Zum Gedenken an Schmidt`en Titz


Andreas Schmidt wurde in Mühlbach am 7. November 1832 geboren. Von Beruf Fleischhauer (Metzger). Nebenher betrieb er auch einen Fuhrbetrieb für Nahverkehr. Seine Fleischbank befand sich in zentraler Lage auf dem großen Platz. Er war, um seine Zeit, allen Bürgern der Stadt bekannt ging aber in die Geschichte der Stadt Mühlbach als Schmidt`en Titz ein. Andreas Schmidt hatte aus erster Ehe eine Tochter namens Johanna. In seiner Zweiten Ehe die sehr Kinderreich war, aber nur wenige das Kleinkindalter überlebten, musste er den Verlust seiner Kinder verkraften. Und da er ein besonderer Mensch war, verarbeitete er diese Schicksalsschläge indem er anfing das Ganze Irdische Leben als einen Witz zu behandeln. In seinem Inneren war er ein herzensguter Mensch, er half den Armen und Bedürftigen wo er nur die Möglichkeit hatte. Er hatte immer ein offenes Ohr für deren Probleme. Er begann die Dummheit, die Bosheit, den Neid und die Selbstsucht zu verspotten egal ob es Privatpersonen oder die Obrigkeiten waren. Er liebte die Alt- Griechische und Römische Geschichte und war auch ein Bibelfester Mann. Als gebildeter Mann wurde er oftmals um Rat gebeten wen es um die Belange der Stadt ging. Beim durchführen seiner Streiche, die sich im Rahmen der Einfachen Gemeinschaft abspielten, legte er immer wieder Ironie und Kühnheit an den Tag. Diese Eigenschaften widerspiegeln sich auch in den Aufzeichnungen seiner, im Laufe seines Lebens begangenen Streiche, in Form von Anekdoten und Geschichten wieder. Die Leute erzählten sich diese Geschichten weiter, und wahrscheinlich dichteten sie auch das eine oder andere dazu.

Andreas Schmidt war wie alle Fleischhauer in Mühlbach gut situiert, durch seine Stückchen aber, die er zum Gaudium der Volksmenge aufführte und die ihn viel Geld kosteten, (Strafen und Bußgelder) zum Schluss gänzlich verarmt. Er starb am 6. April 1902 in Mühlbach und wurde auf dem Evangelischen Friedhof beigesetzt. Einen Grabstein findet man allerdings nicht mehr. Wahrscheinlich wurde das Grab nicht mehr bezahlt und trat in anderen Besitz.

 Horst Theil


Und nun Erzählungen einiger Streiche des Schmidt`en Titz, von Frau Marion Koepf geb. Graf, die Ihr Großvater Julius Graf (gebürtiger Mühlbacher) ihr per Korrespondenz aus Mühlbach erzählte. Herr Julius Graf kannte Andreas Schmidt persönlich.

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Frau Marion Koepf für diese schönen Geschichten über den Mann der im Früheren Mühlbach für Heiterkeit und Spaß sorgte.


