Josef Schoppelt


Es fällt mir schwer zu sagen zu welcher Kategorie Mensch dieser Mann einzustufen ist. Zu einer Persönlichkeit? Zum einfachen Handwerkermeister? Zum einfachen Familienvater? Zum Chronisten? Ich denke er war von jedem ein bisschen, aber vor allem Mensch. Er war einer der vielen Söhne der Stadt auf die wir Mühlbacher stolz sein können, aber auch sollen.

Josef Schoppelt gehörte zu jenen Personen unserer Stadt die unsere besondere Aufmerksamkeit verdienen. Warum sage ich das? Der Grund ist dass wir diesem Mann zu verdanken haben eine genaue Beschreibung aus einer gewissen Zeitspanne in der Geschichte der Stadt zu haben, die uns in vielen Fällen sehr genau die Umstände des wirklichen Lebens in Mühlbach beschreibt. Es wird nichts verschönt oder gehuldigt, die Schilderungen beziehen nahezu alle Themen des Lebens zu jener Zeit ein.

Des Weiteren war er ein Handwerkermeister dessen Erzeugnisse weit über die Stadtgrenzen begehrt waren, man bedenke dass zur sächsischen Männertracht auch selbstverständlich Stiefel gehören. Seine Beteiligung am öffentlichen Leben, seine Mitgliedschaft in mehreren Vereinen und nicht zuletzt als Zunftmeister der Tschismenmacher-Zunft, bestätigen die Bedeutung dieses Mannes für unsere Stadt.

Ich werde Ihnen jetzt einen kleinen Einblick in seine Biografie geben. ( In seinem Buch ausführlicher)

Horst Theil

  

 

Schoppelt 

Josef Schoppelt

1837 –  1929

Josef Schoppelt wurde 1837 in Mühlbach/Siebenbürgen geboren. Mit sieben Jahren 1844 besuchte er die Schule von Mühlbach bis im Jahre 1851.

Als vierzehnjähriger, im Jahre 1851, begann er eine Lehre zum Kürschner, die er aber abgebrochen hatte und bei seinem Vater den Beruf des Tschismenmacher (Stiefelmacher) erlernte.
Im Jahre 1854 wurde er zum Gesellen freigesprochen. 1860 machte er den Meister. Im selben Jahr heiratete er seine Ehefrau: Luise geb. Nössner.

Seine Werkstatt befand sich am großen Platz und war geräumig und gut gelegen.

Er beschäftigte vier Gesellen und zwei Lehrbuben.

1880 Gab er die Werkstadt auf und beschäftigte sich weiterhin mit der Landwirtschaft so wie dem Weinbau.
Josef Schoppelt war in mehreren Vereinen Mitglied, z. B. im Vorschussverein, der mit niedrigen Zinsen  den Handwerkern half an billiges Geld zu kommen.  Er war der letzte Zunftmeister der Tschismenmacher (Stiefelmacher) in Mühlbach und legte das Geld aus der Zunftauslösung für soziale Zwecke an.

Aus seinem erlebnisreichen Leben schildert er dann in seinen „Erinnerungen“ die spannenden Veränderungen in dieser Zeit.

Josef Schoppelt starb im Jahre 1929 in Mühlbach.

Quelle:

 

Erinnerungen aus den Jahren 1848 bis 1910 in Siebenbürgen

Autor: Josef Schoppelt

Herausgeber: Otto Rodamer

Verlag: Books on Demand

 

 

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Erinnerungen aus den Jahren 1848 bis 1910 in Siebenbürgen ( Folge 1)


Der Ganze Inhalt dieses Buches bezieht sich auf die Stadt Mühlbach in Siebenbürgen (Rumänien).  Ich werde ihnen einige Auszüge aus diesem Buch, mit der Genehmigung des Herausgebers Otto Rodamer, zum lesen anbieten. Der Autor Josef Schoppelt war ein gebürtiger Mühlbacher Handwerkermeister der seine Lebenserinnerungen aus dieser Stadt, auf die Bitte seiner Familie und anderer, sich entschloss diese Zeilen zu Papier zu bringen.

Auszug aus dem Buch:

