Im Gartenkino


Es war ein sehr heißer Sommertag Ende der 60-er Jahre als wir uns mehrere Freunde beim Baden am Strand unter den Erlen eingetroffen hatten.
Mein guter Freund Johannes war auch mit von der Partie. Als wir beim Baden eine Pause einlegten und uns auf die Decken flüchteten, kam die Diskussion auf ob man später ins Kino gehen sollte gegen Abend natürlich. Na ja, es kamen Zweifel auf sollte man oder sollte man nicht. Der Grund war jener dass es um diese Zeit im Kinosaal immer eine furchtbare Hitze herrschte da der Saal keine Lüftung besaß und immer bis auf den Letzten Platz voll war.
Wir wussten dass ein guter Film lief „Der Schutt“ von Karl May. Da kam einer mit der Idee wir sollten doch ins Gartenkino gehen da war es angenehmer als eingepfercht im Saal.
Ich muss noch dazu sagen dass es sich um das Kino „Progresul“ handelte. Die ältere Generation weiß das es neben dem Saal auch ein Gartenkino gab, das einzige weit und breit.
Das Kino befand sich am Westlichen Ende der Petrigasse am Kleinen Platz auf der Südseite.
Der Zugang zum Kino war durch eine Toreinfahrt die durch den Hof zum Kinogebäude im hinteren Teil führte.

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Einfahrt zum gewesenen Kino „Progresul“
Hinten Rechts befand sich das Gartenkino

Zur linken des Gebäudes befand sich der Allzwecksaal vom „Goldenen Löwen“, zur Rechten befand sich das Gartenkino, das im Westen von der Stadtmauer, im Osten vom Kinogebäude und im Norden von den Wänden zweier Privatscheunen und dem Projektorhäuschen begrenzt war.
Die Südseite bildeten ein Bretterzaun und davor die große Leinwand mit dem Einzigen Lautsprecher am unteren Ende dieser. Neben der Stadtmauer waren 2 – 3 schöne Bäume.
Für die Kinobesucher waren gemütliche Bänke die in Reihen aufgestellt waren. Zwischen der Ersten Reihe der Bänke und der Leinwand war eine ca. 15 Meter lange Grassfläche die sich über die ganze Breite des Grundstückes hinzog. Da brachten sich die Leute manchmal Decken mit und saßen wie beim Picknick wenn alle Sitzplätze besetzt waren. Während den Vorstellungen hatten die fliegenden Händler Zutritt in den Garten um ihre Ware zu verkaufen. Zum Beispiel Dumitru mit seinem Eiskarren oder andere mit „Kokoschi“ und Kürbisskernen oder auch Laugenbretzeln.
Na gut, wir beschlossen auch da hin zu gehen um den Film nicht zu verpassen. Gegen 6 Uhr am Nachmittag gingen wir nach Hause um uns umzuziehen, und beschlossen uns in der Stadt im Kaffeehaus zu treffen.
Nach dem ich zu Hause noch meine Eltern überzeugt hatte das wir von 8 Uhr abends ins Kino gehen wollten zog ich mich um und Marschierte zum Treffpunkt. Ich hatte bewusst nicht gesagt dass wir ins Gartenkino gehen wollten weil da die Vorführung erst um 9 Uhr abends begann und um 11Uhr endete. Also nahm ich das Risiko in Kauf. Im Kaffeehaus traf ich nur Johannes und noch einen Freund an, die anderen kamen nicht, aus welchem Grund auch immer. Wir gingen schnell zum Kino um noch Karten zu ergattern. Aber schon beim Tor merkten wir das sehr viele Leute an der Kinokasse Schlange standen. Nicht desto trotz deckten wir uns mit Kürbisskernen ein. (das war gang und gebe in Mühlbach wen man ins Kino ging) Nach einer Halben Stunde Geschups und Gedränge, Rief die Kassiererin dass alle Karten ausverkauft waren und nicht mal Stehplätze mehr waren.
Der Frust war Groß. Wir probierten von den Zigeunern die noch einige Karten mit überhöhtem Preiß verkauften welche zu bekommen. Der Reguläre Preiß war 2,50 Lei diese Verkauften sie mit über 10 Lei. Dass war für uns eindeutig zu teuer. Wir gingen genervt dem Ausgang entgegen und marschierten auf die Strasse. Da standen wir noch etwas herum und wussten nicht was wir machen sollten. Plötzlich meinte Johannes dass wir den Film doch sehen konnten wenn wir geschickt vorgehen. „Schaust du nicht das keine Karten mehr zu kriegen sind“ sagte ich. „Klar“ sagte er, „Aber wir könnten ihn von unserer Scheune aus sehen“. „Und wie“? „Vom Dachboden der Scheune“ erwiderte er. Man muss wissen das Johannes vor dem Grundstück des Gartenkinos wohnte und seine Scheune befand sich am Ende des Gartenkinos wo auch der Projektorraum sich befand, der aber nicht so hoch wie die Scheune war. Also Theoretisch müsste dass funktionieren. Wir schlichen bei Johannes durch den Hof nach hinten zur Scheune, wo sich auch die Backstube seines Vaters befand, der Zuckerbäcker war.
Eine einfache Leiter führte nach oben auf den Dachboden. Oben angekommen gingen wir auf die Seite des Daches die in Richtung Gartenkino war, also auf die Südseite. Johannes schob eine Reihe Dachziegeln hoch (das Dach war nur einfach mit Schuppenziegeln gedeckt) und wir hatten einen „Logenplatz“ mit direktem Blick auf die Leinwand des Gartenkinos. Und dass gratis! Nach ein Paar Minuten hatten wir uns an die Dunkelheit da oben gewöhnt und Johannes zauberte eine alte einfache Bank aus einer Ecke des Dachbodens auf die wir uns setzten. Die Welt war wieder in Ordnung. Erstmals. Wir genossen den spannenden Film trotz noch brütender Hitze die da unterm Dach herrschte. Das böse Erwachen gab es erst als wir wieder Daheim waren. Wir waren verdreckt bis hinter die Ohren vom Staub der da oben war und dem Schweiß. Denn wir uns mit den Händen vom Gesicht wischten, ohne zu merken das unsere Finger dreckig waren nach dem wir da oben alles angepackt hatten.
Es war aber trotz allem ein schönes Erlebnis an das ich mich auch heute noch gerne erinnere.
Ja erinnere, denn das bleiben Erinnerungen. Heut zu Tage existiert von all dem NICHTS mehr.
Wie auf dem Bild zu sehen ist wurde das Gebäude und das Gartenkino dem Erdboden gleich gemacht. Schade, das war eine Besonderheit von Mühlbach um das uns manche Stadt der damaligen Zeit beneidet hatte.

