Die Altgasse in Mühlbach (heute: Progresului)


Die Altgasse in Mühlbach

(heute: Progresului)

 

Da ich aus frühester Kindheit in dieser Gasse aufgewachsen bin, möchte ich ihnen ein Paar Einzelheiten zu diesem Thema niederschreiben.

Die Geschichte der Altgasse beginnt um das Jahr 1748, als die ersten 11 Familien aus Baden – Durlach in unserer Stadt eintrafen. Ich zitiere Alfred Möckel aus seinem Werk „Aus Mühlbachs Vergangenheit „

„In Mühlbach wurde die Durlacher Einwanderungsgruppe in Fortsetzung der damals schon bestandenen, hauptsächlich durch Gärten und Meierhöfe gebildeten Mühlgasse, in der von den Durlachern errichteten Altgasse ( oder Altvorstädtergasse, wie sie früher hieß ) angesiedelt.

In richtiger Erkenntnis der Bedeutung dieser Blutzufuhr räumte Stadt=, Stuhl = und Gubernialbehörde den Einwanderern weitgehende Sonderrechte ein. Diese forderten und erhielten „ vor jeden Hauswirten eine Hofstelle ohne Bezahlung“, Saatgut, Wiesen, „ Grumpiren=, Hanf=, Grass=, Kornteilung und so weiter gratis und ohne einiges Entgelt“ eine Fleischbank, fünf Jahre Freiheit von allen Lasten und Abgaben, vor jeden einen Ort und Platz in der Kirche ohne Verdruss und Sauersehen“.

Ein in der hiesigen Gymnasialbücherei befindliches Hausbuch rühmt schon 1750 von den Durlachern, das sie „ mit großem Fleiß“ auf ihren Hofstellen Häuser aufgebaut haben und das sie „ in der Feldwirtschaft sehr fleißig gewesen, besonders in denen Sommerfrüchten, also das noch niemahlen ( zu diesen Zeiten) allhier so viel Sommerfrucht ausgesäet gewesen“. Leider sind 1749 und kurz danach sehr viele Einwanderer hier gestorben; die Totenbücher des   Mühlbacher ev. Pfarramtes verzeichnen in der Zeit eine unverhältnismäßige große Zahl von Todesfällen aus den Reihen der Einwanderer und ihrer zahlreichen Kinder. 1770 kam die größte Einwanderergruppe hier an und in zwischen aus den Badischen „ Hanauer Ländchen“, der Gegend zwischen Kehl und Lichtenau. Eine außerordentliche Teuerung, veranlasst durch eine furchtbare Überschwemmung des Rheins, scheint diese Volksgenossen in Marsch gesetzt zu haben. In Mühlbach ließen sich 49 Familien nieder, darunter, 31 Feldbauern, die übrigen waren Handwerker. Als Ansiedlungsgebiet wies ihnen der Magistrat die Hanfländer der Altgässer an, auf denen sie die Neugasse entstehen ließen. Ein Vergleich zwischen der Altgasse und Neugasse, lehrt das die Durlacher Einwanderer sich behäbigere Häuser errichteten als die Hanauer, wahrscheinlich deshalb, weil diese vorwiegend Landleute, jene aber Gewerbetreibende waren“.

Zitat Ende.

Mann sieht dass davor auf dieser Stelle freier Acker war. Alles in allem kann man sagen dass auch die Altgasse zur Entwicklung und zum Fortschritt unserer Heimatstadt eine wesentliche Bedeutung hatte. Die Bedeutung wuchs als sich später einige Handwerker hier niederließen. Ich möchte dazu nur die Rotgerberei der Familie Glaser erwähnen und die Lederfabrik des Gustav Dahinten. Es folgte nachher die Fleischverarbeitung der Familie Haffner. In meiner Kindheit bestand die Rotgerberei nicht mehr. Die Verstaatlichte Fleischverarbeitung des Herrn Haffner war noch da und die Verstaatlichte Lederfabrik des Herrn Dahinten mit dem Alten Gebäude stand auch noch. Als Handwerker wären noch zu erwähnen der Schneidermeister Herr Bechthold, ein Kürschner der sich auf rumänische Brustpelze und Pelzmützen spezialisiert hatte und dann gab es noch eine Familie die Holzrechen, Fußabtritte aus Schilf, Schilfmatten, die für den Verputz von Decken gebraucht wurden, und manchmal auch Sensenstiele herstellten.