– Erinnerungen aus den Jahren 1848 bis 1910 in Siebenbürgen –

Autor: Josef Schoppelt

Herausgeber: Otto Rodamer

 Verlag: Books on Demand

Die Schule

Mit sieben Jahren wurde man eingeschult. Die Anfänger lernten in den Jahren um 1840 das ABC zu schreiben und bis auf hundert zu zählen und das ABC bis ans Ende mit Selbst- und Mitlauten zu verbinden und zu schreiben. In der zweiten Klasse lernten sie erst Worte buchstabieren, lesen, schreiben, sowie die einfachen 4 Spezis, Rechnen und das Einmaleins. In den beiden ersten Klassen sagte der Lehrer den Kindern einen Spruch beim Nachhausegehen, den sie im Sinn halten mussten, bis sie wieder zur Schule kamen und ihn dem Lehrer sagen mussten. Auch musste jeder Schüler sich ein Schreibheft aus einem Bogen Schöpfpapier  (aus der damaligen Strungarer Papiermühle in Mühlbach) machen, der Bogen kostete einen Kreuzer und seinen Namen selber schreiben mit Gänsefedern, die der Lehrer jedem zuschneiden und jedes Mal, wenn die Feder nicht mehr gut schrieb, mit dem Federmessen Nachschneiden musste. Mit den Gänsefedern behalf man sich bis zum Jahre 1850, wo dann die Stahlfeder sie verdrängte und den Lehrern die Last abnahm, nämlich das Spitzen der Federn. Die dritte Klasse hatte damals einen akademischen Lehrer, David Krasser und bestand aus zwei Jahrgängen aus dem man dann ‚ins Latein‘ oder in die damalige Realschule ging. Die Schüler der dritten Klasse mussten im Winter schon um 6.00 Uhr, im Sommer von 7.00 – 10.00 Uhr in der Schule sein, wobei man sich kleiner, runder, selbst gemachter Papierlaternen bediente und bei Licht die so genannte ‚Preces‘ abhielt mit Gesang und Gebet und dann spielte bis 7.00 Uhr. Dann wurden die Arbeiten durch die vier ‚Notatoren‘ und den Imperator geprüft und auf die große Tafel ihre Leistungen mit Kreide verzeichnet. Die mit 6 Fehlern wurden als faul und mit sechsmal faul in der Woche, am Samstag vor dem Judicum mit 6 Rutenstreichen auf den Bloßen bestraft. Die mit weniger Fehlern wurden mit dem spanischen Rohr oder Lineal von dem Lehrer in der Klasse bestraft. Der inspizierende Schulinspektor war der damalige Stadtpfarrer Fritsch, schon ein hoher 70er. In der Realschule, aus der 5. Klasse, löste Herr Friedrich Kraus den Herrn Karl Mauksch ab. Das war im Jahre 1850. In der Realschule blieb man in der Regel zwei Jahre, bis man ein Handwerk erlernte. Man lernte auch sehr viel für den eigentlichen Bürgerstand, moderne Rechnungen, bürgerliche Aufsätze, Orthographie, Fremdsprache. Schulstunden wurden, wie erwähnt wurde, in den höheren Klassen im Winter schon um 6.00 Uhr angefangen bis 10.00 Uhr, wo wir unser Frühstück, bestehend aus Brot, Nüssen, Äpfeln, gebratenen Erdäpfeln (Kartoffeln) nach der ‚Preces‘ verzehrten, also bis 7.00 Uhr, wo die Überprüfung der Aufgaben , wie schon erwähnt wurde, durch den ‚Notator‘ anfing und bis zum Erscheinen des Lehrers dauerten, das war um 8.00 Uhr. Im Sommer war von März bis Ende Oktober die Frühkirche, wozu geläutet wurde. Mittwochnachmittag war keine Schule, Samstagnachmittag von 1.00 – 2.00 Uhr gewöhnlich ‚Judicum‘, Sonntag von 9.00 – 10.00 Uhr Evangelium, welches erklärt wurde und welches wir mit der Zeit auswendig lernten. Die Deutsche Vorstadt hatte in der Quergasse ihre eigene Schule, von wo man in die Stadt promoviert wurde. Mädchenschule gab es nur eine Klasse unter dem Lehrer Gelch.

– FORTSETZUNG FOLGT –

Die Möglichkeit dieses Buch zu erwerben:

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Weblinks. Seiten in deutscher und rumänischer Sprache.


Deutsch (germana)

http://www.siebenbuerger.de/ortschaften/muehlbach/

http://www.vfwkwb.org/index.php/freiburg/publikationen/81-die-auswanderung-aus-suedbaden-nach-siebenbuergen

http://www.siebenbuerger-sachsen-hog.de/index.html

http://www.ekmb.ro/

http://www.stadt-buedingen.de/familienstadt/freizeit/partnerstaedte-uebersicht/sebes-in-rumaenien

http://www.rumaenien-tourismus.de/sebes.html

http://www.sibiweb.de/orte/muehlbach/

http://www.stadtbild-deutschland.org/forum/index.php?page=Thread&threadID=4963

http://www.liederlexikon.de/lieder/es_sass_ein_klein_wild_voegelein

http://members.aon.at/fresh/namensemantik.htm

http://www.trafficguide.ro/camere-live/sebes

http://www.eduardschneider.com/

http://www.siebenbuerger.de/zeitung/artikel/rumaenien/13879-dem-himmel-ganz-nah-unterwegs-auf-der.html

Rumänisch (romana)

http://www.transalpina.biz/

http://transilvanialive.ro/live-stream

http://ro.wikipedia.org/wiki/Sebe%C8%99el,_Alba

http://www.primariasebes.ro/

http://www.valeasebesului.ro/

http://www.ekmb.ro/

http://www.trafficguide.ro/camere-live/sebes

 

Interessante Abschrift aus : memoria.ro


Memoiren aus dem Leben des Majors Julius Metz des K.u.k. Infanterienregiment no. 43

Autor: Julius Metz

 

 

Die Memoiren des Majors Julius Metz enthalten einige Unstimmigkeiten betreffend Orthographie und Topik. Einige Einzelheiten betreffend des Liebesleben und des Familienleben des Majors wurden ausgelassen. Die Namen der Orte aus dem heutigen Rumänien, Serbien, Tschechei u.a. sind in verschiedenen Arten geschrieben. Bei Nummerotierungen werden auch arabische, auch römische Zahlen benützt. Die Abkürzungen sind leicht zu entziffern; zum Beispiel wird für Batalion die Abkürzung Baon benützt. Seine Tochter Edith, meine Mutter, heiratete den banater rumänischen Rechtsanwalt Dr. Virgil Simon in 1932. Mein Grossvater Julius starb im Jahre 1942. Prof. Dr. Zeno Simon

Im Mühlbach in Siebenbürgen am 19 Feber 1878 geboren als Sohn des Stadtsprediger Ferdinand Metz und dessen Ehegattin Josefine, geboren Koch, kam ich im Jahre 1882 nach Kelling wohin mein Vater als Pfarrer gewählt wurde. Auf die Übersiedlung kann ich mich nicht mehr errinern. Als wir in Kelling waren, kaufte mein Vater 2 Pferde, 6 Büffelkühe, Schweine, Schafe und einen groβen Wohnhaus mit Blumengarten. Ein altes Gebäude, Stall, Schopfen, Wagenremiesen und Schweinställen und Schafstall unter diesem Gebäude und in einen Nebengebäude, wo ein älterer Verwandte, etwas Narr, wohnte.  Es waren sehr viele Ratzen, welche sogar den Büffeln den Schwanz frassen. Dann 2 groβe Gemüse- und Obstgarten in welcher wir, 6 Geschwister, natürlich viel herumtollten und viel Obst assen.