Horst Theil

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Die „Indianer“ aus Mühlbach


Eines Tages im Sommer der 60- er Jahre hatten sich wieder einmal mehrere Kinder der Altgasse bei einem von uns (Name spielt keine Rolle) zum Spielen eingefunden. Nach einiger Zeit kamen wir auf das Thema Indianer zu sprechen, was in dieser Zeit sehr oft vorkam. Es geisterten gerade die Karl May Filme durch die Kinos. Diese lösten große Begeisterung bei Jung und Alt aus. Also beeinflusst durch diese Filme, und die Lebensweise der Wanderzigeuner die oft am Stadtrand ihre Zelte aufschlugen, beschlossen wir auch so etwas wie einen Tipi oder Zelt zu bauen.

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Oglala Tipi um 1892
(Bild: Wikipedia.org)

Da man für unser Vorhaben auch einige Materialien und auch einen geeigneten Platz brauchte war uns klar dass es mit einigen Schwierigkeiten verbunden war. Wir hatten Glück der Vater unseres Freundes wo wir uns gerade befanden, hatte unsere lauten Gespräche mit bekommen, und erlaubte uns am Gartenende, wo sich ein Streifen mit Grass und Obstbäumen befand, unser Vorhaben auszuführen.
Also gingen wir gemeinsam an das Gartenende und sahen uns um wo der geeignete Platz für unser Zelt war. Na ja, nach einigem Hin und Hehr wurden wir uns einig. Jetzt begann der schwierigere Teil des Vorhabens und zwar mit was für Materialien. Da hatte der Sohn eine Idee und zwar die Erforschung der Väterlichen Scheune. Gesagt, getan. Wir schlichen in die Scheune vom Gartenanfang und begannen zu suchen. Bald entdeckten wir in einer Ecke der Scheune ein Bündel alter Fisolenstecken die übrig geblieben waren. Wir suchten uns die besten aus und schafften sie zum „Bauplatz“. Der Bau begann. Wir versuchten die Fisolenstecken nach Indianerart in einem Kreiß mit dem oberen Ende gegeneinander zu lehnen so wie wir das in den Indianerfilmen gesehen hatten.
Das gestaltete sich schwieriger als wir gedacht hatten, ob wohl das in den Filmen sehr einfach aussah. Die Stecken rutschten immer wieder voneinander ab. Da musste eine Lösung her.
Jemand von uns hatte die Idee die Stecken oben zusammen zu binden. Alle waren erleichtert und wir suchten jetzt einen Stick oder so was Ähnliches um die Idee in die Tat umzusetzen.
Wieder in der Scheune fanden wir an einem Balken an einem Nagel aufgehängt ein Stück rostigen Draht, der auch den Zweck erfüllte. Also nahmen wir ihn mit. Wir stellten fest dass wir zu klein waren um an das obere Ende der Fisolenstecken zu gelangen. Wir versuchten es zu erst in dem der Kleinste von uns auf die Schultern des Kräftigsten steigen sollte um die Stecken zusammen zu binden. Nach mehreren gescheiterten Versuchen gaben wir es auf.
Die Lösung kam wieder vom Vater des Freundes (der unser Treiben heimlich beobachtet hatte wie sich nachher herausstellte). Wir waren überrascht als er plötzlich mit einer kleinen Stehleiter bei uns auftauchte. „Das mache ich lieber selber“ sagte er, „Ich habe keine Lust einen von euch mit gebrochenen Gliedern ins Spital zu fahren müssen“.
