Der kleine Laden in der Nördlichen Vorstadt.


In diesem Beitrag möchte ich ihnen eine weitere Stätte der Begegnung aus der Vorstadt in Erinnerung bringen. Es handelt sich um das kleine Geschäft (Laden) an der Kreuzung gegenüber des Wirtshauses das ich in einem anderen Beitrag beschrieben habe. Es war das Eckhaus Mühlgasse – Quergasse. Ein für die Vorstadt imposanter Bau und lange Zeit so ziemlich das Einzige zweigeschossige Gebäude.

Auf der Seite zur Quergasse befanden sich zwei Ladenlokale. Über das Linke Lokal kann ich nur soviel sagen, dass nach der Erweiterung der Lederfabrik und Abriss der Fleischverarbeitung  (ehemals Haffner), ein Teil der Wurst und Mici- Produktion, dahin verlegt wurde. Die Vorgeschichte dieses Ladens ist mir nicht bekannt. Das Rechte Lokal um das es hier geht war in der Zeit meiner Kindheit und Jugend ein Lebensmittel Geschäft. Das Erscheinungsbild war so wie es im vorigen Jahrhundert typisch war, mit zentralem Eingang, links und rechts mit je einer Auslage (Schaufenster), alles mit schöner und kunstvoll gearbeiteter Holzverleidung. Alles, Schaufenster samt Türe waren mit soliden Blechrollos gesichert. Diese wurden von außen mit einem Haken an einer Holzstange jeden Morgen und Abend von Hand geöffnet oder geschlossen. Das verursachte ein typisches Geräusch das weit zu hören war, an das ich mich noch gut erinnere.

Nach dem Betreten des Geschäftes war zur Rechten die kleine Ladentheke und dahinter die Ladenregale in der Mitte dieser war ein Abteil mit Fleischhaken an denen meistens nur Wurstwaren oder Speck hangen. Die Seitlichen Abteile waren mit allerhand Waren die verpackt waren aber auch Zellophan, Kneule mit Bindfaden und Kleinkram den die Hausfrauen dieser Zeit so brauchten. Die Theke war nur mit einer Lebensmittelwaage (Marke „Balanta Sibiu) ausgestattet. Registrierkasse gab es keine. Neben der Waage befand sich ein großer Notizblock oder ein Stapel loser Papierblätter auf dem die abgewogene Ware notiert wurde und der Preis daneben. Dann war auf dem einen Theken Ende ein Stapel Packpapier und einer mit Fettpapier (Butterbrotpapier). Vor diesen waren große Blechbüchsen mit verschiedenen Sorten Bonbons und Kartons mit „Napolitane“, „Eugenia“ und verschiedenen Waffeln.

Am anderen Thekenende waren drei große Holzbretter. Darauf standen folgende Waren in Würfelform von 40×40 cm: Schweinefett, Margarine und Marmelade. Diese Waren wurden auch abgewogen und in Papier verpackt verkauft. Die Nahrungsmittel Reis, Grieß, Mehl, Kukuruzmehl, Salz und Zucker wurden in Jutesäcken a 50 Kg angeliefert und dem entsprechend auch abgewogen verkauft. Das gleiche galt auch für das Speiseöl das in 100 Literfässern angeliefert wurde. Diese Waren in Säcken und Fässern standen auf der Linken Seite des Geschäftes da stand auch eine Sackwaage und ein aus Blech bestehender Behälter mit der Handpumpe für Öl und einem geeichten Liter Maß für das Öl.

Alles in allem konnte man hier fast alles kaufen was man so an Nahrungsmittel zum täglichen Leben brauchte, außer Fleisch das man in der Fleischbank (Metzgerladen) holen musste. Ich erinnere mich als ich Kind und Jugendlicher war, das meine Mutter oder meine Oma immer ein paar Tage vor dem Zahltag „wen das Geld kam“, in einem Plick (Briefumschlag) und nicht wie heute auf ein Konto, einen Langen Einkaufszettel für den Monatseinkauf schrieb.

Wen das Geld da war wurde der hölzerne Handwagen hervorgeholt und bewaffnet mit „Ölflaschen mit Korkstopfen“, und Leinensäckchen für Reis, Grieß, Mehl, Kukuruzmehl und Zucker ging es dann zum Monatseinkauf „zum Trif“, so hieß der Verkäufer in diesem Geschäft, nachher war es eine Frau mit Namen Floare. Wir sehen also das um die Zeit sehr wenig Müll anfiel da fast alle Behältnisse der Lebensmittel wieder verwendbar waren, und dass über einen längeren Zeitraum.

Ich sagte am Anfang dieser Zeilen dass das Geschäft, wie viele andere auch in Mühlbach, auch eine Stätte der Begegnung war aus dem Grund da man häufig warten musste bis man an der Reihe war, und so lange Zeit mit Nachbarn und Bekannten in der Schlange stand und tratschte. Das Warten war eine Normalität um diese Zeit wenn man in betracht zieht das die Waren abgewogen, aufgeschrieben und dann die Endsumme mit Bleistift und Papier ausgerechnet werden musste.