Als 5 Jähriger Bub ging ich, da kein Kindergarten war, in die Schule ohne Bücher, damit meine Mutter mich für kurze Zeit frei wurde, denn ich war ein nicht besonderes braves Kind, nach dem ich immer bei den Haustieren auf dem Aufboden und im Hof herumtrieb und meine Mutter Angst hatte dass mir etwas geschehen könnte. Als ich 6 Jahre wurde kam ich dann als ordentlicher Schüler  in die erste Klasse in Kelling. Das Lernen machte mir keine besondere Freude, mehr die Wirtschaft und Aufenthalt in Freien.  Da kam es oft vor, dass ich nicht in die Schule ging, sonder entweder in die Burg um  Uhunester auszunehmen, oder in den Bach mit wenig Wasser barfuβ in Wasser herumzuwaten, oder Fischel zu fangen. Einmal sollte ich einen Regenschirm des Rektors in der Früh zurücktragen, aber ich versteckte diesen in einen Steinhaufen und ging wieder  neben die Schule. Als der Rektor abends zu uns kam, suchte er seinen Schirm, worauf meine Mutter ihn fragte ob ich denn nicht in der Früh in die Schule brachte, was er verneinte. Natürlich war ein groβer Krach und ich bekam von meiner Mutter eine Tracht Prügel. Hier muss ich bemerken dass meine Mutter uns Kinder erzogen hat, da mein Vater für uns zu weich war und durch sein Amt und Politik, die er stark berieb, keine Zeit für uns hatte. Nur am Abend, wenn wir nach dem Nachtmal um ihn waren, erzählte er uns immer Märchen; zum Schluss rauften wir Buben uns wer ihm die Schuhe und Hosen ausziehen wird.

Mit dem 7. Jahr kam ich dann in die zweite Klasse nach Mühlbach und in die Kost zu meinem Grossvater, pensionierter Pfarrer, Ferdinand Metz Senior und Mili Tante, welch ihm die Wirtschaft führte, da die Grossmutter und der Mann von der Mili Tante, der auch Pfarrer in Petersdorf war gestorben waren . Im Mühlbach gab es ein strenges Regiem. Grossvater und Mili Tante liesen mich nicht früher spielen gehen bis ich nicht meine Aufgaben gelernt hatte. In der Schule ging es mir immer gut, die Lehrer hatten mich gerne und ich durfte auch Violinspielen lernen.  Zu Grossvater kam eine französische alte Jungfer öfter zur Jause, von der wir Französisch lernten. Nach vier Jahren starb sie und wir vergassen schön langsam auch das Französische.

Natürlich war für mich nunmehr die Ferien die grösste immer ersehnte Freude, um zu Hause mit meinen Lieblingen (Haustieren) und Wirtschaft spielen zu können. In Kelling wohnten auch bei uns die Grosseltern mütterlicher Seite, Josef Koch und Frau. Ersterer war ein sehr lieber Grossvater, hatte speziell mich, als erstgeborenen Sohn, lieber als die anderen Enkeln, welche ihn auch gerne sekierten. Ich war immer gut und half ihm mit Vorliebe in der Kellerwirtschaft, welche er versah, da mein Vater Wein  kaufte und in die Officiersmenagen nach Karlsburg und Broos verkaufte. Der Grossvater brannte uns Kindern auch oft Zucker für Husten.

Dafür konnte ich die Grossmutter nicht leiden, welche ich oft sekierte und dafür von Mutter immer Schläge bekam, denn wenn die Elter fort waren und ich meine Geschwister a pisserl zupfte, so kam ich oft mit der Grossmutter  inKolusin, welch mich dann der Mutter verklagte und ich natürlich der Prügelknabe war. Überhaupt kann ich mich gut errinnern dass, für alle und für alles Schlechte was meine Geschwister und Verwandten auf Urlaub im Hof oder Garten machten, ich Schläge bekam. Z.B.  weil mein jüngster Bruder Walter zu viele  Äpfel ass oder auf die Leiter stieg oder von wo herunterfiel, war ich immer Schuld und bekam am Allerwertesten, den meine Mutter schlug uns nur dorthin, nie am Kopf oder Rücken.

Auf Urlaub half ich schon als 8 jähriges Kind fleissig mit. Ich wurde als Aufsicht oder zum Frucht und Heuteilen verwendet, musste oft schon um 3 Uhr früh aufstehen und aufs Feldteilen fahren, später konnte ich schon als 10 jähriger Junge einen Heuwagen oder Fruchtwagen laden.

Kutschieren und reiten erlernte ich sehr schnell, so dass ich schon als 10 jähriger allein mit dem Wagen nach Mühlbach fahren durfte und dabei flogen die Pferde nur so. Einmal führte ich meinen Vater nach Hermannstadt statt in 7 in 5 Stunden ohne Rast.

Mein Vater kaufte die erste Drehmaschine mit Pferdebetrieb und da war es mein Hauptvergnügen die Pferde an die Leistangen zu spannen und mit meinem Bruder Hermann jeder hinter Pferd im Kreise herumzuwandern. Den Pferden wurden die Augen zugebunden damit sie nicht schwindling werden. Im Garten half ich beim Umgraben und Anpflanzen mit. Ebenso im Herbst beim Einheimsen.

Oft sah ich die Prügel kommen, da rettete ich mich auf einen hohen Pappelbaum, so hoch dass meine Mutter Angst bekam und mir versprechen musste mich nicht nicht zu prügeln, wenn ich herunterkomme. Dieses wendete ich immer an um der Schläge zu entgehen.