Er stieg auf die Leiter und band die Fisolenstecken fachgerecht mit einer Beißzange, die er aus der Hosentasche zauberte, zusammen.
„Fängst du jetzt auch an zu spielen“ ertönte eine Frauenstimme. Wir hatten die Mutter des Freundes gar nicht bemerkt als sie heran kam.
„Würde ich gerne“, sagte er „Aber ich bin am Scheinstall ein Brett zu ersetzen, und habe gesehen das die Kinder nicht weiterkommen und bin ihnen ein bisschen zur Hand gegangen. Jetzt bin ich fertig“.
Nach dem die Eltern des Freundes sich entfernt hatten bestaunten wir unseren Rohbau. Ja, das sah schon ganz gut aus. Das Problem war dass uns die Zeltplane fehlte. Man überlegte hin und her und fand keine Lösung. Schließlich beschlossen wir am nächsten Tag weiter zu machen wen uns neue Ideen kommen sollten.
Inzwischen neigte sich der Tag zum Abend und alle gingen ziemlich betrübt nach Hause.
Ich denke dass man mir die Betrübtheit angesehen hatte als ich Heim kam. Meine Mutter fragte mich was den los sei mit mir. Ich erzählte ihr was sich so am Tag zugetragen hatte, und das uns bei unserem Bau nur noch die Zeltplane fehlte. Wir nachtmahlten und anschließend ging ich ins Bett.
„Leg dich ins Bett, und Morgen ist auch ein Tag. Da sieht die Welt wieder anders aus“, sagte meine Mutter. Am nächsten Tag, nach den Erledigungen der Aufgaben die ich in der Familie zu machen hatte, rief mich meine Mutter und sagte: „ Schau her, ich gib dir diese Kotzen (leichte Sommerdecken) aber Ihr sollt sorgen und sie nicht kaputtmachen. Das sind die Kotzen die wir immer ins Grüne nehmen. Die könnt ihr als Zelt benutzen. Aber ich will sie wieder, ja?“
„Danke, du bist die Beste Mama der Welt“ sagte ich und husch war ich verschwunden.
Mit zwei Kotzen unterm Arm bewaffnet ging ich wieder zur Baustelle. Die andern waren schon alle da und saßen herum unschlüssig was man jetzt machen sollte. Als sie mich den Gartenweg näher kommen sahen hellten sich ihre Minen auf und es begann ei emsiges Hin und Hehr. Die Kotzen wurden schnell um das Gerüst aus Fisolenstecken gespannt und fertig war unser Indianerzelt.
Nach dem Allgemeinen Bestaunen unseres Werkes hatte jemand die Idee, man müsse jetzt auch wie richtige Indianer aussehen. Da wir aber nichts hatten das uns in dieser Richtung weiter half beschlossen wir uns wenigstens eine „Stammesgerechte“ Kriegsbemalung anzulegen.
Die Lösung war schnell gefunden. Wir schlichen in den Hühnerhof wo der große Kupferkessel stand, der zum kochen des Schweinefutters bestimmt war. Da er in diesem Moment noch nicht im gebrauch war öffneten wir das Türchen und strichen mit den Händen an die Außenseite des Kessels der voller Ruß war und begannen die Zeremonie der Kriegsbemalung. Darüber waren unsere Eltern gar nicht erfreut als wir unser Spiel beendeten und wieder Daheim ankamen.
Und so ging ein weiterer Tag meiner Kindheit zu Ende die ich nicht missen möchte.
(Ich habe gezielt einige Begriffe typisch für Mühlbach benutzt)