Die Deutschen Familien in meiner Kindheit waren folgende:

Auf der Linken Seite

–        Familie Bechthold – 3 Personen

–        Familie Weber – 4 Personen

–        Familie Hennrich – 4 Personen

–        Familie Maroscher – 4 Personen

–        Familie Hupprich – 2 Personen

–        Familie Hütter Michael – 4 Personen

–        Familie Hütter Wilhelm – 4 Personen

–        Familie Barth – 3 Personen

–        Familie Kuck – 3 Personen

–        Familie Lenz – 2 Personen

–        Familie Schemmel – 4 Personen

–        Familie Szatmary – 4 Personen

–        Familie Preiß Gustav – 2 Personen

–        Familie Barza Viktor – 5 Personen

–        Familie Preiß Iulius – 4 Personen

–        Familie Lingner – 5 Personen

–        Familie Jeney Rudolf – 3 Personen

Auf der Rechten Seite:

–        Familie Schmidt Wilhelm – 4 Personen

–        Familie Theil Edwin – 3 Personen

–        Familie Fakner – 4 Personen

Der Rest waren Rumänische Familien.

Nehmen sie es mir nicht übel wenn ich jemanden vergessen habe.

Die Gasse war unbefestigt samt Bürgersteigen. Im laufe der Zeit wurden bis zu meiner Ausreise nach Deutschland folgende Verbesserungen gemacht: Die Fahrbahn wurde erst mit Bachsteinen gepflastert, das war schon mal etwas. Nach einigen Jahren als ich schon auf der Lehre war brachte man den Leuten unentgeltlich vom Sfat aus, Schotter und Zement die man vor jeder Hausfront deponierte, und die jeweiligen Hausbesitzer die Auflage bekamen die Bürgersteige in Eigenleistung zu betonieren. In diesem Zuge wurden auch alle Bäume, beidseitig der Fahrbahn entfernt. Dann wurde nachher die die Strasse wieder Aufgerissen und Kanal verlegt. Nach einiger Zeit wurde dann beschlossen die Strasse zu Teeren, was dann auch geschah. Die Mätz beidseitig wurde saniert und alle Brücken die in die Toreinfahrten führten wurden mit Betonrohren ersetzt. Irgendwann wurden auch die Freiluftleitungen der Telefone abmontiert und mit Kabeln ersetzt, aber immer noch auf den Masten.

Das also waren die Arbeiten die in der Zeit des Kommunismus durchgeführt wurden. In diesen Jahren wurden auch die Gebäu der der Fleischverarbeitung und der Lederfabrik abgerissen. Die Lederfabrik bekam ein neues Gebäude das auch das Grundstück der gewesenen Fleischverarbeitung in Anspruch nahm. Das ist in großen Zügen eine kleine Chronik der Altgasse aus meinem Gedächtnis biss ungefähr im Jahre 1989. Was nachher in der Altgasse passierte entzieht sich meinem Wissen.

Beitrag geschrieben von: Horst Theil

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Ein Tag aus den 60-er


Anfang der 60- er Jahre in der Altgasse. Es ist Hochsommer und mitten in den „großen Ferien“. Die Tage sind lang und heiß. Obwohl man sich selten langweilte, gab es doch manchen Tag wo man nicht wusste  mit was man sich die Zeit vertreiben sollte. Dieses war so ein Tag. Irgendeiner von uns hatte die Idee mal wieder in die „Hundserlen“ zu gehen. Na gut nach einigen pro und kontra beschlossen wir diesen Vorschlag auch in die Tat umzusetzen. Nur mit kurzen Hosen bekleidet und Bahrfuß ging es die Altgasse hinunter in Richtung Hundserlen.

