Unser Nachbarort Alvincz im Unterwald


Liebe Leser!

In diesem Beitrag möchte ich etwas über einen Ort schreiben der seit seiner Gründung in einigen Hinsichten mit unserer Heimatstadt Mühlbach verbunden war. Es handelt sich, wie der Titel schon sagt um Alvincz, auch Unterwinz oder Winz genannt. (rum. Vintul de Jos).

Der Ort Vințu de Jos wurde erstmals 1248 (1486 unter Alwijncz) urkundlich erwähnt. Im Mittelalter war der Ort ein blühender Marktflecken im Komitat Unterweißenburg, mit einem Hafen für Salzhandel und andere Rohstoffe der Region. 1621 siedelten sich Hutterer am Ort an, die hier einen Bruderhof aufbauten, der bis zur Rekatholizierung Mitte des 18. Jahrhunderts Bestand hatte.

Gegründet von deutschstämmigen Einwanderern im 12-ten Jahrhundert am linken Ufer des Mieresch (oder Marosch), gewann Winz im Laufe der Geschichte an Bedeutung in der Region Unterwald, so wie zeitweilig in ganz Siebenbürgen. In unmittelbarer Nachbarschaft, am gegenüberliegenden Ufer des Mieresch befindet sich das Dorf Burgberg (rum. Vurpar) (auch von deutschstämmigen gegründet) wo der Mühlbacher Afrikaforscher und Völkerkundler Franz Binder auf seinem Besitztum seine letzte Ruhestätte fand.

Alvincz besaß in seiner Blütezeit zwei Schlösser. Das eine war das Stammschloss der Fürstlichen Familie Horváth  Barcsay, das andere war zeitweilig der Sitz des Georg Martinuzzi, über den ich im Anschluss ausführlicher werde. Um das Jahr 1900 hatte Alvincz ca. 3800 Einwohner. Hier wurde Weinbau betrieben, Getreideanbau und Spiritusherstellung so wie Ackerbau im Allgemeinen. Alle drei Konfessionen des Unterwaldes waren auch hier vertreten. In späteren Jahren trug noch zu seiner Bedeutung auch die Bahnstrecke Töwisch (Teiusi) – Arad bei. Winz bekam einen Großen Bahnhof, (der nach Überlieferung eigentlich in Mühlbach errichtet werden sollte, aber die Bürger von Mühlbach weigerten sich aus Angst vor der Luftverschmutzung durch den Rauch der Dampfloks.) und nach der Fertigstellung der Bahnstrecke Hermannstadt – Winz wurde es zum Bahnverkehrsknotenpunkt. Das hinderte aber nichts daran das die Bahn auch nach Mühlbach kam. (darüber habe ich in einem anderen Beitrag berichtet). Nun war Mühlbach mit Alvincz nicht nur über die Landstrasse verbunden sondern auch auf dem Schienenwege.

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Bahnhof von Alvincz

Wen man mit der Bahn irgendwohin in Richtung Westen oder Norden fahren wollte, musste man in Alwinz umsteigen. Diesbezüglich war schon in frühen Jahren eine permanente Busverbindung zum Bahnhof von Alvincz eingerichtet worden die zu allen wichtigen Zügen eine Verbindung herstellte. Die vorhin erwähnte Landstrasse war die Hauptverbindungsstrasse von ganz Siebenbürgen in West – Ostrichtung und gleichzeitig die wichtigste Handelsrute in den Westen Europas. Entlang dieser Strasse ereigneten sich früher viele Raubüberfälle und Raubmorde. Desgleichen waren entlang dieser Strasse einige Gasthöfe und Einkehrstätten für die Reisenden die auch für die Zugtiere Verpflegung anboten. Eines dieser Einkehrstätten befand sich Rechts auf dem Hügel von wo die Strasse sich in Richtung Bahnhof schlängelte. Die Gebäude sind bis auf den heutigen Tag erhalten und dienen heute anderen Zwecken. Da sich, wie oben erwähnt, Alvincz an den Ufern des Mieresch befindet, waren früher viele Bewohner mit der Flößerei beschäftigt. Das waren meistens Flöße auf denen Waren transportiert wurden und zwar überwiegend Salz das aus dem Raum Aiud bis Arad und weiter nach Ungarn. Alvincz war auch für die Angler aus Mühlbach interessant da hier in den Gewässern des Mieresch so mancher kapitaler Fang gemacht wurde.