Horst Theil

 

Buchvorstellung


Liebe Leser! In diesem Beitrag möchte ich ihnen, und vor allen Dingen den Mühlbachern, ein Buch vorstellen und nahe legen. Es handelt sich bei dem Autor um Herr Winfried Bretz aus der Quergasse. Ich denke dass jeder gebürtige Mühlbacher sich noch an die Familie des Herrn Bretz erinnern kann.
Ich habe es gelesen und habe festgestellt dass Herr Bretz auch die Erkenntnis gewann, wie ich schon immer behauptete, dass die wahre Geschichte eines Ortes von dessen Bürgern geschrieben wird. Die lokale Geschichte fügt sich nicht nur aus Historischen Erkenntnissen und Werken zusammen, sondern ein wichtiger Teil sind die Begebenheiten und Erinnerungen die von den Bürgern zu Papier gebracht werden, und somit den späteren Generationen erhalten bleiben.
Dieses Buch ist so ein Werk mit Beschreibungen und Schilderungen vergangener Tage.

Es lohnt sich zu Lesen!

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Druck und Verlag : epubli GmbH Berlin
ISBN: 978-3-8 442-8462-1
http://www.epubli.de

 Und hier das Vorwort des Autors:

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Und jetzt eine Rezension geschrieben von : Herr  Kurt Dieter Schiel 

Die Quergasse Geschichten

„Vergiss nie die Heimat, wo deine Wiege stand …“.

An diese Worte muss Winfried Bretz gedacht haben, als er sich entschloss, seine Kindheits- und Jugenderinnerungen aus einer für alle schwere, aber auch schöne Zeit zu Papier zu bringen.

Wer Mühlbach kennt, oder auch nicht, kann sich anhand der beschriebenen Orte ein Bild von einer siebenbürgischen Kleinstadt in der Zeit vor, während und auch nach dem 2. Weltkrieg machen. Bilder wie die der beiden Wassermühlen am Mühlkanal, mit den ausgespannten Zugtieren auf dem Platz davor, die Bauern aus den umliegenden Dörfern in ihrer typischen Tracht, die Phantasien eines 10-jährigen Jungen auf der Brücke über den Kanal, die vorbeiziehende Kuhherde mit dem aufgewirbelten Staub und den Kuhfladen in der Quergasse, sind nur noch in der Erinnerung der älteren Generation vorhanden. Wer erinnert sich noch an die Seidenraupenzucht, wenn Kinder und Erwachsene in die Neugasse um Maulbeerblätter gingen? Wer weiß noch, wie und wo „Maijalis“ gefeiert wurde? Der Rote Berg ist auch heute noch in seiner Einmaligkeit und Schönheit zu sehen, aber wer aus der jüngeren Generation weiß, wo die Hundserlen waren, was war das Große Wehr und wer baut heute noch Flösse, um von Petersdorf nach Mühlbach zu fahren? Was hat man im Winter am Galgenberg gemacht und wo war der Kaiserbrunnen? Wenn man die „Quergasse“ liest, kann man sich eine Vorstellung machen, und sei es auch aus der Sicht eines Kindes, wie Mühlbach vor 60 – 70 Jahren ausgesehen hat.

Schließt man die Augen, so sieht und hört man die spielenden und schreienden Kinder auf dem Holzplatz, auf „Raubzug“ in den Hundserlen oder am Roten Berg. Die Mäz, typisch für Mühlbach, war ebenfalls ein beliebter und auch nasser Ort, wo die Kinder ihre technischen Fähigkeiten zur Anwendung brachten.