Um diese Zeit war die Strasse noch nicht gepflastert geschweige den Asphaltiert. Dementsprechend wirbelten die Autos den fast Knöchel hohen Staub auf wenn sie zum Schlachthaus fuhren oder von dort kamen. Man kann sich vorstellen wie das bei Regen war, eine einzige Schlammpiste.

Wir gelangten an das Ende der Altgasse und bogen links ab in Richtung Schlachthof, wo es dann wieder rechts in Richtung Hundserlen ging. Übrigens hier auf den Schlachthof gab es um die Zeit auch ein Wohnhaus wo ein sehr guter Freund von mir mit seinen Eltern wohnte. Also gingen wir weiter in Richtung Hundserlen vorbei am „Darmputzer“ und dem Sammelpunkt für Rinder und Schweine die da abgeliefert wurden von Leuten die mit dem Staat einen Aufzuchtsvertrag abgeschlossen hatten. Der Leiter dieser Stelle war Herr Berg.

Nach dem wir das um die Zeit letzte Haus auf der rechten Seite verlassen hatten, das Haus von Herr Szathmary, befanden wir uns schon In den Hundserlen. Zur Rechten war um die Zeit eine wunder schöne Margarethenwiese und dahinter war schon der Klosterbach, damals noch sehr wasserreich. Diese Wiese wurde nachher zum Viehmarkt umfunktioniert und somit vernichtet. Nach etwa 500 Meter machte der Bach eine Biegung nach Westen. An dieser Stelle hatte das Wasser das Ufer ausgewaschen und man musste aufpassen wen man diese Stelle passierte. Es folgte eine Stelle wo ein kleiner toter Arm des Baches wie ein Baipass, parallel zum Bachbett auf einer Länge von ca. 100 Meter verlief, der trocken war und nur während der „Klause“ (Wasserstand beim Flößen) Wasser führte.

Nach ein paar hundert Metern gelangte man zu der „Eisernen Brücke“. Das war eine Bahnbrücke die noch in alter Bauweise, also Vernietet gebaut war, und die aus zwei Segmenten die in der Mitte und an den Enden auf Steinpfeilern auf Rollen gelagert war. (wegen der Ausdehnung des Stahles) Diese Brücke gibt es auch heute noch.

Unmittelbar unter der Brücke gab es einen großen Brunnen ca. 3Meter im Durchmesser und sehr tief, mittlerweile zu geschüttet. Den Zweck dieses Brunnens habe ich bis heute nicht begriffen.

Aus Neugierde stiegen wir den Bahndamm an der Brücke hoch und begaben uns biss in die Mitte der Brücke um in das Wasser zu gucken. Fatal wir bemerkten den aus Richtung Mühlbach nahenden Zug zu späht um noch zurück zu können. Instinktiv rannten wir in Richtung Winz gerade noch rechtzeitig, denn kurz darauf raste der schnaufende Zug an uns vorbei. Nach dem der Schreck vorbei war sahen wir uns um und sahen das die Bahnschranken an der Überfahrt der Strasse die Mühlbach mit Karlsburg verband herabgelassen waren und der Zug in der Haltestelle „Sebes Glod“ stand. Es war die „Cujireana“ die die Arbeiter nach Cujir zur Nachmittagschicht brachte. Da uns schon wieder die Neugier packte gingen wir die ungefähr 4 – 5 hundert Meter die Gleise entlang, über die nächste etwas kleinere Brücke, um zu gucken wie die Leute ein und ausstiegen. Biss wir da waren war der Zug schon wieder weg. Aber wir machten eine andere Entdeckung und zwar dass sich ganz viele Autos an den Schranken gesammelt hatten die aber schon auch in Bewegung waren da der Schrankenwärter die Schranken schon wieder hochgekurbelt hatte. So gingen wir bis an die Strasse und beschlossen bis zum nächsten Zug zu warten damit wir alles besser sehen konnten.