Wir hatten viele Schweine und einmal sogar 200 Schafe, da war es meine grösste Freude als 8 jähriger diese zu hüten auf dem ans Haus anschliessender grassiger Berg. Wenn man mich damals fragte- was willst du werden?- sagte ich immer Schweinhirtsmajor und siehe dass Schicksal  wollte so haben, dass ich wirklich Major wurde und hatte auch tatsächlich auch oft mit zweifüssigen Schweinen zu tun.

In der Wirtschaft hatte ich von meinen Grossvater so viel gelernt, dass ich, als er starb, diese selbst führte und zu jeden Weihnachts- und Osterurlaub und im Sommer die Weinwirtschaft mit dem Bruder Hermann und Knecht besorgte. Als das alte Gebäude abgerissen wurde, wimmelten die Ratten nur so, wir versuchten alle Arten sie zu vertilgen, hängten z.B. einer Ratte ein Glöcklein an den Hals und liesen sie ins Loch laufen, damit die anderen durchgehen sollten; es nützte nichts. Dann begossen wir einige mit Petroleum und zündeten sie an und liessen sie ins Loch hinein, was sehr gut wirkte, denn die Ratten verschwanden; dass war ja natürlich für uns immer ein Spiel.

Alle Arten von Tauben kaufte ich in Mühlbach und brachte sie nach Kelling. In Kelling ist eine alte Burg, noch als der Türkenzeit, wo die Familien ihre Zimmer und Speckkammer hatte; zu meiner Zeit hatten sie noch immer die Speckkammer zu Benützung. Auf den alten verfallenen Mauern und Türmen bin ich auch oft zum Schrecken der Leute herumgekrochen; wie oft durfte ich die Glocken treten und ziehen.

Mein Vater und wir 5 älteren Kinder (Walter war noch zu klein), dann der Prediger und sein Sohn, der mein Schulkammerad war, waren alle musikalisch, musizierten aus den Regensburger Liederbuch viel und besorgten auch die Kirchenmusik; ich sang damals sehr gut Soprano. In der Kirche machte ich mit einem reichen Bauern oft Lärm hinter der Orgel, so dass mein Vater oft von den Predigsstuhl hinaufrief, es soll Ruhe sein. Nachher gab es zu Hause wieder eine Tracht Prügel, denn es hies immer: der Julius hut Lärm gemocht met dem Bulkescher Misch.

Einmal machte die ganze Familie mit Hermannstädter Gästen einen Ausflug in das Mühlbachtal  auf eine kleine Insel, dort peitschte ich ein Pferd so lange bis es in den Bach sprang und schwer herausgezogen werden konnte. Aus Angst lief ich dann 3 Stunden zu Fuss bis nach Hause und versteckte mich auf den Heuboden. In der Früh, als mein Vater aufstand verkroch ich mich unter dass Bett, von wo mich der Vater mit der Peitsche heraushollte und mich gut durchwackelte. Dies war das einzige mal dass mich mein Vater im ganzen Leben schlug.

Im selben Sommer kamen von Wien Anverwandte mit einem Zehnjährigen Sohn zu Besuch nach Kelling, dieser Lauser schüttelte von einem Birnbaum, den mein Vater uns verbotten hatte anzurühren, die Birnen, welche noch unreif waren herunter und dafür drohte mir der Vater mich zu strafen. Als das hin ging, es war schon fast dunkel, von zu Hause fort, mit dem Bemerken ich käme nicht mehr zu Hause, in den Wald, wo ich über Nacht beim Waldhüter zubringen, und dann morgens weiter nach Hermannstadt wollte. Nachdem ich wirklich bis spät nachts nicht nach Hause kam, schickte die Mutter Knecht und 2 Mägde mit Laternen mich im Wald suchen und fanden mich beim Waldhüter schlafen.

Ein anderesmal war ich mit einem Pferd beim Schmied dieses beschlagen zu lassen. Als es fertig beschlagen war, setzte ich mich aufs Pferd um nach Hause zu reiten. In dem Moment als ich mich hinaufschwang, schreckte es, und galopierte mit mir davon, ohne ich den Halfter in der Hand hatte, ich hielt mich nur an der Mähne und spielte den Zirkusreiter, wie ich es in einen solchen sah. Die Dorfleute schrien: aufhalten, aufhalten, ja aber das Pferd konnte jedem schön ausweichen, so dass ich hin und her wackelte, bis ich vor der Stalltüre glücklich ankam, welche zu meinem Glück zugemacht war, ansonsten ich bestimmt mit abgerissenen Schädel tot gewesen wäre.

Auf das hin war das ganze Dorf der Meinung ich müsse zu den Husaren, denn ich hätte bewiesen dass ich gut reiten kann.

Ein weiteres Ereigniss war es immer wenn wir, 4 Brüder, der Herde am Abend entgegen gingen und jeder auf einer Büffelkuh nach Hause ritten, stehend, kniend und sitzend.

Die Weinlese war auch immer ein Fest für uns Kinder. Da wurde natürlich Most getrunken, dass nächsten Tag anständige Diharö (sächsiche Schwuz genannt), es wurden Feuer gemacht, Kartoffel gebraten, Speck und Käse gegessen und die älteren Herrn tranken sich gewönlich einen Schwips an, dabei wurde gesungen und getanzt, den der Dorfzigeuner fand sich auch immer ein uns spielte dort wo er eine lustige Gesellschaft beisammen sah. Viel Arbeit gabs im Sommer mit den Ernten, Heuernte, Fruchternte, Kukurutzernte, wo wir Kinder immer früh aufstehen und aufs Feld mussten teilen, denn wir hatten unseren Grund allen um ein Drittel (Heu) um die Hälfte Frucht und Kukurutz in Arbeit gegeben.