Die Weinlese, ein Ereignis und gleichzeitig auch ein Familienfest, gehörte zu den schönsten Erlebnissen des ganzen Jahres. Winfried Bretz beschreibt sie so treffend und anschaulich, dass man glaubt, auch dabei zu sein.

Glückliche Kindheit, auch ohne PC! In den verschiedenen Geschichten treten Begriffe auf, welche die heutige Jugend nicht versteht, da sie aus einer anderen Welt stammen. Was bedeutet „den Hosenboden strammziehen“, was heißt „Watschen“ oder „Hausarrest“, was macht der Vater mit dem Hosenriemen in der Hand und warum fällt einem das Sitzen  schwer? Dies könnte nur noch der sechzig- aufwärts Generation bekannt sein.

Die „Quergasse“ ist ein einfühlsames und gleichzeitig ein getreues Bild der damaligen Zeit, in einer sehr anschaulichen Sprache geschrieben. Winfried Bretz versteht es, auf gewisse Dinge einzugehen, die ihm und seinen Freunden sehr wichtig waren: die Freiheit, die Freundschaft, der Zusammenhalt in der Gruppe (Schikappenjagd) sowie die Anteilnahme an den Ereignissen der Zeit.

Während ich das Buch las, tauchten vor mir Bilder aus Mühlbach auf, die Winfried Bretz auch in meine Gegenwart zurückgeholt hat. Ich finde, dieses Buch sollte jeder lesen, der einen Teil seines Lebens in Mühlbach verbracht hat.

Max Frisch sagt: „Wer nicht schreibt, weiß nicht einmal, wer er nicht ist.“ Wer dieses Buch nicht liest, vielleicht auch nicht!

Kurt Dieter Schiel 

 „Die Quergasse“ und weitere Bücher von Winfried Bretz kann man beim Autor unter der Rufnummer 0821-5870350, über Amazon, in Buchhandlungen oder beim www.epubli.de Verlag Berlin bestellen. ISBN: 978-3-8 442-8462-1

 

Einen Beitrag des gleichen Autors finden Sie auch auf diesem Blog unter:
Drillinge die zweimal Geburtstag feiern
https://coolmann53.wordpress.com/2013/09/29/drillinge-die-zweimal-geburtstag-feiern/

Horst Theil

 

Mit was die Kinder von Mühlbach noch spielten (60-er Jahre)


In diesem Beitrag werde ich noch einige Beschäftigungen der Kinder im Mühlbach der 60-er Jahre beschreiben.
In erster Reihe ging es um das Basteln von Spielzeug und Gegenständen. Eines dieser war die Steinschleuder, auch Gummischleuder oder Katapult rumänisch prastie genannt. Hier für benötigte man einen Astzwacken vom Haselnussstrauch, elastische Gummibänder, zum Beispiel von einem alten Fahrradschlauch und nicht zuletzt ein Stück echtes Leder in etwa 8 x 5 cm.

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Beispielbild

Mit so einer Schleuder, konnte man nach reichlich üben, ziemlich genau treffen.


Ein weiteres von den Buben begehrtes Spielzeug war der Pfeil und Bogen. Für dieses Spielzeug benötigte man zum ersten für den Bogen einen gerade gewachsenen Ast vom Haselnussstrauch von ca. 80 cm, oder wen man die Gelegenheit hatte an einen Bambusstab von ca. 10 cm Durchmesser zu kommen, der in ca. 4-5 cm breite Teile gespalten werden musste. In beiden Fällen musste der Bogen an den Enden mit Einkerbungen für die Sehne versehen werden. Wen dieses geschehen war, brauchte man eine feste Schnur, Draht oder etwas Ähnliches um die Sehne zu fertigen. Das eine Ende der Sehne wurde an ein Ende des Bogens befestigt und dieser dann gebogen und das andere Ende der Sehne an dem frei gebliebenen Ende des Bogens fest gemacht so dass dieser gespannt war.
Für die Pfeile benötigte man auch eine gerade gewachsene Gerte vom Haselnussstrauch, so dünn wie möglich. Diese wurde dann von der Rinde befreit und an einem Ende mit einer Kerbe für das Auflegen auf die Sehne versehen. An dem anderen Ende, der Spitze des Pfeils, konnte man einen Nagel oder ein anderes leichtes Metallteil befestigen. An dem Ende mit der Kerbe spaltete man den Pfeil, nach dem man in 10-15 cm von dieser mit faden fest abgebunden hatte damit er nicht auf der ganzen Länge entzwei brach. In den Spalt konnte man eine Feder von den Hühnern oder Gänsen schieben und in Richtung Kerbe den Pfeil nochmals fest abbinden. Das diente zur Stabilisierung des Pfeils in seiner Flugbahn.
Dieses Spielzeug wurde gerne bei Indianerspielen unter den Erlen oder Am Roten Berg genutzt.