Hier beim Schlange stehen erfuhr man die letzten Neuigkeiten, wer gestorben war, wer ein Kind bekommen hatte, was wann und wo zu bekommen war und vieles mehr. Da es um diese Zeit kein gutes Nachrichtensystem wie heute gab, war der Großeinkauf immer eine gute Gelegenheit dazu um alles was neu in der Stadt war zu erfahren.

In Deutschland würde man sagen das dieses Geschäft so etwas wie ein „Tante Emmaladen“ war. Es ist schade dass diese Geschäfte weniger werden und je nach Ort ganz verschwunden sind. Die waren noch etwas Persönliches wo der Betreiber noch fast jeden Kunden kannte und auch immer ein Dialog stattfand. Was heutzutage in den Supermärkten und Selbstbedienungsläden nicht mehr der Fall ist.

Ich hoffe das ich der Generation meines Alters und der davor mit diesen Zeilen eine Erinnerung geweckt habe, und der jüngeren etwas vermittelt zu haben was der Vergangenheit, auch von Mühlbach, angehört.

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 Position des Gebäudes (Foto Google)

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 Das Gebäude (heute)

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 Das Gebäude mit den zwei Geschäften (heute)

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  Beispielbild aus Deutschland der 30- er Jahre. Da wurde auch mit Papier und Bleistift gerechnet.

Typischer „Tante Emmaladen“

Horst Theil

Foto by : Google; Florin Muntean

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Das Wirtshaus der Nördlichen Vorstadt.


Wie meine treuen Leser wissen, habe ich schon über einige Wirtshäuser von Mühlbach geschrieben. In diesem Beitrag möchte ich über ein unscheinbares, aber dennoch sehr beliebtes einige Zeilen schreiben. Es durfte sich ja eigentlich gar nicht Wirtshaus, im wahren Sinne des Wortes nennen, eher hatte es den Charakter einer Dorfkneipe. Dazu kam auch noch die kuriose Stelle an der es sich befand. Aber dazu später. Die Rolle der Kneipe, die in Mühlbach unter dem Begriff Wirtshaus üblich war, hatte mehrere Funktionen. Hier traf man sich am späten Nachmittag oder frühem Abend und auch dazwischen. Da wurden kleine Geschäfte  gemacht und Neuigkeiten ausgetauscht. Oder einfach kam man aus langer Weile her um mit anderen Leuten beisammen zu sein und bei einem Becher von irgendetwas einen kleinen Plausch zu halten.

Und nun zu der Kneipe um die es geht. Ich hatte sie schon mal in einem Früheren Beitrag über das Umfeld meiner Kindheit erwähnt. Aber ich will es noch mal, für die die den Beitrag nicht gelesen haben. Das Gebäude mit der Kneipe befand sich in Mitten der Kreuzung von Mühlgasse – Altgasse und Quergasse wie eine Insel. Bei den Rumänen auch „Casa fara vecini“ (Haus ohne Nachbarn) genannt. Ich kann mich nicht erinnern an den Ursprünglichen Zweck dieser Lokale. Wahrscheinlich ehemalige Geschäfte. Wen man bedenkt das rechts gegenüber das Gebäude des wohlbekannten Gasthofes „Fränk“ Anfang des vorigen Jahrhunderts bestand, wo Speise und Trank in angenehmer Atmosphäre geboten wurden, so glaube ich nicht das diese Kneipe an dieser Stelle rentabel gewesen sein kann. Aber das ist reine Spekulation. Das Gebäude verfügt über Zwei Ladenräume. Der eine war die Kneipe und der andere war zu meiner Kindheit hatte etwas das mit Imkerei zu tun hatte weil in der Auslage immer Bienenwaben und Imkerwerkzeug lag aber selten offen war. Aber Zurück zur Kneipe. Die bestand aus einem einzigen Raum und einem sehr kleinen Abstellraum. Die Eingänge beider Lokale waren über Eck. Nach dem Betreten  konnte man links und rechts des Einganges an einigen Tischen Platz nehmen. Ich glaube mich zu erinnern dass es vier an der Zahl waren. An der Wand gegenüber der Türe befanden sich ein Ladenregal und davor die Kneipentheke. Dahinter Stand der Wirt mit aufgekrempelten Hemdärmeln rotem Gesicht und mit einer Schürze die nur bis zum Gürtel reichte. An derselben Wand befand sich ein Tisch mit Stühlen vor dem einzigen Auslagenfenster, übrigens der Stammplatz eines Nachbahren der gegenüber von uns wohnte.

