Das Wirtshaus der Nördlichen Vorstadt.


Wie meine treuen Leser wissen, habe ich schon über einige Wirtshäuser von Mühlbach geschrieben. In diesem Beitrag möchte ich über ein unscheinbares, aber dennoch sehr beliebtes einige Zeilen schreiben. Es durfte sich ja eigentlich gar nicht Wirtshaus, im wahren Sinne des Wortes nennen, eher hatte es den Charakter einer Dorfkneipe. Dazu kam auch noch die kuriose Stelle an der es sich befand. Aber dazu später. Die Rolle der Kneipe, die in Mühlbach unter dem Begriff Wirtshaus üblich war, hatte mehrere Funktionen. Hier traf man sich am späten Nachmittag oder frühem Abend und auch dazwischen. Da wurden kleine Geschäfte  gemacht und Neuigkeiten ausgetauscht. Oder einfach kam man aus langer Weile her um mit anderen Leuten beisammen zu sein und bei einem Becher von irgendetwas einen kleinen Plausch zu halten.

Und nun zu der Kneipe um die es geht. Ich hatte sie schon mal in einem Früheren Beitrag über das Umfeld meiner Kindheit erwähnt. Aber ich will es noch mal, für die die den Beitrag nicht gelesen haben. Das Gebäude mit der Kneipe befand sich in Mitten der Kreuzung von Mühlgasse – Altgasse und Quergasse wie eine Insel. Bei den Rumänen auch „Casa fara vecini“ (Haus ohne Nachbarn) genannt. Ich kann mich nicht erinnern an den Ursprünglichen Zweck dieser Lokale. Wahrscheinlich ehemalige Geschäfte. Wen man bedenkt das rechts gegenüber das Gebäude des wohlbekannten Gasthofes „Fränk“ Anfang des vorigen Jahrhunderts bestand, wo Speise und Trank in angenehmer Atmosphäre geboten wurden, so glaube ich nicht das diese Kneipe an dieser Stelle rentabel gewesen sein kann. Aber das ist reine Spekulation. Das Gebäude verfügt über Zwei Ladenräume. Der eine war die Kneipe und der andere war zu meiner Kindheit hatte etwas das mit Imkerei zu tun hatte weil in der Auslage immer Bienenwaben und Imkerwerkzeug lag aber selten offen war. Aber Zurück zur Kneipe. Die bestand aus einem einzigen Raum und einem sehr kleinen Abstellraum. Die Eingänge beider Lokale waren über Eck. Nach dem Betreten  konnte man links und rechts des Einganges an einigen Tischen Platz nehmen. Ich glaube mich zu erinnern dass es vier an der Zahl waren. An der Wand gegenüber der Türe befanden sich ein Ladenregal und davor die Kneipentheke. Dahinter Stand der Wirt mit aufgekrempelten Hemdärmeln rotem Gesicht und mit einer Schürze die nur bis zum Gürtel reichte. An derselben Wand befand sich ein Tisch mit Stühlen vor dem einzigen Auslagenfenster, übrigens der Stammplatz eines Nachbahren der gegenüber von uns wohnte.

Die Kneipe war eine reine Getränkekneipe ohne Essen.  Da wurde getrunken, geraucht, Karten gespielt und auch gestritten, was der Wirt gar nicht gerne sah. In sehr guter Lage ging das Geschäft gut. Es wurden Schnaps, Wein und manchmal Bier über die Theke gereicht. Eine Besonderheit beim Schnaps war das Maß. Man verlangte einen Deci (100 ml)  oder einen halben Deci (50 ml), wenn man einen doppelten verlangte bekam man 200 ml, dann nahm der Wirt ein speziales Glas zum Messen. Dieses Messglas nannte sich Zoi (rum. Toi). Die Skepsis der älteren Generation (Pensionisten, Rentner) gegenüber dem Wirten war so groß das fast jeder seinen eigenen Zoi hatte und auch aus dem trank. Der Zoi war ein Glas das oben sehr eng war und man so genauer sehen konnte wen der Wirt einen beim Messen übers Ohr hauen wollte (betrügen).

Die Kundschaft war überwiegend aus den anliegenden Strassen. Nach Feierabend kamen noch die Arbeiter von der Lederfabrik (Gerber und Taschner), von der Schlachtbrücke (Schlachthof) oder alle anderen die nach Hause gingen oder kamen. Die Höhepunkte allerdings waren die Donnerstage wenn Markt war. Der Betrieb ging manchmal bis spät in die Nacht hinein, draußen war schon die Dunkelheit angebrochen. In die Stille der Nacht und Dunkelheit drang nur der Lichtkegel der nackten Glühbirne, die traurig von dem Plafon (Decke) baumelte,  durch die meistens offen stehende Türe, gemischt mit dem manchmal sehr lauten Debatieren der letzten Gäste. Irgendwann erlosch das Licht und die Dunkelheit und Ruhe übernahmen wieder ihren Platz.

Liebe Leser! Ich hoffe dass ich ihnen mit dieser kleinen Beschreibung dieses Wirtshauses auch einige Erinnerungen aus der Alten Heimatstadt geweckt habe.

 

Und nun einige Bilder:

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Position des Gebäudes (Foto Google)

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Das Wirtshaus an der Kreuzung (Foto by Florin Muntean)

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                        

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Beispiele der Besagten Maßbecher 

 

Horst Theil

 

 

 

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