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Beispielbild


Ein anderes Spielzeug waren die Wasserräder mit denen man hervorragend am Klosterbach am Zeckesch oder in der Mätz spielen konnte.
Zuerst zwei Astgabeln für das Wasserrad suchen. Als nächstes braucht man einen möglichst geraden mindestens drei Zentimeter dicken Ast als Achse für das Wasserrad. Vor allem Haselnuss Äste eignen sich hervorragend. In die Mitte des Holzes ein Loch bohren, ebenso auf der Gegenseite. An beiden Seiten zwei weitere Löcher mit dem Taschenmesser bohren. Langsam wird es das Wasserrad. Nun fertigt man, vier gleichlange Hölzer an, und spitzt diese an den Enden. In die Löcher stecken und das fertige Wasserrad zwischen die gegenüber aufgestellten Astgabeln legen. Mit so etwas spielte man auch beim Baden aber nicht nur.

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Beispiel der Materialien

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Beispielbild des Wasserrades


Dieses waren einige Beispiele mit was sich die Kinder, im Mühlbach der 60 – er und davor, so beschäftigt haben. Des Weiteren gab es noch andere, die ich vielleicht ein andermal beschreiben werde, jetzt aber noch erwähnen möchte:
– Das Basteln von Pfeifen (Flirel) rum. fluierice aus Weidenruten.
– Holzschiffchen basteln
– Spielen mit der Surr ( Faden mit einem Knopf der sich drehte und Surrgeräusche erzeugte)
– Stelzen basteln, Holzgewehr, Holzsäbel
– Reifenlaufen mit Draht Haken
– Mühle (auf Karton gezeichnet und mit Weisen Bohnen und Kukuruzkernen als Spielsteine)

Horst Theil

 

 

 

 

Dr. Heinrich Adalbert von Wlislocki


Der Grund warum ich meinen Lesern von diesem Mann etwas mitteile und einen eigenen Beitrag widme ist jener, das dieser Mann anscheinend der erste in der Geschichte war der das Leben der Zigeuner, deren Sprache, Sitten und Kultur studiert hat.
Man sagt dass er sogar, um seine Lebensaufgabe zu verwirklichen, einige Jahre mit Wanderzigeunern durch Europa gezogen ist um deren Vertrauen und Wissen zu erlangen. Das nahm er alles auf sich um eine bessere Studie machen zu können. Das Thema Zigeuner spaltet auch heute noch die Wissenschaften wen es um die Herkunft die Umstände und Zeitpunkt ihrer Ankunft in Europa und somit auch in Siebenbürgen geht.
Jetzt fragen sie sich bestimmt was hat dieser Mann mit Mühlbach zu tun? Die Frage ist berechtigt. Die Antwort ist: Er lebte einige Zeit in Mühlbach und wurde in Mühlbach auf dem Ev. Friedhof bestattet.

Dr. Heinrich von Wlislocki

Dr. Heinrich Adalbert von Wlislocki
(*9.7.1856 – † 19.2.1907)