Die Kneipe war eine reine Getränkekneipe ohne Essen.  Da wurde getrunken, geraucht, Karten gespielt und auch gestritten, was der Wirt gar nicht gerne sah. In sehr guter Lage ging das Geschäft gut. Es wurden Schnaps, Wein und manchmal Bier über die Theke gereicht. Eine Besonderheit beim Schnaps war das Maß. Man verlangte einen Deci (100 ml)  oder einen halben Deci (50 ml), wenn man einen doppelten verlangte bekam man 200 ml, dann nahm der Wirt ein speziales Glas zum Messen. Dieses Messglas nannte sich Zoi (rum. Toi). Die Skepsis der älteren Generation (Pensionisten, Rentner) gegenüber dem Wirten war so groß das fast jeder seinen eigenen Zoi hatte und auch aus dem trank. Der Zoi war ein Glas das oben sehr eng war und man so genauer sehen konnte wen der Wirt einen beim Messen übers Ohr hauen wollte (betrügen).

Die Kundschaft war überwiegend aus den anliegenden Strassen. Nach Feierabend kamen noch die Arbeiter von der Lederfabrik (Gerber und Taschner), von der Schlachtbrücke (Schlachthof) oder alle anderen die nach Hause gingen oder kamen. Die Höhepunkte allerdings waren die Donnerstage wenn Markt war. Der Betrieb ging manchmal bis spät in die Nacht hinein, draußen war schon die Dunkelheit angebrochen. In die Stille der Nacht und Dunkelheit drang nur der Lichtkegel der nackten Glühbirne, die traurig von dem Plafon (Decke) baumelte,  durch die meistens offen stehende Türe, gemischt mit dem manchmal sehr lauten Debatieren der letzten Gäste. Irgendwann erlosch das Licht und die Dunkelheit und Ruhe übernahmen wieder ihren Platz.

Liebe Leser! Ich hoffe dass ich ihnen mit dieser kleinen Beschreibung dieses Wirtshauses auch einige Erinnerungen aus der Alten Heimatstadt geweckt habe.

 

Und nun einige Bilder:

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Position des Gebäudes (Foto Google)

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Das Wirtshaus an der Kreuzung (Foto by Florin Muntean)

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                        

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Beispiele der Besagten Maßbecher 

 

Horst Theil

 

 

 

Transportfahrzeuge der 60- er in Mühlbach


Wie jeder weis, funktioniert keine Wirtschaft ohne Transporte. Das hat auch für Mühlbach und ganz Siebenbürgen gegolten. Nachfolgend möchte ich einige, bei weitem nicht alle, dieser Transportmittel, die übrigens nicht nur für Mühlbach spezifisch waren, in Erinnerung bringen.

Ich hoffe sie haben ein bisschen Spaß.

Quelle Bilder: Internet

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 „Multicar“ Transporter

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Geländewagen „IMS 57“

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 Kleinbus „Tudor Vladimirescu“

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 LKW „Carpati“

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LKW „Bucegi“

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 „Molotov“

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 LKW „Steagu Rosu“

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 LKW „Skoda“ 

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 LKW „Zil“

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LKW „Tartra“

Zusammengestellt: Horst Theil

Die Zweiräder im Mühlbach der 60-er.


In den 60- er Jahren besaßen die Privathaushalte noch nicht so viele Autos wie heute. Jeder versuchte sich, je nach Geldbeutel, so gut es ging mobil zu machen um unabhängig von den öffentlichen Verkehrsmitteln zu sein.

Wie jeder ahnen kann waren es in erster Reihe die Fahrräder, einige mit Hilfsmotor, aber die meisten ohne. Dann folgten die Mofas und Mopeds und zu guter letzt die Motorräder. Diese waren teilweise mit Beiwagen aber die meisten ohne. Mit diesen Gefährten wurde alles Mögliche transportiert vom normalen Einkauf bis zu schweren Säcken mit Kartoffeln und dergleichen. Ja man ging so weit das einige sich zweirädrige Handkarren hinten dran irgendwie befestigten um so viel wie möglich transportieren zu können. Heute unvorstellbar.

Die Fahrräder wurden selber repariert, teilweise auch die motorgetriebenen Zweiräder. Man bekam im Handel fast alle Ersatzteile und wen nicht wurden diese in Cujir nachgebaut oder von anderswo „organisiert“. Mit diesen Fortbewegungsmitteln (Fahrräder und Mofas) wurden manchmal sehr weite Strecken zurückgelegt, es ging manchmal bis Hermannstadt oder Klausenburg und so weiter. Also der Weg zur Arbeit, aufs Feld, Einkaufen, Angeln einfach alles was damit möglich war.

Im Anschluss habe ich ein paar Bilder aus dem Netz zusammengetragen um zu zeigen was alles mit zwei Rädern in den 60- er Jahren in Mühlbach so unterwegs war, ausgenommen von ei paar Exoten von denen ich keine Bilder gefunden habe.

Viel Spaß beim betrachten.

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 Herrenfahrrad Carpati

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 Herrenfahrrad Tohan

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 Mofa Simson

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 Mokick  Carpati

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Mokick Mobra (Lizenz nach Zündapp)

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 Mokick Mobra Super ( Nachfolgermodel)

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 Mobra Hoinar (letztes Model)

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 Motorrad MZ

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 Motorrad MZ

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 Motorrad Simson

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 Motorrad Simson mit Beiwagen

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 Motorrad CZ

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 Motorrad Jawa

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 Motorrad Jawa California 350 ccm (das schnellste zu der Zeit)

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 Motorrad Danuvia

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 Scooter Manet

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 Motorrad BMW 250 ccm Eintopf (kein Boxer!!)