Einmal hatten wir 200 Joch Grund und Wiesen, später kam die Komasation, und nachdem sich der Herr Ingenieur verrechnet hatte, konnten wir nicht mehr so viel Grund bekommen und wir bekammen nur 65 Joch des besten Grundes knapp an der Gemeinde. Da hatten wir es auch leichter mit den Ernten, aber leider nicht mehr so viel Einkommen.

Als mein Vater nach Kelling als Pfarrer gewählt wurde, kaufte er immer den Grund jener verschuldeten Sachsen oder jener die nach Amerika auswanderten, auch von Nachbarort Rätsch, damit der sächsische Grund nicht in romänische Hände komme, denn damals kauften kauften schon die Romänen Grund zusammen und siedelten immer mehr Romänen in der nähe von Kelling in Dial an. Mein Vater erzählte uns dass z.B. im Jahre 1848 in Kelling nur ein Romäne war, den unser Grossmutter als Hirte und Käsemacher brachte  und im Jahre 1895 waren in Kelling um 675 sächsische Einwohner und 800 romänische und ? Stunde von Kelling, in Dial war eine Gemeinde, nur Romänen, von 1000 Einwohner entstanden.

Wenn ich von Mühlbach nach Hause auf Urlaub kam bin ich viel mit meinem Vater, der Dechant war, als Kutscher auf die Gemeinde gefahren, damit der Knecht zu Hause arbeite, was meine schönste Urlaubsbeschäftigung war. Es war eine schöne Kinderzeit die ich in Kelling verbrachte.

Einmal sollten aus Broos und Mühlbach 16 Freundinen meiner Schwester Adele und Hermine besuchen. Ich wurde mit einem langen Leiterwagen nach Mühlbach geschickt um diese Gesellschaft nach Kelling zu bringen. Als ich nach Mühlbach kam waren dort noch 6 Herrn, wie sollte ich diese nun alle auf den Wagen bringen? Da legte ich Bretter als Sitze auf und brachte alle auf den Wagen zur allgemeinen Belustigung in Mühlbach und Kelling, dabei lies ich sie aber beim Bergrauffahren immer alle absitzen, weil ich meine Pferde bedauerte; am meisten freute es mich dass die Mädel zu Fuss gehen mussten, denn ich konnte die Mädel damals  gar nicht leiden, weil sie mich damals alle küssen wollten, dass ich mich Hände und Füsse sträubte. Ich rächte mich dann in Kelling in dem ich die Herrn verleitete, die Mädel, wenn sie sich ausziehen, da sie alle in grossen Zimmer auf Stroh auf der Erde schliefen, zu überraschen, in dem ich den Buben, es war ja lauter Studenten, an jedes Fenster eine Leiter stellte, damit sie beim Fenster hinein sehen können, was auch geschah und ich von der Mutter Schläge bekam. Damals waren 30 Gäste drei Tage an Kellinger Pfarrhof. Ich und Hermann und Fredi hatten damals viel zu tun. Die Bande hatte uns damals 500 Liter Wein ausgesoffen und dazu noch unseren guten Riebisel- und Wehrmutwein. Die Studenten waren fast alle jeden tag nach dem Mittagessen betrunken und mussten sich im Garten ausschlafen. Meine Mädchenfeindschaht sollte sich bald in eine grosse Mädelfreundschaft verwandeln. Darüber später.

 Abschrift  Ende.

Abgeschrieben : Horst Theil

Quelle : memoria.ro

Ankündigung !


Erinnerungen aus den Jahren 1848 bis 1910

In Siebenbürgen

Der Ganze Innhalt dieses Buches bezieht sich auf die Stadt Mühlbach in Siebenbürgen (Rumänien).  Ich werde ihnen bald und Zeitversetzt, einige Auszüge aus diesem Buch, mit der Genehmigung des Herausgebers Otto Rodamer, zum lesen anbieten. Der Autor Josef Schoppelt war ein gebürtiger Mühlbacher Handwerkermeister der seine Lebenserinnerungen aus dieser Stadt, auf die Bitte seiner Familie und anderer, sich entschloss diese Zeilen zu Papier zu bringen.

Das Buch handelt von der Strukturierung, den Bedingungen und Art des Lebens in der Zeitspanne zwischen den Jahren 1848 bis 1929 in Mühlbach.

Ich spreche hiermit meinen Dank an den Herausgeber aus, für die Genehmigung Auszüge aus diesem Werk auch in digitaler Form bekannt zu machen.

Ich möchte den Lesern dieser Seite hiermit die Empfehlung aussprechen, dieses Buch zu erwerben und zu lesen. Es ist eines der sachlichsten Beschreibungen der Bedingungen und Lebensweise der Mühlbacher Bevölkerung von einst. (Alte Begriffe sind vom Herausgeber erläutert)   

Das Buch kann hier bestellt werden: http://www.book-on-demand.de/catalog

oder:

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so wie in allen Buchhandlungen!

 

Horst Theil

Zigeuner


Zigeuner

 – Wanderzigeuner –

Mancher wird sich wundern warum ich einen Artikel über Zigeuner schreibe. Ganz einfach. Wenn wir über Mühlbach sprechen, und seine Geschichte rückblickend betrachten, werden wir feststellen dass diese Volksgruppe seit frühester Zeit eng mit dem Leben und Geschehen in unserer Stadt verbunden und verwoben war und heute noch ist.

Nach neuesten Feststellungen ist belegt dass Mühlbach eine der größten zusammen hängenden Siedlungen mit Zigeunerischer Bevölkerung  besitzt.