Dr. Heinrich Adalbert von Wlislocki,

Ethnologe, Sprachforscher und Tsiganologe geb. zu Kronstadt in Siebenbürgen am 9. Juli 1856. Der Sohn eines polnischen kaiserlichen Finanzbeamten und einer Siebenbürgerin. Er erhielt seine erste Ausbildung an dem Honterus – Gymnasium seiner Vaterstadt und bezog von 1875 – 1879 die Universität in Klausenburg, an welcher er vornehmlich humanistische Studien betrieb und unter diesen mit Vorliebe der Germanistik, Philosophie und Sanskrit oblag. Da nötigte ihn der Tod seines Vaters, auf eigenen Erwerb bedacht zu sein, den er kümmerlich als Hauslehrer fand. Indessen seit 1878 trieb er seine Studien der Zigeunerfolklore fort, bereitete sich für ein öffentliches Lehramt vor, erlangte 1880 die philosophische Doktorwürde, lebte die folgenden Jahre als von Armut, Arbeitslosigkeit und mit Alkoholproblemen geprägtes Forscherleben als Privatgelehrter an verschiedenen Orten Ungarns und Siebenbürgens. Von 1883 bis 1890 hatte er seinen Wohnsitz in Mühlbach.
Während dieser Zeit intensive folkloristische Sammeltätigkeit, und mehrere Forschungsaufenthalte bei den Siebenbürgischen Wanderzigeunern (Zeltzigeuner). Er wurde Mitglied eines dieser Zigeunerstämme und ging Zeitweise sogar eine Ehe mit einer Wanderzigeunerin dieses Stammes ein. Von 1896 bis 1898 Mitarbeiter bei der in Budapest von A. Hermann herausgegebenen Ethnologischen Mitteilungen aus Ungarn. 1896 bis 1898 Beiträge für H. Helmolts Weltgeschichte. Nach dieser Zeit folgte Körperlicher und geistiger Verfall. Bis zu seinem Tod befand er sich in Pflege bei seiner Ungarischen Frau in Klosdorf, die hier als Lehrerin eine Stelle hatte. Er galt als einer der Pioniere der modernen Zigeunerforschung und als bester Kenner der Siebenbürgischen Wanderzigeuner. Wlislocki wählte einen Gegenstand zu seinen Forschungen, über den die Gelehrten verschiedener Völker noch lange nicht einig, und den erst in jüngster Zeit ein Spross unseres erlauchten Kaiserhauses zu seinen eindringenden Studien erkoren: die Zigeunersprache.

Im Druck sind von ihm, (in deutscher Sprache 80 Bücher), unter anderen zum Thema Zigeuner erschienen:
„Heideblüten. Volkslieder der transsilvanischen Zigeuner“ (Leipzig 1880);
„Eine Hildebrandsballade der transsilvanischen Zigeuner“ (ebd. 1880);
„Die Sprache der transsilvanischen Zigeuner“ (ebd. 1883)
„Vom wandernden Zigeunervolke“ : Bilder aus dem Leben der Siebenbürger Zigeuner : geschichtliches, ethnologisches, Sprache und Poesie (1890)
„Aus dem inneren Leben der Zigeuner“ (1892)
„Märchen und sagen der Transsilvanischen Zigeuner“ (1886)
– ferner in der ungarischen Zeitschrift „Egyetemes philologiai közlöny“ d. i. Allgemeine philologische Revue, redigiert von Dr. Thewrewk und Dr. G. Heinrich,
– 1883, Heft 1 die Abhandlung: „Magyarból átvétt czigány szavak“, d. i. Ungarische Lehnwörter im Zigeunerischen; und ebenda: „Abhandlung über Zigeunerromanzen“‘ – „Adalék a czigány nyelvészet történelméhez“, d. i. Beitrag zur Geschichte der Zigeunerphilologie (Klausenburg 1881) und in der von Paul Hunfalvi und Gust. Heinrich herausgegebenen „Ungarischen Revue“ 1884:
„Zur Volkskunde der transsilvanischen Zigeuner“ [IV. Heft, S. 229 bis 258 und V. Heft, S. 343 bis 358], ein ungemein interessanter Essay; 1886: „Vier Märchen der transsilvanischen Zigeuner“. Inedita. Originaltexte nebst Verdeutschung und Glossar“ [Seite 219 bis 236]. Außerdem behandelt Wlislocki seinen Gegenstand in mehreren Feuilletons verschiedener Zeitschriften. Hunfalvi (Paul). Ungarische Revue. Mit Unterstützung der ungarischen Akademie der Wissenschaften (1881) S. 85.