Ich hoffe sie hatten Spaß!

Horst Theil

Die Ruhestätte unserer Ahnen.


In diesem Beitrag möchte ich einige Zeilen über die Ruhestätte unserer Ahnen und Vorfahren niederschreiben. Der Grund dafür ist das ich vor einigen Tagen frische Bilder vom Evangelischen Friedhof aus Mühlbach bekommen habe. Der Photograf ist ein guter Bekannter Florin Muntean. Ich habe über Mühlbach schon so einiges zu Papier gebracht und habe überlegt dass es angebracht wäre, auch an dieser Stelle, einige Worte zum Thema Friedhof zu schreiben. Ich kann keine präzisen Angaben machen, aber ich werde Versuchen aus der Erinnerung und meinen Vermutungen ein paar Worte da zu sagen.

Wie wir alle wissen, war es in den frühen Jahren der Geschichte in Europa Brauch und Sitte die Ruhestätten der von uns gegangenen fast immer in unmittelbarer Nähe der Kirchen und Gotteshäuser anzulegen. Dieses geschah meistens auf dem Kirchengelände, also um die Kirchen herum. Ich vermute das dass auch in Mühlbach der Fall war. Im Zuge einer generellen Renovierung in den 60- er Jahren der Kirche, erinnere ich mich das man im Kirchhof und selbst in der Kirche einige alte Gräber entdeckt hatte. Selbstverständlich waren die in der Kirche wahrscheinlich von Würdenträgern oder Geistlichen, und die außerhalb von normalen Bürgern des jungen Mühlbachs. Mein Gedanke ist das mit zunehmender Zahl der Einwohner von Mühlbach der Platz nicht mehr ausreichend für die Bestattung der Leichen war. Wenn man bedenkt das in den folgenden Jahrzehnten und Jahrhunderten Mühlbach immer wieder unter der Last der Verwüstung und Brandschatzung, mal abgesehen von den Krankheiten und Seuchen, zu leiden hatte wäre es nicht abwegig anzunehmen das der Beschluss irgend wann kam den Gottesacker zu verlegen. Der Platz wurde außerhalb der Stadtmauern neben dem Mauerngraben gewählt, wo er sich auch heute befindet. Jetzt kommt die Frage wann?  Ich weiß es nicht, ich habe aber die Vermutung  dass die Leichen am Anfang durch das noch vorhandene Nordtor der Stadt zur letzten Ruhestätte gebracht wurden. In späteren Jahren, als die Stadtbefestigung nicht mehr ihren Zweck entsprach, und Mühlbach zur Ruhe kam, wurde wahrscheinlich der Durchbruch der Stadtmauer im Bereich der Rathausgasse (die lange Zeit „Leichengasse genannt wurde) in Richtung Holzplatz gemacht. Auf diese Weise konnten die Leichen die wahrscheinlich auch um die Zeit in der Jakobskapelle aufgebahrt wurden, auf direktem Wege zum Friedhof gebracht werden.

Dieser befindet sich zur Linken des erwähnten Mauerdurchbruchs. Schon beim ersten Betrachten des Eingangbereiches merkt man das die Bürger der Stadt sich ihre Ruhestätte etwas kosten haben lassen. Das eindrucksvolle Schmiedeiserne Tor und insgesamt die ganze Fazade aus Mauerwerk kombiniert mit dem ebenfalls Schmiedeisernen Zaun.

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Linke Seite des Eingangsbereiches.

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 Das Tor

 Nach dem betreten des Friedhofs fällt einem sofort die zur Rechten befindliche Gruftenreihe auf. Alle Gruften sind in einem Gebäude untergebracht und durch Schmiedeiserne Zaunelemente voneinander getrennt. In jeder Gruft ist eine Innschriftstafel mit den Namen der Bestatteten Personen angebracht. Diese Gruftenreihe ist wahrscheinlich ursprünglich von wohlhabenden Patrizierfamilien des alten Mühlbachs erbaut worden.

Bilder dieser Gruften:

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 Innschriftstafel einer dieser Gruften

 In der gleichen Bauweise gibt es noch eine Gruftenreihe im Hinteren Teil des Friedhofs.

Gruften im hinteren Teil des Friedhofes

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Andere Gruften

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Über den zentralen Weg gelangte man an den Ort der Aussegnung. Dieser Bestand aus drei Holzgebäuden. Zwei Links und Rechts der Stelle wo der Sarg aufgebahrt stand. Und ein kleines Gebäude, zentral am Kopfende des Sarges gelegen, das von dem Geistlichen bei Regenwetter als Wetterschutz genutzt wurde. Die Beiden seitlichen waren auf drei Seiten geschlossen und nur in Richtung Sarg bis in Gürtelhöhe geschlossen. Mit Holzbänken als Sitzgelegenheit ausgestattet dienten sie den Trauergästen als Unterstand bei Regen und prallem Sonnenschein. Da hielt der Geistliche die Aussegnungszeremonie bevor der Sarg zu Grabe getragen und nach einem Letzten Gebet in die Erde unserer Heimatstadt zur ewigen Ruhe gebettet wurde.