Das dauerte immer ne ganze Weile zum Nächsten Zug, und so sahen wir uns um und gingen die Strasse ein paar Meter in Richtung Langendorf. Die Strasse war um diese Zeit noch mit Zwetschkenbäumen verschiedenster Sorten rechts und links gesäumt und diese waren fast reif. Jeder aß so viele er konnte da wir ja schon ne weile von daheim fort waren und alle ein bisschen Hunger hatten. Da hörten wir die Glocken die beim herunterkurbeln der Schranken betätigt wurden und gingen zurück. Es dauerte ziemlich lange bis der Zug kam und in dieser Zeit bildete sich eine Autoschlange bis fast nach Langendorf und Mühlbach.

Da es Urlaubszeit war konnte man den ganzen Fuhrpark des Ostens bestaunen: Polen, DDR, Tschechen, Ungarn, Bulgaren und, und. Ganz selten aus dem Westen. Also bestaunten wir die verschiedenen Automarken, die es heute teilweise gar nicht mehr gibt, und diskutierten über die Vorzüge oder Nachteile dieser Marken.

Endlich kam der Zug, dieses Mal der Personenzug Hermannstadt – Winz. Dieses Mal stiegen nicht viele ein und aus vielleicht 4 bis 5 Personen. Und der Zug hielt dementsprechend nur kurz.   Ziemlich enttäuscht machten wir uns auf den Heimweg, nicht vorher uns die Taschen mit Zwetschken zu füllen die wir bis zur kleinen Brücke fast alle gegessen hatten.

Unter dieser Kleineren Brücke war eine Wasserquelle mit hervorragendem Wasser und da wir den ganzen Tag nicht getrunken hatten taten wir das an dieser Quelle ausgiebig.

Das hätten wir lieber nicht tun sollen den kaum am Stadtrand angekommen hatten die meisten von uns Bauchweh und jeder sah zu so schnell wie möglich nach hause zu gelangen.

Ja das war so eine Episode aus den 60- er an die ich mich noch gut erinnere.

Beitrag geschrieben von: Horst Theil

„Freiwilliger Arbeitsdienst“


Wie jeder weiß, der in der „Ära“ des Kommunismus in Siebenbürgen gelebt hat waren diese Aktionen an der Tagesordnung, hauptsächlich aber im Herbst und Spätherbst. Die Generation nach der „Revolution“ hatte das Glück diese Erfahrung nicht machen zu müssen. Daher möchte ich ihnen einmal schildern wie das so vor sich ging. In der Regel waren diese Aktionen von der Partei angeordnet und wurden ohne Widerrede durchgeführt. Jeder Betrieb bekam die Anweisung alle Leute zu mobilisieren, auch wenn die Produktion dabei auf der Strecke blieb, die danach selbstverständlich mit verlängerten Schichten und endlosen Überstunden nachgeholt werden mussten. Das gleiche Schicksal hatten auch die örtlichen Schulen. Was war der Hintergrund? Im Allgemeinen war es so dass die Landwirtschaft auf diese Hilfe in der damaligen zeit angewiesen war. Die Landwirtschaftspolitik war die dass immer Rekordernten verlangt wurden, alle Flächen die zur Verfügung standen angebaut und bearbeitet werden sollten. Im Gegenzuge war aber nicht die nötige Arbeitskraft da, geschweige denn die nötigen Landwirtschaftlichen Geräte und die Bediener dieser Geräte waren auch nicht in genügender Zahl vorhanden. In allen sparten der Landwirtschaft gab es Bedeutenden Mangel an Arbeitskräften, man bedenke das die meisten alles alte Leute waren, mit wenigen Ausnahmen, die in der Landwirtschaft tätig waren. Da hatte die Partei schon die Lösung parat, alle Bürger müssen mit Ihrer Arbeitskraft mit helfen, zum „Wohle des ganzen Volkes“ selbstverständlich, die Rekordernten unter dach und Fach zu bringen. Na ja, das war eben so damals. Die Leute mussten zur Gemüseernte, zur Maisernte, zur Kartoffelernte und weiß Gott noch zu welcher. Am Anfang wurden die Schulkinder und Fabrikarbeiter noch mit Bussen zum Einsatz gefahren, danach im laufe der Jahre wurden die Busse mit LKW ersetzt oder mit Traktoren und Anhänger. Die billigste Variante war aber die dass jeder zusehen musste wie er dahin gelangte, was auch in den letzen Jahren so praktiziert wurde. Die Arbeit an sich wurde zum Beispiel so eingeteilt: jeder bekam eine unendlich lange reihe von Mais zu brechen und zu Häufen sammeln die dann auf die Hänger der Traktoren verladen wurden. Beim Gemüse erntete man indem das von Pflügen herausgeholte einsammeln musste und in bereitgestellte Säcke auf die Hänger verladen. So war das auch mit den Kartoffeln. Der Weg dahin bewältigten einige zu Fuß oder mit Fahrrad manche mit Moppet oder besser gestellte mit dem eigenen Auto. Die Kinder im Kolonnenmarsch. Es kümmerte niemanden dass die Kinder ihre Kleidung und Schuhe dabei ruinierten und die meisten Eltern tief in die Tasche greifen mussten um neue zu kaufen. Das gleiche auch bei den erwachsenen. Alles in allem war das eine humanitäre Ausbeutung der Bevölkerung, nur um sich dann auf den Parteitagen rühmen zu können wie toll die Landwirtschaft wieder einmal glorreich ihre Rekordernten, die ja meistens fiktive Zahlen waren, unter der Führung der Partei, eingefahren hatte.