Quelle Text: Wikisource; Siebenbürgisches Lexikon.
Quelle Bild: Manuscripts and more. Special Collections & Archives at the University of Liverpool Library


Dr. Heinrich von Wlislocki verstarb am 19 Februar 1907 in Klosdorf bei Kleinkopisch (Sânmiclăuș, Alba). Unter unbekannten Umständen wurde er auf dem Evangelischen Friedhof in Mühlbach (Sebes – Alba), in einem heute der Fam. Daniel gehöhrenden Grab beigesetzt. Sein Name ist auf dem Grabstein nicht vermerkt.
Horst Theil


 

Zwei Kostproben aus: „Heideblüten“ Volkslieder der transsilvanischen Zigeuner

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Das verschwundene Ehrenmahl von Mühlbach.


Liebe Leser!
Den Anlass zu diesen Zeilen lieferte mir ein Bild auf das ich zufälligerweise gestoßen bin.
Aber nun der Reihe nach. Es geht wie der Titel sagt, um ein Ehrenmahl aus Mühlbach das bis zur Machtübernahme der Kommunisten in Mühlbach gestanden hat.
Der Begriff Ehrenmahl umfasst ein weites Feld an Objekten die zu Ehren von Personen, Ereignissen oder religiösen zwecken an verschiedenen Plätzen und Orten errichtet wurden. Die Geschichte solcher Ehrenmähler reicht bis in die Vorchristliche Vergangenheit zurück. Anfangs der Geschichte der Menschheit, heute als Kultstätten benannt, wurden besondere Bäume, Felsen oder Hügel auserwählt um den Gottheiten der damaligen Zeit zu huldigen.
Es ist in der menschlichen Seele verankert das Bedürfnis an Schutz vor dem Ungewissen, Hoffnung und Hilfe in der Not, oder der Gewissheit das etwas oder jemand da ist wenn der Einzelne nicht weiß wie es weiter gehen soll.
Später in der Geschichte der Menschheit wurde begonnen solche Stätten selber zu erbauen, als Beispiel dienen die noch heute erhaltenen Kultstätten der alten Germanen, Kelten, Dazier und aller anderen antiken Völker. Mann kann dieses auf der ganzen Welt, und in allen Kulturen beobachten. Mit dem Aufkommen des Christentums wandelten sich diese Stätten zu Gotteshäusern, Kapellen und Wegkreuze um.
Dieser Drang hat sich bis in die heutige Zeit fortgesetzt. Im Mittelalter, und danach, nahmen die Wegkreuze, oder Kruzifixe (rumänisch troiţă genannt) eine besondere Stellung ein. In der Regel wurden diese an den Wegen und Pfaden die aus einem Ort hinaus führten aufgestellt. Aber fast immer auch eines im Bereich des Ortes. Da früher der Ablauf des täglichen Lebens es nicht immer erlaubte um das Wohlergehen in der Kirche zu bitten, wurden die Gebete an diesen Stellen, bei dem Weg auf den Acker, bei Antritt einer Reise oder bei der Ankunft in einen Fremden Ort, abgehalten.
So ein Ehrenmahl (troiţă) wurde auch in Mühlbach errichtet. Über das Jahr kann ich keine Aussage machen. Die Tatsache ist das die Stelle wo es stand mit Bedacht gewählt wurde. Und zwar befand es sich in der äußeren Sikulorumgasse an der Ecke zur Bahnhofgasse, gegenüber der Stelle wo einst der Viehmarkt war und gegenüber des Gasthofes „Zur Blauen Kugel“. (Auf der Stelle wo heute sich ein Kreisverkehr befindet). Also da wo früher die Landstrasse aus Richtung Hermannstadt in die Stadt führte. Die Ausführung war aus massivem Eichenholz, reichlich verziert und gegen Wettereinflüsse durch ein kleines Dach geschützt.
Davor befanden sich schöne Blumenbeete.
Dieses war das imposanteste Ehrenmahl der Stadt neben all denen die an jeder Ausfahrtstrasse oder denen auf den Feldern die die Stadt umgaben standen.
Früher waren in der Regel bei jenen die auf den Feldern waren auch ein kleiner Unterstand vorhanden zum Schutz von Wind und Wetter.
Nach dem ersten Weltkrieg wurden die Gefallenen Söhne der Stadt, Rumänen, Sachsen und Ungarn, mit einer Gedenktafel an dieser Stelle geehrt.

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 Das Ehrenmahl zwischen äußerer Sikulorum
und Hermannstädter Strasse.
(Bild von Dietmar Fabrizius)

Horst Theil