Einige Bilder dieses Platzes:

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 Wenn man den Weg an den Gruften vorbei Ging gelangte man zum Friedhofsbrunnen der lange, lange Jahre als einzige Wasserquelle zum Gießen der Gräber diente. Heute ist der Friedhof mit einer Wasserleitung versehen die an einigen Orten am Friedhof in einem Betongbehälter enden, und so die früheren weiten Wege vom Brunnen bis zu den Gräbern, erspart.

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Der alte Brunnen.

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 Eine der neuen Wasserquellen des Friedhofes

 Ein paar Schritte weiter gelangt man zu dem Platz wo zur Rechten dieses Weges die in den Kriegen in und um Mühlbach gefallenen Deutschen Soldaten von der Kirchengemeinde zu Mühlbach beerdigt worden sind. Einige Identitäten sind bekannt wiederum einige nicht. Die Pflege dieser Heldengräber wird von der Gemeinde übernommen.

 Soldatengräber:

 

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 Zum Schluss einige Worte zum Rest der Gräber. Im Allgemeinen werden die Gräber gepflegt, sei es von restlichen hier gebliebenen Verwandten aber meistens im Auftrag von Angehörigen aus Deutschland und der ganzen Welt.

Einige Gräber wurden vor der Ausreise versiegelt um die Pflege dieser Gräber nicht zu vernachlässigen wen niemand mehr da war der diese übernehmen hätte können. Als Schlusswort möchte ich dazu sagen das unsere Ahnen und Angehörigen so wie die beerdigten Soldaten eine angemessene und schöne letzte Ruhestätte auf dem Friedhof in Mühlbach gefunden haben.

Der liebe Gott sei ihnen gnädig.

Hier endet mein kleiner Rundgang vom Friedhof in Mühlbach.

 

Horst Theil

Foto by: Florin Muntean

Unser Nachbarort Alvincz im Unterwald


Liebe Leser!

In diesem Beitrag möchte ich etwas über einen Ort schreiben der seit seiner Gründung in einigen Hinsichten mit unserer Heimatstadt Mühlbach verbunden war. Es handelt sich, wie der Titel schon sagt um Alvincz, auch Unterwinz oder Winz genannt. (rum. Vintul de Jos).

Der Ort Vințu de Jos wurde erstmals 1248 (1486 unter Alwijncz) urkundlich erwähnt. Im Mittelalter war der Ort ein blühender Marktflecken im Komitat Unterweißenburg, mit einem Hafen für Salzhandel und andere Rohstoffe der Region. 1621 siedelten sich Hutterer am Ort an, die hier einen Bruderhof aufbauten, der bis zur Rekatholizierung Mitte des 18. Jahrhunderts Bestand hatte.

Gegründet von deutschstämmigen Einwanderern im 12-ten Jahrhundert am linken Ufer des Mieresch (oder Marosch), gewann Winz im Laufe der Geschichte an Bedeutung in der Region Unterwald, so wie zeitweilig in ganz Siebenbürgen. In unmittelbarer Nachbarschaft, am gegenüberliegenden Ufer des Mieresch befindet sich das Dorf Burgberg (rum. Vurpar) (auch von deutschstämmigen gegründet) wo der Mühlbacher Afrikaforscher und Völkerkundler Franz Binder auf seinem Besitztum seine letzte Ruhestätte fand.

Alvincz besaß in seiner Blütezeit zwei Schlösser. Das eine war das Stammschloss der Fürstlichen Familie Horváth  Barcsay, das andere war zeitweilig der Sitz des Georg Martinuzzi, über den ich im Anschluss ausführlicher werde. Um das Jahr 1900 hatte Alvincz ca. 3800 Einwohner. Hier wurde Weinbau betrieben, Getreideanbau und Spiritusherstellung so wie Ackerbau im Allgemeinen. Alle drei Konfessionen des Unterwaldes waren auch hier vertreten. In späteren Jahren trug noch zu seiner Bedeutung auch die Bahnstrecke Töwisch (Teiusi) – Arad bei. Winz bekam einen Großen Bahnhof, (der nach Überlieferung eigentlich in Mühlbach errichtet werden sollte, aber die Bürger von Mühlbach weigerten sich aus Angst vor der Luftverschmutzung durch den Rauch der Dampfloks.) und nach der Fertigstellung der Bahnstrecke Hermannstadt – Winz wurde es zum Bahnverkehrsknotenpunkt. Das hinderte aber nichts daran das die Bahn auch nach Mühlbach kam. (darüber habe ich in einem anderen Beitrag berichtet). Nun war Mühlbach mit Alvincz nicht nur über die Landstrasse verbunden sondern auch auf dem Schienenwege.

