Der Hirte vom „Roten Berg“


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Die Wiese zur Linken der Steilwand

Es war Ende der 70-er Anfang der 80-er Jahre. In dieser Zeit war das tägliche Leben in Mühlbach, so wie in ganz Siebenbürgen, keine einfache Sache. Da alles ziemlich teuer war, musste jeder sehen das er mit dem Einkommen der Familie zurecht kam. Wie ich schon bei anderer Gelegenheit erwähnte, musste man Bekanntschaften und Verbindungen in fast allen Bereichen haben, um einiger Maßen an Sachen des täglichen Lebens heranzukommen.

Das soll nicht heißen das man etwas geschenkt bekam, man musste alles bezahlen aber man musste durch Beziehungen an das gewünschte erst mal heran kommen. Dann war auch der Tauschhandel noch üblich. Ich möchte ihnen ein kleines Beispiel aus meiner Erinnerung schildern.

Eines Tages als ich wieder einmal am Zeckesch angeln war, bemerkte ich auf der anderen Seite des Zeckesch, auf den Wiesen die bis zur Hälfte des roten Berges reichten, alles weiße Punkte. Da das Angeln nicht besonders gut lief, und meine Neugierde geweckt war, beschloss ich der Sache auf den Grund zu gehen. Ich musste ein Stück Flussaufwärts fahren um an die Furt zu gelangen wo ich mit dem Moped durch den Zeckesch ans andere Ufer gelangen konnte. Ich näherte mich der Wiese zur Linken Seite der Hauptschlucht, und Stellte fest das die aus der Ferne gesehenen weißen Punkte sich als Wiesenchampignons entpuppten.

Na, dachte ich, wenn keine Fische dann wenigstens Pilze“

Ich stieg ab und suchte eine festere Stelle wo ich mein Moped aufbocken konnte. Dann sammelte ich einige Pilze bis meine Umhängetasche voll war. Ich ärgerte mich das ich nur diese, für meine Anglersachen mit hatte, den es waren sehr viel mehr Pilze als ich darin unterbringen konnte. Da der Tag noch jung war, beschloss ich Heim zu fahren und eine größere Tasche mit zu nehmen. Gesagt getan. Ich lieferte die gesammelten Pilze Daheim ab und nahm einen Rucksack mit. Die noch vorhandenen Pilze reichten noch den Rucksack zur Hälfte zu füllen, den Mittlerweile waren noch andere Leute zum Pilze sammeln erschienen.

Da ich den Roten Berg in und auswendig kannte wusste ich das ober „ dem roten“ noch ausgedehnte Wiesen waren und wahrscheinlich auch da Champignons zu finden waren. Diese Wiesen grenzten an den Daiaer Wald. Der Weg dahin führte weit zur Linken der Steilwand nach oben. Da ich aber mit dem Moped war wollte ich es nicht da unterhalb stehen lassen, und wog ab mit diesem den Weg nach Oben zu wagen. Das war nicht ungefährlich den es ging ziemlich steil nach Oben auf einer Länge von ungefähr drei bis vierhundert Meter. Da mein Moped keine Kross-Maschine war, hatte ich so meine Bedenken. Bis zu Letzt ging ich aber das Risiko ein. Ich legte den ersten Gang ein und gab Vollgas. Unter dem höllischen Lärm den der misshandelte, aufheulende Motor machte , ging es aber stetig Aufwärts. Nach unendlichen Minuten langte ich mit ach und Krach auf der Oberen Wiese an.

Nun überschlugen sich die Ereignisse, ich landete nach dem Austritt aus den Büschen, die den Weg dahin säumten, mitten in einer Herde Kälber. Die Hunde kamen kläffend, durch den Krach den ich verursachte, in meine Richtung gerannt. Es waren vier an der Zahl. Die Kälber die näher an mir waren stoben auseinander. Aus der Ferne hörte ich Lautes Pfeifen und eine Männerstimme die die Hunde zurückrufen. Nach einigen Augenblicken sah ich auch den Hirten der hinter einigen Büschen hervorkam und in meiner Richtung mit zügigen Schritten kam. Ich stellte den Motor ab und harrte dem das nun kommen sollte. Die Begrüßung war frostig. Der Mann war böse das ich seine Herde fast zu einer Stampede gebracht habe. Nach einigem hin und her legten sich die Gemüter und es begann ein normales Gespräch. Der Mann war so um die 60 – 65 Jahre alt. Er sagte mir ich solle mit ihm zur „Stîna“ kommen den er habe keine Lust den ganzen Tag da stehend zu verbringen, also folgte ich ihm. Seine Hütte konnte ich vorhin wegen den Büschen nicht sehen. Diese war nicht wirklich als Hütte zu betrachten, es war ein Gebilde aus Ästen und Laub, aber alles mit einer alten Zeltplane abgedeckt und so einiger Massen Wasser- und Windfest. Die Einrichtung bestand aus einem ebenfalls aus Ästen gefertigtem Nachtlager, einigen Wolldecken und Aluminiumgeschirr.

Neben der „Hütte“ waren noch ein eingezäunte Fläche wo zwei Schweine waren, und eine nächster mit einer Kuh.

Nach dem ich ihm erzählt hatte was ich da oben wollte begann auch er mir seine Geschichte zu erzählen. Ich erfuhr das er der Hirte vom Kollektiv, der für die Herde mit dem Jungvieh zuständig sei, war. Der praktisch den ganzen Sommer über da oben war und die Herde betreute. Die ganze Zeit des Diskussion immer wieder unterbrochen mit einem Schluck Schnaps und Zigaretten die er von mir dankend annahm.

Er bot mir zum Schluss an, wenn ich nochmal den Weg hierhin hätte, sollte ich im vielleicht eine Flasche Wein oder Schnaps und einige schachteln „Nationale“ (Zigaretten) mit bringen. Als Gegenleistung wolle er mir Frische Milch geben.

Das tat ich dann auch des öfteren, ich brachte ihm jedes mal einen Liter von meinem Hauswein und zwei Pack „Nationale“ und bekam jedes mal 5 Liter frische und nicht gerahmte Milch.

So war für meine Familie, den Sommer über, der Bedarf an frischer und guter Milch so wie an frischem Rahm gedeckt.

Dieses ist ein Beispiel der Beziehungen und Warentausch den ich am Anfang dieser Zeilen erwähnt hatte. Daraus entwickelte sich eine dauerhafte Beziehung. Die sollte erhalten bleiben bis zu meiner Ausreise nach Deutschland.

Das war auch eine Erinnerung an Mühlbach und das Leben in dieser Stadt.

Horst Theil

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