Mein Großvater, Julius Graf, geb. 1878 in Mühlbach, schrieb mir, als ich noch ein Kind war, 1956 aus Rumänien gerne die Geschichten vom Schmidt`en Titz. Ein anderer Kontakt war zu meinem Großvater damals ja nicht möglich, erst kurz später konnten meine betagten Großeltern nach Deutschland ausreisen.
Der Schmidt`en Titz war ein Schalk- vergleichbar vielleicht mit Till Eulenspiegel- der anderen Leuten und der Obrigkeit gerne Streiche spielte. Die Leute erzählten sich diese Geschichten weiter, dichten vielleicht auch das eine oder andere dazu.
Mein Großvater schrieb:
Nun willst Du auch vom Schmidt`en Titz etwas hören? Also hör gut zu und lach ein wenig. Schmidt`en Titz war Fleischhauer wie auch mein Vater in Mühlbach, wo wir alle 5 Geschwister, Dolf, ich, Jul, Iren, Pepi und Andres das Licht der Welt erblickten. Die Fleischbänke befanden sich am großen Platz, wo sich auch der ganze Verkehr abspielte und hatten diese Form: (Zeichnung). In jeder Abteilung war, links und rechts, je 1 Fleischer untergebracht, darunter auch Schmidt`en Titz. Dieser war wie alle Fleischhauer in Mühlbach gut situiert, durch seine Stückchen aber, die er zum Gaudium der Volksmenge aufführte und die ihn viel Geld kosteten, zum Schluss gänzlich verarmt. Wir hielten uns als Fleischhauerbuben auch sehr gerne in der Nähe dieser Verkaufstellen auf, es gab da immer, auf Kosten anderer, etwas zum Lachen. Nun will ich beginnen:
Schmidt hatte ein Militärhorn in seiner Bude. Leute, die ihn kannten (fast alle), gingen deshalb nie über den Platz, sondern an den Häusern ringsherum. Nun aber traf es sich, daß einmal der alte Färbermeister Has über den Platz ging. Rasch ergriff Schmidt seine Trompete, blies hinein und rief laut: Schaut’s meine Herren und Damen, bei uns laufen jetzt die alten Hasen am helllichten Tag frei über den Platz. Der alte Has darüber erbittert, hob einen Fuß und rief dem Schmidt den Schäßburger Gruß zu („Götz v. Berlichingen“). Mutti oder Vati sollen euch diesen übersetzen. Da gab’s natürlich großes Hallo.

Marion Koepf geb. Graf bzw. Julius Graf (geb. 1878)


 Einen Zigeuner, einen großen feschen Mann, zog Schmidt`en Titz einmal ganz in schwarz an, Salonrock, schwarze Hose, Lackschuhe, Zylinder, weiße Glacéhandschuhe und weiße Krawatte, und er trug ihm auf, um 12 Uhr mittags, wenn die Beamten, Bürgermeister, Polizeidirektor und verschiedene höhere Beamte zum Speisen gingen, vor dem Gebäude nichts anderes zu machen als dort auf und ab zu promenieren. Das andere würde sich dann schon finden. Die Polizeidiener und viele andere, die nicht einmal sonntags in einer so kleinen Stadt so elegante Persönlichkeiten in schwarz sahen, grüßten devot, bis einer ihn ansah und in dem eleganten Herrn den Bronz, den Zigeuner aus der Ziganie erkannte. Da nahm das Hallo wieder kein Ende. Schmidt musste natürlich wieder bezahlen, und der Zigeuner flog für einige Tage ins Loch.
Ich stand wieder einmal in der Nähe von der Fleischbank des Schmidt`en Titz, hatte einen Strohhut auf dem Kopf, auf dem ich ein gewisses gefärbtes Gras befestigt hatte, so wie es unsere rumänischen Bauernburschen heute noch tragen. Auf einmal kommt mir so ein brenzliger Geruch in die Nase und es kam mir so warm vor auf meinem Kopf. Zum Teufel, dachte ich, was ist dies? Da steht schon der Schmidt hinter mir und ruft mir zu: Jul, dein Hut brennt! Und er hatte Recht. Ich riss diesen sofort von meinem Kopfe, und nicht nur das Gras, sondern auch der halbe Hut stand schon in Flammen. Von rückwärts hatte er das Gras angezündet und schneller als er dachte hatte auch der Hut Feuer gefangen.

Marion Koepf bzw. Julius Graf (geb. 1878)