Horst Theil

Das Schloss war ursprünglich ein Dominikanerkloster, das ruiniert wurde, buchstäblich und im übertragenen Sinne, nach den Türkeneinfällen. Der Adlige Nikolaus Kozar  der erste Besitzer nach dem Kloster baute das Gebäude zu einem Schloss um. Jahre später  um 1550 kam dieses in die Hände des Bischofs von Großwardein Georg Martinuzzi, der Gouverneur und einer der „Väter“ des autonomen Fürstentum Siebenbürgen, das Gebäude wurde wieder umgebaut und ergänzt. Das Schloss wurde vollendet und war nun wie eine kleine Burg. Dies ist auch der Ort, wo Martinuzzi  in der Nacht vom 16. Dezember 1551 im Auftrag der österreichischen Generäle Castaldo und Pallavicini ermordet wurde.

Dann ging die Burg durch mehrere Hände, und war auch der Ort, wo im Jahre 1597 Aron der Tyrann (1595-1597)  vergiftet wurde. Dieser war Prinzregent der Moldau, und wurde von Siebenbürgischen Armeen auf Befehl des Fürsten Sigismund Bathory festgenommen. Im nächsten Jahrhundert, ist der Wohnort in die Hände des großen siebenbürgischen Fürsten Gabriel Bathory, der die Restaurierung des Schlosses im Stil der Renaissance abgeschlossen hatte, so dass es ein Juwel der Kunst dieser Zeit wurde. Das aktuelle Barock- Tor wurde im Jahr 1733 errichtet.

Leider ist das große Gebäude heute eine totale Ruine. Es blieb stehen nur noch die Nordwand, ein Turm, und das Eingangs- Tor.

In seiner Zeit wurde das Gebäude als das Wertvollste Siebenbürger Schloss im Renaissance-Stil angesehen. Jetzt ist es mit Stacheldraht umzäunt, und wen es nicht eine Info- Tafel in Rumänisch, Englisch und Französisch geben würde,  würde man das Gefühl haben, das diese Historische Stätte völlig aufgegeben sei.

 

Einige Bilder des Schlosses um 1900:

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 Innenhof 

 

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Außenansicht mit Zufahrt.

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Einfahrt aus dem Innenhof gesehen.

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Plakette am äußeren Tor.

 

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Innenhof

 

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Außenansicht mit Schlossgraben

Georg Martinuzzi

 

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Frater Georgius Martinuzzi

(1482 – 1551)

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Signatur des Frater Georgius Martinuzzi

Martinuzzi, Georg (wie er sich selbst unterzeichnete: Frater Georgius, danach Bruder Georg genannt), Siebenbürgischer Staatsmann, geb. 1482 zu Kamičic in Kroatien gest. 17. Dez. 1551 in Alvincz.

