Reisenden die auch für die Zugtiere Verpflegung anboten. Eines dieser Einkehrstätten befand sich Rechts auf dem Hügel von wo die Strasse sich in Richtung Bahnhof schlängelte. Die Gebäude sind bis auf den heutigen Tag erhalten und dienen heute anderen Zwecken. Da sich, wie oben erwähnt, Alvincz an den Ufern des Mieresch befindet, waren früher viele Bewohner mit der Flößerei beschäftigt. Das waren meistens Flöße auf denen Waren transportiert wurden und zwar überwiegend Salz das aus dem Raum Aiud bis Arad und weiter nach Ungarn. Alvincz war auch für die Angler aus Mühlbach interessant da hier in den Gewässern des Mieresch so mancher kapitaler Fang gemacht wurde.

Horst Theil

Das Schloss war ursprünglich ein Dominikanerkloster, das ruiniert wurde, buchstäblich und im übertragenen Sinne, nach den Türkeneinfällen. Der Adlige Nikolaus Kozar  der erste Besitzer nach dem Kloster baute das Gebäude zu einem Schloss um. Jahre später  um 1550 kam dieses in die Hände des Bischofs von Großwardein Georg Martinuzzi, der Gouverneur und einer der „Väter“ des autonomen Fürstentum Siebenbürgen, das Gebäude wurde wieder umgebaut und ergänzt. Das Schloss wurde vollendet und war nun wie eine kleine Burg. Dies ist auch der Ort, wo Martinuzzi  in der Nacht vom 16. Dezember 1551 im Auftrag der österreichischen Generäle Castaldo und Pallavicini ermordet wurde.

Dann ging die Burg durch mehrere Hände, und war auch der Ort, wo im Jahre 1597 Aron der Tyrann (1595-1597)  vergiftet wurde. Dieser war Prinzregent der Moldau, und wurde von Siebenbürgischen Armeen auf Befehl des Fürsten Sigismund Bathory festgenommen. Im nächsten Jahrhundert, ist der Wohnort in die Hände des großen siebenbürgischen Fürsten Gabriel Bathory, der die Restaurierung des Schlosses im Stil der Renaissance abgeschlossen hatte, so dass es ein Juwel der Kunst dieser Zeit wurde. Das aktuelle Barock- Tor wurde im Jahr 1733 errichtet.

Leider ist das große Gebäude heute eine totale Ruine. Es blieb stehen nur noch die Nordwand, ein Turm, und das Eingangs- Tor.

In seiner Zeit wurde das Gebäude als das Wertvollste Siebenbürger Schloss im Renaissance-Stil angesehen. Jetzt ist es mit Stacheldraht umzäunt, und wen es nicht eine Info- Tafel in Rumänisch, Englisch und Französisch geben würde,  würde man das Gefühl haben, das diese Historische Stätte völlig aufgegeben sei.

 

Einige Bilder des Schlosses um 1900:

alvinc

 Innenhof 

 

alvinc-martinuzzi-kastely_02

 

Außenansicht mit Zufahrt.

 alvinc-martinuzzi-kastely_04

Einfahrt aus dem Innenhof gesehen.

alvinc-martinuzzi-kastely_03

Plakette am äußeren Tor.

 

 alvinc-martinuzzi-kastely_05

Innenhof

 

alvinc-martinuzzi-kastely_06

Außenansicht mit Schlossgraben

Georg Martinuzzi

 

Martinuzzi_Gyorgy_olajfestmenye

Frater Georgius Martinuzzi

(1482 – 1551)

George_Martinuzzi_Signature

Signatur des Frater Georgius Martinuzzi

Martinuzzi, Georg (wie er sich selbst unterzeichnete: Frater Georgius, danach Bruder Georg genannt), Siebenbürgischer Staatsmann, geb. 1482 zu Kamičic in Kroatien gest. 17. Dez. 1551 in Alvincz.