Ich danke Gott dass diese schlimmen Zeiten vorbei sind. Mögen die jungen Leute so etwas nie mehr erleben müssen, so eine Demütigung und Ausbeutung.

Beitrag geschrieben von: Horst Theil

Alfred Möckel


Alfred Möckel, ein nach seinen Werken und Taten so wie seinem ganzen Leben, ehrenwerter Bürger unserer Heimatstadt Mühlbach, sollte an dieser Stelle auch erwähnt werden. Er gewann eine beträchtliche Bedeutung durch die Tatsache das er einen Bedeuteten Beitrag zur Erhaltung in schriftlicher Form der geschichtlichen Begebenheiten und kulturellen so wie Wirtschaftlichen Situationen unserer Stadt fest gehalten hat.

Einige Biografische Daten:

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Beitrag zusammengestellt von: Horst Theil

Dank an : Frau Cornelia Guju

Johann Schöpp


Johann Schöpp

Johann Schöpp

( 1870 – 1954)

Ich möchte Ihnen hier eine Persönlichkeit aus dem Alten Mühlbach vorstellen, die nur bei wenigen und mit der Geschichte der Stadt vertraut sind, bekannt ist.  Es sei erwähnt das Johann Schöpp, in seiner Amtszeit als Bürgermeister der Stadt Mühlbach, eine ganze Anzahl wichtiger Maßnamen zur Erneuerung der Infrastruktur und dem allgemeinen Wohlergehen der Bürger unternommen hatte.

Einige wichtige Bauten wurden in dieser Zeit errichtet:

–        Das Elektrizitätswerk in der Postgasse

–        Das Sophien Krankenhaus

–        Das Salzbad

–        Die Turnschule am Holzplatz

–        Das Schlachthaus

–        Die städtische Kavalleriekaserne in der Daia- er Strasse.

–        Das neue Rathaus auf dem großen Platz.

–        Das Postgebäude

–        Das Gebäude der ungarischen Staats- Schule

–        Das Alte Forstamt    

In Anbetracht dieser Tatsachen, wenn auch manche Chroniken und einige Leute anderer Meinung sind, muss man zugestehen das das eine Ansehliche Leistung war, die vorher und nach her von keinem der ganzen Bürgermeister die Mühlbach hatte erreicht worden ist. Und das  gilt bis zum heutigen Tage.

Sein Verdienst ist es auch das er in der Lage war die übrigen Stadtväter und die Bürger zu begeistern hinter ihm zu stehen und mit zu machen. Dieses beweist noch einmal wenn der Wille da ist und alle an einem Strang ziehen so ist manches möglich was man gar nicht glauben mag.