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Bahnhof von Alvincz

Wen man mit der Bahn irgendwohin in Richtung Westen oder Norden fahren wollte, musste man in Alwinz umsteigen. Diesbezüglich war schon in frühen Jahren eine permanente Busverbindung zum Bahnhof von Alvincz eingerichtet worden die zu allen wichtigen Zügen eine Verbindung herstellte. Die vorhin erwähnte Landstrasse war die Hauptverbindungsstrasse von ganz Siebenbürgen in West – Ostrichtung und gleichzeitig die wichtigste Handelsrute in den Westen Europas. Entlang dieser Strasse ereigneten sich früher viele Raubüberfälle und Raubmorde. Desgleichen waren entlang dieser Strasse einige Gasthöfe und Einkehrstätten für die Reisenden die auch für die Zugtiere Verpflegung anboten. Eines dieser Einkehrstätten befand sich Rechts auf dem Hügel von wo die Strasse sich in Richtung Bahnhof schlängelte. Die Gebäude sind bis auf den heutigen Tag erhalten und dienen heute anderen Zwecken. Da sich, wie oben erwähnt, Alvincz an den Ufern des Mieresch befindet, waren früher viele Bewohner mit der Flößerei beschäftigt. Das waren meistens Flöße auf denen Waren transportiert wurden und zwar überwiegend Salz das aus dem Raum Aiud bis Arad und weiter nach Ungarn. Alvincz war auch für die Angler aus Mühlbach interessant da hier in den Gewässern des Mieresch so mancher kapitaler Fang gemacht wurde.

Horst Theil

Das Schloss war ursprünglich ein Dominikanerkloster, das ruiniert wurde, buchstäblich und im übertragenen Sinne, nach den Türkeneinfällen. Der Adlige Nikolaus Kozar  der erste Besitzer nach dem Kloster baute das Gebäude zu einem Schloss um. Jahre später  um 1550 kam dieses in die Hände des Bischofs von Großwardein Georg Martinuzzi, der Gouverneur und einer der „Väter“ des autonomen Fürstentum Siebenbürgen, das Gebäude wurde wieder umgebaut und ergänzt. Das Schloss wurde vollendet und war nun wie eine kleine Burg. Dies ist auch der Ort, wo Martinuzzi  in der Nacht vom 16. Dezember 1551 im Auftrag der österreichischen Generäle Castaldo und Pallavicini ermordet wurde.

Dann ging die Burg durch mehrere Hände, und war auch der Ort, wo im Jahre 1597 Aron der Tyrann (1595-1597)  vergiftet wurde. Dieser war Prinzregent der Moldau, und wurde von Siebenbürgischen Armeen auf Befehl des Fürsten Sigismund Bathory festgenommen. Im nächsten Jahrhundert, ist der Wohnort in die Hände des großen siebenbürgischen Fürsten Gabriel Bathory, der die Restaurierung des Schlosses im Stil der Renaissance abgeschlossen hatte, so dass es ein Juwel der Kunst dieser Zeit wurde. Das aktuelle Barock- Tor wurde im Jahr 1733 errichtet.

Leider ist das große Gebäude heute eine totale Ruine. Es blieb stehen nur noch die Nordwand, ein Turm, und das Eingangs- Tor.

In seiner Zeit wurde das Gebäude als das Wertvollste Siebenbürger Schloss im Renaissance-Stil angesehen. Jetzt ist es mit Stacheldraht umzäunt, und wen es nicht eine Info- Tafel in Rumänisch, Englisch und Französisch geben würde,  würde man das Gefühl haben, das diese Historische Stätte völlig aufgegeben sei.

 

Einige Bilder des Schlosses um 1900:

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 Innenhof 

 

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Außenansicht mit Zufahrt.

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Einfahrt aus dem Innenhof gesehen.

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Plakette am äußeren Tor.

 

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Innenhof

 

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Außenansicht mit Schlossgraben

Georg Martinuzzi

 

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Frater Georgius Martinuzzi

(1482 – 1551)

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Signatur des Frater Georgius Martinuzzi

Martinuzzi, Georg (wie er sich selbst unterzeichnete: Frater Georgius, danach Bruder Georg genannt), Siebenbürgischer Staatsmann, geb. 1482 zu Kamičic in Kroatien gest. 17. Dez. 1551 in Alvincz.