Früher, wie ich noch klein, also ein Junge war, waren in Mühlbach 2 – 3 Nachtwächter angestellt mit Hellebarde und Horn. Zuerst blies der Nachtwächter ins Horn hinein und rief dann die Stunde aus: 11, 12 usw. Nachher kam der Vers: Bewahrt das Feuer und das Licht, damit ja auch kein Unglück geschicht! Auf diese hatte Schmidt es besonders scharf, da sie oft in einer Ecke schliefen und es unserem Herrgott überließen, für sie zu sorgen. Nun, was tat er? Er ließ an einem schönen Abend Schnaps aufmarschieren- und nicht wenig. Die Nachtwächter tranken bis sie total voll waren. Dieses wartete Schmidt ab, holte einen Wagen mit Stroh, legte sie hinein und fuhr mit ihnen nach Alvincz, einem Dorf 1/2 Stunde entfernt von Mühlbach. Dort weckte er sie auf, sie mögen doch ihren Dienst versehen, es sei ja schon 11 Uhr. Derweil war es schon 3 Uhr morgens. Diese, noch total tusslich im Kopfe wußten nicht recht, was mit ihnen los war und riefen in jeder Gasse die Zeit aus. Auf dieses Geschrei kamen die dortigen Nachtwächter herbei, und es gab zwischen diesen eine elende Keilerei. Schmidt machte sich mit seinem Wagen rasch aus dem Staube und überließ die Nachtwächter ihrem Schicksal. Dies Ereignis hatte am nächsten Tag noch ein Nachspiel. Er wurde auf das Rathaus zitiert, um sich für diesen Ulk zu verantworten. Man wusste ja gleich, wer der Urheber war. Das Rathaus war ein sehr alter Bau mit einer sehr breiten Treppe hinauf, so daß auch ein Pferd hinaufsteigen konnte. Schmidt nahm eines seiner Pferde, ritt zum Rathaus hinauf und band dort das Pferd an den Drücker einer Türe von außen an. Er ging zur nach innen aufgehenden Tür hinein. Das Pferd, durch das viele Hin und Her der Leute verängstigt, wollte sich losreißen und zog natürlich nach außen, so daß kein Mensch weder herein noch heraus konnte. Die von innen wußten sich keinen Rat, während sich Schmidt ins Fäustchen lachte. Endlich hörten sie von außen, was die Ursache gewesen war und mussten Schmidt bitten, mit seinem Pferd abzuziehen. Dies gelang, da das Pferd sich auf Schmidts Stimmt beruhigte. Die Einwohner von Mühlbach lachten noch lange über diesen Streich.

Marion Koepf bzw. Julius Graf (geb. 1878)


 Schmidt hatte einmal geschäftlich zu tun und musste da einige Stationen mit der Bahn fahren. Da aber die Waggons überfüllt waren, fand er keinen Sitzplatz. Und da ihm auch niemand einen solchen anbieten wollte, was tat er? Er kam mit den Leuten ins Gespräch, und weil diese ihn fragten, wohin er fahre, erzählte er ihnen, dass ihn vor einiger Zeit ein wütender Hund gebissen hätte und er es nicht beachtet habe. Jetzt aber überfiele es ihn manchmal, dass er alle Menschen beißen möchte. Dabei rollte und verdrehte er die Augen so, dass alle Leute zitterten, und wie er auf einmal nach ihnen anfing zu schnappen (ham, ham ,ham), war auf ganz schnell das Abteil leer, und nicht einmal der Schaffner traute sich in seine Nähe. Nun hatte er genügend Platz und fuhr bis zur nächsten Station, wo er gemütlich ausstieg.

Marion Koepf, bzw. Julius Graf (geb. 1878)


Schmidt hatte verschiedene Wägen, darunter einen Fiaker und einen Pferdeomnibus, Autos und dergleichen gab’s derzeit nicht. Da sollte er seine Frau im Fiaker einmal ausführen. Auf der Mitte des Platzes angekommen zog er den großen Nagel, der das Vorderteil mit dem Hinterteil des Wagens verband, mit einem Ruck heraus. Er fuhr mit dem Vorderteil davon, und seine Frau blieb zum großen Gaudium der Anwesenden zurück.