Und nun einige Biographische Daten zu Johann Schöpp:

Johann Schöpp wurde am 7. Juni 1870 in Alzen, als Sohn der Bauers Johann Schöpp (1847 – 1921) und Maria geb. Schuster (1850 – 1899), Tochter des Notars Karl Schuster, geboren. Seine Reifeprüfung legte er 1890 am Evangelischen Gymnasium in Hermannstadt ab. Zwischen den Jahren  1890 – 1894 studierte er Rechts- und Staatswissenschaften an den Universitäten Marburg und Budapest. Von 1894 – 1895 bekleidete er das Amt des Stuhl-Richters in Hermannstadt. Das gleiche Amt dieses Mal in Reußmarkt von 1895 bis 1905. Von 1905 bis 1907 Oberstuhl- Richter unserer Heimatstadt Mühlbach. Das Amt des Bürgermeisters von Mühlbach übte er von 1907 bis 1918 aus. Die Zeitspanne von 1918 bis 1930 war er Subpräfekt des Hermannstädter Komitates. Im Jahre 1930 wurde er in den wohlverdienten Ruhestand versetzt.

Geburtstag Hans Schöpp

Hans Schöpp starb in Hermannstadt am 17 März 1954.

Beitrag geschrieben von: Horst Theil

Dank an: Frau Cornelia Guju

Dank an: Herr Marius Gliga

Der Studententurm von Mühlbach


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– Der Studententurm von Mühlbach – 

Bild: Sigerus „Aus alter Zeit“

In Mühlbach schrieb man das Jahr 1438. Die Freude über dass wiedererlangen des Status einer unabhängigen Stadt währte nicht lange. In diesem Jahr unternahmen die Türken unter ihrem Befehlshaber Murad dem II – ten wieder einmal einen ausgedehnten Eroberungsfeldzug durch Siebenbürgen.

Diese Tatsache sollte auch Mühlbach nicht verschonen. Obwohl die Bürger der Stadt die Nachricht von dem nahenden Türkenheer einige Zeit vorher durch Boten erfuhren, und sich in der kurzen Zeit bis zum Eintreffen der Horden einiger Maasen auf die Verteidigung der Heimatstadt vorbereiteten, sollte das Unheil wie die Geschichte es zeigte, nicht verhindert werden können.

Die Verteidiger waren alle Bürger der Stadt Jung und Alt, Mann und Frau die Zünfte mit ihren Handwerkern. Die Abwehr wurde auf der gesamten Länge der Stadtmauer mit ihren damals 8 Wehrtürmen verteilt. Ein Junger Mann aus Rummes, einer Ortschaft zwischen Mühlbach und Broos Studierte zu dieser Zeit an der Mühlbacher Schule. Er schloss sich auch den Verteidigern an. Nach dem die Stadt nach erbitterten Kämpfen und fast der totalen Zerstörung aufgeben musste, hatten sich die Letzten Kämpfer im Ostturm verschanzt und leisteten noch einige Zeit Widerstand. So wie das Schicksal es wollte war dieser junge Mann einer der letzten Verteidiger dieses Turms und musste aufgeben, wo durch er in Türkische Gefangenschaft geraten ist. Er wurde in die ferne Türkei verschleppt und als Sklave verkauft.

Nach dem Wechsel von mehreren Besitzern hatte er zu seinem letzten ein beinahe Vater – Sohn Verhältnis aufgebaut. Die Jahre vergingen und er erlernte die Türkische Sprache, die Sitten und Bräuche und den Muslimischen Glauben kennen.

Alles in allem führte er da ein gutes Leben. Er hatte sich vollständig in die Osmanische Gesellschaft integriert.  Nach genau 20 Jahren seit der Zeit seiner Gefangennahme gelang es ihm wieder aus der Türkei fort zu kommen. Wahrscheinlich über Konstantinopel und Chios nach Rom, wo er erst im Jahre 1472 – 73 nachweisbar auftaucht und als Dolmetscher für Türkische Kriegsgefangene fungierte. Für die ersten 15 Jahre nach verlassen der Türkei gibt es keine verlässlichen Beweise seines Aufenthaltes.