Er stammte mütterlicherseits von der venezianischen Patrizierfamilie Martinuzzi ab; sein eigentlicher Familienname war Ulissenich, dessen er sich aber selten bediente. Er lebte zuerst am Hofe des Johann Corvinus und der verwitweten Fürstin Zápolya als Page und Kammerherr, trat dann in den Paulinerorden und wirkte als Prior in Czenstochau und im Kloster von Sajó- Lad. Hier lernte ihn König Johann  Zápolya 1528 kennen, der ihn vorwiegend als Gesandten verwandte, 1534 zum Bischof von Großwardein (Várad) und Schatzkanzler und 1540 zum Vormund seines unmündigen Nachfolgers, Johann Siegmund, ernannte. Als solcher setzte M. die Wahl und Krönung des letztern zum ungarischen König durch und verschaffte ihm auch den Schutz des Sultans Suleiman. Als aber der Großtürke 1541 sich der Hauptstadt Ofen mit List bemächtigte und Joh. Siegmunds Macht auf Siebenbürgen beschränkte, näherte sich M. im Geiste des Vertrages von Großwardein (24. Febr. 1538) dem Gegenkönig Ferdinand I. und war für Wiedervereinigung des ganzen Reiches unter dem Zepter des Habsburgers bemüht (Vertrag von Gyalu, im Dezember 1541); Joh. Siegmund und dessen Mutter, Isabella von Polen, sollten anderweitig entschädigt werden. Da aber Ferdinand I. mit der ausbedungenen Hilfe zögerte und der Hilfszug des Deutschen Reiches (im September1542) vor Ofen ein klägliches Ende nahm, kehrte M. zur türkenfreundlichen Politik zurück und organisierte umsichtig das selbständige siebenbürgische Fürstentum, dessen Geschicke er als Schatzkanzler, Statthalter und oberster Richter trotz der Königin-Witwe Isabella und ihrer Partei fast unbeschränkt leitete. 1548 bewogen ihn die Gefahr der türkischen Überflutung und Suleimans neue Forderungen wieder zu Unterhandlungen mit Ferdinand I. Isabella und Joh. Siegmund sollten gegen reichliche Entschädigung Siebenbürgen verlassen und ihr Anrecht an Ferdinand abtreten, der seinerseits Truppen unter Joh. Castaldo(s. d.) nach Siebenbürgen entsendete, während er M. die Würde eines Woiwoden und Schatzmeisters und den Kardinalhut zusagte. Nachdem M. den Widerspruch der Königin Witwe mit Hilfe der Stände gebrochen und Isabella mit ihrem Sohn das Land verlassen hatte, übergab M. die Krone und die wichtigsten Burgen 1551 an Castaldo, der die Huldigung der Stände entgegennahm. Mittlerweile aber hatte die argwöhnisch gewordene Pforte von drei Seiten Truppen gegen Siebenbürgen gesandt, ohne sich durch Martinuzzis Ausflüchte irremachen zu lassen. Um den Sultan versöhnlicher zu stimmen und Ferdinand für neue Truppensendungen Zeit zu verschaffen, bewilligte M. der türkischen Besatzung von Lippa freien Abzug. Dadurch rief er aber aufs Neue den Argwohn Castaldos hervor, der ihn schon von Anbeginn eines geheimen Einverständnisses mit dem Sultan beschuldigte. Von einer Vollmacht Ferdinands Gebrauch machend, ließ er den vielleicht größten Staatsmann Ungarns jener Zeit, in seinem Schloss in Alvincz ermorden.

Der Auftrag wurde  in der Nacht des 16. Dezember 1551 durch, Sforza Pallavicini  und mehreren Komplizen ausgeführt. Der Körper blieb bis 25. Februar 1552 unbegraben. Nachher wurde sein Leichnam in der Kirche St. Michael in Karlsburg beigesetzt.

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Gedenktafel

In der Verteidigungsschrift, die Ferdinand I. im Januar 1552 an Papst Julius III. schickte, legte er dem Kardinal mehrfachen Verrat zur Last; er solle Isabella und ihren Sohn zurückberufen und mit Hilfe des Sultans selbst die Herrschaft über Siebenbürgen angestrebt haben. Der Papst billigte nur ungern 1555 die Ermordung, die für Ferdinand den Verlust Siebenbürgens zur Folge hatte. Am Ende hat auch die wertvolle Sammlung von Kunstschätzen Martinuzzis die Habgier der italienischen Soldateska gereizt. Die Frage, ob M. ein Verräter gewesen sei, verneinen die meisten neuern Historiker; doch wird eingeräumt, daß M. unter dem Zwang der Verhältnisse zu falschen Ausflüchten und Schlichen seine Zuflucht nahm, was seinen Untergang beschleunigte.

Literatur:

Vgl. M. Hatvani (Horvath), Leben des Bruders Georg Utyeszenich (in ungar. Sprache, Pest 1859);

K. Schuller, Die Verhandlungen von Mühlbach 1551 und Martinuzzis Ende (Hermannstadt 1862);

Utiešenović, Lebensgeschichte des Kardinals G. Ütiešenović, genannt Martinusius (Wien 1881);

Arp. Károlyi, Die Korrespondenz Frater Georgs (in der »Történelmi Tár«, 1878–82);

Sam. Barabás, Regesten zur Geschichte Siebenbürgens im Zeitalter Martinuzzis (ebenda 1892);

Die Aufzeichnungen Martinuzzis: Regestum 1544–1546 (ebenda 1893);

Druffel, Der Mönch von Siebenbürgen und Kurfürst Johan von Brandenburg (»Forschungen zur deutschen Geschichte«, Bd. 7); insbes. Als. Huber, Geschichte Österreichs, Bd. 4, und Die Erwerbung Siebenbürgens durch Ferdinand I. und Bruder Georgs Ende (im »Archiv für österreichische Geschichte«, Bd. 75, Wien 1889).