Marion Koepf, bzw. Julius Graf (geb. 1878)


Unsere Korterzigeuner hielten sich auch immer am großen Platz auf, neben den Fleischerläden. Sie wurden als Express und für sonstiges verwendet. Einmal stand ein solcher brauner Gesell auch dort. Da kam Schmidt von rückwärts, griff ihm in seine schwarzen, langen und feuchten Haare und sagte: “Mensch, was hast du denn auf dem Kopf, bist ja ganz rot! Geh doch zum Wasser und wasch dich! Der Zigeuner griff sich an den Kopf, und wirklich, die Hände waren ganz rot. Rasch lief er zum kleinen Wasser (Mäz), das dort vorbei floss. Na, was tat er, und wie sah er aus? Je mehr er sich wusch, umso roter wurden Haare, Gesicht und Hände. Er war auf einmal zum Indianer geworden. Wir brüllten vor Lachen.

Marion Koepf, bzw. Julius Graf (geb. 1878)


Wie ich bereits erzählte, hatte Schmidt auch einen Omnibus, in dem er die Kinder öfters spazieren führte, und einmal verlautbarte er, er wolle mit denen einen Ausflug machen, und zwar fuhr er dann mit ihnen nach Karlsburg, lud sie dort in einem Gasthof ab und sagte dem Wirt, er möge ihnen zu essen und trinken auftischen, er käme später, sie abzuholen und bezahle dann alles. Auch sagte er dem Wirte, 6 Kinder seien seine eigenen und 7 seien von seinen Verwandten. Ja, die Kinder aßen und tranken, aber es wurde spät, und der Vater kam nicht mehr. Der Wirt wurde nach einiger Zeit ungeduldig und fragte die Kinder: „Wo ist denn euer Vater, dass er noch immer nicht kommt?“ Die Kinder antworteten: „Das ist ja nicht unser Vater, dieses ist der Schmidt`en Titz aus Mühlbach. Nun wusste der Wirt gleich, mit wem er es zu tun hatte. Da nun der „Vater“ nicht mehr kam und längst wieder in Mühlbach war, musste der Wirt zwei Wägen nehmen und die Kinder nach Hause fahren, was ihn auch ein schönes Stück Geld kostete.

Marion Koepf, bzw. Julius Graf (geb. 1878)


 Jetzt weiß ich nur noch eine Geschichte, diese ist aber mehr nur für Große. Macht aber die Augen zu, wenn Ihr es auch lesen wollt, und dass Ihr ja nicht lacht!

Also: In jeder Stadt gehen die Herren auf einen Abend- oder Dämmerschoppen. So ist’s oder war es auch in Mühlbach. Dieser Schoppen dehnte sich manchmal auch in die Länge aus, und um nicht noch weiter in den Hof zu gehen, um ihre kleine Notdurft zu verrichten, stellten sie sich einfach vor die Türe auf die Gasse, natürlich im Dunkeln. Das verdross die Spaziergänger, die dort auf und ab promenierten- dieses hieß die „Ganselpromenade“- und sie beschwerten sich bei der Polizei, die nun dort einen Diener aufstellte, der die Delinquenten zur Anzeige bringen sollte. Schon am nächsten Abend wurden einige gefasst, darunter auch Schmidt. Der wusste, was ihm bevorstand: Wieder eine Strafe von 50 Kreuzer (ein Kreuzer war ein Wert von derzeit 2 Pfennigen). Was tat er nun? Er nahm seine beiden Hosentaschen voll mit Sand, mischte aber vorher in jede 50 einzelnen Kreuzer hinein und ging zur Polizei. Dort wurde er natürlich wie die anderen mit 50 Kreuzern bestraft und musste das Geld auch gleich bezahlen. Er griff in die Tasche und legte dem Beamten den ganzen Sand auf den Tisch. Auf die Frage, was er da denn mache, meine Schmidt: „Ich zahle“. Darauf der Beamte: „Mit Sand?“. Schmidt sagte: „Nein, mit Kreuzern“, und er solle nur suchen, im Sand seien auch die 50 einzelnen Kreuzer, er wisse aber nicht, wie der Sand in seine Tasche kam. Beim Hinausgehen kam er noch einmal zurück, kramte aus der anderen Tasche auch Sand und Geld heraus mit der Bemerkung, ja, er habe noch etwas zu zahlen vergessen, er habe doch auch einen F..z  gelassen….. und weg war er.

Marion Koepf, bzw. Julius Graf (geb. 1878)


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