In Rom verfasste er auch unter dem Pseudonym „captivus septem castrensis“ sein Buch: Tractatus de moribus, condictionibus et nequicia Turcorum was übersetzt so viel heißt wie: „  Behandlung des Charakters, und Niedertracht der Türken“.

Erschienen in Rom im Jahre 1475.

Rom ist auch die Stadt wo er als 80 – Jähriger, am 3. Juli. 1502 verstarb und in der Hauptkirche „Santa Maria sopra Minerva“ des Dominikanerkonvents beigesetzt wurde.

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Santa Maria sopra Minerva

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Dieses ist die Geschichte nach dem der Studententurm benannt wurde und den Namen bis heute trägt.

Wir sehen aus diesem kleinen Ausschnitt aus der Geschichte der Stadt, dass Mühlbach eine bewegte Geschichte im Laufe der Jahrhunderte hatte. Wir sind es unseren Vorfahren schuldig, die so manches Opfer zur Erhaltung und Fortbestand unserer Heimatstadt erbracht haben, diese nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Und nun zum Schluss ein Gedicht aus der Feder von Peter Bretz, dem Großvater des uns bekannten Mühlbacher Autors Winfried Bretz.

Großvater

Peter Bretz

geb. 1853 in Heltau

gest. 1946 in Mühlbach

K.u.k. Soldat und Unteroffizier, ab 1920 Gendarmerie-Wachtmeister im Mühlbachtal.

Der Studententurm

Im Zäkeschstädtchen wohlbekannt,

In unsrem lieben Sachsenland,

Stehn Ringmauern trotz Zeitensturm

Darauf auch der Studententurm.

Im Türkenkrieg, erzählt die Sage,

Sucht auch ein Schüler in ihm Schutz,

Wollt in der hart bedrängten Lage,

Mitkämpfen gegen den Kuruzz (1)

.

Hat lange tapfer widerstanden,

Die Schar im Turm der Übermacht,

Als jeder Angriff drauf zuschanden,

Der Feind sich Grässliches erdacht.

O Häuflein klein, das brav gerungen;

Märtyrer ihr, dem Tod geweiht,

Sie haben dennoch euch bezwungen,

Barbarisch roh, nach Art und Zeit.

.

Es schleppten Brennstoff nun in Fülle

Die Türken rings um die Bastei;

Ganz heimlich bei der Nacht und stille

Dass drin es nicht verdächtig sei.

Dann gaben sie dem ganzen Feuer,

Das schürten kräftig sie geschickt,

Bis Rauch und Flammen ungeheuer

Im Turme alles tot, erstickt.

.

Doch in dem schweren Heldensterben

Hat Schicksalswille den Student

Allein gerettet vom Verderben;

Den Held, des Namen, niemand kennt.

Die Moslems führten als Vasallen,

Gefangen ihn in Sultans Reich;

Ein Pascha fand an ihm gefallen,

Nahm ihn in seine Dienste gleich.

.

Nur spät erst und nach Jahren, schweren

Die er in Knechtschaft hart gefront,

Konnt‘ er in seine Heimat kehren,

Nach Rumes, wo er hat gewohnt.

Verwandte fand er nicht am Leben,

Doch freudenvoll er es erzählt,

Was damals sich im Turm begeben

Und wie die Türken sie gequält.

.

O Helden ihr des Sachsentumes,

Schmählich geopfert hingerafft,

Von einem Volke, Gott verdamm es,

Einst eure Ahnen hart gestraft.

Jahrhunderte sind schon vergangen;

Der Schreckensruf verhallt schon lang,

Auch heut erfasst den Sachsen Bangen,

Wie grausam ihn der Feind bezwang.

.

Wir ehren Helden, ihre Taten

Verlust, Gewinn und das Erdulden

Es blühen unsrer Ahnen Saaten

Und sterben ohne Selbstverschulden.

Der Turm, ein Mahnmal der Geschichte,

Ein Ort, den man in Mühlbach kennt,

Geh mit dir selber zu Gerichte,

Denk an den Rumeser Student.

.

Datum unbekannt

(1)= Turkvolk

Beitrag zusammengestellt von : Horst Theil