Ereignisse im Laufe der Zeit in der Altgasse


Ich habe schon so einiges über die Altgasse geschrieben. Ich erinnere mich noch so an einige Sachen die ich euch auch erzählen möchte. Wie ihr Mittlerweile wisst habe ich lange Jahre meines Lebens in dieser Gasse verbracht und im Laufe dieser Zeit hat sie mehrere Veränderungen erlebt.
In der Altgasse Standen noch viele alte Durlacher Häuser. Die Strasse war in meiner Kindheit noch so wie in Gründerzeiten, nicht befestigt, keine befestigten Trottoire, keine Kanalisation, kein Wasser, kein Gas. Die Stromleitungen auf Holzmasten gemeinsam mit der Lautsprecherleitung. Die Telefonleitungen auf „Telegrafenmasten“ aus Holz. Jedes Haus hatte einen Brunnen zur Wasserversorgung. Das Abwasser von den wenigen Bädern wurde in Angelegte Sickerbrunnen geleitet um im Erdreich zu versickern. Die Meisten Häuser hatten ein Plumps Kloo das im hinteren Hof oder am Anfang im Hausgarten stand.
Die auf beiden Seiten der Strasse existierenden Metzen mussten von den Bewohnern der Häuser selbst gesäubert und in Standgehalten werden, so wie die Brücken die über diese zu den jeweiligen Gassentoren führten. Wenige dieser Brücken waren aus Zement der überwiegende Teil davon aber aus Holz. Im Sommer erstickte man am Staub den die Autos auf Ihrem Weg zur Schlachtbrücke aufwirbelten, so das man nur selten, und wenn, dann am Abend oder in der Nacht die Fenster geöffnet halten konnte. Dagegen im Herbst und bei heftigem Regen versank man im Morast und Dreck. In den heftigen Wintern war keine Schneeräumung man musste Schneeschaufeln und nicht zu knapp. In manchen Wintern sah man nicht wen auf der anderen Strassen Seite jemand vorbeiging.
Das war so ungefähr der Zustand der Altgasse in meiner Kindheit. Am Anfang der 60- er wurde ausgetrommelt das die Bewohner der Altgasse sich darauf einstellen sollten das die Strasse gepflastert wird, und jeder sich alles für den Winter besorgen solle da eine Durchfahrt ab dem und dem Datum, wegen den Arbeiten, nicht mehr möglich sei.
Das wurde befolgt. Die Leute besorgten sich das Brennmaterial und alles was mit Fahrzeugen transportiert werden musste für den Winter. Wer im Moment kein Geld dafür hatte, lieh sich welches den die Zeit drängte. Eines Morgens kamen Bagger und Kipperfahrzeuge (Basculante) angefahren mit einer Kolonne Straßenarbeiter. Von der Straßedecke wurden ca. 20 cm auf der ganzen Länge abgetragen und weggefahren. Dann rückten die Autos mit gelbem Sand vom Galgenberg an, der auf die ganze Länge der Strasse abgekippt und gleichmäßig verteilt wurde. Mittlerweile war ein ganzer Monat vergangen. Dann kam LKW nach LKW mit Bachsteinen („Katzenköpfe“) die wiederum verteilt wurden. Erst jetzt begannen die Pflasterer mit ihrer Arbeit. Die Randsteine wurden verlegt und gleichzeitig mit dem Pflastern begonnen.
Auf vier Reihen, mit vier Mann, wurde von einem Ende der Strasse begonnen. Das Pflastern mit Bachsteinen war eine ganz andere Arbeit als heute mit genormten Pflastersteinen. Die Steine mussten per Hand ausgewählt, damit sie irgendwie zueinander passten, und dann wiederum in das Sandbett gleichmäßig angepasst und in der angegebenen Höhe gesetzt werden. Hinter jedem Pflasterer war noch ein Arbeiter der mit einem riesigen Stampfer die Steine der gepflasterten Fläche gleichmäßig nieder klopfte so das eine ebene Fläche der Fahrbahn entstand. Dann wurde über die fertige Fahrbahn wieder kräftig gelber Sand vom Galgenberg (Gorgan) verstreut damit der sich gut zwischen die Steine festsetzte. Da dieses alles in Handarbeit geschah, wurden pro Tag nur etwa 10 bis 15 Meter Fahrbahn fertig gestellt. Im Zuge dieser Arbeiten wurde die Mühlgasse gleich mitgepflastert bis zur Alten Post an die Große Kreuzung. So wie die Arbeiten fortschritten begannen die Bewohner die Metzen zu säubern und das Erdreich das von den Arbeiten übrig gelassen wurde zu verteilen und alles wieder in Ordnung zu bringen. Vom Ende der Altgasse und bis zur alten Post dauerten die Arbeiten fast zweieinhalb Monate. Welch ein Segen. Nun waren wenigstens die Staubmenge im Sommer ein bisschen geringer und die tiefen Furchen, wenn es regnete, in der Strasse verschwunden.
Es blieben aber noch immer die Bürgersteige auf denen man im Dreck versank wenn es regnete. Dieses sollte sich noch ein paar Jahre dahin ziehen. Im Jahre 1968 wurde dann gehandelt. Jedes Haus bekam die benötigte Anzahl an Zementsäcken und Schotter vor das Gassentor gesetzt, mit der Verordnung vom Sfat die Betonierung der Bürgersteige selber vorzunehmen. Na ja, wie das so war, begannen manche früher manche Später und so war die Altgasse wieder einmal für längere Zeit Baustelle. Die Leute nahmen das gerne in Kauf weil sie wussten dass jetzt Schluss war mit Dreck und Staub. Manchmal sogar halfen die Nachbarn sich untereinander beim Betonieren da ja nicht jeder wusste wie so etwas gemacht wird. Die Finanziell besser gestellten beauftragten Fachleute für diese Arbeit. Als alles fertig war konnte man deutlich die Unterschiede von den einzelnen Abschnitten beobachten.

