Im Gartenkino


Es war ein sehr heißer Sommertag Ende der 60-er Jahre als wir uns mehrere Freunde beim Baden am Strand unter den Erlen eingetroffen hatten.
Mein guter Freund Johannes war auch mit von der Partie. Als wir beim Baden eine Pause einlegten und uns auf die Decken flüchteten, kam die Diskussion auf ob man später ins Kino gehen sollte gegen Abend natürlich. Na ja, es kamen Zweifel auf sollte man oder sollte man nicht. Der Grund war jener dass es um diese Zeit im Kinosaal immer eine furchtbare Hitze herrschte da der Saal keine Lüftung besaß und immer bis auf den Letzten Platz voll war.
Wir wussten dass ein guter Film lief „Der Schutt“ von Karl May. Da kam einer mit der Idee wir sollten doch ins Gartenkino gehen da war es angenehmer als eingepfercht im Saal.
Ich muss noch dazu sagen dass es sich um das Kino „Progresul“ handelte. Die ältere Generation weiß das es neben dem Saal auch ein Gartenkino gab, das einzige weit und breit.
Das Kino befand sich am Westlichen Ende der Petrigasse am Kleinen Platz auf der Südseite.
Der Zugang zum Kino war durch eine Toreinfahrt die durch den Hof zum Kinogebäude im hinteren Teil führte.

 kino hof

Einfahrt zum gewesenen Kino „Progresul“
Hinten Rechts befand sich das Gartenkino

Zur linken des Gebäudes befand sich der Allzwecksaal vom „Goldenen Löwen“, zur Rechten befand sich das Gartenkino, das im Westen von der Stadtmauer, im Osten vom Kinogebäude und im Norden von den Wänden zweier Privatscheunen und dem Projektorhäuschen begrenzt war.
Die Südseite bildeten ein Bretterzaun und davor die große Leinwand mit dem Einzigen Lautsprecher am unteren Ende dieser. Neben der Stadtmauer waren 2 – 3 schöne Bäume.
Für die Kinobesucher waren gemütliche Bänke die in Reihen aufgestellt waren. Zwischen der Ersten Reihe der Bänke und der Leinwand war eine ca. 15 Meter lange Grassfläche die sich über die ganze Breite des Grundstückes hinzog. Da brachten sich die Leute manchmal Decken mit und saßen wie beim Picknick wenn alle Sitzplätze besetzt waren. Während den Vorstellungen hatten die fliegenden Händler Zutritt in den Garten um ihre Ware zu verkaufen. Zum Beispiel Dumitru mit seinem Eiskarren oder andere mit „Kokoschi“ und Kürbisskernen oder auch Laugenbretzeln.
Na gut, wir beschlossen auch da hin zu gehen um den Film nicht zu verpassen. Gegen 6 Uhr am Nachmittag gingen wir nach Hause um uns umzuziehen, und beschlossen uns in der Stadt im Kaffeehaus zu treffen.
Nach dem ich zu Hause noch meine Eltern überzeugt hatte das wir von 8 Uhr abends ins Kino gehen wollten zog ich mich um und Marschierte zum Treffpunkt. Ich hatte bewusst nicht gesagt dass wir ins Gartenkino gehen wollten weil da die Vorführung erst um 9 Uhr abends begann und um 11Uhr endete. Also nahm ich das Risiko in Kauf. Im Kaffeehaus traf ich nur Johannes und noch einen Freund an, die anderen kamen nicht, aus welchem Grund auch immer. Wir gingen schnell zum Kino um noch Karten zu ergattern. Aber schon beim Tor merkten wir das sehr viele Leute an der Kinokasse Schlange standen. Nicht desto trotz deckten wir uns mit Kürbisskernen ein. (das war gang und gebe in Mühlbach wen man ins Kino ging) Nach einer Halben Stunde Geschups und Gedränge, Rief die Kassiererin dass alle Karten ausverkauft waren und nicht mal Stehplätze mehr waren.
Der Frust war Groß. Wir probierten von den Zigeunern die noch einige Karten mit überhöhtem Preiß verkauften welche zu bekommen. Der Reguläre Preiß war 2,50 Lei diese Verkauften sie mit über 10 Lei. Dass war für uns eindeutig zu teuer. Wir gingen genervt dem Ausgang entgegen und marschierten auf die Strasse. Da standen wir noch etwas herum und wussten nicht was wir machen sollten. Plötzlich meinte Johannes dass wir den Film doch sehen konnten wenn wir geschickt vorgehen. „Schaust du nicht das keine Karten mehr zu kriegen sind“ sagte ich. „Klar“ sagte er, „Aber wir könnten ihn von unserer Scheune aus sehen“. „Und wie“? „Vom Dachboden der Scheune“ erwiderte er. Man muss wissen das Johannes vor dem Grundstück des Gartenkinos wohnte und seine Scheune befand sich am Ende des Gartenkinos wo auch der Projektorraum sich befand, der aber nicht so hoch wie die Scheune war. Also Theoretisch müsste dass funktionieren. Wir schlichen bei Johannes durch den Hof nach hinten zur Scheune, wo sich auch die Backstube seines Vaters befand, der Zuckerbäcker war.
Eine einfache Leiter führte nach oben auf den Dachboden. Oben angekommen gingen wir auf die Seite des Daches die in Richtung Gartenkino war, also auf die Südseite. Johannes schob eine Reihe Dachziegeln hoch (das Dach war nur einfach mit Schuppenziegeln gedeckt) und wir hatten einen „Logenplatz“ mit direktem Blick auf die Leinwand des Gartenkinos. Und dass gratis! Nach ein Paar Minuten hatten wir uns an die Dunkelheit da oben gewöhnt und Johannes zauberte eine alte einfache Bank aus einer Ecke des Dachbodens auf die wir uns setzten. Die Welt war wieder in Ordnung. Erstmals. Wir genossen den spannenden Film trotz noch brütender Hitze die da unterm Dach herrschte. Das böse Erwachen gab es erst als wir wieder Daheim waren. Wir waren verdreckt bis hinter die Ohren vom Staub der da oben war und dem Schweiß. Denn wir uns mit den Händen vom Gesicht wischten, ohne zu merken das unsere Finger dreckig waren nach dem wir da oben alles angepackt hatten.
Es war aber trotz allem ein schönes Erlebnis an das ich mich auch heute noch gerne erinnere.
Ja erinnere, denn das bleiben Erinnerungen. Heut zu Tage existiert von all dem NICHTS mehr.
Wie auf dem Bild zu sehen ist wurde das Gebäude und das Gartenkino dem Erdboden gleich gemacht. Schade, das war eine Besonderheit von Mühlbach um das uns manche Stadt der damaligen Zeit beneidet hatte.

Horst Theil

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