In der Vergangenheit dienten viele Zigeuner in der sächsischen und durlacherischen Bevölkerung von Mühlbach als Knechte, Mägde und Waschfrauen. Desgleichen verrichteten sie auch Gelegenheitsarbeiten wie: Holzsägen und spalten, Arbeiten auf dem Hof  und im Garten, das Klosett zu entleeren und noch andere Arbeiten. Das gilt nur für die In Mühlbach ansässigen Zigeuner, nicht für die Wanderzigeuner. Für die Zigeuner gilt das Motto „ Wenn es mir heute gut geht dann bin ich Glücklich und zufrieden, was morgen ist werden wir sehen“.

Sie zeigen es gerne wenn sie Geld haben und kaufen immer das Beste und größte egal was es ist, das größte Huhn, das größte Schwein oder Lamm,  sogar den größten Fernseher.

Dazu möchte ich ihnen eine kleine Begebenheit erzählen.

Ich war im letzten Lehrjahr zum Beruf des Elektrikers bei der Handwerkervereinigung Unirea. Ein da beschäftigter Zigeuner sprach mich an ob ich gewillt sei im einen Fernseher zu installieren mit Antenne und allem was dazu gehörte.

Mein Meister sagte ich sollte doch gehen und dem armen Teufel helfen denn er hat viele Kinder und verdiene nicht so gut. Na ja ich ging in die Ziganie und fand auch seine Hütte.

Er wusste schon bescheit und wartete schon, da die Kundschaft sich rasend schnell verbreitete (vine curentaru). Wahrscheinlich hatte er schon damit geprallt.

Der Empfang viel herzlich aus. Als erste Maßnahme wurden die eigenen und die Nachbarkinder verscheucht um nicht den „ Curentar“ zu belästigen.

Ich nahm meine Werkzeugtasche vom Fahrrad und folgte ihm in die Hütte. Die bestand nur aus einem Raum (mit Frau und 5 Kindern). Aber was sah ich da? Er hatte tatsächlich den Größten damals erhältlichen Fernsehapparat auf dem Tisch stehen, einen „ Opera“.

Daneben auf dem Boden die größte Antenne für terrestrischen Empfang (mit 12 Elementen) obwohl auch eine kleinere ausreichend gewesen währe. Na gut. Als nächstes wurden die Kinder und Nachbarn die sich in windes Eile am weit offen stehendem Fenster versammelt hatten wieder angemahnt man solle doch nicht auf SEINEN NEUEN Fernseher starren und den Herrn „Curentar“ stören, den schließlich und endlich wäre diesem sein Beruf nicht Strassen kehren wie ihrer. Na prosit. Ich fing an die Antenne zusammen zu bauen. Als ich damit fertig war fragte ich wo den der Fernseher stehen soll. Na ja der sei noch nicht fertig, ein Freund von ihm wollte ihm einen anfertigen, und bis dann soll er auf den Kleiderschrank. Nach einigem hin und her stand er dann dort und passte gerade noch so unter die Decke. Die Frau wurde weggejagt um Essen und Trinken für den MEISTER zu kaufen, aber ihr eingebläut ja Fleischkonserven zu Kaufen und das Brot vom Verkäufer einpacken zu lassen und nicht mit den Fingern anpacken. Na gut.

Ich fragte wo ich eine Leiter finden kann um auf den Speicher zu gelangen für die Montage der Antenne. Die gab es nicht. Dann schickte er die Kinder um vom „Domnu Nicu“ wer immer das auch war, eine Leiter zu leihen.

Ich musste feststellen dass auch kein Rohr da war um Die Antenne zu befestigen.

Er hätte keines bekommen, und schickte dann wieder die Kinder sie sollten im Nahen Weingarten einen Stecken „ besorgen“. Inzwischen kam die Frau vom Einkauf und kassierte prompt eine Abfuhr, was sie den denke ohne etwas sauerem zu kommen den der Meister könne nicht ohne „muraturi“ Fleisch essen. Sie wurde wieder weggeschickt um saure Gurken von der Doamna Ani zu besorgen.

Inzwischen kamen auch die Kinder wieder und brachten den „Antennenmast“. Ich begann mit der Montage, und als ich fertig war beauftragte ich ihn am Fernsehgerät zu bleiben und mir sagen wann der beste Empfang ist um die Antenne auszurichten. Nach einigem hin und her klappte es und er schrie: „MEIN FERNSEHER hat ein sehr gutes Bild“. Jetzt wurden die Nachbarn nicht mehr vom Fenster verscheucht, man genoss es förmlich die neidvollen Blicke der anderen zu sehen, wahrscheinlich bis späht abends. Höflichkeitshalber aß ich ein paar Bissen von der Konserve und machte mich dann auf den Heimweg.

Ziegeunerviertel.

Zigeunersiedlung in Mühlbach von einst

(Foto Kloos)

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Wanderzigeuner

Horst Theil


 

Was bedeutet der Begriff Zigeuner?

 Zigeuner ist der Sammelbegriff für alle Gruppen und Untergruppen dieser Volksgruppe, die als Basissprache Romanes benutzen. Romanes gliedert sich in ungefähr 60 Dialekte, die wiederum mit Fremdwörtern aus der Region in der die Gruppe oder Untergruppe lebt durchzogen ist. Bis vor kurzem besaß diese Sprache keine schriftliche Form. Heute sind große Bemühungen dieser Sprache eine schriftliche Form zu geben im Gange.

Diese Sprache besaß auch eine Schutzfunktion, und bei einigen Gruppen strengstens verboten die Sprache an nicht Zigeuner weiter zu geben, mit der Begründung das die anderen nicht den Innhalt der Gespräche verstehen können und sollen.

Es gibt zwei Bezeichnungen dieser  Bevölkerung: Die Roma und die Sinti.

Sinti sind hauptsächlich im Deutschsprachigen Raum.