Er stammte mütterlicherseits von der venezianischen Patrizierfamilie Martinuzzi ab; sein eigentlicher Familienname war Ulissenich, dessen er sich aber selten bediente. Er lebte zuerst am Hofe des Johann Corvinus und der verwitweten Fürstin Zápolya als Page und Kammerherr, trat dann in den Paulinerorden und wirkte als Prior in Czenstochau und im Kloster von Sajó- Lad. Hier lernte ihn König Johann  Zápolya 1528 kennen, der ihn vorwiegend als Gesandten verwandte, 1534 zum Bischof von Großwardein (Várad) und Schatzkanzler und 1540 zum Vormund seines unmündigen Nachfolgers, Johann Siegmund, ernannte. Als solcher setzte M. die Wahl und Krönung des letztern zum ungarischen König durch und verschaffte ihm auch den Schutz des Sultans Suleiman. Als aber der Großtürke 1541 sich der Hauptstadt Ofen mit List bemächtigte und Joh. Siegmunds Macht auf Siebenbürgen beschränkte, näherte sich M. im Geiste des Vertrages von Großwardein (24. Febr. 1538) dem Gegenkönig Ferdinand I. und war für Wiedervereinigung des ganzen Reiches unter dem Zepter des Habsburgers bemüht (Vertrag von Gyalu, im Dezember 1541); Joh. Siegmund und dessen Mutter, Isabella von Polen, sollten anderweitig entschädigt werden. Da aber Ferdinand I. mit der ausbedungenen Hilfe zögerte und der Hilfszug des Deutschen Reiches (im September1542) vor Ofen ein klägliches Ende nahm, kehrte M. zur türkenfreundlichen Politik zurück und organisierte umsichtig das selbständige siebenbürgische Fürstentum, dessen Geschicke er als Schatzkanzler, Statthalter und oberster Richter trotz der Königin-Witwe Isabella und ihrer Partei fast unbeschränkt leitete. 1548 bewogen ihn die Gefahr der türkischen Überflutung und Suleimans neue Forderungen wieder zu Unterhandlungen mit Ferdinand I. Isabella und Joh. Siegmund sollten gegen reichliche Entschädigung Siebenbürgen verlassen und ihr Anrecht an Ferdinand abtreten, der seinerseits Truppen unter Joh. Castaldo(s. d.) nach Siebenbürgen entsendete, während er M. die Würde eines Woiwoden und Schatzmeisters und den Kardinalhut zusagte. Nachdem M. den Widerspruch der Königin Witwe mit Hilfe der Stände gebrochen und Isabella mit ihrem Sohn das Land verlassen hatte, übergab M. die Krone und die wichtigsten Burgen 1551 an Castaldo, der die Huldigung der Stände entgegennahm. Mittlerweile aber hatte die argwöhnisch gewordene Pforte von drei Seiten Truppen gegen Siebenbürgen gesandt, ohne sich durch Martinuzzis Ausflüchte irremachen zu lassen. Um den Sultan versöhnlicher zu stimmen und Ferdinand für neue Truppensendungen Zeit zu verschaffen, bewilligte M. der türkischen Besatzung von Lippa freien Abzug. Dadurch rief er aber aufs Neue den Argwohn Castaldos hervor, der ihn schon von Anbeginn eines geheimen Einverständnisses mit dem Sultan beschuldigte. Von einer Vollmacht Ferdinands Gebrauch machend, ließ er den vielleicht größten Staatsmann Ungarns jener Zeit, in seinem Schloss in Alvincz ermorden.

Der Auftrag wurde  in der Nacht des 16. Dezember 1551 durch, Sforza Pallavicini  und mehreren Komplizen ausgeführt. Der Körper blieb bis 25. Februar 1552 unbegraben. Nachher wurde sein Leichnam in der Kirche St. Michael in Karlsburg beigesetzt.

1200px-Fráter_György's_grave

Gedenktafel

In der Verteidigungsschrift, die Ferdinand I. im Januar 1552 an Papst Julius III. schickte, legte er dem Kardinal mehrfachen Verrat zur Last; er solle Isabella und ihren Sohn zurückberufen und mit Hilfe des Sultans selbst die Herrschaft über Siebenbürgen angestrebt haben. Der Papst billigte nur ungern 1555 die Ermordung, die für Ferdinand den Verlust Siebenbürgens zur Folge hatte. Am Ende hat auch die wertvolle Sammlung von Kunstschätzen Martinuzzis die Habgier der italienischen Soldateska gereizt. Die Frage, ob M. ein Verräter gewesen sei, verneinen die meisten neuern Historiker; doch wird eingeräumt, daß M. unter dem Zwang der Verhältnisse zu falschen Ausflüchten und Schlichen seine Zuflucht nahm, was seinen Untergang beschleunigte.

Literatur:

Vgl. M. Hatvani (Horvath), Leben des Bruders Georg Utyeszenich (in ungar. Sprache, Pest 1859);

K. Schuller, Die Verhandlungen von Mühlbach 1551 und Martinuzzis Ende (Hermannstadt 1862);

Utiešenović, Lebensgeschichte des Kardinals G. Ütiešenović, genannt Martinusius (Wien 1881);

Arp. Károlyi, Die Korrespondenz Frater Georgs (in der »Történelmi Tár«, 1878–82);

Sam. Barabás, Regesten zur Geschichte Siebenbürgens im Zeitalter Martinuzzis (ebenda 1892);

Die Aufzeichnungen Martinuzzis: Regestum 1544–1546 (ebenda 1893);

Druffel, Der Mönch von Siebenbürgen und Kurfürst Johan von Brandenburg (»Forschungen zur deutschen Geschichte«, Bd. 7); insbes. Als. Huber, Geschichte Österreichs, Bd. 4, und Die Erwerbung Siebenbürgens durch Ferdinand I. und Bruder Georgs Ende (im »Archiv für österreichische Geschichte«, Bd. 75, Wien 1889).

 

 

Quellen:

Academic dictionaries and encyclopaedias

Wikipedia.com