 

 

Quellen:

Academic dictionaries and encyclopaedias

Wikipedia.com

Bekanntmachung !


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 Historisches Centrum von Mühlbach

Foto by: Eduard Schneider

Abschrift aus „Siebenbürgische Zeitung“ vom 15. August. Folge 14.     64. Jahrgang

24. Sachsentreffen in Mühlbach

Mühlbach – Zum ersten Mal seit 1991, als die Jährlichen Sachsentreffen in Rumänien began­nen, bereitet sich Mühlbach, das mittelalterliche Städtchen Im Unterwald, auf den Ansturm der Gäste aus Rumänien und Deutschland und aller Welt vor. Das 24. Sachsentreffen am 20. Sep­tember steht unter dem Motto „Wir sind hier“, das ein Stück Selbstbehauptung vermittelt. Die Veranstaltung beginnt wie immer mit dem Fest­gottesdienst um 10.00 Uhr in der ev. Stadtpfarr­kirche. Gleichzeitig eröffnen auch die Handar­beitsstände vor den Mauern um die Kirche. Programme und Abzeichen werden ab 8.30 Uhr vor dem Eingangstor zum Kirchhof verkauft.

Eine Ausstellung entlang der Außenmauern stimmt auf das große Treffen ein. Damit auch die kleinen Gäste gut beschäftigt sind, finden in der ,,scoala 2″ am Piata Libertätii von 10.00-12.00 Uhr Bastelworkshops für Kinder statt.

Nach dem Gottesdienst gibt es Führungen durch die im letzten Jahr im Rahmen des 18-Kir­chenburgen-Programms restaurierte Kirche und das Stadtmuseum. Glanzstück ist der wertvollste Hochaltar südöstlich von Wien, der dem bedeu­tenden Künstler des 16. Jahrhunderts, Veit Stoß dem Jüngeren, zugeschrieben wird. Sehenswert sind auch die gotische Kanzel, der Lettner und der Bußstein aus dem 17. Jahrhundert.

Nach einem Konzert um 12.00 Uhr in der Stadtpfarrkirche beginnen um 13.30 Uhr die festlichen Trachtenumzüge entlang der Haupt­straße, gefolgt von Auftritten der sächsischen Volkstanz- und Gesangsgruppen auf der dort in­stallierten Bühne. Am Nachmittag wird auch das neue Buch „Altstädte, Dörfer und Kirchenburgen – Zeichnungen und Aquarelle aus Siebenbürgen“ des Malers und Zeichners Theo Damm vorge­stellt. Der pensionierte Architekt und Denkmal­schutzexperte aus Nottuln, der zuletzt als Bau­referent bei der Landwirtschaftskammer Westfalen-Lippe tätig war, hat sich bereits durch seine Illustrationen im Bildband „Alte Dörfer im Münsterland – Skizzen aus den Baumbergen“ ei­nen Namen gemacht.

Höhepunkt am Nachmittag ist wie immer die Festveranstaltung, die voraussichtlich um 15.00 Uhr im Kulturhaus Lucian Blaga beginnt. Die Festrede hält Benjamin Josza, Geschäftsführer des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien (DFDR). Im Anschluss (um 16.00 Uhr) wird die Honterusmedaille an Dr. Paul-Jürgen Porr, den Vorsitzenden des DFDR, verliehen. Den Besuchern werden geführte Stadtrund­gänge geboten, um die Geschichte Mühlbachs zu erkunden. Der Unterwald ist das älteste Siedlungsgebiet der Siebenbürger Sachsen. In der an der Kreuzung zweier bedeutender Handelswege – von Hermannstadt nach Broos (Orastie) und von der Walachei über die Berge nach Karlsburg und Klausenburg – gelegenen Stadt erblühten vor allem im 14. Jahrhundert Handel, Handwerk und die schönen Künste.

Für Touristen bietet das Mühlbachtal neben geschichtsträchtigen Stätten eine spektakuläre Hochstraße, die so genannte Königsstraße oder Transalpina (www.adz.ro/artikel/artikel/auf-der­strasse-des-koenigs). Weitere Ausflugsziele in der Umgebung sind Karlsburg mit seiner gewal­tigen, restaurierten Burg im Vauban-Stil oder die Dakerfestungen in der Gegend um Broos, die Teil des UNESCO-Welterbes sind (www.adz.ro/arti­kel/artikel/das-unesco-welterbe-in-rumaenien). Von der turbulenten Zeit der Türken- und Tata­renüberfälle zeugen die Gräfenburg in Kelling, ebenfalls UNESCO-Welterbe, und die Kirchen­burg in Urwegen.

Nina May