Die Roma (Mehrzahl) Rom (Einzahl) das bedeutet soviel wie „ Mann“ oder „Mensch“ auf Romanes,  Romni oder Romnija.

In manchen Regionen nennen sich die Roma auch: Ashkali, Curari, Kalderasch, Lovara oder Manouches.

Woher kommen die Zigeuner? Mann weiß es nicht wirklich genau. Laut Sprachforschung sollen sie dem Indischen Zentralterritorium entstammen und nach längerem Aufenthalt im Nord-Westlichem Teil des Subkontinentes (wahrscheinlich heutiges Pakistan), über Kleinasien bis nach Süd-Ost Europa gekommen seien.

Die sozialen Strukturen beruhen auf Verwandtschaftlichen Beziehungen hauptsächlich in der Großfamilie, die überhaupt den gesamten Zusammenhalt der Volksgruppe ermöglichen.

Bei den Kalderasch heißt diese tsera, was Zelt bedeutet. Bei anderen Roma- Gruppen Satra (bei den Kalderasch). Mehrere Satra bilden einen Großverband (njamuri oder niamo). Mehrere Großverbände (beiden Kalderasch) bilden eine Vitsa. Die nächste Stufe ist die Natia oder Rasa.

Der Natia steht ein Ältester vor mit der Bezeichnung: Baro (Großer), Sero (Haupt oder Fürst). Dieser ist zu erkennen an der besonderen Bekleidung und an einem Bart.

In manchen Großverbänden hat auch eine besonders lebenserfahrene Frau, die Puri Daj (Großmutter) eine große bedeutende Rolle.

Die ökonomische Einheit ist die kumpania als offener, lockerer Zusammenschluss gemeinsam wirtschaftender Angehöriger mehrerer Familienverbände. Sie reagiert flexibel auf die jeweils gegebenen wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen, ihre Zusammensetzung ist also einer fortwährenden Veränderung unterworfen. Gleichzeitig verlangt sie uneingeschränkte Kooperation und die Einhaltung der gruppeninternen Regelungen, deren Missachtung vom traditionellen Gericht der Roma, der kris, geahndet werden kann. Jede kumpania beansprucht einen geografisch oder ökonomisch gegen andere kumpania abgegrenzten Raum.

In der kris, einem Schiedsgericht, klären Roma auch heute noch Streitigkeiten innerhalb einer Gruppe. Die „(Recht)Sprecher“ werden dafür von Fall zu Fall von den Kontrahenten einvernehmlich bestimmt. In der Regel sind das drei bis fünf Personen, die sich in der Vergangenheit durch kluge Urteile einen Namen gemacht haben. Auch Ehen werden durch eine kris bestätigt. Einberufen kann sie jeder, der einen Konflikt mit einem anderen auszutragen hat. Verstöße können im äußersten Fall mit dem sozialen Ausschluss sanktioniert werden.

Traditionelle Roma legen Wert auf zahlreiche interne Regeln des sozialen Lebens, der Hygiene wie der „Reinheit“ in einer übertragenen Bedeutung. Die Unterscheidung zwischen rein ([sch]uscho) und unrein (mahrime) ist von herausragender Bedeutung, von ebenso großer Bedeutung wie die (und eng verknüpft mit der) Unterscheidung zwischen Leben und Tod. Frauen unterliegen eigenen Reinheitsvorstellungen. Menstruation und Geburt gelten als unrein mit der Folge besonderer Umgangsweisen. Es handelt sich hier nicht um eine exotische Eigenart der Roma Kultur, denn in der christlichen Kultur, in islamischen und orthodox-jüdischen Kulturen finden sich ganz ähnliche Vorstellungen. Wer aus diesem oder anderen Gründen für unrein erklärt wird, darf mit seinen Leuten keine Tischgemeinschaft haben und weder essen noch trinken. Es existiert eine Fülle von Einzelregelungen zur Meidung „unreiner“ Bedeutungsträger. Sinti vertreten ein besonders ausführliches Meidungssystem und Regeln strikter Abgrenzung gegenüber der Mehrheitsbevölkerung. Dazu gehört das Verbot, Nicht-Roma (gadsche) über den Dialekt der Gruppe, die sintengheri tschib (auch einfach: mari tschib = unsere Sprache) zu informieren. Das kann bedeuten, dass man es vorzieht, als „Zigeuner“ statt als Sinto bezeichnet zu werden. Alle medizinischen und Pflegeberufe, die mit Krankheit und Tod in Berührung kommen, ferner alle Berufe, die mit Tierfleisch und -blut zu tun haben, gelten traditionellen Sinti als unrein.

Musik spielt im Alltag der Roma häufig eine große Rolle, musikalische Darbietungen nehmen bei Festen in der Regel eine zentrale Stellung ein. Sie ist also nicht eine Beschäftigung nur für einige Musikenthusiasten, sondern tief in der Kultur verwurzelt und Teil der Alltagskultur. Weil die Musik stets auch dem Broterwerb diente, nahm sie immer schon Elemente aus den umgebenden Mehrheitskulturen auf. Es entwickelten sich als regionale Varianten der Roma -Musik sehr unterschiedliche Stile und Instrumentierungen.