Er stammte mütterlicherseits von der venezianischen Patrizierfamilie Martinuzzi ab; sein eigentlicher Familienname war Ulissenich, dessen er sich aber selten bediente. Er lebte zuerst am Hofe des Johann Corvinus und der verwitweten Fürstin Zápolya als Page und Kammerherr, trat dann in den Paulinerorden und wirkte als Prior in Czenstochau und im Kloster von Sajó- Lad. Hier lernte ihn König Johann  Zápolya 1528 kennen, der ihn vorwiegend als Gesandten verwandte, 1534 zum Bischof von Großwardein (Várad) und Schatzkanzler und 1540 zum Vormund seines unmündigen Nachfolgers, Johann Siegmund, ernannte. Als solcher setzte M. die Wahl und Krönung des letztern zum ungarischen König durch und verschaffte ihm auch den Schutz des Sultans Suleiman. Als aber der Großtürke 1541 sich der Hauptstadt Ofen mit List bemächtigte und Joh. Siegmunds Macht auf Siebenbürgen beschränkte, näherte sich M. im Geiste des Vertrages von Großwardein (24. Febr. 1538) dem Gegenkönig Ferdinand I. und war für Wiedervereinigung des ganzen Reiches unter dem Zepter des Habsburgers bemüht (Vertrag von Gyalu, im Dezember 1541); Joh. Siegmund und dessen Mutter, Isabella von Polen, sollten anderweitig entschädigt werden. Da aber Ferdinand I. mit der ausbedungenen Hilfe zögerte und der Hilfszug des Deutschen Reiches (im September1542) vor Ofen ein klägliches Ende nahm, kehrte M. zur türkenfreundlichen Politik zurück und organisierte umsichtig das selbständige siebenbürgische Fürstentum, dessen Geschicke er als Schatzkanzler, Statthalter und oberster Richter trotz der Königin-Witwe Isabella und ihrer Partei fast unbeschränkt leitete. 1548 bewogen ihn die Gefahr der türkischen Überflutung und Suleimans neue Forderungen wieder zu Unterhandlungen mit Ferdinand I. Isabella und Joh. Siegmund sollten gegen reichliche Entschädigung Siebenbürgen verlassen und ihr Anrecht an Ferdinand abtreten, der seinerseits Truppen unter Joh. Castaldo(s. d.) nach Siebenbürgen entsendete, während er M. die Würde eines Woiwoden und Schatzmeisters und den Kardinalhut zusagte. Nachdem M. den Widerspruch der Königin Witwe mit Hilfe der Stände gebrochen und Isabella mit ihrem Sohn das Land verlassen hatte, übergab M. die Krone und die wichtigsten Burgen 1551 an Castaldo, der die Huldigung der Stände entgegennahm. Mittlerweile aber hatte die argwöhnisch gewordene Pforte von drei Seiten Truppen gegen Siebenbürgen gesandt, ohne sich durch Martinuzzis Ausflüchte irremachen zu lassen. Um den Sultan versöhnlicher zu stimmen und Ferdinand für neue Truppensendungen Zeit zu verschaffen, bewilligte M. der türkischen Besatzung von Lippa freien Abzug. Dadurch rief er aber aufs Neue den Argwohn Castaldos hervor, der ihn schon von Anbeginn eines geheimen Einverständnisses mit dem Sultan beschuldigte. Von einer Vollmacht Ferdinands Gebrauch machend, ließ er den vielleicht größten Staatsmann Ungarns jener Zeit, in seinem Schloss in Alvincz ermorden.

Der Auftrag wurde  in der Nacht des 16. Dezember 1551 durch, Sforza Pallavicini  und mehreren Komplizen ausgeführt. Der Körper blieb bis 25. Februar 1552 unbegraben. Nachher wurde sein Leichnam in der Kirche St. Michael in Karlsburg beigesetzt.

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Gedenktafel

In der Verteidigungsschrift, die Ferdinand I. im Januar 1552 an Papst Julius III. schickte, legte er dem Kardinal mehrfachen Verrat zur Last; er solle Isabella und ihren Sohn zurückberufen und mit Hilfe des Sultans selbst die Herrschaft über Siebenbürgen angestrebt haben. Der Papst billigte nur ungern 1555 die Ermordung, die für Ferdinand den Verlust Siebenbürgens zur Folge hatte. Am Ende hat auch die wertvolle Sammlung von Kunstschätzen Martinuzzis die Habgier der italienischen Soldateska gereizt. Die Frage, ob M. ein Verräter gewesen sei, verneinen die meisten neuern Historiker; doch wird eingeräumt, daß M. unter dem Zwang der Verhältnisse zu falschen Ausflüchten und Schlichen seine Zuflucht nahm, was seinen Untergang beschleunigte.

Literatur:

Vgl. M. Hatvani (Horvath), Leben des Bruders Georg Utyeszenich (in ungar. Sprache, Pest 1859);

K. Schuller, Die Verhandlungen von Mühlbach 1551 und Martinuzzis Ende (Hermannstadt 1862);

Utiešenović, Lebensgeschichte des Kardinals G. Ütiešenović, genannt Martinusius (Wien 1881);

Arp. Károlyi, Die Korrespondenz Frater Georgs (in der »Történelmi Tár«, 1878–82);

Sam. Barabás, Regesten zur Geschichte Siebenbürgens im Zeitalter Martinuzzis (ebenda 1892);

Die Aufzeichnungen Martinuzzis: Regestum 1544–1546 (ebenda 1893);

Druffel, Der Mönch von Siebenbürgen und Kurfürst Johan von Brandenburg (»Forschungen zur deutschen Geschichte«, Bd. 7); insbes. Als. Huber, Geschichte Österreichs, Bd. 4, und Die Erwerbung Siebenbürgens durch Ferdinand I. und Bruder Georgs Ende (im »Archiv für österreichische Geschichte«, Bd. 75, Wien 1889).

 

 

Quellen:

Academic dictionaries and encyclopaedias

Wikipedia.com

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