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Zwei alte Häuser der Altgasse
nach dem betonieren der Gehsteige.
(Foto: Theobald Streitfeld)

Als nächstes Ereignis wäre zu erwähnen dass in dieser Zeit auch die Stromleitungen in der Altgasse erneuert wurden und das in zwei Etappen. Als erstes wurde neben jeden hölzernen Strommast einer aus Beton gepflanzt. Dann wurden diese mit der gleichen Anzahl Isolatoren bestückt wie die alten. Die dünnen Kupferleitungen (Überbleibsel aus der Zeit als die Netzspannung 110 V betrug) wurden mit dickeren Aluminium Leitern ersetzt. Die ganze Mannschaft vom E-Werk war in diese Umbauten mit eingebunden. Trotz allem dauerte es fast zwei Wochen, mit notdürftiger Stromversorgung, bis alles fertig war. Das Letzte Ereignis über das ich an dieser Stelle schreiben möchte war das Teeren der Fahrbahn. Nach ein Paar Jahren merkte man schon dass das Pflaster anfing dem regen Verkehr der Altgasse Tribut zu zahlen. Also wurde beschlossen die Strasse zu teeren. Die Strassen Kolonne rückte mit einer Uhralten Straßenwalze und mehreren alten „Steagu rosu“ Kippern (Basculante) an. Von wo der Teer gebracht wurde weiß ich nicht mehr, aber die Arbeiten gingen nur ruckweise vornan. Der Grund war das der Teer nur mit 5- Tonern angefahren und alles von Hand verteilt wurde, um nachher mit einem von vier Männern gezogenem Brett nivelliert. Anschließend fuhr die altersschwache Walze alles glatt. Diese Arbeiten, und Gestank natürlich, dauerten auch noch mal fast zwei Wochen.
Das waren so im Großen die Veränderungen die ich so miterlebt habe außer einer wichtigen, der Umbau der Lederfabrik, den ich euch aber ein andermal erzählen werde.

Horst Theil

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