 

Dr. Heinrich von Wlislocki

Dr. Heinrich von Wlislocki
(*9.7.1856 – † 19.2.1907)

Dr. Heinrich von Wlislocki,
Ethnologe, Sprachforscher und Tsiganologe geb. zu Kronstadt in Siebenbürgen am 9. Juli 1856. Der Sohn eines kaiserlichen Finanzbeamten, erhielt er seine erste Ausbildung an dem Honterus – Gymnasium seiner Vaterstadt und bezog 1876 die Universität in Klausenburg, an welcher er vornehmlich humanistische Studien betrieb und unter diesen mit Vorliebe der Germanistik und Philosophie oblag. Da nötigte ihn der Tod seines Vaters, auf eigenen Erwerb bedacht zu sein, den er kümmerlich als Hauslehrer fand. Indessen trieb er seine Studien fort, bereitete sich für ein öffentliches Lehramt vor, erlangte 1879 die philosophische Doktorwürde, lebte die folgenden Jahre als Privatgelehrter an verschiedenen Orten Ungarns und Siebenbürgens, bis er 1884 eine Professur zu Rosenau in Ungarn erhielt. Wlislocki wählte einen Gegenstand zu seinen Forschungen, über den die Gelehrten verschiedener Völker noch lange nicht einig, und den erst in jüngster Zeit ein Spross unseres erlauchten Kaiserhauses zu seinen eindringenden Studien erkoren: die Zigeunersprache.
Im Druck sind von ihm, (in deutscher Sprache 80 Bücher), unter anderen zum Thema Zigeuner erschienen: „Heideblüten. Volkslieder der transsilvanischen Zigeuner“ (Leipzig 1880); – „Eine Hildebrandsballade der transsilvanischen Zigeuner“ (ebd. 1880); – „Die Sprache der transsilvanischen Zigeuner“ (ebd. 1883); – ferner in der ungarischen Zeitschrift „Egyetemes philologiai közlöny“ d. i. Allgemeine philologische Revue, redigirt von Dr. Thewrewk und Dr. G. Heinrich, 1883, Heft 1 die Abhandlung: „Magyarból átvétt czigány szavak“, d. i. Ungarische Lehnwörter im Zigeunerischen; und ebenda: „Abhandlung über Zigeunerromanzen“‘ – „Adalék a czigány nyelvészet történelméhez“, d. i. Beitrag zur Geschichte der Zigeunerphilologie (Klausenburg 1881) und in der von Paul Hunfalvi und Gust. Heinrich herausgegebenen „Ungarischen Revue“ 1884: „Zur Volkskunde der transsilvanischen Zigeuner“ [IV. Heft, S. 229 bis 258 und V. Heft, S. 343 bis 358], ein ungemein interessanter Essay; 1886: „Vier Märchen der transsilvanischen Zigeuner. Inedita. Originaltexte nebst Verteutschung und Glossar“ [Seite 219 bis 236]. Außerdem behandelt Wlislocki seinen Gegenstand in mehreren Feuilletons verschiedener Zeitschriften. Hunfalvi (Paul). Ungarische Revue. Mit Unterstützung der ungarischen Akademie der Wissenschaften (1881) S. 85.

Quelle Text: (Wikisource)
Quelle Bild: Manuscripts and more. Special Collections & Archives at the University of Liverpool Library


Dr. Heinrich von Wlislocki verstarb am 19 Februar 1907 in Klosdorf bei Kleinkopisch (Sânmiclăuș, Alba). Unter unbekannten Umständen wurde er auf dem Evangelischen Friedhof in Mühlbach (Sebes – Alba), in einem heute der Fam. Daniel gehöhrenden Grab beigesetzt. Sein Name ist auf dem Grabstein nicht vermerkt.

Horst Theil


Beitrag geschrieben und zusammengestellt von: Horst Theil

Quelle Text: Wikipedia.org ;Wikisource

Quelle Bild: Manuscripts and more. Special Collections & Archives at the University of Liverpool Library 

 

An meine Leser


Mit diesen Zeilen adressiere ich mich an meine Leser und besonders an die, die eine Bindung zu Mühlbach in Siebenbürgen haben oder Verspüren.

Warum ich diese Seite überhaupt gegründet habe steht ja auf der Startseite, aber ich möchte hiermit noch einige Gründe hinzufügen, die ich im Laufe der Zeit als Bestätigung empfand dass dieser Entschluss richtig war.

Ich versuche auf dieser Seite so viele Informationen über Mühlbach zu vereinen wie überhaupt möglich ist. An dieser Stelle möchte ich mich bei allen bedanken die mir zur Seite gestanden haben und noch weiter stehen werden. Die Erfahrung zeigt dass das Internet eine gute Quelle ist an Informationen für Interessierte heranzukommen, aber man nicht auf die Erinnerungen von Zeitzeugen, mögen die niedergeschrieben oder erzählt sein, verzichten  kann. Meistens sind das Informationen die in keinem der Geschichtsbücher geschrieben stehen. So wie die meisten Mühlbacher wissen das eine Ortsmonographie der Stadt Mühlbach sich in der Entstehungsphase befindet, wo unter anderem viele Themen die ich auf dieser Seite behandelt habe auch zu finden sein werden, möchte ich hiermit trotz allem noch einmal ein Appell an alle willigen machen ihre Erinnerungen an Mühlbach nieder zu schreiben. Der Grund dafür ist das in dem Buch bei weitem nicht die ganzen Erfahrungen und Erinnerungen unserer wunderbaren Heimatstadt und ihrer Bewohner oder ehemaligen Bewohner erfasst werden können. Ich schätze dass diese Erinnerungen nicht verblassen sollten in Hinsicht dass die meisten ausgewanderten in einem komplett anderen Umfeld leben und besonders ihre Nachkommen.

Ich habe schon Äußerungen vernommen das ich mich in etwas verrannt habe und das nicht normal wäre aber ich glaube daran und schätze dass ich nichts verkehrt mache. Lieber etwas machen, oder zu versuchen etwas zu machen an stelle überhaupt nichts, und warten das andere das machen.

Ja, vielleicht habe ich kein Talent zu schreiben, möge mir dies verziehen sein, ich bin kein Gelehrter und kein Schriftsteller. Wen jemand gewillt ist zu den Kategorien dieser Seite einen Beitrag zu verfassen, hier meine E-Mail Adresse : horsttheil@online.de

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Horst Theil